Die
völlige Umänderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa fünf
und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der höhere Standpunkt, den das
Selbstbewußtseyn des Geistes in dieser Zeitperiode über sich erreicht
hat, hat bisher noch wenig Einfluß auf die Gestalt der Logik gehabt.
Dasjenige,
was vor diesem Zeitraum Metaphysik hieß, ist, so zu sagen, mit Stumpf
und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der Wissenschaften
verschwunden. Wo lassen oder wo dürfen sich Laute der vormaligen
Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie oder selbst gar
der vormaligen natürlichen Theologie noch vernehmen lassen?
Untersuchungen, zum Beispiel über die Immaterialität der Seele, über
die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch ein Interesse
finden? auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes werden nur
historisch, oder zum Behufe der Erbauung und Gemüthserhebung angeführt.
Es ist dieß ein Faktum, daß das Interesse Theils am Inhalte, Theils an
der Form der vormaligen Metaphysik, Theils an beiden zugleich verloren
ist. So merkwürdig es ist, wenn einem Volke, z.B. die Wissenschaft
seines Staatsrechts, wenn ihm seine Gesinnungen, seine sittlichen
Gewohnheiten und Tugenden unbrauchbar geworden sind, so merkwürdig ist
es wenigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit
seinem reinen Wesen sich beschäftigende Geist kein wirkliches Daseyn
mehr in demselben hat.
Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie, - daß der Verstand die Erfahrung nicht überfliegen dürfe, sonst werde das Erkenntnisvermögen theoretische Vernunft, welche für sich nichts als Hirngespinnste
gebähre, hat es von der wissenschaftlichen Seite gerechtfertigt, dem
spekulativen Denken zu entsagen. Dieser popularen Lehre kam das
Geschrei der modernen Pädagogik, die Noth der Zeiten, die den Blick auf
das unmittelbare Bedürfniß richtet, entgegen, daß, wie für die
Erkenntniß die Erfahrung das Erste, so für die Geschicklichkeit im
öffentlichen und Privatleben, theoretische Einsicht sogar schädlich,
und Uebung und praktische Bildung überhaupt das Wesentliche, allein
Förderliche sey. - Indem so die Wissenschaft und der gemeine
Menschenverstand sich in die Hände arbeiteten, den Untergang der
Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare Schauspiel
herbeigeführt zu werden, ein gebildetes Volk ohne Metaphysik zu
sehen; - wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmückten Tempel ohne
Allerheiligstes. - Die Theologie, welche in frühern Zeiten die
Bewahrerin der spekulativen Mysterien und der obzwar abhängigen
Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegen Gefühle, gegen das
Praktisch-populare und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher
Veränderung entsprechend ist, daß anderwärts jene Einsamen, die
von ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu
dem Zwecke, daß die Kontemplation des Ewigen und ein ihr allein
dienendes Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des
Segens willen, - verschwanden; ein Verschwinden, das in einem andern
Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das vorhin
Erwähnte, betrachtet werden kann. - So daß, nach Vertreibung dieser
Finsternisse, der farblosen Beschäftigung des in sich gekehrten Geistes
mit sich selbst, das Daseyn in die heitere Welt der Blumen verwandelt
zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine schwarze giebt.
Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. Daß man durch sie denken lerne,
was sonst für ihren Nutzen und damit für den Zweck derselben galt, -
gleichsam als ob man durch das Studium der Anatomie und Physiologie
erst verdauen und sich bewegen lernen sollte -, dieß Vorurtheil hat
sich längst verloren, und der Geist des Praktischen dachte ihr wohl
kein besseres Schicksal zu, als ihrer Schwester. Dessen ungeachtet,
wahrscheinlich um einigen formellen Nutzens willen, wurde ihr noch ein
Rang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurde selbst als
Gegenstand des öffentlichen Unterrichts beibehalten. Dieß bessere Loos
betrifft jedoch nur das äußere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt
ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange Tradition
fortgeerbt, jedoch in dieser Ueberlieferung immer mehr verdünnt und
abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft nicht
weniger als der Wirklichkeit aufgegangen ist, hat sich in ihr noch
nicht verspüren lassen. Es ist aber ein für allemal vergebens, wenn die
substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die Formen
früherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blätter, welche von
den neuen Knospen, die an ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestoßen
werden.
Mit dem Ignoriren
der allgemeinen Veränderung fängt es nach gerade an, auch im
Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind selbst den
Gegnern die andern Vorstellung geläufig und eigen geworden, und wenn
sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd spröde thun und sich
widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafür die Konsequenzen
sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich nicht zu
erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden negativen
Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine positive
Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie in den neuen
Vorstellungsweisen mitsprechen.
Von der andern Seite scheint die Zeit der Gährung, mit
der eine neue Schöpfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten
Erscheinung pflegt eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit
gegen die ausgebreitete Systematisierung des frühen Princips zu
verhalten, Theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des
Besondern zu verlieren, Theils aber die Arbeit die zur
wissenschaftlichen Ausbildung erfordert wird, zu scheuen, und im
Bedürfnisse einer solchen zuerst zu einem leeren Formalismus zu
greifen. Die Anforderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes
wird nun um so dringender. Es ist eine Periode in der Bildung einer
Zeit, wie in der Bildung des Individuums, wo es vornehmlich um
Erwerbung und Behauptung des Princips in seiner unentwickelten
Intensität zu thun ist. Aber die höhere Forderung geht darauf, daß es
zur Wissenschaft werde.
Was
nun auch für die Sache und für die Form der Wissenschaft bereits in
sonstiger Rücksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft,
welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie
ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlässigt gesehen. Was ich
unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte näher verstehe, habe
ich in der Einleitung vorläufig angegeben. Die Nothwendigkeit,
mit dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur
des Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche für die
vorgenommen Umbildung hätten benutzt werden können, mögen bei billigen
Beurtheilern in Rücksicht kommen, wenn auch eine vieljährige Arbeit
diesem Versuche nicht eine größere Vollkommenheit geben konnte. - Der
wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es überhaupt um einen neuen Begriff
wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, indem sie
Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwärts erinnert habe, hierzu
ihre Methode nicht von einer untergeordneten Wissenschaft, wie die
Mathematik ist, borgen, so wenig als es bei kategorischen
Versicherungen innerer Anschauung bewenden lassen, oder sich des
Raisonnements aus Gründen der äußern Reflexion bedienen. Sondern es
kann nur die Natur des Inhalts seyn, welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt, indem zugleich diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt.
Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands in Nichts auflöst; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine
erzeugt, und das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas
Getrenntes von der Vernunft überhaupt, so pflegt auch die dialektische
Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu
werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der
höher als Beides, verständige Vernunft, oder vernünftiger Verstand ist.
Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualität sowohl, der
dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht; - er negirt das
Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des Verstandes, er
löst ihn eben so sehr auf, so ist er dialektisch. Er hält sich aber
nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin ebenso positiv,
und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines,
das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein gegebenes
Besonderes subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der Auflösung
desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige
Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, und in
dieser ihre Gleichheit mit sich selbst giebt, die somit die immanente
Entwickelung des Begriffes ist, ist die absolute Methode des Erkennens,
und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst. - Auf diesem sich
selbst konstruirenden Wege allein, behaupte ich, ist die Philosophie
fähig, objektive, demonstrirte Wissenschaft zu seyn. - In dieser Weise habe ich das Bewußtseyn in der Phänomenologie des Geistes
darzustellen versucht. Das Bewußtseyn ist der Geist als konkretes und
zwar in der Aeußerlichkeit befangenes Wissen; aber die Formbewegung
dieses Gegenstandes beruht allein, wie die Entwickelung alles
natürlichen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen Wesenheiten,
die den Inhalt der Logik ausmachen. Das Bewußtseyn, als der
erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner
Unmittelbarkeit und äußerlichen Konkretion befreit, wird zum reinen
Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und für
sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind die reinen Gedanken, der sein
Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges Leben, und
ist das, wodurch sich die Wissenschaft konstituirt, und dessen
Darstellung sie ist.
Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phänomenologie des Geistes nenne, zur Logik angegeben. - Was das äußerliche Verhältniß betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der Wissenschaft, der die Phänomenologie
enthält, ein zweiter Theil zu folgen bestimmt, welcher die Logik und
die beiden realen Wissenschaften der Philosophie, die Philosophie der
Natur und die Philosophie des Geistes, enthalten sollte, und das System
der Wissenschaft beschlossen haben würde. Aber die nothwendige
Ausdehnung, welche die Logik für sich erhalten mußte, hat mich
veranlaßt, diese besonders ans Licht treten zu lassen; sie macht also
in einem erweiterten Plane die erste Folge zur
Phänomenologie des Geistes aus. Späterhin werde ich die Verarbeitung
der beiden genannten realen Wissenschaften der Philosophie folgen
lassen. - Dieser erste Band der Logik aber enthält als erstes Buch die Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom Wesen, als zweite Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber wird die subjektive Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten.
Nürnberg, den 22 März 1812
An
diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit der
erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewußtseyn sowohl der
Schwierigkeit des Gegenstandes für sich und dann seiner Darstellung,
als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung desselben in der
ersten Ausgabe an sich trägt, gegangen; so sehr ich nach weiterer
vieljähriger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft bemüht gewesen,
dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fühle ich noch Ursache genug zu
haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu nehmen. Ein Titel
solchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf den Umstand gegründet
werden, daß sich für den Inhalt vornehmlich nur äußerliches Material in
der früheren Metaphysik und Logik vorgefunden hat. So allgemein und
häufig dieselben, die letztere noch bis auf unsere Zeiten fort,
getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung die spekulative Seite
betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe Material wiederholt,
abwechselnd bald bis zu trivialer Oberflächlichkeit verdünnt, bald der
alte Ballast umfangsreicher von Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt
worden, so daß durch solche, häufig ganz nur mechanische Bemühungen dem
philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des
Gedankens philosophisch, d.i. in seiner eigenen immanenten Thätigkeit,
oder was dasselbe ist, in seiner nothwendigen Entwickelung
darzustellen, mußte deswegen ein neues Unternehmen seyn, und dabei von
vorne angefangen werden; jenes erworbene Material, die bekannten
Denkformen, aber ist als eine höchst wichtige
Vorlage, ja eine nothwendige Bedingung, dankbar anzuerkennende
Voraussetzung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hier und da einen
dürren Faden, oder die leblosen Knochen eines Skeletts, sogar in
Unordnung untereinander geworfen, dargiebt.
Die Denkformen sind zunächst in der Sprache
des Menschen herausgesetzt und niedergelegt, es kann in unseren Tagen
nicht oft genug daran erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch
vom Thiere unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem
Innerlichen, zur Vorstellung überhaupt, wird, was er zu dem Seinigen
macht, hat sich die Sprache eingedrängt, und was er zur Sprache macht
und in ihr äußert, enthält eingehüllter, vermischter, oder
herausgearbeitet, eine Kategorie; so sehr natürlich ist ihm das
Logische, oder vielmehr dasselbige ist seine eigenthümliche Natur
selbst. Stellt man aber die Natur überhaupt, als das Physikalische, dem
Geistigen gegenüber, so müßte man sagen, daß das Logische vielmehr das
Uebernatürliche ist, welches sich in alles Naturverhalten des Menschen,
in sein Empfinden, Anschauen, Begehren, Bedürfniß, Trieb eindrängt und
es dadurch überhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nur formell, zu
Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der Vortheil einer Sprache,
wenn sie einen Reichthum an logischen Ausdrücken, nämlich
eigenthümlichen und abgesonderten, für die Denkbestimmungen selbst
besitzt; von den Präpositionen, Artikeln, gehören schon viele solchen
Verhältnissen an, die auf dem Denken beruhen; die chinesische Sprache
soll es in ihrer Ausbildung gar nicht oder nur dürftig bis dahin
gebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz dienend, nur etwas
weniges abgelöster, als die Augmente, Flexionszeichen und dergl. auf.
Viel wichtiger ist es, daß in einer Sprache die Denkbestimmungen zu
Substantiven und Verben herausgestellt und so zur gegenständlichen Form
gestempelt sind; die deutsche Sprache hat darin viele Vorzüge vor den
anderen modernen Sprachen; sogar sind manche
ihrer Wörter von der weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungen nicht
nur, sondern entgegengesetzte zu haben, so daß darin selbst ein
spekulativer Geist der Sprache nicht zu verkennen ist; es kann dem
Denken eine Freude gewähren, auf solche Wörter zu stoßen, und die
Vereinigung Entgegengesetzter, welches Resultat der Spekulation für den
Verstand aber widersinnig ist, auf naive Weise schon lexikalisch als
Ein Wort von den entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden. Die
Philosophie bedarf daher überhaupt keiner besonderen Terminologie; es
sind wohl aus fremden Sprachen einige Wörter aufzunehmen, welche jedoch
durch den Gebrauch bereits das Bürgerrecht in ihr erhalten haben, ein
affektirter Purismus würde da, wo es am entschiedensten auf die Sache
ankommt, am wenigsten am Platze seyn. - Das Fortschreiten der Bildung
überhaupt und insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen
und sinnlichen; indem sie im Allgemeinen sich in den gewöhnlichsten
Kategorien (z.B. eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner
Eigenschaften und dergleichen) bewegen, fördert nach und nach auch
höhere Denkverhältnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu größerer
Allgemeinheit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. in
der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, so spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens zu sehr ... tort e ... travers
in Alles selbst in das Licht eingedrängt wird, die bedeutendste Rolle,
- die Bestimmung von einem Unterschiede, in welchem die Unterschiedenen
untrennbar verbunden sind; - daß auf solche Weise von der Form
der Abstraktion, der Identität, durch welche eine Bestimmtheit z.B. als
Kraft eine Selbstständigkeit erhält, fortgegangen, und die Form des
Bestimmens, des Unterschiedes, welcher zugleich als ein Untrennbares in
der Identität bleibt, herausgehoben und eine geläufige Vorstellung
geworden, ist von unendlicher Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt
durch die Realität, in welcher ihre Gegenstände
sich festhalten, dieses Zwingende mit sich, die Kategorien, die in ihr
nicht länger ignorirt werden können, wenn auch mit der größten
Inkonsequenz gegen andere, die auch geltend gelassen werden, zu
fixiren, und es nicht zu gestatten, daß, wie im Geistigen leichter
geschieht, zu Abstraktionen von dem Gegensatze und zur Allgemeinheit
übergegangen wird.
Aber
indem so die logischen Gegenstände, wie deren Ausdrücke, etwa in der
Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was bekannt ist, darum nicht erkannt,
und es kann selbst die Ungeduld erregen, sich noch mit Bekanntem
beschäftigen zu sollen, und was ist bekannter, als eben die
Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben Gebrauch machen, die uns
in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde herausgehen. Ueber den Gang
des Erkennens von diesem Bekannten aus, über das Verhältniß des
wissenschaftlichen Denkens zu diesem natürlichen Denken, die
allgemeinen Momente anzugeben soll dieses Vorwort bestimmt seyn, so
viel, zusammengenommen mit dem, was die frühere Einleitung
enthält, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine Vorstellung, wie man
eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, vor derselben, welche
die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logischen
Erkennens zu geben.
Zunächst
ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, daß die Formen des
Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewußten Anschauen,
Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder vielmehr auch in
dem vorstellenden Begehren und Wollen ( - und es ist kein menschliches
Begehren oder Wollen ohne Vorstellen - ) versenkt sind, befreit, diese
Allgemeinheiten für sich herausgehoben, und wie Plato, dann aber Aristoteles
vornehmlich gethan, zum Gegenstande der Betrachtung für sich gemacht
worden; dieß giebt den Anfang des Erkennens derselben. "Erst nachdem
beinahe alles Nothwendige", sagt Aristoteles, "und was zur
Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens
gehört, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische
Erkenntniß zu bemühen." "In Aegypten," hatte er vorher bemerkt, "sind
die mathematischen Wissenschaften früh ausgebildet worden, weil
daselbst der Priesterstand früh in die Lage versetzt worden, Muße zu
haben." - In der That setzt das Bedürfniß sich mit den reinen Gedanken
zu beschäftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist
durchgemacht haben muß, es ist, kann man sagen, es ist das Bedürfniß
des schon befriedigten Bedürfnisses der Nothwendigkeit der
Bedürfnißlosigkeit, zu dem er gekommen seyn muß, der Abstraktion von
dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen
des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die
Denkbestimmungen eingehüllt stecken. In den stillen Räumen des zu sich
selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die
Interessen, welche das Leben der Völker und der Individuen bewegen.
"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange,
"ist die Natur des Menschen abhängig, aber diese Wissenschaft, die
nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und für sich
freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn." -
Die Philosophie überhaupt hat es noch mit konkreten Gegenständen, Gott,
Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik beschäftigt
sich ganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigen Abstraktion.
Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend zunächst anheim zu
fallen, als welche noch nicht in die Interessen des konkreten Lebens
eingetreten ist, in der Muße in Rücksicht derselben lebt, und nur erst
für ihren subjektiven Zweck mit der Erwerbung der Mittel und der
Möglichkeiten, in den Objekten jener Interessen thätig zu werden, sich
und mit diesen selbst noch theoretisch sich zu beschäftigen hat. Unter
diese Mittel wird im Widerspiele von der angeführten
Vorstellung des Aristoteles, die logische Wissenschaft gerechnet, die
Bemühung mit derselben ist eine vorläufige Arbeit, ihr Ort
die Schule, auf welche erst der Ernst des Lebens und die Thätigkeit für
die wahrhaften Zwecke folgen soll. Im Leben geht es zum Gebrauch
der Kategorien, sie werden von der Ehre, für sich betrachtet zu werden,
dazu herabgesetzt, in dem geistigen Betrieb lebendigen Inhalts in dem
Erschaffen und Auswechseln der darauf bezüglichen Vorstellungen, zu dienen, - Theils als Abbreviaturen
durch ihre Allgemeinheit; - denn welche unendliche Menge von
Einzelnheiten des äußerlichen Daseyns und der Thätigkeit faßt die
Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich
zusammen; - wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die Einfachheit
solchen Vorstellens eine unendliche Menge von Vorstellungen,
Thätigkeit, Zuständen u.s.f. epitomirt! - Theils zur näheren Bestimmung
und Findung der gegenständlichen Verhältnisse, wobei aber
Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich einmischenden
Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängig gemacht ist und den
Denkbestimmungen für sich keine Inhaltbestimmende Wirksamkeit
zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der vorhin die
natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußtlos, und wenn ihnen in
wissenschaftlicher Reflexion das Verhältniß, als Mittel zu dienen, im
Geiste angewiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu etwas den
anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. Von unseren
Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, daß sie uns
dienen, sondern sie gelten als selbstständige Kräfte und Mächte, so daß
wir dieß selbst sind, so zu empfinden, dieß zu begehren und zu wollen,
in dieß unser Interesse zu legen. Aber wieder kann es vielmehr unser
Bewußtseyn werden, daß wir im Dienste unserer Gefühle, Triebe,
Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Gewohnheiten stehen, als daß
wir sie im Besitz haben, noch weniger, daß sie bei unser innigen
Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. Dergleichen Bestimmungen des
Gemüths und Geistes zeigen sich uns bald als Besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit,
als die wir uns bewußt werden, in der wir unsere Freiheit haben, und
halten dafür, in diesen Besonderheiten vielmehr befangen zu seyn, von
ihnen beherrscht zu werden. Sonach können wir dann viel weniger dafür
halten, daß die Denkformen, die sich durch alle unserer Vorstellungen,
diese seyen bloß theoretisch, oder enthalten einen Stoff, der der
Empfindung, dem Triebe, dem Willen angehört, hindurch ziehen, uns
dienen, daß wir sie, und sie nicht vielmehr uns im Besitz haben; was
ist uns übrig gegen sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere über
sie hinausstellen, sie die selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn
wir uns in eine Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin
beschränkt, unfrei fühlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus und
in die Freiheit zurück zu ziehen vermögen, dieser Ort der Gewißheit
seiner selbst, der reinen Abstraktion, des Denkens. Oder ebenso, wenn
wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das Wesen derselben ihren Begriff,
und dieser ist nur für das Denken; von den Begriffen der Dinge aber
werden wir noch viel weniger sagen, daß wir sie beherrschen oder daß
die Denkbestimmungen, von denen sie der Komplex sind, uns dienen, im
Gegentheil muß sich unser Denken nach ihnen beschränken und unsere
Willkür oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurichten wollen.
Insofern also das subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun
ist, und der objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so
können wir aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht über demselben
stehen, und ebenso wenig können wir über die Natur der Dinge hinaus.
Von der letzteren Bestimmung jedoch können wir absehen; sie fällt mit
der ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken
auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergäbe, weil die Sache damit als
Regel für unsere Begriffe aufgestellt werden würde, aber eben die Sache
für uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. Wenn die kritische Philosophie das Verhältniß dieser drei Terminorum so versteht, daß wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die Sachen als Mitte stellen in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den Sachen
vielmehr abschließt, statt uns mit denselben zusammenzuschließen, so
ist dieser Ansicht die einfache Bemerkung entgegenzusetzen, daß eben
diese Sachen, die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie
beziehenden Gedanken auf dem anderen Extreme stehen sollen, selbst
Gedankendinge, und als ganz unbestimmte, nur Ein Gedankending, (- das
sogenannte Ding-an-sich) der leeren Abstraktion selbst sind.
Doch
dieß mag für den Gesichtspunkt genügen, aus welchem das Verhältniß
verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch
und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter damit
Zusammenhängende, nach welchem sie als äußere Formen gefaßt zu werden
pflegen. - Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und
Handlungen durchwirkende Thätigkeit des Denkens ist, wie gesagt,
bewußtlos geschäftig (die natürliche Logik); was unser Bewußtseyn vor
sich hat, ist der Inhalt, die Gegenstände der Vorstellungen, das, womit
das Interesse erfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem
Verhältniß als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der
Gehalt selbst seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben
worden, und was sonst im Allgemeinen zugestanden wird, daß die Natur, das eigenthümliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle
bei der Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des Erscheinens und der
Zufälligkeit des Erscheinens und der vorübergehenden Aeußerung, der Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes menschliche Individuum zwar ein unendlich eigenthümliches, das Prius aller seiner Eigenthümlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie jedes einzelne Thier, das Prius, Thier zu seyn: so wäre nicht zu sagen, was, wenn diese Grundlage aus dem mit
noch so vielfachen sonstigen Prädikaten Ausgerüsteten weggenommen
würde, ob sie gleich wie die anderen ein Prädikat genannt werden kann,
was so ein Individuum noch seyn sollte. Die unerläßliche Grundlage, der
Begriff, das Allgemeine, das der Gedanke, insofern man nur von der
Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, abstrahiren kann, selbst ist, kann
nicht nur als eine gleichgültige Form, die an einem Inhalte sey, angesehen werden. Aber diese Gedanken aller natürlichen und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt,
sind noch ein socher, der vielfache Bestimmtheiten enthält und noch den
Unterschied einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer
relativen Realität an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele für
sich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstände, ihr
einfacher Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist.
Diese logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und
wirkt, zum Bewußtseyn zu bringen, dieß ist die Aufgabe. Das
instinktartige Thun unterscheidet sich von dem intelligenten und freien
Thun dadurch überhaupt, daß dieses mit Bewußtseyn geschieht, indem der
Inhalt des Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem
Subjekte zur Gegenständlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die
Freiheit des Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens
befangen in den Banden seiner Kategorien in einen unendlich
mannigfachen Stoff zersplittert ist. In diesem Netze schürzen sich hin
und wieder festere Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte
seines Lebens und Bewußtseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und
Macht eben dem, daß sie vor das Bewußtseyn gebracht an und für sich
seyenden Begriffe seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt für die
Natur des Geistes ist das Verhältniß nicht nur dessen, was er an sich ist, zu dem was er wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiß; dieses Sichwissen ist darum, weil er wesentlich Bewußtseyn, Grundbestimmung seiner Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur instinktmäßig als Triebe
wirksam sind, und zunächst vereinzelt, damit veränderlich und sich
verwirrend in das Bewußtseyn des Geistes gebracht, und ihm so eine
vereinzelte und unsichere Wirklichkeit gewähren, zu reinigen und ihn
damit in ihnen zur Freiheit und Wahrheit zu erheben, dieß ist also das
höhere logische Geschäft.
Was
wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth für sich und
zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniß vorhin anerkannt
worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs
überhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als Formen, die von dem Stoffe
verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, dieß giebt sich
sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand und
Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. Denn so
als bloße Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie in einer
Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt und die
Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfähig macht. Mag das
Wahre sonst, in welcher Rücksicht es sey, wieder mit Beschränkung und
Endlichkeit vergesellschaftet seyn, dieß ist die Seite seiner Negation,
seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben seines Endes, nicht der
Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen die Kahlheit der bloß
formellen Kategorien hat der Instinkt der gesunden Vernunft sich
endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihre Kenntniß mit Verachtung dem
Gebiete einer Schullogik und Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit der
Mißachtung des Werthes, den schon das Bewußtseyn dieser Fäden für sich
hat, und mit der Bewußtlosigkeit, in dem instinktartigen Thun
natürlicher Logik, noch mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniß
und Erkenntniß der Denkbestimmungen selbst, im Dienste des
ungereinigten und damit unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache
Grundbestimmung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung
solcher Formen ist die Identität, die als Gesetz, als A=A, als Satz des Widerspruchs in der Logik dieser Sammlung
behauptet wird. Die gesunde Vernunft hat ihre Ehrerbietung vor der
Schule, die im Besitze solcher Gesetze der Wahrheit und in der sie noch
immer so fortgeführt werden, so sehr verloren, daß sie dieselbe darob
verlacht, und einen Menschen, der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu
sprechen weiß: die Pflanze ist eine - Pflanze, die Wissenschaft ist -
die Wissenschaft, und sofort ins Unendliche, für unerträglich
hält. Ueber die Formeln auch, welche die Regeln des Schließens, das in
der That ein Hauptgebrauch des Verstandes ist, hat sich - so ungerecht
es ist zu verkennen, daß sie ihr Feld in der Erkenntniß haben, worin
sie gelten müssen und zugleich, daß sie wesentliches Material für das
Denken der Vernunft sind, - das ebenso gerechte Bewußtsein festgesetzt,
daß sie gleichgültige Mittel wenigstens ebenso sehr des Irrthums und
der Sophisterei sind, und wie man auch sonst die Wahrheit bestimmen
mag, für die höhere, z.B. die religiöse Wahrheit unbrauchbar sind; daß
sie überhaupt nur eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit
betreffen.
Die
Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche die
Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen, daß nicht
bloß das, was zu äußeren Form gerechnet zu werden pflegt, sondern der
Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es zeigt sich von
selbst bald, daß was in der nächsten gewöhnlichsten Reflexion als
Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht formlos, nicht
bestimmungslos in sich, seyn soll; so wäre er nur das Leere, etwa die
Abstraktion des Dings-an-sich, - daß er vielmehr Form in ihm selbst, ja
durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und daß sie selbst es ist,
die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit auch in den Schein
eines an diesem Scheine Aeußerlichen, umschlägt. Mit dieser Einführung
des Inhalts in die logische Betrachtung, sind es nicht die Dinge, sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand wird.
Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, daß es eine Menge Begriffe, eine Menge Sachen giebt.
Wodurch aber diese Menge beschränkt wird, ist Theils vorhin gesagt
worden, daß der Begriff als Gedanke überhaupt, als Allgemeines, die
unermeßliche Abbreviatur gegen die Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre
Menge dem unbestimmten Anschauen und Vorstellen vorschweben, ist;
Theils aber ist ein Begriff sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur Einer, und ist die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist er wohl ein bestimmter
Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt erscheint,
die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbestimmung dieser
substantiellen Einheit, ein Moment der Form als Totalität, des Begriffes selbst,
der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist. Dieser wird nicht
sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur Gegenstand, Produkt
und Inhalt des Denkens, und die an und für sich seyende Sache,
der Logos, die Vernunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was den
Namen der Dinge führt; am wenigsten ist es der Logos, was außerhalb der
logischen Wissenschaft gelassen werden soll. Es muß darum nicht ein
Belieben seyn, ihn in die Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn
draußen zu lassen. Wenn die Denkbestimmungen, welche nur äußerliche
Formen sind, wahrhaft an ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre
Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Für-sich-seyn-sollens und als ihre
Wahrheit, der Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische
Wissenschaft, indem sie die Denkbestimmungen, die überhaupt unsern
Geist instinktartig und bewußtlos durchziehen, und selbst indem sie in
die Sprache hereintreten, ungegenständlich, unbeachtet bleiben,
abhandelt, auch die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die
Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und
Gehalt äußere Formen fixiert sind.
Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an und für sich fähig, gar streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der
Entwickelung des Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner führte so
sehr diese Forderung mit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch die
Mathematik übertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese
Freiheit und Unabhängigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie dieß in
seiner Art in dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist,
daß bei keiner Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und Reflexion
vorkäme, die nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, und aus den
vorhergehenden in sie herübergekommen ist. Allein auf solche abstrakte
Vollkommenheit der Darstellung muß freilich im Allgemeinen Verzicht
gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen,
hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen muß, ließe der Vortrag
nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdrücke des Einfachen ohne allen
weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu; - was der Sache nach Statt
finden dürfte, wären negirende Reflexionen, die das abzuhalten und zu
entfernen sich bemühten, was sonst die Vorstellung oder ein
ungeregeltes Denken einmischen könnte. Solche Einfälle in den einfachen
immanenten Gang der Entwickelung sind jedoch für sich zufällig, und die
Bemühung, sie abzuwehren, wird somit selbst mit dieser Zufälligkeit
behaftet; ohnehin ist es vergeblich allen solchen Einfällen,
eben weil sie außer der Sache liegen, begegnen zu wollen, und
wenigstens wäre Unvollständigkeit das, was hierbei für die
systematische Befriedigung verlangt würde. Aber die eigenthümliche
Unruhe und Zerstreuung unseres modernen Bewußtseyns läßt es nicht
anders zu, als gleichfalls mehr oder weniger auf nahe liegende
Reflexionen und Einfälle Rücksicht zu nehmen, ein plastischer Vortrag
erfordert dann auch einen plastischen Sinn des Aufnehmens und
Verstehens; aber solche plastische Jünglinge und Männer so ruhig mit
der Selbstverläugnung eigener Reflexionen und Einfälle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur der Sache folgende Zuhörer, wie sie Plato dichtet, würden in einem modernen
Dialoge nicht aufgestellt werden können; noch weniger dürfte auf solche
Leser gezählt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu häufig und zu
heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache Reflexion
machen mochten, daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien enthalten,
welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik bedürfen, ehe
sie gebraucht werden. Die Bewußtlosigkeit hierüber geht unglaublich
weit; sie macht das Grund-Mißverständniß, das üble d.h. ungebildete
Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese Bewußtlosigkeit ist um so weniger zu rechtfertigen, als solches Anderes
andere Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme der Logik
aber eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle müssen
gefunden haben, und daselbst für sich der Betrachtung werden
unterworfen seyn. Am auffallendsten ist dieß in der überwiegenden Menge
von Einwürfen und Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder Sätze der
Logik, das Seyn und Nichts und das Werden, als
welches, selbst eine einfache Bestimmung, wohl unbestritten, - die
einfachste Analyse zeigt dieß, - jene beiden Bestimmungen als Momente
enthält. Die Gründlichkeit scheint zu erfordern, den Anfang, als den
Grund, worauf Alles gebaut sey, vor Allem aus zu untersuchen, ja nicht
weiter zu gehen, als bis er sich fest erwiesen hat, im Gegentheil
vielmehr, wenn dieß nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu
verwerfen. Diese Gründlichkeit hat zugleich den Vortheil, die größte
Erleichterung für das Denkgeschäft zu gewähren, sie hat die ganze
Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen vor sich, und hält sich für
mit Allem fertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das Leichteste
zum Abthun ist, denn er ist das Einfachste, das Einfache selbst; es ist
die geringe Arbeit, die erforderlich ist, wodurch sich diese so selbst
zufriedene Gründlichkeit wesentlich empfiehlt. Diese Beschränkung auf
das Einfache läßt der Willkür des Denkens, das für sich nicht einfach
bleiben will, sondern seine Reflexionen darüber anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten Rechte, sich zuerst nur mit dem Princip zu beschäftigen, und damit sich auf das Weitere nicht einzulassen, thut diese Gründlichkeit in ihrem Geschäfte selbst das Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere,
d.i. andere Kategorien als nur das Princip ist, andere Voraussetzungen
und Vorurtheile herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, daß die
Unendlichkeit verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes
als die Form, das Innere ein Anderes als das Aeußere, die Vermittelung
ebenso nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht
wüßte, werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl
bewiesen, als erzählt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen
liegt - man kann es nicht anders nennen, - eine Albernheit; der Sache
nach aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und
geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, daß es das
Bedürfniß und Geschäft des logischen Denkens ist, eben dieß zu
untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres
ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser Inhalt
und eine inhaltlose Form, so ein Inneres für sich, das keine Aeußerung
hat, eine Aeußerlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f. - etwas Wahres, ebenso etwas Wirkliches
ist. - Aber diese Bildung und Zucht des Denkens, durch welche ein
plastisches Verhalten desselben bewirkt und die Ungeduld der
einfallenden Reflexion überwunden würde, wird allein durch das
Weitergehen, das Studium und die Produktion der ganzen Entwickelung
verschafft.
Bei
der Erwähnung platonischer Darstellung kann, wer ein selbstständiges
Gebäude philosophischer Wissenschaft in modernen Zeiten neu aufzuführen
arbeitet, an die Erzählung erinnert werden, daß Plato seine Bücher über
den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. Die Erinnerung hieran, eine
Vergleichung, insofern sie eine solche in sich zu schließen schiene,
dürfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch
treiben, daß für ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig, ein
tieferes Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von
reicherm Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Muße, es sieben
und siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre. So aber mußte
der Verfasser, indem er es im Angesicht der Größe der Aufgabe
betrachtet, sich mit dem begnügen, was es hat werden mögen, unter den
Umständen einer äußerlichen Nothwendigkeit, der unabwendbaren
Zerstreuung durch die Größe und Vielseitigkeit der Zeitinteressen,
sogar unter dem Zweifel, ob der laute Lärm des Tages und die betäubende
Geschwätzigkeit der Einbildung, die auf denselben sich zu beschränken
eitel ist, noch Raum für die Theilnahme an der leidenschaftslosen
Stille der nur denkenden Erkenntniß offen lasse.
Berlin, den 7. November 1831.
Es
fühlt sich bei keiner Wissenschaft stärker das Bedürfniß, ohne
vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei der
logischen Wissenschaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den sie
behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander
unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang
macht, sondern von andern Begriffen abhängt, und um sich herum mit
anderem Stoffe zusammenhängt. Diesen Wissenschaften wird es daher
zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der
Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und
angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen ohne
weiteres anzuwenden, und sich der gewöhnlichen Art des Raisonnements
zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und Grundbestimmungen zu
bedienen.
Die
Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln und
Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil ihres
Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begründet zu werden.
Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode, sondern auch
der Begriff selbst der Wissenschaft überhaupt gehört zu ihrem Inhalte, und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie ist, kann sie
daher nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung bringt dieß
Wissen von ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre Vollendung
hervor. Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder bestimmter das begreifende Denken,
wird wesentlich innerhalb ihrer abgehandelt; der Begriff desselben
erzeugt sich in ihrem Verlaufe, und kann somit nicht vorausgeschickt
werden. Was daher in dieser Einleitung vorausgeschickt wird, hat nicht
den Zweck, den Begriff der Logik etwa zu begründen, oder den Inhalt und
die Methode derselben zum voraus wissenschaftlich zu rechtfertigen,
sondern, durch einige Erläuterungen und Reflexionen, in raisonnirendem
und historischem Sinne, den Gesichtspunkt, aus welchem diese
Wissenschaft zu betrachten ist, der Vorstellung näher zu bringen.
Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen angenommen wird, so wird dabei verstanden, daß dieß Denken die bloße Form einer Erkenntniß ausmache, daß die Logik von allem Inhalte abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstück, das zu einer Erkenntniß gehöre, die Materie,
anderswoher gegeben werden müsse, daß somit die Logik als von welcher
diese Materie ganz und gar unabhängig sey, nur die formalen Bedingungen
wahrhafter Erkenntniß angeben, nicht aber reale Wahrheit selbst
enthalten, noch auch nur der Weg zu realer Wahrheit seyn könne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit, der Inhalt, außer ihr liege.
Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, daß die Logik von allem Inhalte
abstrahire, daß sie nur die Regeln des Denkens lehre, ohne auf das
Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit Rücksicht
nehmen zu können. Denn da das Denken und die Regeln des Denkens ihr
Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran ihren
eigenthümlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite Bestandstück
der Erkenntniß, eine Materie, um deren Beschaffenheit sie sich
bekümmert.
Allein
zweitens sind überhaupt die Vorstellungen, auf denen der Begriff der
Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen, Theils ist es Zeit,
daß sie vollends verschwinden, daß der Standpunkt dieser Wissenschaft
höher gefaßt werde, und daß sie eine völlig veränderte Gestalt gewinne.
Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewöhnlichen Bewußtseyn ein für allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der Erkenntniß und der Form derselben, oder der Wahrheit und der Gewißheit. Es wird erstens
vorausgesetzt, daß der Stoff des Erkennens, als eine fertige Welt
außerhalb des Denkens, an und für sich vorhanden, daß das Denken für
sich leer sey, als eine Form äußerlich zu jener Materie hinzutrete,
sich damit erfülle, erst daran einen Inhalt gewinne und dadurch ein
reales Erkennen werde.
Alsdann
stehen diese beiden Bestandtheile, - (denn sie sollen das Verhältniß
von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen mechanischer
oder höchstens chemischer Weise zusammengesetzt - ) in dieser
Rangordnung gegen einander, daß das Objekt ein für sich Vollendetes,
Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit vollkommen
entbehren könne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes sey, das
sich erst an einem Stoffe zu vervollständigen, und zwar als eine weiche
unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen habe.
Wahrheit ist die Uebereinstimmung des Denkens mit dem Gegenstande, und
es soll, um diese Uebereinstimmung hervorzubringen, - denn sie ist
nicht an und für sich vorhanden, - das Denken nach dem Gegenstande sich
fügen und bequemen.
Drittens,
indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des Gegenstandes
und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit gelassen,
sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der andern
geschiedene Sphäre. Das Denken kommt daher in seinem Empfangen und
Formiren des Stoffs nicht über sich hinaus, sein Empfangen und sich
nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation
seiner selbst, es wird dadurch nicht zu seinem Andern; und das
selbstbewußte Bestimmen gehört ohnedieß nur ihm an; es kommt also auch
in seiner Beziehung auf den Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem
Gegenstande, dieser bleibt als ein Ding an sich, schlechthin ein
Jenseits des Denkens.
Diese
Ansichten über das Verhältnis des Subjektes und Objekts zu einander
drücken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers gewöhnlichen, des
erscheinenden Bewußtseins ausmachen; aber diese Vorurtheile, in die
Vernunft übergetragen, als ob in ihr dasselbe Verhältniß Gott finde,
als ob dieses Verhältniß an und für sich Wahrheit habe, so sind sie die
Irrthümer, deren durch alle Theile des geistigen und natürlichen
Universums durchgeführte Widerlegung die Philosophie ist, oder die
vielmehr, weil sie den Eingang in die Philosophie versperren, vor
derselben abzulegen sind.
Die
ältere Metaphysik hatte in dieser Rücksicht einen höhern Begriff von
dem Denken als in der neuern Zeit gäng und gäb geworden ist. Jene legte
nämlich zu Grunde, daß das, was durchs Denken von und an den Dingen
erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey; somit nicht sie
in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die Form des Denkens
erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit dafür, daß das
Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den Gegenständen
Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder daß die Dinge und das Denken
derselben, (- wie auch unsere Sprache eine Verwandtschaft derselben
ausdrückt, - ) an und für sich übereinstimmen, daß das Denken in seinen
immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte Natur der Dinge, ein und
derselbe Inhalt sey.
Aber
der reflektirende Verstand bemächtigte sich der Philosophie. Es ist
genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst vielfach als
Schlagwort gebraucht wird; es ist überhaupt
darunter der abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen,
der in seinen Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt beträgt er
sich als gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend, daß die Wahrheit auf sinnlicher Realität beruhe, daß die Gedanken nur
Gedanken seyen, in dem Sinne, daß erst die sinnliche Wahrnehmung ihnen
Gehalt und Realität gebe, daß die Vernunft, insofern sie an und für
sich bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun der
Vernunft auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren, sie
ist darauf eingeschränkt, nur subjektive Wahrheit, nur die Erscheinung
zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst nicht
entspreche; das Wissen ist zur Meinung zurückgefallen.
Diese
Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust und
Rückschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf überhaupt die
Erhebung der Vernunft in den höhern Geist der neuern Philosophie
beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung ist nämlich in
der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der Bestimmungen
des Verstandes mit sich selbst, zu suchen. - Die schon namhaft gemacht
Reflexion ist dieß, über das konkrete Unmittelbare hinaus zu gehen, und dasselbe zu bestimmen und zu trennen. Aber sie muß ebenso sehr über diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen, und sie zunächst beziehen.
Auf dem Standpunkte dieses Beziehens tritt der Widerstreit derselben
hervor. Dieses Beziehen der Reflexion gehört an sich der Vernunft an;
die Erhebung über jene Bestimmungen, die zur Einsicht des Widerstreits
derselben gelangt, ist der große negative Schritt zum wahrhaften
Begriffe der Vernunft. Aber die nicht durchgeführte Einsicht fällt in
den Mißverstand, als ob die Vernunft es sey, welche in Widerspruch mit
sich gerathe; sie erkennt nicht, daß der Widerspruch eben das Erheben
der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes und das Auflösen
derselben ist. Statt von hier aus den letzten Schritt in die Höhe zu
thun, ist die Erkenntniß von dem Unbefriedigenden der
Verstandesbestimmungen zu der sinnlichen Existenz zurückgeflohen, an
derselben das Feste und Einige zu haben vermeinend.
Indem
aber auf der andern Seite diese Erkenntniß sich als die Erkenntniß von
Erscheinendem weiß, wird das Unbefriedigende derselben eingestanden,
aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die Dinge an sich, aber
doch innerhalb der Sphäre der Erscheinung richtig erkannt würde; als ob
dabei gleichsam nur die Art der Gegenstände verschieden wäre,
und die eine Art, nämlich die Dinge an sich zwar nicht, aber doch die
andere Art, nämlich die Erscheinungen, in die Erkenntniß fielen. Wie
wenn einem Manne richtige Einsicht beigemessen würde, mit dem Zusatz,
daß er jedoch nichts Wahres, sondern nur Unwahres einzusehen fähig sey.
So ungereimt das Letztere wäre, so ungereimt ist eine wahre Erkenntniß,
die den Gegenstand nicht erkennte, wie er an sich ist.
Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angeführte Resultat gehabt, daß diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich
haben. - Dieß kann keinen andern Sinn haben, als daß diese Formen an
ihnen selbst etwas Unwahres sind. Allein indem sie für die subjektive
Vernunft und für die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat die
Kritik keine Aenderung an ihnen selbst bewirkt, sondern läßt sie für
das Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst für das Objekt galten.
Wenn sie aber ungenügend für das Ding an sich sind, so müßte der
Verstand, dem sie angehören sollen, noch weniger dieselben sich
gefallen lassen und damit vorlieb nehmen wollen. Wenn sie nicht
Bestimmungen des Dings an sich seyn können, so können sie noch
weniger Bestimmungen des Verstandes seyn, dem wenigstens die Würde
eines Dings an sich zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des
Endlichen und Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey,
daß sie auf Zeit und Raum, auf die Welt angewendet werden, oder daß sie
Bestimmungen innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiß
ein Grau geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete
mit einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich
auflöst, indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie
übergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher
sie beide in sich enthält, ein in sich selbst Widersprechendes, ein
sich Auflösendes. - Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder
Gegenstandes, worauf sie angewendet würde, oder in dem sie sich
befänden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand hat
nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm.
Jene
Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding
entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden. Sie hat
dabei nämlich diese Formen nicht an und für sich selbst, nach ihrem
eigenthümlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der
subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so daß von einer Ableitung
ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als
subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen
Betrachtung derselben die Rede war.
Der
konsequenter durchgeführte transcendentale Idealismus hat die
Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch übrig gelassenen
Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt
abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends zu
zerstören. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft aus
sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die subjektive
Haltung dieses Versuchs ließ ihn nicht zur Vollendung kommen. Fernerhin
ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang und die Ausbildung der
reinen Wissenschaft aufgegeben worden.
Ganz ohne Rücksicht auf metaphysische Bedeutung aber
wird dasjenige betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird.
Diese Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat
freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realität und als eine
wahrhafte Sache in dem gewöhnlichen Bewußtseyn gilt, Aber sie ist nicht
aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit entbehrende
Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermißt, welchem Mangel das
Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden pflegt, ist ohnehin
das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern das Gehaltlose der
logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art, sie zu betrachten
und zu behandeln. Indem sie als feste Bestimmungen aus einander fallen
und nicht in organischer Einheit zusammengehalten werden, sind sie
todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht wohnen, der ihre
lebendige konkrete Einheit ist. Damit aber entbehren sie des gediegenen
Inhalts, - einer Materie, welche Gehalt an sich selbst wäre. Der
Inhalt, der an den logischen Formen vermißt wird, ist nichts anderes,
als eine feste Grundlage und Konkretion dieser abstrakten
Bestimmungen,; und ein solches substantielles Wesen pflegt für sie
außen gesucht zu werden. Aber die logische Vernunft selbst ist das
Substantielle oder Reelle, das alle abstrakten Bestimmungen in sich
zusammenhält, und ihre gediegene, absolut-konkrete Einheit ist. Nach
dem also, was eine Materie genannt zu werden pflegt, brauchte nicht
weit gesucht zu werden; es ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik,
wenn sie gehaltlos seyn soll, sondern allein der Art, wie derselbe
gefaßt wird.
Diese
Reflexion führt näher auf die Angabe des Standpunkts, nach welchem die
Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der bisherigen
Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und der allein
wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft für immer zu stellen
ist.
In der Phänomenologie des Geistes habe ich das
Bewußtseyn in seiner Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren
Gegensatz seiner und des Gegenstandes bis zum absoluten Wissen
dargestellt. Dieser Weg geht durch alle Formen des Verhältnisses des Bewußtseyns zum Objekte durch, und hat den Begriff der Wissenschaft
zu seinem Resultate. Dieser Begriff bedarf also (abgesehen davon, daß
er innerhalb der Logik selbst hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung,
weil er sie daselbst erhalten hat; und er ist keiner andern
Rechtfertigung fähig, als nur dieser Hervorbringung desselben durch das
Bewußtseyn, dem sich seine eignen Gestalten alle in denselben als in
die Wahrheit auflösen. - Eine raisonnirende Begründung der Erläuterung
des Begriffs der Wissenschaft kann zum höchsten dieß leisten, daß er
vor die Vorstellung gebracht und eine historische Kenntniß davon
bewirkt werde; aber eine Definition der Wissenschaft oder näher der
Logik hat ihren Beweis allein in jener Nothwendigkeit ihres
Hervorgangs. Eine Definition, mit der irgend eine Wissenschaft den
absoluten Anfang macht, kann nichts anders enthalten, als den
bestimmten, regelrechten Ausdruck von demjenigen, was man sich zugegebner- und bekanntermaßen unter dem Gegenstande und Zweck der Wissenschaft vorstellt.
Daß man sich gerade dieß darunter vorstelle, ist eine historische
Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf dieses und jenes
Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise beibringen kann, daß
man dieß und jenes als anerkannt gelten lassen möge. Es hört gar nicht
auf, daß der Eine daher, der Andere dorther einen Fall und Instanz
beibringt, nach der auch noch etwas mehr und anderes bei diesem und
jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen Definition also noch eine
nähere oder allgemeinere Bestimmung aufzunehmen und darnach auch die
Wissenschaft einzurichten sey. - Es kommt dabei ferner auf Raisonnement
an, was alles und bis zu welcher Grenze und Umfang es hereingezogen
oder ausgeschlossen werden müsse; dem Raisonnement
selbst aber steht das mannigfaltigste und verschiedenartigste
Dafürhalten offen, worüber am Ende allein die Willkür eine feste
Bestimmung abschließen kann. Bei diesem Verfahren, die Wissenschaft mir
ihrer Definition anzufangen, wird von dem Bedürfniß nicht die Rede, daß
die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und damit ihrer selbst aufgezeigt würde.
Der
Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in
gegenwärtiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die
Phänomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben
ist. Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des Bewußtseins, weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in dem absoluten Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewißheit seiner selbst vollkommen sich aufgelöst hat, und die Wahrheit, dieser Gewißheit, so wie diese Gewißheit, der Wahrheit gleich geworden ist.
Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze des Bewußtseyns voraus. Sie enthält den Gedanken, insofern er eben so sehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern sie ebenso sehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist die Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewußtseyn, und hat die Gestalt des Selbst, daß das an und für sich seyende gewußter Begriff, der Begriff als solcher aber das an und für sich seyende ist. Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt
der reinen Wissenschaft. Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt
so wenig der Materie zu einer wirklichen und wahren Erkenntniß, daß ihr
Inhalt vielmehr allein das absolute Wahre, oder wenn man sich noch des
Worts Materie bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist, - eine
Materie aber, der die Form nicht ein Aeußerliches ist, da diese Materie
vielmehr der reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die
Logik ist sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des
reinen Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist. Man kann sich deswegen ausdrücken, daß dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist.
Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken ausgesprochen habe, daß der Nus, der Gedanke,
das Princip der Welt, daß das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt
ist. Er hat damit den Grund zu einer Intellektualansicht des Universums
gelegt, deren reine Gestalt die Logik seyn muß. Es ist in ihr nicht um ein Denken über etwas, das für sich außer dem Denken zu Grunde läge, zu thun, um Formen, welche bloße Merkmale
der Wahrheit abgeben sollten; sondern die nothwendigen Formen und
eigenen Bestimmungen des Denkens sind der Inhalt und die höchste
Wahrheit selbst.
Um
dieß in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung auf die
Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches seyn müsse.
Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch in die
platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind, hineingetragen, als
ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer andern Welt oder
Region seyen, außerhalb welcher die Welt der Wirklichkeit sich befinde
und eine von jenen Ideen verschiedene, erst durch diese Verschiedenheit
reale Substantialität habe. Die platonische Idee ist nichts anderes,
als das Allgemeine oder bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in
seinem Begriffe hat Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe
verschieden ist, hört es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges;
die Seite der Handgreiflichkeit und des sinnlichen Außersichseyns
gehört dieser nichtigen Seite an. - Von der andern Seite aber kann man
sich auf die eigenen Vorstellungen der gewöhnlichen Logik berufen; es
wird nämlich angenommen, daß z.B. Definitionen nicht
Bestimmungen enthalten, die nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern
die Bestimmungen des Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste
Natur ausmachen. Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere
geschlossen wird, wird angenommen, daß das Erschlossene nicht ein dem
Gegenstande Aeußerliches und Fremdes sey, sondern daß es ihm vielmehr
selbst zukomme, daß diesem Denken das Seyn entspreche. - Es liegt
überhaupt bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils,
Schlusses, Definition, Division u.s.f. zu Grunde, daß sie nicht bloß
Formen des selbstbewußten Denken sind, sondern auch des gegenständlichen Verstandes. Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm enthaltene Bestimmung vorzugsweise dem Bewußtseyn beilegt. Aber insofern gesagt wird, daß Verstand, daß Vernunft in der gegenständlichen Welt ist, daß der Geist und die Natur allgemeine Gesetze
habe, nach welchen ihr Leben und ihre Veränderung sich machen, so wird
zugegeben, daß die Denkbestimmungen eben so sehr objektiven Werth und
Existenz haben.
Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur Logik,
aber sie, wie der spätere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert worden,
aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine wesentlich
subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem Objekte, das
sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein unendlicher Anstoß,
blieb als ein Jenseits an ihnen übrig. Aber die Befreiung von dem
Gegensatze des Bewußtseyns, welche die Wissenschaft muß voraussetzen
können, erhebt die Denkbestimmungen über diesen ängstlichen,
unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung derselben, wie
sie an und für sich, ohne eine solche Beschränkung und Rücksicht, das
Logische, das Rein-vernünftige sind.
Kant
preist sonst die Logik, nämlich das Aggregat von Bestimmungen und
Sätzen, das im gewöhnlichen Sinne Logik heißt, darüber glücklich, daß
ihr vor andern Wissenschaften eine so frühe Vollendung zu Theil geworden sey; seit Aristoteles
habe sie keinen Rückschritt gethan, aber auch keinen Schritt vorwärts,
das Letztere deswegen, weil sie allem Ansehen nach geschlossen und
vollendet zu seyn scheine. - Wenn die Logik seit Aristoteles keine
Veränderung erlitten hat, - wie denn in der That die Veränderungen,
wenn man die neuern Kompendien der Logik betrachtet, häufig mehr nur in
Weglassungen bestehen, - so ist daraus eher zu folgern, daß sie um so
mehr einer totalen Umarbeitung bedürfe; denn ein zweitausendjähriges
Fortarbeiten des Geistes muß ihm ein höheres Bewußtseyn über sein
Denken und über seine reine Wesenheit in sich selbst, verschafft haben.
Die Vergleichung der Gestalten, zu denen sich der Geist der praktischen
und der religiösen Welt und der Geist der Wissenschaft in jeder Art
reellen und ideellen Bewußtseyns emporgehoben hat, mit der Gestalt, in
der sich die Logik, sein Bewußtseyn über sein reines Wesen, befindet,
zeigt einen zu großen Unterschied, als daß es nicht der
oberflächlichsten Betrachtung sogleich auffallen sollte, daß dieß
letztere Bewußtseyn den erstern Erhebungen durchaus unangemessen und
ihrer unwürdig ist.
In
der That ist das Bedürfniß einer Umgestaltung der Logik längst gefühlt
worden. In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den Lehrbüchern
zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen. Sie wird noch
mitgeschleppt mehr im Gefühle, daß eine Logik überhaupt nicht zu
entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit an die
Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Ueberzeugung, daß jener
gewöhnliche Inhalt und die Beschäftigung mit jenen leeren Formen Werth
und Nutzen habe.
Die
Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, pädagogisches und selbst
physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind nachher für
Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden. An und für sich
muß ein großer Theil dieser psychologischen,
pädagogischen, physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie
mochten in der Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und
trivial erscheinen. Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, daß man
dasjenige durchdenken und prüfen solle, was man in Büchern lese oder
mündlich höre; daß man, wenn man nicht gut sehe, seinen Augen durch
Brillen zu Hülfe zu kommen habe, - Regeln, die von den Lehrbüchern in
der sogenannten angewandten Logik, und zwar ernsthaft in Paragraphen
abgetheilt gegeben wurden, auf daß man zur Wahrheit gelange, - müssen
jedermann als überflüßig vorkommen, - nur höchstens dem Schriftsteller
oder Lehrer nicht, der in Verlegenheit ist, den sonst zu kurzen und
todten Inhalt der Logik durch irgend etwas auszudehnen.
Was
solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben worden,
warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten in ihrer
Festigkeit unverrückt, und werden nur in äußerliche Beziehung
miteinander gebracht. Dadurch daß bei den Urtheilen und Schlüssen die
Operationen vornehmlich auf das Quantitative der Bestimmungen
zurückgeführt und gegründet werden, beruht Alles auf einem äußerlichen
Unterschiede, auf bloßer Vergleichung, wird ein völlig analytisches
Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das Ableiten der sogenannten
Regeln und Gesetze, des Schließens vornehmlich, ist nicht viel besser,
als ein Befingern von Stäbchen von ungleicher Länge, um sie nach ihrer
Größe zu sortiren und zu verbinden, - als die spielende Beschäftigung
der Kinder, von mannigfaltig zerschnittenen Gemälden die passenden
Stücke zusammen zu suchen. - Man hat daher nicht mit Unrecht dieses
Denken dem Rechnen und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt.
In der Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das
außer seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heißt, außer seinem ganz
äußerlichen Verhältnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst,
noch dessen Beziehung ein Gedanke ist.
Wenn
auf mechanische Weise ausgerechnet wird, daß dreiviertel mit
zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthält diese
Operation ungefähr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung,
ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben könne.
Damit daß dieß todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und Inhalt belebt werde, muß ihre Methode
diejenige seyn, wodurch sie allein fähig ist, reine Wissenschaft zu
seyn. In dem Zustande, in dem sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung
von wissenschaftlicher Methode zu erkennen. Sie hat ungefähr die Form
einer Erfahrungswissenschaft. Erfahrungswissenschaften haben für das,
was sie seyn sollen, ihre eigenthümliche Methode, des Definirens und
des Klassificirens ihres Stoffes, so gut es geht, gefunden. Auch die
reine Mathematik hat ihre Methode, die für ihre abstrakten Gegenstände
und für die quantitative Bestimmung, in der sie allein betrachtet,
passend ist. Ich habe über diese Methode und überhaupt das
Untergeordnete der Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik Statt
finden kann, in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, das
Wesentliche gesagt; aber sie wird auch innerhalb der Logik selbst näher
betrachtet werden. Spinoza, Wolf und Andere haben sie verführen lassen,
sie auch auf die Philosophie anzuwenden, und den äußerlichen Gang der
begrifflosen Quantität zum Gange des Begriffes zu machen, was an und
für sich widersprechend ist. Bisher hatte die Philosophie ihre Methode
noch nicht gefunden; sie betrachtete mit Neid das systematische Gebäude
der Mathematik und borgte sie, wie gesagt, von ihr, oder behalf sich
mit der Methode von Wissenschaften, die nur Vermischungen von gegebenem
Stoffe, Erfahrungssätzen und Gedanken sind, - oder half sich auch mit
dem rohen Wegwerfen aller Methode. Die Exposition dessen aber, was
allein die wahrhafte Methode der philosophischen Wissenschaft seyn
kann, fällt in die Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewußtseyn über die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts. Ich habe in der Phänomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn ein Beispiel von dieser Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn,
aufgestellt. (#A+ Später an den anderen konkreten Gegenständen und
resp. Theilen der Philosophie. #A-) Es sind hier Gestalten des
Bewußtseyns, deren jede in ihrer Realisirung sich zugleich selbst
auflöst, ihre eigene Negation zu ihrem Resultate hat, - und damit in
eine höhere Gestalt übergegangen ist. Das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um dessen ganz einfache
Einsicht sich wesentlich zu bemühen ist, - ist die Erkenntniß des
logischen Satzes, daß das Negative ebenso sehr positiv ist, oder daß
das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das abstrakte Nichts
auflöst, sondern wesentlich nur in die Negation seines besonderen Inhalts, oder daß eine solche Negation nicht alle Negation, sondern die Negation der bestimmten Sache,
die sich auflöst, somit bestimmte Negation ist; daß also im Resultate
wesentlich das enthalten ist, woraus es resultirt; - was eigentlich
eine Tautologie ist, denn sonst wäre es ein Unmittelbares, nicht ein
Resultat. Indem das Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen Inhalt.
Sie ist ein neuer Begriff, aber der höhere, reichere Begriff als der
vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder Entgegengesetztes
reicher geworden; enthält ihn also, aber auch mehr als ihn, und ist die
Einheit seiner und seines Entgegengesetzten. - In diesem Wege hat sich
das System der Begriffe überhaupt zu bilden, - und in unaufhaltsamen,
reinem, von Außen nichts hereinnehmendem Gange, sich zu vollenden.
Wie
würde ich meinen können, daß nicht die Methode, die ich in diesem
Systeme der Logik befolgt, - oder vielmehr die dieß System an ihm
selbst befolgt, - noch vieler Vervollkommnung,
vieler Durchbildung im Einzelnen fähig sey, aber ich weiß zugleich, daß
sie die einzige wahrhafte ist. Dieß erhellt für sich schon daraus, daß
sie von ihrem Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes ist; -
denn es ist der Inhalt in sich, die Dialektik, die er an ihm selbst hat,
welche ihn fortbewegt. Es ist klar, daß keine Darstellungen für
wissenschaftlich gelten können, welche nicht den Gang dieser Methode
gehen und ihrem einfachen Rhythmus gemäß sind, denn es ist der Gang der
Sache selbst.
In
Gemäßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Eintheilungen und
Ueberschriften der Bücher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke
angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklärungen, zum
Behuf einer vorläufigen Uebersicht gemacht, und daß sie eigentlich nur
von historischem Werthe sind. Sie gehören nicht zum Inhalte und
Körper der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der äußeren
Reflexion, welche das Ganze der Ausführung schon durchlaufen hat, daher
die Folge seiner Momente voraus weiß und angiebt, ehe sie noch durch
die Sache selbst sich herbeiführen.
In
den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und
Eintheilungen gleichfalls für sich nichts anderes, als solche äußere
Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht über
diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel, heißt es
etwa, "die Logik hat zwei Hauptstücke, die Elementarlehre und die
Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres
etwa die Ueberschrift: Gesetze des Denkens; - alsdann erstes Kapitel: von den Begriffen. Erster Abschnitt:
von der Klarheit der Begriffe u.s.f. - Diese ohne irgend eine Deduktion
und Rechtfertigung gemachten Bestimmungen und Eintheilungen machen das
systematische Gerüste und den ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften
aus. Eine solche Logik sieht es für ihren Beruf an, davon zu sprechen,
daß die Begriffe und Wahrheiten aus Principien müssen abgeleitet
seyn; aber bei dem, was sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem
an ein Ableiten gedacht. Die Ordnung besteht etwa in der
Zusammenstellung von Gleichartigem, in der Vorausschickung des
Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und anderen äußerlichen
Rücksichten. Aber in Rücksicht eines inneren, nothwendigen
Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der Abtheilungsbestimmungen,
und der Uebergang macht sich nur damit, daß es jetzt heißt: Zweites Kapitel; - oder: wir kommen nunmehr zu den Urtheilen, u. dergl.
Auch
die Ueberschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme vorkommen,
sollen für sich keine andere Bedeutung haben, als die der
Inhaltsanzeige. Außerdem aber muß die Nothwendigkeit des Zusammenhangs und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in der Abhandlung der Sache selbst vorfinden, denn sie fällt in die eigene Fortbestimmung des Begriffes.
Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin angegebene Negative,
das er in sich selbst hat; dieß macht das wahrhaft Dialektische aus.
Die Dialektik, die als ein abgesonderter Theil der Logik betrachtet und
in Ansehung ihres Zwecks und Standpunktes, man kann sagen, gänzlich
verkannt worden, erhält dadurch eine ganz andere Stellung. - Auch die platonische
Dialektik hat selbst im Parmenides, und anderswo ohnehin noch direkter,
Theils nur die Absicht, beschränkte Behauptungen durch sich selbst
aufzulösen und zu widerlegen, Theils aber überhaupt das Nichts zum
Resultate. Gewöhnlich sieht man die Dialektik für ein äußerliches und
negatives Thun an, das nicht der Sache selbst angehöre, in bloßer
Eitelkeit als einer subjektiven Sucht, sich das Feste und Wahre in
Schwanken zu setzen und aufzulösen, seinen Grund habe oder wenigstens
zu Nichts führe, als zur Eitelkeit des dialektisch behandelten
Gegenstandes.
Kant
hat die Dialektik höher gestellt, und diese Seite gehört unter die
größten seiner Verdienste, - indem er ihr den Schein von Willkür nahm,
den sie nach der gewöhnlichen Vorstellung hat, und sie als ein nothwendiges Thun der Vernunft
darstellte. Indem sie nur für die Kunst, Blendwerke vorzumachen und
Illusionen hervorzubringen, galt, wurde schlechthin vorausgesetzt, daß
sie ein falsches Spiel spiele, und ihre ganze Kraft allein darauf
beruhe, daß sie den Betrug verstecke; daß ihre Resultate nur
erschlichen und ein subjektiver Schein seyen. Kant's dialektische
Darstellungen in den Antinomien der reinen Vernunft verdienen zwar,
wenn sie näher betrachtet werden, wie dieß im Verfolge dieses Werkes
weitläufiger geschehen wird, freilich kein großes Lob; aber die
allgemeine Idee, die er zu Grunde gelegt und geltend gemacht hat, ist
die Objektivität des Scheins und Nothwendigkeit des Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen gehört: zunächst zwar in der Art, insofern diese Bestimmungen von der Vernunft auf die Dinge an sich
angewendet werden; aber eben, was sie in der Vernunft und in Rücksicht
auf das sind, was an sich ist, ist ihre Natur. Es ist dieß Resultat in seiner positiven Seiten aufgefaßt, nichts anderes, als die innere Negativität
derselben, als ihre sich selbstbewegende Seele, das Princip aller
natürlichen und geistigen Lebendigkeit überhaupt. Aber so wie nur bei
der abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen geblieben wird,
so ist das Resultat nur das Bekannte, daß die Vernunft unfähig sey, das
Unendliche zu erkennen; - ein sonderbares Resultat, indem das
Unendliche das Vernünftige ist, zu sagen, die Vernunft sey nicht fähig,
das Vernünftige zu erkennen.
In
diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem
Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im
Negativen besteht das Spekulative. Es ist die wichtigste, aber für die noch ungeübte, unfreie Denkkraft
schwerste Seite. Ist solche noch darin begriffen, sich vom
sinnlich-konkreten Vorstellen und vom Raisonniren loszureißen, so hat
sie sich zuerst im abstrakten Denken zu üben. Begriffe in ihrer Bestimmtheit
festzuhalten und aus ihnen erkennen zu lernen. Eine Darstellung der
Logik zu diesem Behuf hätte sich in ihrer Methode an das obenbesagte
Eintheilen und in Ansehung des näheren Inhalts an die Bestimmungen, die
sich für die einzelnen Begriffe ergeben, zu halten, ohne sich auf das
Dialektische einzulassen. Sie würde der äußeren Gestalt nach dem
gewöhnlichen Vortrag dieser Wissenschaft ähnlich werden, sich übrigens
dem Inhalte nach auch davon unterscheiden, und immer noch dazu dienen,
das abstrakte, ob zwar nicht das spekulative Denken zu üben, welchen
Zweck die durch psychologische und anthropologische Zuthaten populair
gewordene Logik nicht einmal erfüllen kann. Sie würde dem Geiste das
Bild eines methodisch geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des
Gebäudes, die Methode, die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin
erschiene.
In Rücksicht auf die Bildung und das Verhältniß des Individuums zur Logik,
merke ich schließlich noch an, daß diese Wissenschaft wie die
Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint. Sie
ist etwas Anderes für den, der zu ihr und den Wissenschaften überhaupt
erst hinzutritt, und etwas Anderes für den, der von ihnen zu ihr
zurückkommt. Wer die Grammatik anfängt kennen zu lernen, findet in
ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufällig Regeln,
überhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den Werth und
die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren Sinne liegt;
das Erkennen erkennt in ihnen zunächst nichts als sie. Wer dagegen
einer Sprache mächtig ist und zugleich andere Sprachen in Vergleichung
mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die Bildung eines Volks
in der Grammatik seiner Sprache zu fühlen geben; dieselben Regeln
und Formen haben nunmehr einen erfüllten, lebendigen Werth. Er kann
durch die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes überhaupt, die
Logik, erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt, findet in der
Logik zunächst ein isolirtes System von Abstraktionen, das auf sich
selbst beschränkt, nicht über die anderen Kenntnisse und Wissenschaften
übergreift. Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum der
Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der anderen
Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der absoluten
Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur des Geistes und der Welt, die Wahrheit
zu enthüllen, hat diese Wissenschaft in ihrer abstrakten Gestalt, in
der farblosen, kalten Einfachheit ihrer reinen Bestimmungen vielmehr
das Ansehen, Alles eher zu leisten als dieß Versprechen, und gehaltlos
jenem Reichthum gegenüber zu stehen, Die erste Bekanntschaft mit der
Logik schränkt ihre Bedeutung auf sie selbst ein; ihr Inhalt gilt nur
für eine isolirte Beschäftigung mit den Denkbestimmungen, neben
der die anderen wissenschaftlichen Beschäftigungen ein eigener Stoff
und Gehalt für sich sind, auf welche das Logische etwa einen formellen
Einfluß hat, und zwar einen solchen, der sich mehr von selbst macht,
und für den die wissenschaftliche Gestalt und deren Studium allerdings
auch zur Noth entbehrt werden kann. Die anderen Wissenschaften haben
die regelrechte Methode, eine Folge von Definitionen, Axiomen,
Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu seyn, im Ganzen abgeworfen; die
sogenannte natürliche Logik macht sich für sich in ihnen geltend und
hilft sich ohne besondere, auf das Denken selbst gerichtete Erkenntnis
fort. Vollends aber hält sich der Stoff und Inhalt dieser
Wissenschaften für sich selbst vom Logischen völlig unabhängig, und ist
auch für Sinn, Gefühl, Vorstellung und praktisches Interesse jeder Art
ansprechender.
So muß denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas, das man wohl versteht und einsieht, aber woran
Umfang, Tiefe und weitere Bedeutung anfangs vermißt wird. Erst aus der
tiefern Kenntniß der anderen Wissenschaften erhebt sich für den
subjektiven Geist das Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines,
sondern als das den Reichthum des Besonderen in sich fassende
Allgemeine; - wie derselbe Sittenspruch in dem Munde des Jünglings, der
ihn ganz richtig versteht, nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt,
welchen er im Geiste eines lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit
die ganze Kraft des darin enthaltenen Gehaltes ausdrückt, so erhält das
Logische erst dadurch die Schätzung seines Werths, wenn es zum
Resultate der Erfahrung der Wissenschaften geworden ist; es stellt sich
daraus als die allgemeine Wahrheit, nicht als eine besondere Kenntniß neben anderem Stoffe und Realitäten, sondern als das Wesen alles dieses sonstigen Inhalts dem Geiste dar.
Ob
nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser bewußten
Kraft für den Geist vorhanden ist, so empfängt er durch dasselbe darum
nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle Wahrheit leitet. Das
System der Logik ist das Reich der Schatten, die Welt der einfachen
Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion befreit. Das Studium
dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die Arbeit in diesem
Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des Bewußtseyns. Es
treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und Zwecken, von Gefühlen,
von der bloß gemeinten Vorstellungswelt fernes Geschäft. Von seiner
negativen Seite betrachtet, besteht dieß Geschäft in dem Fernhalten der
Zufälligkeit des raisonnirenden Denkens und der Willkür, diese oder die
entgegengesetzten Gründe sich einfallen oder gelten zu lassen.
Vornehmlich
aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.
Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch Begriffe ohne
sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewußten Macht, die
sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniß und
Wissenschaften in die vernünftige Form aufzunehmen, sie in ihrem
Wesentlichen zu erfassen und festzuhalten, das Aeußerliche abzustreifen
und auf diese Weise aus ihnen das Logische auszuziehen, - oder was
dasselbe ist, die vorher durch das Studium erworbene abstrakte
Grundlage des Logischen mit dem Gehalte aller Wahrheit zu erfüllen, und
ihm den Werth eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein
Besonderes neben anderem Besonderen steht, sondern über alles dieses
übergreift und dessen Wesen, das Absolut-wahre, ist.
In dem, was über den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, daß die allgemeine Eintheilung hier nur vorläufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher historisch hier zum Voraus anzuführen im Stande ist, zu welchen Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen wird.
Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen
erforderlich ist, zum Voraus im Allgemeinen verständlich zu machen,
obgleich auch dabei ein Verfahren der Methode in Anspruch genommen
werden muß, das seine volle Verständigung und Rechtfertigung erst
innerhalb der Wissenschaft erhält. - Zuvörderst also ist zu erinnern,
daß hier vorausgesetzt wird, die Eintheilung müsse mit dem Begriffe zusammenhängen, oder vielmehr in ihm selbst liegen. Der Begriff ist nicht unbestimmt, sondern bestimmt an ihm selbst; die Eintheilung aber drückt entwickelt diese seine Bestimmtheit aus; sie ist das Urtheil desselben, nicht ein Urtheil über irgend einen äußerlich genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen, d.i. Bestimmen
des Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit, Spitzwinklichkeit
u.s.f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach welchen Bestimmungen die
Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in der Bestimmtheit des
Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der
Begriff des Dreiecks genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem,
was für den Begriff des Thieres überhaupt, oder des Säugethiers, Vogels
u.s.w. die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Säugethiere,
Vögel u.s.w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt werden.
Solche Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen Anschauung
aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von Außen hinzu.
In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muß der Begriff
selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen.
Der
Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das Resultat
einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier gleichfalls als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik bestimmte sich danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu ihrem Princip das reine Wissen
habe, die nicht abstrakte, sondern dadurch konkrete lebendige Einheit,
daß in ihr der Gegensatz des Bewußtseyns von einem subjektiv- für sich Seyenden und einem zweiten solchen Seyenden,
einem Objektiven, als überwunden, und das Seyn als reiner Begriff an
sich selbst, und der reine Begriff als das wahrhafte Seyn gewußt wird.
Dieß sind sonach die beiden Momente, welche im Logischen enthalten sind. Aber sie werden nun als untrennbar seyend gewußt, nicht wie im Bewußtseyn jedes auch als für sich seyend; dadurch, allein, daß sie zugleich als unterschiedene (jedoch nicht für sich seyende) gewußt werden, ist ihre Einheit nicht abstrakt, todt, unbewegend, sondern konkret.
Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so daß die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist, nur innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die Eintheilung, wie gesagt worden, das Urtheil
des Begriffs, das Setzen der ihm schon immanenten Bestimmung und damit
seines Unterschiedes ist, so darf dieß Setzen nicht als ein
Wiederauflösen jener konkreten Einheit in ihre Bestimmungen, wie sie
als für sich seyend gelten sollen, gefaßt
werden, was hier ein leeres Zurückgehen auf den vorigen Standpunkt, den
Gegensatz des Bewußtseyns wäre; dieser ist vielmehr verschwunden; jene
Einheit bleibt das Element, und aus ihr tritt jenes Unterscheiden der
Eintheilung und überhaupt der Entwickelung nicht mehr heraus. Damit
sind die früher (auf dem Wege zur Wahrheit) für sich seyenden
Bestimmungen, wie ein Subjektives und Objektives, oder auch Denken und
Seyn oder Begriff und Realität, wie sie in irgend einer Rücksicht
bestimmt worden seyn mögen, nun in ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer Einheit, zu Formen herabgesetzt. In ihrem Unterschiede blieben sie daher selbst an sich der ganze Begriff und dieser wird in der Eintheilung nur unter seinen eigenen Bestimmungen gesetzt.
So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff, das andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff an sich, der Realität oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher, für sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen, im denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewußter noch weniger als gewußter Begriff, im empfindenden Thier, und in der organischen Individualität überhaupt ist; Begriff an sich ist er aber nur in der unorganischen Natur). - Die Logik wäre hiernach zunächst in die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs,
- oder indem wir uns der sonst gewöhnlichen, obgleich der
unbestimmtesten und darum der vieldeutigsten Ausdrücke bedienen, - in
die objektive und subjektive Logik einzutheilen.
Nach
dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs in sich
selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen, müssen diese
ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in ihrem Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander stehen. Es ergiebt sich daraus eine Sphäre der Vermittelung, der Begriff als System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum Insichseyn des Begriffs übergehenden Seyns, der auf diese Weise noch nicht als solcher für sich gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren Seyn als einem ihm auch Aeußeren zugleich behaftet ist. Dieß ist die Lehre von dem Wesen,
die zwischen der Lehre vom Seyn und der vom Begriff inmitten steht. -
Sie ist in der allgemeinen Eintheilung dieses logischen Werks noch
unter die objektive Logik gestellt worden, insofern, ob das Wesen zwar bereits das Innere, dem Begriffe der Charakter des Subjekts ausdrücklich vorzubehalten ist.
Kant hat in neueren Zeiten dem, was gewöhnlich Logik genannt worden, noch eine, nämlich eine transcendentale Logik gegenüber gestellt. Das, was hier objektive Logik genannt worden, würde zum Theil dem entsprechen, was bei ihm die transcendentale Logik ist. Er unterscheidet sie von dem, was er allgemeine Logik nennt, so, daß sie à) die Begriffe betrachte, die sich a priori auf Gegenstände beziehen, somit nicht von allem Inhalte der objektiven Erkenntniß abstrahire, oder daß sie die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes
enthalte, und ß) zugleich auf den Ursprung unserer Erkenntniß gehe,
insofern sie nicht den Gegenständen zugeschrieben werden könne. - Diese
zweite Seite ist es, auf die das philosophische Interesse Kants
ausschließend gerichtet ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem Selbstbewußtseyn, als dem subjektiven Ich,
zu vindiciren. Vermöge dieser Bestimmung bleibt die Ansicht innerhalb
des Bewußtseyns und seines Gegensatzes stehen, und hat außer dem
Empirischen des Gefühls und der Anschauung noch Etwas, das nicht durch
das denkende Selbstbewußtseyn gesetzt und bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem Denken fremdes und äußerliches, übrig bleiben; obgleich leicht einzusehen ist, daß ein solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst nur ein Produkt des, und zwar nur abstrahirenden, Denkens ist. - Wenn andere Kantianer sich über das Bestimmen des Gegenstandes
durch Ich so ausgedrückt haben, daß das Objektiviren des Ich, als ein
ursprüngliches und nothwendiges Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so
daß in diesem ursprünglichen Thun noch nicht die Vorstellung des Ich
selbst ist, - als welche erst ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder
selbst ein Objektiviren jenes Bewußtseyn sey, - so ist dieses von dem
Gegensatze des Bewußtseyns befreite objektivirende Thun näher
dasjenige, was für Denken als solches überhaupt genommen werden kann. Dieses Thun sollte aber nicht mehr
Bewußtseyn genannt werden; Bewußtseyn schließt den Gegensatz des Ich
und seines Gegenstandes in sich, der in jenem ursprünglichen Thun nicht
vorhanden ist. Die Benennung Bewußtseyn wirft noch mehr den Schein von
Subjektivität auf dasselbe, als der Ausdruck Denken, der aber hier überhaupt im absoluten Sinne als unendliches mit der Endlichkeit des Bewußtseyns nicht behaftetes, Denken, kurz Denken als solches, zu nehmen ist.
Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte Transcendentale
der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die Abhandlung derselben selbst
leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst sind, ohne die abstrakte,
allen gleiche Relation auf Ich, ihre Bestimmtheit gegen und ihr
Verhältniß zu einander ist nicht zu einem Gegenstande der Betrachtung
gemacht worden; die Erkenntniß ihrer Natur hat sich daher durch diese
Philosophie nicht im geringsten gefördert gefunden. Das einzige
Interessante, was hierauf Beziehung hat, kommt in der Kritik der Ideen
vor. Für den wirklichen Fortschritt der Philosophie aber war es
nothwendig, daß das Interesse des Denkens auf die Betrachtung der
formellen Seite, des Ich, des Bewußtseyns als solchen, d.i. der
abstrakten Beziehung eines subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen,
daß die Erkenntniß der unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf
diese Weise eingeleitet wurde. Um jedoch diese Erkenntniß zu erreichen,
mußte jene endliche Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewußtseyn
ist, noch abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit
herausgedacht, enthält es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt zu geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit, - als System der Denkbestimmungen.
Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebäude über die Welt war, das nur durch Gedanken aufgeführt
seyn sollte. - Wenn wir auf die letzte Gestalt der Ausbildung dieser
Wissenschaft Rücksicht nehmen, so ist erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die objektive Logik tritt,- der Theil jener Metaphysik, der die Natur des
Ens
überhaupt erforschen sollte; - das Ens begreift sowohl Seyn als Wesen
in sich, für welchen Unterschied unsere Sprache glücklicherweise den
verschiedenen Ausdruck gerettet hat. - Alsdann aber begreift die
objektive Logik auch die übrige Metaphysik insofern in sich, als diese
mit den reinen Denkformen die besondern, zunächst aus der Vorstellung
genommenen Substrate, die Seele, die Welt, Gott, zu fassen suchte, und
die Bestimmungen des Denkens das Wesentliche der Betrachtungsweise ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese Formen frei von jenen Substraten, den Subjekten der Vorstellung,
und ihre Natur und Werth an und für sich selbst. Jene Metaphysik
unterließ dieß und zog sich daher den gerechten Vorwurf zu, sie ohne Kritik
gebraucht zu haben, ohne die vorgängige Untersuchung, ob und wie sie
fähig seyen, Bestimmungen des Dings-an-sich, nach kantischem Ausdruck,
- oder vielmehr des Vernünftigen zu seyen. - Die objektive Logik ist
daher die wahrhafte Kritik derselben, - eine Kritik, die sie nicht nach
der abstrakten Form der Apriorität gegen das Aposteriorische, sondern
sie selbst in ihrem besondern Inhalte betrachtet.
Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,
- des Wesens, das seine Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein
aufgehoben hat, und in seiner Bestimmung nicht äußerlich mehr, sondern
das freie selbstständig, sich in sich bestimmende Subjektive, oder
vielmehr das Subjekt selbst ist. - Indem das Subjektive das Mißverständniß von Zufälligem und Willkürlichem, so wie überhaupt von Bestimmungen, die in die Form des Bewußtseyns gehören, mit sich führt, so ist hier auf den Unterschied von Subjektivem und Objektivem, der sich späterhin innerhalb der Logik selbst näher entwickeln wird, kein besonderes Gewicht zu legen.
Die Logik zerfällt also zwar überhaupt in objektive und subjektive Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile:
I. Die Logik des Seyns,
II. die Logik des Wesens und
III. die Logik des Begriffs.
In neuern Zeiten erst ist das Bewußtseyn entstanden, daß es eine Schwierigkeit sey, einen Anfang
in der Philosophie zu finden, und der Grund dieser Schwierigkeit so wie
die Möglichkeit, sie zu lösen, ist vielfältig besprochen worden. Der
Anfang der Philosophie muß entweder ein Vermitteltes oder Unmittelbares
seyn, und es ist leicht zu zeigen, daß es weder das Eine noch das
Andere seyn könne; somit findet die eine oder die andere Weise des
Anfangens ihre Widerlegung.
Das Princip einer Philosophie drückt wohl auch einen Anfang aus, aber nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge. Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt, - das Wasser, das Eine, Nus
, Idee, - Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die Natur des
Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine objektive
Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die
Subjektivität selbst, so ist es hier gleichfalls die Inhaltsbestimmung,
auf welche das Interesse geht. Das Anfangen als solches dagegen bleibt
als ein Subjektives in dem Sinne einer zufälligen Art und Weise, den
Vortrag einzuleiten, unbeachtet und gleichgültig, somit auch das
Bedürfniß der Frage, womit anzufangen sey, unbedeutend gegen das
Bedürfniß des Princips, als in welchem allein das Interesse der Sache zu liegen scheint, das Interesse, was das Wahre, was der absolute Grund von Allem sey.
Aber
die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren
Bedürfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es
dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch um
das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches
Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der
Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller
Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik überhoben seyn wollten. Wenn das früher abstrakte Denken zunächst nur für das Princip als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung auf die andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten getrieben ist, so wird auch das subjektive
Thun als wesentliches Moment der objektiven Wahrheit erfaßt, und das
Bedürfniß führt sich herbei, daß die Methode mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip vereint sey. So soll das Princip auch Anfang und das, was das
Prius
für das Denken ist, auch das Erste im Gange des Denkens seyn.
Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische
Anfang erscheint; die beiden Seiten, nach denen er genommen werden
kann, sind schon genannt, entweder als Resultat auf vermittelte, oder
als eigentlicher Anfang auf unmittelbare Weise. Die in der Bildung der
Zeit so wichtig erscheinende Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein
unmittelbares, schlechthin anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber
ein vermitteltes Wissen sey, ist an diesem Orte nicht zu erörtern.
Insofern solche Betrachtung vorläufig angestellt werden kann, ist dieß anderwärts (in m. Encykl. der philos. Wissenschaf. 3te Ausg. im Vorbegr. _. 61. ff.) geschehen. Hier mag daraus nur dieß angeführt werden, daß es Nichts giebt,
nichts im Himmel oder in der Natur oder im Geiste oder wo es sey, was
nicht ebenso die Unmittelbarkeit enthält, als die Vermittelung, so daß
sich diese beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener Gegensatz sich als ein Richtiges zeigt. Was aber die wissenschaftliche Erörterung
betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die Bestimmungen
der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die Erörterung ihres
Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt. Insofern dieser Gegensatz in
Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die konkretere Gestalt von
unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhält, wird die Natur
des Erkennens überhaupt, sowohl innerhalb der Wissenschaft der Logik
betrachtet, als dasselbe in seiner weitern konkreten Form, in die
Wissenschaft vom Geiste, und in die Phänomenologie desselben fällt. Vor der Wissenschaft aber schon über das Erkennen ins Reine kommen wollen, heißt verlangen, daß es außerhalb derselben erörtert werden sollte; außerhalb
der Wissenschaft läßt sich dieß wenigstens nicht auf wissenschaftliche
Weise, um die es hier allein zu thun ist, bewerkstelligen.
Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei für sich seyenden Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll. Vermittelt ist es hiermit dadurch, daß das reine Wissen die letzte, absolute Wahrheit des Bewußtseyns ist. Es ist in der Einleitung bemerkt, daß die Phänomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewußtseyns, die Darstellung davon ist, daß das Bewußtseyn den Begriff
der Wissenschaft, d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat. Die Logik
hat insofern die Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer
Voraussetzung, welche die Nothwendigkeit und damit den Beweis der
Wahrheit des Standpunkts, der das reine Wissen ist, wie dessen
Vermittelung überhaupt, enthält und aufzeigt. In dieser Wissenschaft
des erscheinenden Geistes wird von dem empirischen, sinnlichen Bewußtseyn ausgegangen; und dieses ist das eigentliche unmittelbare
Wissen; daselbst wird erörtert, was an diesem unmittelbaren Wissen ist.
Anderes Bewußtseyn, wie der Glaube an göttliche Wahrheiten, innere
Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung
u.s.f. zeigt sich bei geringer Ueberlegung sehr uneigentlich als
unmittelbares Wissen aufgeführt zu werden. In jener Abhandlung ist das
unmittelbare Bewußtseyn auch das in der Wissenschaft Erste und
Unmittelbare, somit die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige
die Voraussetzung, was aus jener Betrachtung sich als das Resultat
erwiesen hatte, - die Idee als reines Wissen. Die Logik, ist die reine Wissenschaft,
d.i. das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner Entwickelung. Diese
Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin bestimmt, die zur Wahrheit
gewordenen Gewißheit zu seyn, die Gewißheit, die nach der einen Seite
dem Gegenstande nicht mehr gegenüber ist, sondern ihn innerlich gemacht
hat, ihn als sich selbst weiß, - und die auf der andern Seite das
Wissen von sich als von einem, das dem Gegenständlichen gegenüber und
nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben, dieser Subjektivität entäußert
und Einheit mit seiner Entäußerung ist.
Daß
nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang seiner
Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu betrachten
oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller Meinungen,
die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist.
Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen,
hat alle Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es
ist das Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hört somit selbst
auf, Wissen zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden.
Die
einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und bezieht
sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem wahren
Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine Seyn. Wie das reine Wissen nichts heißen soll, als das Wissen als solches, ganz abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heißen, als das Seyn überhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung und Erfüllung.
Hier
ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar durch sie,
welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden, dargestellt; mit
der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats des endlichen
Wissens, des Bewußtseyns. Soll aber keine Voraussetzung gemacht, der
Anfang selbst unmittelbar genommen werden, so bestimmt er sich
nur dadurch, daß es der Anfang der Logik des Denkens für sich, seyn
soll. Nur der Entschluß, den man auch für eine Willkür ansehen kann,
nämlich daß man das Denken als solches betrachten wolle, ist vorhanden. So muß der Anfang absoluter oder was hier gleichbedeutend ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so nichts voraussetzen,
muß durch nichts vermittelt seyn, noch einen Grund haben; er soll
vielmehr selbst Grund der ganzen Wissenschaft seyn. Er muß daher
schlechthin ein Unmittelbares seyn, oder vielmehr nur das Unmittelbare
selbst. Wie er nicht gegen Anderes eine Bestimmung haben kann, so kann
er auch keine in sich, keinen Inhalt enthalten, denn dergleichen wäre
Unterscheidung und Beziehung von Verschiedenem aufeinander, somit eine
Vermittelung. Der Anfang ist also das reine Seyn.
Nach
dieser einfachen Darlegung dessen, was zunächst nur zu diesem selbst
Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehört, können noch folgende
weitere Reflexionen beigebracht werden; doch können sie nicht sowohl
zur Erläuterung und Bestätigung jener Darlegung, die für sich fertig
ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch Vorstellungen und
Reflexionen veranlaßt werden, die uns zum Voraus in den Weg kommen
können, jedoch, wie alle andere vorangehende Vorurtheile, in der
Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden müssen, und daher eigentlich
zur Geduld hierauf zu verweisen wären.
Die Einsicht, daß das Absolut-Wahre ein Resultat seyn
müsse, und umgekehrt, daß ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt,
das aber, weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig,
und nach der subjektiven Seite, nicht erkannt ist,- hat in neuern
Zeiten den Gedanken hervorgebracht, daß die Philosophie nur mit einem hypothetischen und problematischen Wahren anfangen, und das Philosophiren daher zuerst nur ein Suchen seyn könne, eine Ansicht, welche Reinhold
in den spätern Zeiten seines Philosphirens vielfach urgiert hat, und
der man die Gerechtigkeit widerfahren lassen muß, daß ihr ein
wahrhaftes Interesse zu Grunde liegt, welches die spekulative Natur des
philosophischen Anfangs betrifft. Die Auseinandersetzung dieser
Ansicht ist zugleich eine Veranlassung, ein vorläufiges Verständniß
über den Sinn des logischen Fortschreitens überhaupt, einzuleiten; denn
jene Ansicht schließt die Rücksicht auf das Fortgehen sogleich in sich.
Und zwar stellt sie es so vor, daß das Vorwärtsschreiten in der
Philosophie vielmehr ein Rückwärtsgehen und Begründen sey, durch
welches erst sich ergebe, daß das, womit angefangen wurde, nicht bloß
ein willkürlich Angenommenes, sondern in der That Theils das Wahre, Theils das erste Wahre sey.
Man
muß zugeben, daß es eine wesentliche Betrachtung ist, - die sich
innerhalb der Logik selbst näher ergeben wird, - daß das Vorwärtsgehen
ein Rückgang in den Grund, zu dem Ursprünglichen und Wahrhaften
ist, von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhängt, und in der
That hervorgebracht wird. - So wird das Bewußtseyn auf seinem Wege von
der Unmittelbarkeit aus, mit der es anfängt, zum absoluten Wissen, als
seiner innersten Wahrheit, zurückgeführt. Dieß Letzte, der
Grund, ist denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das
zuerst als Unmittelbares auftrat. - So wird noch mehr der absolute
Geist, der als die konkrete und letzte höchste Wahrheit alles Seyns
sich ergiebt, erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entäußernd und sich zur Gestalt eines unmittelbaren
Seyns entlassend, - zur Schöpfung einer Welt sich entschließend, welche
alles das enthält, was in die Entwickelung, die jenem Resultate
vorangegangen, fiel, und das durch diese umgekehrte Stellung, mit
seinem Anfang in ein von dem Resultate als dem Principe Abhängiges
verwandelt wird. Das Wesentliche für die Wissenschaft, ist nicht so
sehr, daß ein rein Unmittelbares der Anfang sey, sondern daß das Ganze
derselben ein Kreislauf in sich selbst ist, worin das Erste auch das
Letzte, und das Letzte auch das Erste wird.
Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig, dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurückgeht, als Resultat
zu betrachten. Nach dieser Rücksicht ist das Erste ebenso sehr der
Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem Ersten
ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als auf den
Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat. Der Fortgang ferner
von dem, was den Anfang macht, ist nur als eine weitere Bestimmung
desselben zu betrachten, so daß das Anfangende allem Folgenden zu
Grunde liegen bleibt, und nichts daraus verschwindet. Das Fortgehen
besteht nicht darin, daß nur ein Anderes abgeleitet, oder daß
in ein wahrhaft Anderes übergegangen würde; - und insofern dieß
Uebergehen vorkommt, so hebt es sich ebenso sehr wieder auf. So ist der
Anfang der Philosophie, die in allen folgenden Entwickelungen
gegenwärtige und sich erhaltende Grundlage, das seinen weiteren
Bestimmungen durchaus immanent Bleibende.
Durch
diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser
Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes überhaupt zu seyn,
einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der
wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise. - Zugleich ergiebt sich, daß das, was den Anfang macht, indem es darin das noch Unentwickelte, Inhaltlose
ist, im Anfange noch nicht wahrhaft erkannt wird, und daß erst die
Wissenschaft, und zwar in ihrer ganzen Entwickelung, seine vollendete,
inhaltsvolle und erst wahrhaft begründete Erkenntniß ist.
Darum aber, weil das Resultat
erst als der absolute Grund hervortritt, ist das Fortschreiten dieses
Erkennens nicht etwas Provisorisches, noch ein problematisches und
hypothetisches, sondern es muß durch die Natur der Sache und des
Inhaltes selbst bestimmt seyn. Weder ist jener Anfang etwas
Willkürliches und nur einstweilen Angenommenes, noch ein als
willkürlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes, von dem sich
aber doch in der Folge zeige, daß man Recht daran gethan habe, es zum
Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die man zum Behuf
des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen angewiesen wird, es
der Fall ist, daß von ihnen es sich erst hinterher an den Beweisen
ergiebt, daß man wohlgethan habe, gerade diese Linien zu ziehen, und
dann in den Beweisen selbst, mit der Vergleichung dieser Linien oder
Winkel anzufangen; für sich an diesem Linienziehen oder Vergleichen
begreift es sich nicht. So ist vorhin der Grund, warum in der
reinen Wissenschaft vom reinen Seyn angefangen wird, unmittelbar an ihr
selbst angegeben worden. Dieß reine Seyn ist die Einheit, in die das
reine Wissen zurückgeht, oder wenn dieses selbst noch als Form von
seiner Einheit unterschieden gehalten werden soll, so ist es auch der
Inhalt desselben. Dieß ist die Seite, nach welcher dieß reine Seyn,
dieß Absolut-Unmittelbare, ebenso absolut Vermitteltes ist. Aber es muß
ebenso wesentlich nur in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu
seyn, genommen werden, eben weil es hier als der Anfang ist.
Insofern es nicht diese reinen Unbestimmtheit, insofern es bestimmt
wäre, würde es als Vermitteltes, schon weiter Geführtes, genommen; ein
Bestimmtes enthält ein Anderes zu einem Ersten. Es liegt also in der Natur
des Anfangs selbst, daß er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf
daher keiner sonstigen Vorbereitungen, um in die Philosophie
hineinzukommen, noch anderweitiger Reflexionen und Anknüpfungspunkte.
Daß der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich auch keine nähere Bestimmung oder ein positiver
Inhalt für denselben genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im
Anfange, wo die Sache selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort
oder irgend eine angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine
Wissen giebt nur diese negative Bestimmung, daß er der abstrakte Anfang seyn soll. Insofern das reine Seyn als Inhalt
des reinen Wissens genommen wird, so hat dieses von seinem Inhalte
zurückzutreten, ihn für sich selbst gewähren zu lassen und nicht weiter
zu bestimmen. - Oder indem das reine Seyn als die Einheit zu betrachten
ist, in die das Wissen, auf seiner höchsten Spitze der Einigung mit dem
Objekte, zusammengefallen, so ist das Wissen in diese Einheit
verschwunden, und hat keinen Unterschied von ihr und somit keine
Bestimmung für sich übrig gelassen. - Auch sonst ist nicht Etwas, oder
irgend ein Inhalt vorhanden, der gebracht werden könnte, um damit den
bestimmteren Anfang zu machen.
Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns könnte weggelassen werden, so daß nur gefordert würde, daß ein reiner Anfang gemacht werde. Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang
selbst, und es wäre zu sehen, was er ist. - Diese Stellung könnte
zugleich als ein Vorschlag zur Güte an diejenigen gemacht werden,
welche Theils damit, daß mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen
Reflexionen es sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem
Erfolge, den das Seyn hat, in das Nichts überzugehn, - Theils überhaupt
nicht anders wissen, als daß in einer Wissenschaft mit der Voraussetzung einer Vorstellung angefangen werde, - einer Vorstellung, welche hierauf analysirt
werde, so daß nun das Ergebniß solcher Analyse den ersten bestimmten
Begriff in der Wissenschaft abgebe. Indem wir auch dieß Verfahren
beobachteten, so hätten wir keinen besondern Gegenstand, weil der
Anfang als des Denkens, ganz abstrakt, ganz allgemein, ganz
Form ohne allen Inhalt seyn soll; wir hätten somit gar nichts, als die
Vorstellung von einem bloßen Anfang als solchem. Es ist also nur zu
sehen, was wir in dieser Vorstellung haben.
Es
ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht das
reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll; das Seyn
ist also auch schon im Anfang enthalten. Der Anfang enthält also
Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts; - oder
ist Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich Nichtseyn ist.
Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden
vorhanden; denn er weißt auf etwas Anderes hin; - er ist ein Nichtseyn,
das auf das Seyn als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist
noch nicht; es geht erst dem Seyn zu. Der Anfang enthält also das Seyn
als ein solches, das sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt,
als ein ihm Entgegengesetztes.
Ferner aber ist das, was anfängt, schon, eben so sehr aber ist es auch noch nicht. Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also in ihm in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre ununterschiedene Einheit.
Die
Analyse des Anfangs gäbe somit den Begriff der Einheit des Seyns und
des Nichtseyns, - oder in reflektirterer Form, der Einheit des
Unterschieden- und des Nichtunterschiedenseyns, - oder der Identität
der Identität und Nichtidentität. Dieser Begriff könnte als die erste,
reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen werden; -
wie er dieß in der That seyn würde, wenn es überhaupt um die Form von
Definitionen und um den Namen des Absoluten zu
thun wäre. In diesem Sinne würden, wie jener abstrakte Begriff die
erste, so alle weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere
und reichere Definitionen dieses Absoluten seyn. Aber die, welche mit
dem Seyn als Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in
Nichts übergeht, und daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht,
mögen zusehen, ob sie mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des Anfangs
anfängt, und mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird, aber
gleichfalls auf die Einheit des Seyns und Nichts führt, zufriedener
seyn mögen, als damit, daß das Seyn zum Anfange gemacht wird.
Es
ist aber noch einen weitere Betrachtung über dieses Verfahren zu
machen. Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt
voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren
worden. Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise an,
daß jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin ungefähr
dieselben Bestimmungen finden möge, die sie durch Analyse, Vergleichung
und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther beibringen und
angeben. Das aber, was den absoluten Anfang macht, muß gleichfalls ein
sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes, somit in sich
mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung, die es in sich ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit als etwas Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie ist nur Beziehung als von Unterschiedenen, enthält somit die Vermittelung
in sich. Ferner tritt am Konkreten die Zufälligkeit und Willkür der
Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein. Welche Bestimmungen
herausgebracht werden, hängt von dem ab, was jeder in seiner
unmittelbaren zufälligen Vorstellung vorfindet. Die in einem Konkreten, einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine nothwendige nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die eigenen Bewegung der Momente, in
diese Einheit zurück zu gehen, hervorgebracht ist; - eine Bewegung, die
das Gegentheil des analytischen Verfahrens ist, eines der Sache selbst
äußerlichen, in das Subjekt fallenden Thuns.
Hierin
ist auch das Nähere enthalten, daß das, womit der Anfang zu machen ist,
nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das eine Beziehung innerhalb seiner selbst
enthält. Denn ein solches setzt ein Vermitteln und Herübergehen von
einem Ersten zu einem Anderen innerhalb seiner, voraus, wovon das
einfachgewordene Konkrete das Resultat wäre. Aber der Anfang soll nicht
selbst schon ein Erstes und ein Anders seyn; ein solches das ein Erstes und
ein Anderes in sich ist, enthält bereits ein Fortgegangenseyn. Was den
Anfang macht, der Anfang selbst, ist daher als ein Nichtanalysirbares,
in seiner einfachen unerfüllten Unmittelbarkeit, also als Seyn, als das ganz Leere zu nehmen.
Wenn
man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs ungeduldig,
sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen werden, sondern
geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als jenes
leere Seyn; denn was die Sache sey, dieß ist es, was sich eben erst im
Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als bekannt
vorausgesetzt werden kann.
Welche
Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben, als das
leere Seyn, so leidet er an den angeführten Mängeln. Diejenigen, welche
mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, mögen sich zu der Aufgabe
auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese Mängel zu vermeiden.
Ein
origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwähnt
gelassen werden, der sich in neuerer Zeit berühmt gemacht hat, der
Anfang mit dem Ich. Er kam Theils aus der Reflexion, daß aus
dem ersten Wahren alles Folgende abgeleitet werden müsse, Theils aus
dem Bedürfnisse, daß das erste Wahre ein Bekanntes und noch mehr ein unmittelbar Gewisses sey.
Dieser Anfang ist im Allgemeinen nicht eine solche Vorstellung, die
zufällig ist, und in einem Subjekte so, in einem andern anders,
beschaffen seyn kann. Denn Ich, dieß unmittelbare Selbstbewußtseyn,
erscheint zunächst selbst Theils als ein Unmittelbares, Theils als ein
in einem viel höhern Sinne Bekanntes, als eine sonstige Vorstellung;
etwas sonst Bekanntes gehört zwar dem Ich an, aber ist noch ein von ihm
unterschiedener, damit sogleich zufälliger Inhalt; Ich hingegen ist die
einfache Gewißheit seiner selbst. Aber Ich überhaupt ist auch zugleich
ein Konkretes, oder Ich ist vielmehr das Konkreteste,- das Bewußtseyn
seiner, als unendlich mannigfaltiger Welt. Daß Ich Anfang und Grund der
Philosophie sey, dazu wird die Absonderung dieses Konkreten erfordert,
- der absolute Akt, wodurch Ich von sich selbst gereinigt wird, und als
abstraktes Ich in sein Bewußtseyn tritt. Allein dieß reine Ich ist nun nicht
ein unmittelbares, noch das bekannte, das gewöhnliche Ich unsers
Bewußtseyns, woran unmittelbar und für jede die Wissenschaft angeknüpft
werden sollte. Jener Akt wäre eigentlich nichts Anderes, als die
Erhebung auf den Standpunkt des reinen Wissens, auf welchem der
Unterschied des Subjektiven und Objektiven verschwunden ist. Aber wie
diese Erhebung so unmittelbar gefordert ist, ist sie ein
subjektives Postulat; um als wahrhafte Forderung sich zu erweisen,
müßte die Fortbewegung des konkreten Ichs vom unmittelbaren Bewußtseyn
zum reinen Wissen an ihm selbst, durch seine eigene Nothwendigkeit,
aufgezeigt und dargestellt worden seyn. Ohne diese objektive Bewegung
erscheint das reine Wissen, auch als die intellektuelle Anschauung bestimmt, als ein willkürlicher Standpunkt, oder selbst als einer der empirischen Zustände des Bewußtseyns, in Rücksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn der Eine in sich vorfinde oder hervorbringen könne, ein Anderer aber nicht. Insofern aber dieß reine Ich das wesentliche
reine Wissen seyn muß, und das reine Wissen aber nur durch den
absoluten Akt der Selbsterhebung im individuellen Bewußtseyn gesetzt
wird, und nicht unmittelbar in ihm vorhanden ist, geht gerade der
Vortheil verloren, der aus diesem Anfange der Philosophie entspringen
soll, daß er nämlich etwas schlechthin Bekanntes sey, was jeder
unmittelbar in sich finde, und daran die weitere Reflexion anknüpfen
könne; jenes reine Ich ist vielmehr in seiner abstrakten Wesenheit,
etwas dem gewöhnlichen Bewußtseyn Unbekanntes, etwas, das es nicht
darin vorfindet. Damit tritt vielmehr der Nachtheil der Täuschung ein,
daß von etwas Bekanntem, dem Ich des empirischen Selbstbewußtseyns die
Rede seyn solle, indem in der That von etwas diesem Bewußtseyn Fernem
die Rede ist. Die Bestimmung des reinen Wissens als Ich, führt die
fortdauernde Rückerinnerung an das subjektive Ich mit sich, dessen
Schranken vergessen werden sollen, und erhält die Vorstellung
gegenwärtig, als ob die Sätze und Verhältnisse, die sich in der weitern
Entwickelung vom Ich ergeben, im gewöhnlichen Bewußtseyn, da es ja das
sey, von dem sie behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden
werden können. Diese Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit
vielmehr nur eine um so grellere Verwirrung und gänzliche
Desorientirung hervor; nach Außen hat sie vollends die gröbsten
Mißverständnisse veranlaßt.
Was ferner die subjektive
Bestimmtheit des Ich überhaupt betrifft, so benimmt wohl das reine
Wissen dem Ich seine beschränkte Bedeutung, an einem Objekte seinen
unüberwindlichen Gegensatz zu haben. Aus diesem Grunde wäre es aber
wenigstens überflüssig, noch diese subjektive Haltung und die
Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beizubehalten. Allein diese
Bestimmung führt nicht nur jene störende Zweideutigkeit mit sich,
sondern sie bleibt auch, näher betrachtet, ein subjektives Ich. Die
wirkliche Entwickelung der Wissenschaft, die vom Ich ausgeht, zeigt es,
daß das Objekt darin die perennirende Bestimmung eines Anderen
für das Ich hat und behält, daß also das Ich, von dem ausgegangen wird,
nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des Bewußtseyns in Wahrheit
überwunden hat, sondern noch in der Erscheinung befangen ist.
Es ist hierbei noch die wesentliche Bemerkung in machen, daß wenn an sich wohl Ich
als das reinen Wissen oder als intellektuelle Anschauung bestimmt und
als Anfang behauptet werden könnte, daß es in der Wissenschaft nicht um
das zu thun ist, was an sich oder innerlich vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Denken, und um die Bestimmtheit,
die ein solches in diesem Daseyn hat. Was aber von der intellektuellen
Anschauung - oder wenn ihr Gegenstand das Ewige, das Göttliche, das
Absolute genannt wird, - was vom Ewigen oder Absoluten im Anfange der Wissenschaft da
ist, dieß kann nichts Anderes seyn, als erste, unmittelbare, einfache
Bestimmung. Welcher reichere Name ihm gegeben werde, als das bloße Seyn
ausdrückt, so kann nur in Betracht kommen, wie solches Absolute in das denkende
Wissen und in das Aussprechen dieses Wissens eintritt. Die
intellektuelle Anschauung ist wohl die gewaltsame Zurückweisung des
Vermittelns und der beweisenden, äußerlichen Reflexion. Was sie aber
mehr ausspricht, als einfache Unmittelbarkeit, ist ein Konkretes, ein
in sich verschiedene Bestimmungen Enthaltendes. Das Aussprechen und die
Darstellung eines solchen jedoch ist, wie schon bemerkt, eine
vermittelnde Bewegung, die von einer der Bestimmungen anfängt,
und zu der anderen fortgeht, wenn diese auch zur ersten zurückgeht; -
es ist eine Bewegung, die zugleich nicht willkürlich oder assertorisch
seyn darf. Von was daher in solcher Darstellung angefangen
wird, ist nicht das Konkrete selbst, sondern nur das einfache
Unmittelbare, von dem die Bewegung ausgeht. Außerdem fehlt, wenn ein
Konkretes zum Anfange gemacht wird, der Beweis, dessen die Verbindung
der im Konkreten enthaltenen Bestimmungen bedarf.
Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes (und das unbestrittenste Recht hätte Gott, daß mit ihm der Anfang gemacht werde), wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt, als im reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen als denkendes, nicht vorstellendes erst hervortreten; das was darin liegt, es sey so reich, als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst
hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als
der reine Anfang; nur das Unmittelbare ist einfach, denn nur im
Unmittelbaren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von Einem zu einem
Anderen. Was somit über das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn
soll, in den reicheren Formen des Vorstellens von Absolutem oder Gott,
dieß ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; dieß Einfache, das
sonst keine weitere Bedeutung hat, dieß Leere ist also schlechthin der
Anfang der Philosophie.
Diese
Einsicht ist selbst so einfach, daß dieser Anfang als solcher, keiner
Vorbereitung noch weiteren Einleitung bedarf; und diese Vorläufigkeit
von Raisonnement über ihn konnte nicht die Absicht haben, ihn
herbeizuführen, als vielmehr alle Vorläufigkeit zu entfernen.
Das Seyn ist zuerst gegen Anderes überhaupt bestimmt;
Zweitens ist es sich innerhalb seiner selbst bestimmend;
Drittens,
indem diese Vorläufigkeit des Eintheilens weggeworfen ist, ist es die
abstrakte Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit, in der es der Anfang seyn
muß.
Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen
ab, indem es weiterhin in seiner Entwickelung seine Totalität nur als
Eine Sphäre des Begriffs erweist, und ihr als Moment eine andere Sphäre
gegenüberstellt.
Nach der zweiten
ist es die Sphäre, innerhalb welcher die Bestimmungen und die ganze
Bewegung seiner Reflexion fällt. Das Seyn wird sich darin in den drei
Bestimmungen setzen:
I. als Bestimmtheit; als solche, Qualität;
II. als aufgehobene Bestimmtheit; Größe, Quantität;
III. als qualitativ bestimmte Quantität; Maaß.
Diese
Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen Eintheilungen
überhaupt erinnert worden, eine vorläufige Anführung; ihre Bestimmungen
haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu entstehen, sich dadurch
zu definiren und zu rechtfertigen. Ueber die Abweichung dieser
Eintheilung von der gewöhnlichen Aufführung der Kategorien, nämlich als
Quantität, Qualität, Relation und Modalität, was übrigens bei Kant
nur die Titel für seine Kategorien seyn sollen, in der That aber
selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind, - ist hier nichts zu
erinnern, da die ganze Ausführung das überhaupt von der gewöhnlichen
Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende zeigen wird.
Nur dieß kann etwa bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der Quantität von der Qualität
aufgeführt wird, - und dieß - wie das Meiste - ohne weiteren Grund. Es
ist bereits gezeigt worden, daß der Anfang sich mit dem Seyn als solchem
macht, daher mit dem qualitativen Seyn. Aus der Vergleichung der
Qualität mit der Quantität erhellt leicht, daß jene die der Natur nach
erste ist. Denn die Quantität ist die schon negativ gewordenen
Qualität; die Größe ist die Bestimmtheit, die nicht mehr mit
dem Seyn Eins, sondern schon von ihm unterschieden, die aufgehobene,
gleichgültig gewordenen Qualität ist. Sie schließt die Veränderlichkeit
des Seyns ein, ohne daß die Sache selbst, das Seyn, dessen Bestimmung
sie ist, durch sie verändert werde; da hingegen die qualitative
Bestimmtheit mit ihrem Seyn Eins ist, nicht
darüber hinausgeht, noch innerhalb desselben steht, sondern dessen
unmittelbare Beschränktheit ist. Die Qualität ist daher, als die unmittelbare Bestimmtheit die erste und mit ihr der Anfang zu machen.
Das Maaß ist eine Relation,
aber nicht die Relation überhaupt, sondern bestimmt der Qualität und
Quantität zu einander; die Kategorien, die Kant unter der Relation
befaßt, werden ganz anderwärts ihre Stelle nehmen. Das Maaß kann auch
für eine Modalität, wenn man will, angesehen werden; aber indem bei Kant
diese nicht mehr eine Bestimmung des Inhalts ausmachen, sondern nur die
Beziehung desselben auf das Denken, auf das Subjektive, angehen soll,
so ist dieß eine ganz heterogene, hierher nicht gehörige Beziehung.
Die dritte Bestimmung des Seyns
fällt innerhalb des Abschnittes, der Qualität, indem es sich als
abstrakte Unmittelbarkeit zu einer einzelnen Bestimmtheit gegen seine
anderen innerhalb seiner Sphäre herabsetzt.
Das
Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der Bestimmtheit
gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb seiner selbst
erhalten kann. Dieß reflexionslose Seyn ist das Seyn, wie es
unmittelbar nur an ihm selber ist. Weil es unbestimmt ist, ist es
qualitätsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative zu. Dem Seyn überhaupt tritt aber das bestimmte
Seyn als solches gegenüber, damit aber macht seine Unbestimmtheit
selbst seine Qualität aus. Es wird sich daher zeigen, daß das erste Seyn, an sich bestimmtes, und hiermit
Zweitens, daß es in das Daseyn übergeht, Daseyn ist, daß aber dieses als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des Seyns auf sich selbst,
Drittens in das Fürsichseyn übergeht.
Seyn, reines Seyn, - ohne alle weitere Bestimmung. In seiner unbestimmten Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst
gleich, und auch nicht ungleich gegen Anderes, hat keine
Verschiedenheit innerhalb seiner, noch nach Außen. Durch irgend eine
Bestimmung oder Inhalt, der in ihm unterschieden, oder wodurch es als
unterschieden von einem Anderen gesetzt würde, würde es nicht in seiner
Reinheit festgehalten. Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere. - Es
ist nichts in ihm anzuschauen, wenn von Anschauen hier
gesprochen werden kann; oder es ist nur dieß reine, leere Anschauen
selbst. Es ist eben so wenig etwas in ihm zu denken, oder es ist ebenso
nur dieß leere Denken. Das Seyn, das unbestimmte Unmittelbare ist in
der That Nichts, und nicht mehr noch weniger als Nichts.
Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit ist, ist weder das Seyn, noch
das Nichts, sondern daß das Seyn in Nichts, und das Nichts in Seyn, -
nicht übergeht, - sondern übergegangen ist. Aber eben so sehr ist die
Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind, und unmittelbar jedes in seinem Gegentheil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem andern; das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich eben so unmittelbar aufgelöst hat.
Nichts pflegt dem Etwas
entgegengesetzt zu werden; Etwas aber ist schon ein bestimmtes
Seyendes, das sich von anderem Etwas unterscheidet; so ist also auch
das dem Etwas entgegengesetzte Nichts, das Nichts von irgend Etwas, ein
bestimmtes Nichts.
Hier
aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen. -
Wollte man es für richtiger halten, daß statt des Nichts dem Seyn das Nichtseyn entgegengesetzt würde, so wäre in Rücksicht auf das Resultat nichts dawider zu haben, denn im Nichtseyn ist die Beziehung auf das Seyn enthalten; es ist Beides, Seyn und die Negation desselben, in Einem
ausgesprochen, das Nichts, wie es im Werden ist. Aber es ist zunächst
nicht um die Form der Entgegensetzung, d. i. zugleich der Beziehung
zu thun, sondern um die abstrakte, unmittelbare Negation, das Nichts
rein für sich, die beziehungslose Verneinung, - was man, wenn man will,
auch durch das bloße: Nicht ausdrücken könnte.
Den einfachen Gedanken des reinen Seyns haben die Eleaten zuerst, vorzüglich Parmenides
als das Absolute und als einzige Wahrheit, und in den übergebliebenen
Fragmenten von ihm, mit der reinen Begeisterung des Denkens, das zum
ersten Male sich in seiner absoluten Abstraktion erfaßt, ausgesprochen:
nur das Seyn ist, und das Nichts ist gar nicht. - In orientalischen Systemen, wesentlich im Buddaismus ist bekanntlich das Nichts, das Leere, das absolute Princip. - Der tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und einseitige Abstraktion den höheren totalen Begriff des Werdens hervor, und sagte: das Seyn ist so wenig, als das Nichts, oder auch Alles fließt, das heißt, Alles ist Werden.
- Die populären, besonders orientalischen Sprüche, daß alles, was ist,
den Keim seines Vergehens in seiner Geburt selbst habe, der Tod
umgekehrt der Eingang in neues Leben sey, drücken im Grunde dieselbe
Einigung des Seyns und Nichts aus. Aber diese Ausdrücke haben ein
Substrat, an dem der Uebergang geschieht; Seyn und Nichts werden in der
Zeit auseinander gehalten, als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht
aber in ihrer Abstraktion gedacht, und daher auch nicht so, daß sie an
und für sich dasselbe sind.
Ex nihilo nihil fit
- ist einer der Sätze, denen in der Metaphysik große Bedeutung
zugeschrieben wurde. Es ist darin entweder nur die gehaltlose
Tautologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das Werden wirkliche Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem nur Nichts aus Nichts wird, in der That kein Werden
darin vorhanden, denn Nichts bleibt darin Nichts. Das Werden enthält,
daß Nichts nicht Nichts bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn
übergehe. - Wenn die spätere vornehmlich christliche Metaphysik den
Satz, aus Nichts werde Nichts, verwarf, so behauptete sie einen
Uebergang von Nichts in Seyn; so synthetisch oder bloß vorstellend sie
auch diesen Satz nahm, so ist doch auch in der unvollkommensten
Vereinigung ein Punkt enthalten, worin Seyn und Nichts zusammentreffen,
und ihre Unterschiedenheit verschwindet. - Seine eigentliche
Wichtigkeit hat der Satz: Aus Nichts wird Nichts, Nichts ist eben
Nichts, durch seinen Gegensatz gegen das Werden überhaupt und damit
auch gegen die Erschaffung der Welt aus Nichts. Diejenigen, welche den Satz: Nichts ist eben Nichts, sogar sich dafür ereifernd, behaupten, sind bewußtlos darüber, daß sie damit dem abstrakten Pantheismus
der Eleaten, der Sache nach auch dem spinozistischen, beipflichten. Die
philosophische Ansicht, welcher: Seyn ist nur Seyn, Nichts ist nur
Nichts, als Princip gilt, verdient den Namen Identitätssystem; diese
abstrakte Identität ist das Wesen des Pantheismus.
Wenn
das Resultat, daß Seyn und Nichts dasselbe ist, für sich auffällt oder
paradox scheint, so ist hierauf nicht weiter zu achten; es wäre sich
vielmehr über jene Verwunderung zu verwundern, die sich so neu in der
Philosophie zeigt und vergißt, daß in dieser Wissenschaft ganz andere
Bestimmungen vorkommen, als im gewöhnlichen Bewußtseyn und im
sogenannten gemeinen Menschenverstande, der nicht gerade der gesunde,
sondern auch der zu Abstraktionen und zu dem Glauben oder vielmehr
Aberglauben an Abstraktionen heraufgebildete Verstand ist. Es wäre
nicht schwer, diese Einheit von Seyn und Nichts, in jedem Beispiele, in
jedem Wirklichen oder Gedanken aufzuzeigen. Es muß dasselbe, was
oben von der Unmittelbarkeit und Vermittelung, (welche letztere eine
Beziehung aufeinander, damit Negation enthält), vom Seyn und Nichts gesagt werden, daß es nirgend im Himmel und auf Erden Etwas gebe, was nicht beides Seyn und Nichts in sich enthielte. Freilich da hierbei von einem irgend Etwas und Wirklichem
die Rede wird, so sind darin jene Bestimmungen nicht mehr in der
vollkommenen Unwahrheit, in der sie als Seyn und Nichts sind,
vorhanden, sondern in einer weitern Bestimmung, und werden z. B. als Positives und Negatives
aufgefaßt, jenes das gesetzte, reflektirte Seyn, dieses das gesetzte,
reflektirte Nichts; aber Positives und Negatives enthalten jenes das
Seyn, dieses das Nichts als ihre abstrakte Grundlage. - So in Gott
selbst enthält die Qualität, Thätigkeit, Schöpfung, Macht u.s.f. wesentlich die Bestimmung des Negativen, - sie sind ein Hervorbringen eines Anderen.
Aber eine empirische Erläuterung von jener Behauptung durch Beispiele
wäre hier ganz und gar überflüssig. Da nunmehr diese Einheit von Seyn
und Nichts als erste Wahrheit ein für allemal zu Grunde liegt, und das
Element von allem Folgenden ausmacht, so sind außer dem Werden selbst,
alle ferneren logischen Bestimmungen: Daseyn, Qualität, überhaupt alle
Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit. - Aber der sich so
nennende gemeine oder gesunde Menschenverstand mag auf den Versuch
hingewiesen werden, insofern er die Ungetrenntheit des Seyns und Nichts
verwirft, sich ein Beispiel ausfindig zu machen, worin eins vom andern
(Etwas von Grenze, Schranke, oder das Unendliche, Gott, wie so eben
erwähnt, von Thätigkeit) getrennt zu finden sey. Nur die leeren
Gedankendinge, Seyn und Nichts, selbst, sind diese Getrennte, und sie
sind es, die der Wahrheit, der Ungetrenntheit beider, die allenthalben
vor uns ist, von jenem Verstande vorgezogen werden.
Man
kann nicht die Absicht haben wollen, den Verwirrungen, in welche sich
das gewöhnliche Bewußtseyn bei einem solchen logischen Satze versetzt,
nach allen Seiten hin begegnen zu wollen, denn sie sind unerschöpflich.
Es können nur einige erwähnt werden. Ein Grund solcher Verwirrung ist
unter andern, daß das Bewußtseyn zu solchem abstrakten logischen Satze
Vorstellungen von einem konkreten Etwas mitbringt und vergißt, daß von
einem solchen nicht die Rede ist, sondern nur von den reinen
Abstraktionen des Seyns und Nichts, und daß diese allein festzuhalten
sind.
Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also
ist es dasselbe, ob ich bin oder nicht bin, ob dieses Haus ist oder
nicht ist, ob diese hundert Thaler in meinem Vermögenszustand sind oder
nicht. - Dieser Schluß oder Anwendung jenes Satzes verändert dessen
Sinn vollkommen. Der Satz enthält die reinen Abstraktionen des Seyns
und Nichts; die Anwendung aber macht ein
bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus. Allein vom bestimmten
Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. Ein bestimmtes, ein
endliches Seyn ist ein solches, das sich auf anderes bezieht; es ist
ein Inhalt, der im Verhältnisse der Nothwendigkeit mit anderem Inhalte,
mit der ganzen Welt, steht. In Rücksicht des wechselbestimmenden
Zusammenhangs des Ganzen konnte die Metaphysik die - im Grunde
tautologische - Behauptung machen, daß wenn ein Stäubchen zerstört
würde, das ganze Universum zusammenstürzte. In den Instanzen, die gegen
den in Rede stehenden Satz gemacht werden, erscheint etwas als nicht
gleichgültig, ob es sey oder nicht sey, nicht um des Seyns oder
Nichtseyns willen, sondern seines Inhalts willen, der es mit anderem zusammenhängt. Wenn ein bestimmter Inhalt, irgend ein bestimmtes Daseyn vorausgesetzt wird, so ist dieß Daseyn, weil es bestimmtes
ist, in mannigfaltiger Beziehung auf anderen Inhalt; es ist für
dasselbe nicht gleichgültig, ob ein gewisser anderer Inhalt, mit dem es
in Beziehung steht, ist oder nicht ist; denn nur durch solche Beziehung
ist es wesentlich das, was es ist. Dasselbe ist der Fall in dem
Vorstellen (indem wir das Nichtseyn in dem bestimmteren Sinne des
Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen), in dessen Zusammenhange das
Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts, der als bestimmt mit anderem
in Beziehung vorgestellt wird, nicht gleichgültig ist. - Diese
Betrachtung enthält dasselbe, was ein Hauptmoment in der Kantischen
Kritik des ontologischen Beweises vom Daseyn Gottes ausmacht, auf
welche jedoch hier nur im Betreff des in ihr vorkommenden Unterschieds
von Seyn und Nichts überhaupt und von bestimmtem Seyn oder
Nichtseyn Rücksicht genommen wird. - Bekanntlich wurde in jenem
sogenannten Beweise der Begriff eines Wesens vorausgesetzt, dem alle
Realitäten zukommen, somit auch die Existenz, die gleichfalls als eine
der Realitäten angenommen wurde. Die Kantische Kritik hielt sich vornehmlich daran, daß die Existenz oder das Seyn (was hier für gleichbedeutend gilt) keine Eigenschaft oder kein reales Prädikat sey, das heiße, nicht ein Begriff von etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen könne.
- Kant will damit sagen, daß Seyn keine Inhaltsbestimmung sey. - Also
enthalte, fährt er fort, das Mögliche nicht mehr als das Wirkliche;
hundert wirkliche Thaler enthalten nicht das Mindeste mehr, als hundert
mögliche; - nämlich jene haben keine andere Inhaltsbestimmung als
diese. Für diesen als isolirt betrachteten Inhalt ist es in der That
gleichgültig, zu seyn oder nicht zu seyn; es liegt in ihm kein
Unterschied des Seyns oder Nichtseyns, dieser Unterschied berührt ihn
überhaupt gar nicht; die hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie
nicht sind, und nicht mehr, wenn sie sind. Ein Unterschied muß erst
anderswoher kommen. - "Hingegen, erinnert Kant, in meinem
Vermögenszustande ist mehr bei hundert wirklichen Thalern, als bei dem
bloßen Begriff derselben, oder bei ihrer Möglichkeit. Denn der Gegenstand ist bei der Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriff analytisch enthalten, sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine Bestimmung meines Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne daß durch dieses Seyn außer meinem Begriffe, diese gedachten hundert Thaler selbst im mindesten vermehrt würden."
Es
werden hier zweierlei Zustände, um bei den Kantischen Ausdrücken, die
nicht ohne verworrene Schwerfälligkeit sind, zu bleiben, vorausgesetzt,
der eine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die Vorstellung zu
verstehen ist, und ein anderer, der Vermögenszustand. Für den einen wie
für den andern, das Vermögen wie das Vorstellen, sind hundert Thaler
eine Inhaltsbestimmung, oder "sie kommen zu einem solchen, wie Kant
sich ausdrückt, synthetisch hinzu;" Ich als Besitzer von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder auch ich als mir hundert Thaler vorstellend,
oder sie nicht vorstellend, ist allerdings ein verschiedener Inhalt.
Allgemeiner gefaßt: Die Abstraktionen von Seyn und Nichts hören beide
auf, Abstraktionen zu seyn, indem sie einen bestimmten Inhalt erhalten;
Seyn ist dann Realität, das bestimmte Seyn von Thalern, das Nichts
Negation, das bestimmte Nichtseyn von denselben. Diese
Inhaltsbestimmtheit selbst, die hundert Thaler, auch abstrakt für sich
gefaßt, ist in dem einen unverändert dasselbe, was in dem andern. Indem
aber ferner das Seyn als Vermögens-Zustand genommen wird, treten die
hundert Thaler in Beziehung zu einem Zustand, und für diesen ist solche
Bestimmtheit, die sie sind, nicht gleichgültig; ihr Seyn oder Nichtseyn
ist nur Veränderung; sie sind in die Sphäre des Daseyns
versetzt. Wenn daher gegen die Einheit des Seyns und Nichts urgirt
wird, es sey doch nicht gleichgültig, ob dieß und jenes (die Thaler)
sey oder nicht sey, so ist es eine Täuschung, daß wir den Unterschied
bloß aufs Seyn und Nichtseyn hinausschieben, ob ich die hundert Thaler habe oder nicht habe - eine Täuschung, die wie gezeigt, auf der einseitigen Abstraktion beruht, welche das bestimmte Daseyn,
das in solchen Beispielen vorhanden ist, wegläßt und bloß das Seyn und
Nichtseyn festhält; wie sie umgekehrt das abstrakte Seyn und Nichts,
das aufgefaßt werden soll, in ein bestimmtes Seyn und Nichts, in ein
Daseyn, verwandelt. Erst das Daseyn enthält den realen Unterschied von Seyn und Nichts, nämlich ein Etwas und ein Anderes.
- Dieser reale Unterschied schwebt der Vorstellung vor, statt des
abstrakten Seyns und reinen Nichts, und ihrem nur gemeinten
Unterschiede.
Wie
Kant sich ausdrückt, so kommt "durch die Existenz etwas in den Kontext
der gesammten Erfahrung," "wir bekommen dadurch einen Gegenstand der Wahrnehmung mehr, aber unser Begriff von dem Gegenstande wird dadurch nicht vermehrt."
Dieß
heißt, wie aus dem Erläuterten hervorgeht, so viel, durch die Existenz,
wesentlich darum weil Etwas bestimmte Existenz ist, ist es in dem
Zusammenhang mit Anderem, und unter anderem auch mit einem Wahrnehmenden. - "Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde nicht durch das Wahrnehmen vermehrt." Der Begriff heißt hier die vorhin bemerkten isolirt
vorgestellten hundert Thaler. In dieser isolirten Weise sind sie zwar
ein empirischer Inhalt, aber abgeschnitten, ohne Zusammenhang und
Bestimmtheit gegen Anderes; die Form der Identität mit sich
benimmt ihnen die Beziehung auf anderes und macht sie gleichgültig, ob
sie wahrgenommen seyen oder nicht. Aber dieser sogenannte Begriff
der hundert Thaler ist ein falscher Begriff, die Form der einfachen
Beziehung auf sich gehört solchem begränzten, endlichen Inhalt nicht
selbst; es ist eine ihm vom subjektiven Verstande angethane und
geliehene Form; hundert Thaler sind nicht ein sich auf sich
Beziehendes, sondern ein Veränderliches und Vergängliches.
Das
Denken oder Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, das Daseyn,
vorschwebt, ist zu dem erwähnten Anfange der Wissenschaft zurück zu
weisen, welchen Parmenides gemacht hat, der sein Vorstellen und damit
auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken, dem Seyn als solchen, geläutert und erhoben, und damit das Element der Wissenschaft erschaffen hat. - Was das Erste in der Wissenschaft ist, hat sich müssen geschichtlich als das Erste zeigen. Und das Eleatische Eine oder Seyn haben wir für das Erste des Wissens vom Gedanken anzusehen; das Wasser und dergleichen materielle Principien sollen
wohl das Allgemeine seyn, aber sind als Materien nicht reine Gedanken;
die Zahlen sind weder der erste einfache noch der bei sich bleibende,
sondern der sich selbst ganz äußerliche Gedanke.
Die Zurückweisung vom besonderen endlichen Seyn zum Seyn als solchen in seiner ganz abstrakten Allgemeinheit
ist wie als die allererste theoretische so auch sogar praktische
Forderung anzusehen. Wenn nämlich ein Aufhebens von den hundert Thalern
gemacht wird, daß es in meinem Vermögenszustand einen Unterschied
mache, ob ich sie habe oder nicht, noch mehr ob Ich sey
oder nicht, ob Anderes sey oder nicht, so kann - ohne zu erwähnen, daß
es Vermögenszustände geben wird, für die solcher Besitz von hundert
Thalern gleichgültig seyn wird, - daran erinnert werden, daß der Mensch
sich zu dieser abstrakten Allgemeinheit in seiner Gesinnung erheben
soll, in welcher es ihm in der That gleichgültig sey, ob die hundert
Thaler, sie mögen ein quantitatives Verhältniß zu seinem
Vermögenszustand haben, welches sie wollen, seyen oder ob sie nicht
seyen, ebenso sehr als es ihm gleichgültig sey, ob er sey oder nicht,
d. i. im endlichen Leben sey oder nicht (denn ein Zustand, bestimmtes
Seyn ist gemeint) u.s.f. - selbst si fractus illabatur orbis, impavidum ferient ruinae , hat ein Römer gesagt, und der Christ soll sich noch mehr in dieser Gleichgültigkeit befinden.
Es
ist noch die unmittelbare Verbindung anzumerken, in welcher die
Erhebung über die hundert Thaler und die endlichen Dinge überhaupt mit
dem ontologischen Beweise und der angeführten kantischen Kritik
desselben steht. Diese Kritik hat sich durch ihr populäres Beispiel
allgemein plausibel gemacht; wer weiß nicht, daß hundert wirkliche
Thaler verschieden sind von hundert bloß möglichen Thalern? daß sie
einen Unterschied in meinem Vermögenszustand ausmachen? Weil sich so an
den hundert Thalern diese Verschiedenheit hervorthut, so ist der
Begriff d. h. die Inhaltsbestimmtheit als leere Möglichkeit, und das
Seyn verschieden von einander; also ist auch Gottes Begriff von
seinem Seyn verschieden, und so wenig ich aus der Möglichkeit der
hundert Thaler ihre Wirklichkeit herausbringen kann, eben so wenig kann
ich aus dem Begriffe Gottes seine Existenz "herausklauben"; aus diesem
Herausklauben aber der Existenz Gottes aus
seinem Begriffe soll der ontologische Beweis bestehen. Wenn es nun
allerdings seine Richtigkeit hat, daß Begriff vom Seyn verschieden ist,
so ist noch mehr Gott verschieden von den hundert Thalern und den
anderen endlichen Dingen. Es ist die Definition der endlichen Dinge,
daß in ihnen Begriff und Seyn verschieden, Begriff und Realität, Seele
und Leib, trennbar, sie damit vergänglich und sterblich sind; die
abstrakte Definition Gottes ist dagegen eben dieß, daß sein Begriff und
sein Seyn ungetrennt und untrennbar sind. Die wahrhafte
Kritik der Kategorien und der Vernunft ist gerade diese, das Erkennen
über diesen Unterschied zu verständigen und dasselbe abzuhalten, die
Bestimmungen und Verhältnisse des Endlichen auf Gott anzuwenden.
Es
ist weiter ein anderer Grund anzuführen, welcher zu dem Widerwillen
gegen den Satz über Seyn und Nichts behülflich ist; dieser Grund ist,
daß der Ausdruck des Resultats, das sich aus der Betrachtung des Seyns
und des Nichts ergiebt, durch den Satz: Seyn und Nichts ist eins und dasselbe, unvollkommen ist. Der Accent wird vorzugsweise auf das Eins- und dasselbe-seyn
gelegt, wie im Urtheile überhaupt, als in welchem das Prädikat erst es
aussagt, was das Subjekt ist. Der Sinn scheint daher zu seyn, daß der
Unterschied geläugnet werde, der doch zugleich im Satze unmittelbar
vorkommt; denn er spricht die beiden Bestimmungen, Seyn und
Nichts, aus, und enthält sie als unterschiedene. - Es kann zugleich
nicht gemeint seyn, daß von ihnen abstrahirt und nur die Einheit
festgehalten werden soll. Dieser Sinn gäbe sich selbst für einseitig,
da das, wovon abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze vorhanden ist
und genannt wird. - Insofern nun der Satz: Seyn und Nichts ist dasselbe,
die Identität dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der That ebenso
sie beide als unterschieden enthält, widerspricht er sich in
sich selbst und löst sich auf. Halten wir dieß näher fest, so ist also
hier ein Satz gesetzt, der näher betrachtet, die Bewegung hat, durch
sich selbst zu verschwinden. Damit aber, geschieht an ihm selbst das,
was seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, nämlich das Werden.
Der
Satz enthält somit das Resultat, er ist dieses an sich selbst. Der
Umstand aber, auf den hier aufmerksam zu machen ist, ist der Mangel,
daß das Resultat nicht selbst im Satze ausgedrückt ist; es ist
eine äußere Reflexion, welche es in ihm erkennt. - Es muß hierüber
sogleich im Anfange diese allgemeine Bemerkung gemacht werden, daß der
Satz, in Form eines Urtheils, nicht geschickt ist, spekulative
Wahrheiten auszudrücken; die Bekanntschaft mit diesem Umstande wäre
geeignet, viele Mißverständnisse spekulativer Wahrheiten zu beseitigen.
Das Urtheil ist eine identische Beziehung zwischen Subjekt und
Prädikat; es wird dabei davon abstrahirt, daß das Subjekt noch mehrere
Bestimmtheiten hat als die des Prädikats, so wie davon, daß das
Prädikat weiter ist als das Subjekt. Ist nun aber der Inhalt
spekulativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjekts und
Prädikats wesentliches Moment, aber dieß ist im Urtheile nicht
ausgedrückt. Das paradoxe und bizarre Licht, in dem Vieles der neueren
Philosophie den mit dem spekulativen Denken nicht Vertrauten erscheint,
fällt vielfältig in die Form des einfachen Urtheils, wenn sie für den
Ausdruck spekulativer Resultate gebraucht wird.
Der
Mangel wird, zum Behuf, die spekulative Wahrheit auszudrücken, zunächst
so ergänzt, daß der entgegengesetzte Satz hinzugefügt wird, der Satz: Seyn und Nichts ist nicht dasselbe,
der oben gleichfalls ausgesprochen ist. Allein so entsteht der weitere
Mangel, daß diese Sätze unverbunden sind, somit den Inhalt nur in der
Antinomie darstellen, während doch ihr Inhalt sich auf Ein und Dasselbe
bezieht, und die Bestimmungen, die in den zwei Sätzen ausgedrückt sind,
schlechthin vereinigt seyn sollen, - eine Vereinigung, welche dann nur als eine Unruhe zugleich unverträglicher, als eine Bewegung
ausgesprochen werden kann. Das gewöhnlichste Unrecht, welches
spekulativem Gehalte angethan wird, ist, ihn einseitig zu machen, d. i.
den einen der Sätze nur, in die er aufgelöst werden kann, heraus zu
heben. Es kann dann nicht geläugnet werden, daß dieser Satz behauptet
wird; so richtig die Angabe ist, so falsch ist sie, denn wenn
einmal Ein Satz aus dem Spekulativen genommen ist, so müßte wenigstens
ebenso sehr der andere gleichfalls beachtet und angegeben werden. - Es
ist hierbei noch das so zu sagen unglückliche Wort: Einheit besonders zu erwähnen; die Einheit
bezeichnet noch mehr als die Identität eine subjektive Reflexion; sie
wird vornehmlich als die Beziehung genommen, welche aus der Vergleichung, der äußerlichen Reflexion, entspringt. Insofern diese in zwei verschiedenen Gegenständen
dasselbe findet, ist eine Einheit so vorhanden, daß dabei die
vollkommene Gleichgültigkeit der Gegenstände selbst, die verglichen
werden, gegen diese Einheit vorausgesetzt wird, so daß dieß Vergleichen
und die Einheit die Gegenstände selbst nichts angeht, und ein ihnen
äußerliches Thun und Bestimmen ist. Die Einheit drückt daher die ganz
abstrakte Dieselbigkeit aus, und lautet um so härter und auffallender,
je mehr die, von denen sie ausgesprochen wird, sich schlechthin
unterschieden zeigen. Für Einheit würde daher insofern besser nur Ungetrenntheit und Untrennbarkeit gesagt; aber damit ist das Affirmative der Beziehung des Ganzen nicht ausgedrückt.
So ist das ganze, wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, das Werden,
welches nicht bloß die einseitige oder abstrakte Einheit des Seyns und
Nichts ist. Sondern es besteht in dieser Bewegung, daß das reine Seyn
unmittelbar und einfach ist, daß es darum eben so sehr das reine Nichts
ist, daß der Unterschied derselben ist, aber eben so sehr sich aufhebt und nicht ist. Das Resultat behauptet also den Unterschied des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur gemeinten.
Man
meint, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andere, als das Nichts
ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied, und es
scheint nichts leichter, als ihn angeben zu können. Es ist aber eben so
leicht, sich zu überzeugen, daß dieß unmöglich, daß er unsagbar ist. Die, welche auf dem Unterschiede von Seyn und Nichts beharren wollen, mögen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht.
Hätte Seyn und Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich
unterschieden, so wären sie, wie erinnert worden, bestimmtes Seyn und
bestimmtes Nichts, nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie
es hier noch sind. Ihr Unterschied ist daher völlig leer, jedes der
beiden ist auf gleiche Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht an
ihnen selbst, sondern nur in einem Dritten, im Meinen. Aber das
Meinen ist eine Form des Subjektiven, das nicht in diese Reihe der
Darstellung gehört. Das Dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr Bestehen
haben, muß auch hier vorkommen; und es ist vorgekommen, es ist das Werden.
In ihm sind sie als unterschiedene; Werden ist nur, insofern sie
unterschieden sind. Dieß Dritte ist ein Anderes als sie; - sie bestehen
nur in einem Anderen, dieß heißt gleichfalls, sie bestehen nicht für
sich. Das Werden ist das Bestehen des Seyns so sehr als des Nichtseyns;
oder ihr Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem; gerade dieß ihr Bestehen ist es, was ihren Unterschied eben so sehr aufhebt.
Die Aufforderung, den Unterschied von Seyn und Nichts anzugeben, schließt auch die in sich, zu sagen, was denn Seyn und was Nichts ist. Die sich dagegen sträuben, das eine wie das andere nur als ein Uebergehen in einander zu erkennen, und vom Seyn und vom Nichts dieß oder das behaupten, mögen angeben, von was sie sprechen, d. i. eine Definition
vom Seyn und Nichts aufstellen, und aufzeigen, daß sie richtig ist.
Ohne dieser ersten Forderung der alten Wissenschaft genügt zu haben,
deren logische Regeln sie sonst gelten lassen und anwenden, sind alle
jene Behauptungen über das Seyn und Nichts nur Versicherungen,
wissenschaftliche Ungültigkeiten. Wenn man sonst gesagt hat, die
Existenz, insofern man diese zunächst für gleichbedeutend mit Seyn
hält, sey die Ergänzung zur Möglichkeit, so ist damit
eine andere Bestimmung, die Möglichkeit, vorausgesetzt, das Seyn nicht
in seiner Unmittelbarkeit, sogar als nicht selbstständig, als bedingt
ausgesprochen. Für das Seyn, welches vermittelt ist, werden wir den Ausdruck: Existenz, aufbehalten. Aber man stellt sich wohl das Seyn vor
- etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die Klarheit ungetrübten
Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht, und knüpft ihren
Unterschied an diese wohlbekannte sinnliche Verschiedenheit. In der
That aber, wenn man auch dieß Sehen sich genauer vorstellt, so kann man
leicht gewahr werden, daß man in der absoluten Klarheit so viel und so
wenig sieht, als in der absoluten Finsterniß, daß das eine Sehen so gut
als das andere, reines Sehen, Sehen von Nichts ist. Reines Licht und
reine Finsterniß sind zwei Leeren, welche dasselbe sind. Erst in dem
bestimmten Lichte - und das Licht wird durch die Finsterniß bestimmt, -
also im getrübten Lichte, ebenso erst in der bestimmten Finsterniß, -
und die Finsterniß wird durch das Licht bestimmt, - in der erhellten
Finsterniß kann etwas unterschieden werden, weil erst das getrübte
Licht und die erhellte Finsterniß den Unterschied an ihnen selbst
haben, und damit bestimmtes Seyn, Daseyn, sind.
Die Einheit, deren Momente, Seyn und Nichts, als untrennbare sind, ist von ihnen selbst zugleich verschieden, so ein Drittes gegen sie, welches in seiner eigenthümlichsten Form das Werden ist. Uebergehen ist dasselbe als Werden, nur daß in jenem die beiden, von deren Einem zum anderen übergegangen wird, mehr als außereinander ruhend und das Uebergehen als zwischen
ihnen geschehend vorgestellt wird. Wo und Wie nun vom Seyn oder Nichts
die Rede wird, muß dieses Dritte vorhanden seyn; denn jene bestehen
nicht für sich, sondern sind nur im Werden, in diesem Dritten. Aber
dieses Dritte hat vielfache empirische Gestalten, welche von der
Abstraktion bei Seite gestellt oder vernachläßigt werden, um jene ihre
Produkte, das Seyn und das Nichts, jedes für sich festzuhalten und sie
gegen das Uebergehen geschützt zu zeigen. Gegen solches einfaches
Verhalten der Abstraktion ist ebenso einfach nur an die empirische
Existenz zu erinnern, in der jene Abstraktion selbst nur Etwas ist, ein
Daseyn hat. Oder es sind sonst Reflexionsformen, durch welche die
Trennung der Untrennbaren fixirt werden soll. An solcher Bestimmung ist
an und für sich das Gegentheil ihrer selbst vorhanden, und ohne auf die
Natur der Sache zurückzugehen und an diese zu appelliren, ist jene
Reflexionsbestimmung an ihr selbst dadurch zu konfondiren, daß sie
genommen wird, wie sie sich giebt, und ihr Anderes an ihr selbst
aufgezeigt wird. Es würde eine vergebliche Mühe seyn, alle Wendungen
und Einfälle der Reflexion und ihres Raisonnements gleichsam einfangen
zu wollen, um ihr die Auswege und Absprünge, womit sie sich ihren
Widerspruch gegen sich selbst verdeckt, zu benehmen und unmöglich zu
machen. Darum enthalte ich mich auch, gegen vielfache sich so nennende
Einwürfe und Widerlegungen, welche dagegen, daß weder Seyn noch Nichts
etwas Wahrhaftes, sondern nur das Werden ihre Wahrheit ist, aufgebracht
worden sind, Rücksicht zu nehmen; die Gedanken-Bildung, die dazu
gehört, die Nichtigkeit jener Widerlegungen einzusehen oder vielmehr
solche Einfälle sich selbst zu vertreiben, wird nur durch die kritische
Erkenntniß der Verstandesformen bewirkt; aber die, welche am
ergiebigsten an dergleichen Einwürfen sind, fallen sogleich über die
ersten Sätze mit ihren Reflexionen her, ohne
durch das weitere Studium der Logik sich zum Bewußtseyn über die Natur
dieser kruden Reflexionen zu verhelfen oder verholfen zu haben.
Es
sollen einige der Erscheinungen betrachtet werden, die sich daran
ergeben, wenn das Seyn und das Nichts von einander isolirt, und Eins
außer dem Bereiche des Anderen gesetzt wird, so daß hiermit das
Uebergehen negirt ist.
Parmenides hielt das Seyn fest und war am konsequentesten, indem er zugleich vom Nichts sagte, daß es gar nicht
ist; nur das Seyn ist. Das Seyn so ganz für sich ist das Unbestimmte,
hat also keine Beziehung auf Anderes; es scheint daher, daß von diesem Anfang aus nicht weiter fortgegangen werden könne, nämlich aus ihm selbst, und ein Fortgang nur dadurch geschehen könne, daß von Außen
etwas Fremdes daran geknüpft würde. Der Fortgang, daß das Seyn dasselbe
ist als das Nichts, erscheint somit als ein zweiter, absoluter Anfang,
- ein Uebergehen, das für sich ist, und äußerlich zu dem Seyn
hinzuträte. Seyn wäre überhaupt nicht der absolute Anfang, wenn es eine
Bestimmtheit hätte; alsdann hänge es von einem Andern ab, und wäre
nicht unmittelbar, nicht der Anfang. Ist es aber unbestimmt, und damit
wahrer Anfang, so hat es auch nichts, wodurch es sich zu einem anderen
überleitet, es ist zugleich das Ende. Es kann ebenso wenig
etwas aus demselben hervorbrechen, als etwas in dasselbe einbrechen
kann; bei Parmenides wie bei Spinoza soll von dem Seyn oder der
absoluten Substanz nicht fortgegangen werden zu dem Negativen,
Endlichen. Wird nun dennoch fortgegangen, was wie bemerkt, von dem
beziehungs- hiermit fortgangslosen Seyn aus nur auf äußerliche Weise
geschehen kann, so ist dieser Fortgang ein zweiter, neuer Anfang. So
ist Fichte's absolutester, unbedingter Grundsatz: A = A Setzen; der zweite ist Entgegensetzen; dieser soll zum Theil bedingt, zum Theil unbedingt (somit der Widerspruch in sich) seyn. Es ist
dieß ein Fortgehen der äußern Reflexion, welches ebensowohl das, womit
es als einem Absoluten anfängt, wieder verneint, - das Entgegensetzen
ist die Negation der ersten Identität, - als es sein zweites
Unbedingtes sogleich ausdrücklich zugleich zu einem Bedingten macht.
Wenn aber überhaupt eine Berechtigung wäre, fortzugehen, d. i. den
ersten Anfang aufzuheben, so müßte es in diesem ersten selbst liegen,
daß ein Anderes sich darauf beziehen könnte; es müßte also ein Bestimmtes seyn. Allein für ein solches giebt sich das Seyn oder auch die absolute Substanz nicht aus; im Gegentheil. Es ist das Unmittelbare, das noch schlechthin Unbestimmte.
Die
beredtesten, vielleicht vergessenen Schilderungen über die
Unmöglichkeit, von einem Abstrakten zu einem Ferneren und zu einer
Vereinigung beider zu kommen, macht Jacobi im Interesse seiner Polemik gegen die kantische Synthesis
des Selbstbewußtseyns a priori, in seiner Abh. über das Unternehmen des
Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen (Jac. Werke III.
Bd.). Er stellt (S. 113) die Aufgabe so, daß in einem Reinen,
sey es des Bewußtseyns, des Raums oder der Zeit, das Entstehen oder
Hervorbringen einer Synthesis aufgezeigt werde. "Der Raum sey Eines, die Zeit sey Eines, das Bewußtseyn sey Eines; - sagt nun an, wie sich eines von diesen drei Einen in ihm selbst rein vermannigfaltiget; - jedes ist nur Eines und kein Anderes; - eine Einerleiheit, eine Der- Die- Das- Selbigkeit! ohne Derheit, Dieheit, Dasheit; denn diese schlummern, mit den Der, Die, Das noch im unendlichen = 0 des Unbestimmten, woraus alles und jedes Bestimmte auch erst hervorgehen soll! Was bringt in jene, drei Unendlichkeiten, Endlichkeit; was befruchtet Raum und Zeit a priori mit Zahl und Maß, und verwandelt sie in ein reines Mannigfaltiges; was bringt die reine Spontaneität (Ich) zur Oscillation? Wie kommt sein reiner Vokal zum Mitlauter, oder vielmehr wie setzt sein lautloses ununterbrochenes Blasen, sich selbst unterbrechend, ab, um wenigstens eine Art von Selbstlaut, einen Accent zu gewinnen?" - Man sieht, Jacobi hat sehr bestimmt das Unwesen
der Abstraktion, es sey nun sogenannter absoluter d. i. nur abstrakter
Raum, oder ebensolche Zeit, oder ebensolches reines Bewußtseyn, Ich,
erkannt; er beharrt darin zu dem Behuf, die Unmöglichkeit eines
Fortgangs zu Anderem, der Bedingung einer Synthesis, und zur Synthesis
selbst zu behaupten. Die Synthesis, welche das Interesse ausmacht, muß
nicht als eine Verknüpfung von äußerlich schon vorhandenen
Bestimmungen genommen werden, - Theils ist es selbst um die Erzeugung
eines Zweiten zu einem Ersten, eines Bestimmten zum unbestimmten
Anfänglichen zu thun; Theils aber um die immanente Synthesis, Synthesis a priori, - an und für sich seyende Einheit des Unterschiedenen. Werden
ist diese immanente Synthesis des Seyns und Nichts; aber weil der
Synthesis der Sinn von einem äußerlichen Zusammenbringen äußerlich
gegeneinander Vorhandener am nächsten liegt, ist mit Recht der Name
Synthesis, synthetische Einheit außer Gebrauch gesetzt worden. - Jacobi
fragt, wie kommt der reine Vokal des Ich zum Mitlauter, was bringt Bestimmtheit in die Unbestimmtheit - das was? wäre leicht beantwortet, und von Kant ist diese Frage auf seine Weise beantwortet worden; aber die Frage nach dem Wie?
heißt: auf welche Art und Weise, nach welchem Verhältniß und
dergleichen, und verlangt so die Angabe einer besondern Kategorie; aber
von Art und Weise, Verstandes-Kategorien kann hierbei nicht die Rede
seyn. Die Frage nach dem wie? gehört selbst zu den übeln
Manieren der Reflexion, welche nach der Begreiflichkeit frägt, aber
dabei ihre festen Kategorien voraussetzt, und damit zum Voraus gegen
die Beantwortung dessen, nach was sie fragt, sich gewaffnet weiß. Den
höheren Sinn einer Frage nach der Nothwendigkeit der Synthese hat sie bei Jacobi auch nicht, denn er bleibt, wie gesagt, fest in den Abstraktionen
beharren, für die Behauptung der Unmöglichkeit der Synthese.
Insbesondere anschaulich beschreibt er (S. 147) die Procedur zur
Abstraktion des Raumes zu gelangen. "Ich muß für so lange rein zu
vergessen suchen, daß ich je irgend etwas sah, hörte, rührte und
berührte, mich selbst ausdrücklich nicht ausgenommen. Rein, rein, rein
vergessen muß ich alle Bewegung, und mir gerade dieß Vergessen,
weil es das schwerste ist, am angelegentlichsten seyn lassen. Alles
überhaupt muß ich, so wie ich es weggedacht habe, auch ganz und
vollkommen weggeschafft seyn lassen, und gar nichts übrig behalten, als die mit Gewalt stehen gebliebene Anschauung allein des unendlichen unveränderlichen Raums. Ich darf mich daher auch nicht selbst als etwas von ihm Unterschiedenes und gleichwohl mit ihm Verbundenes, wieder in ihn hineindenken; ich darf mich nicht von ihm bloß umgeben und durchdringen lassen; sondern ich muß ganz übergehen in ihn, Eins mit ihm werden, mich in ihn verwandeln; ich muß von mir selbst nichts übrig lassen, als diese meine Anschauung selbst, um sie als eine wahrhaft selbstständige, unabhängige, Einig- und Alleinige Vorstellung zu betrachten."
Bei
dieser ganz abstrakten Reinheit der Kontinuität, d. i. Unbestimmtheit
und Leerheit des Vorstellens ist es gleichgültig, diese Abstraktion
Raum zu nennen, oder reines Anschauen, reines Denken; - es ist alles
dasselbe, was der Inder, wenn er äußerlich bewegungslos, und ebenso in
Empfindung, Vorstellung, Phantasie, Begierde u.s.f. regungslos
jahrelang nur auf die Spitze seiner Nase sieht, nur Om, Om, Om
innerlich in sich, oder gar Nichts spricht, - Brahma nennt. Dieses dumpfe, leere Bewußtseyn ist, als Bewußtseyn aufgefaßt, - das Seyn.
In
diesem Leeren, sagt nun Jacobi weiter, widerfahre ihm das Gegentheil
von dem, was kantischer Versicherung gemäß, ihm widerfahren sollte; er
finde sich nicht als ein Vieles und Mannigfaltiges, vielmehr als Eines ohne alle Vielheit und Mannigfaltigkeit; ja, "ich bin die Unmöglichkeit selbst, bin die Vernichtung alles Mannigfaltigen und Vielen, - kann aus meinem reinen, schlechterdings einfachen, unveränderlichen Wesen auch nicht das Mindeste wieder herstellen
oder in mich hinein gespenstern; - so offenbart sich in dieser
Reinheit, alles Außer- und Nebeneinanderseyn, alle hierauf beruhende
Mannigfaltigkeit und Vielheit, als ein rein Unmögliches."
Diese
Unmöglichkeit heißt nichts anders als die Tautologie, ich halte an der
abstrakten Einheit fest und schließe alle Vielheit und Mannigfaltigkeit
aus, halte mich im Unterschiedslosen und Unbestimmten, und sehe weg von
allem Unterschiedenen und Bestimmten. Die kantische Synthesis a priori
des Selbstbewußtseyns, das ist, die Thätigkeit dieser Einheit, sich zu
dirimiren und in dieser Diremtion sich selbst zu erhalten, verdünnt
sich Jacobi zu derselben Abstraktion. Jene "Synthesis an sich", das "ursprüngliche Urtheilen," macht er einseitig zu "der Kopula an sich;
- ein Ist, Ist, Ist, ohne Anfang und Ende und ohne Was, Wer und Welche;
dieses ins Unendliche fortgehende Wiederholen der Wiederholung ist die
alleinige Geschäftigkeit, Funktion und Produktion der allerreinsten
Synthesis; sie selbst ist das bloße, reine, absolute Wiederholen
selbst." Oder in der That, da kein Absatz, d. i. keine Negation,
Unterscheiden darin ist, so ist sie nicht ein Wiederholen, sondern nur
das ununterschiedene einfache Seyn. - Aber ist dieß denn noch
Synthesis, wenn Jacobi gerade das wegläßt, wodurch die Einheit
synthetische Einheit ist?
Zunächst,
wenn Jacobi sich so in dem absoluten d. h. abstrakten Raum, Zeit, auch
Bewußtseyn festsetzt, ist zu sagen, daß er sich auf diese Weise in
etwas empirisch-Falsches versetzt und festhält; es giebt
d. h. empirisch vorhanden ist kein Raum und Zeit, die ein unbegrenztes
Räumliches und Zeitliches wären, nicht in ihrer Kontinuität von
mannigfaltig begrenztem Daseyn und Veränderung erfüllt wären, so daß
diese Grenzen und Veränderungen ungetrennt und
untrennbar der Räumlichkeit und Zeitlichkeit angehören; ebenso ist das
Bewußtseyn mit bestimmtem Empfinden, Vorstellen, Begehren u.s.f.
erfüllt; es existirt ungetrennt von irgend einem besonderen Inhalt. -
Das empirische Uebergehen versteht sich ohnehin von selbst; das
Bewußtseyn kann sich wohl den leeren Raum, leere Zeit und das leere
Bewußtseyn selbst, oder das reine Seyn, zum Gegenstand und Inhalt
machen; aber es bleibt nicht dabei, sondern geht nicht nur, sondern
drängt sich aus solcher Leerheit hinaus zu einem besseren, d. i. auf
irgend eine Weise konkreteren Inhalt, und so schlecht ein Inhalt sonst
sey, so ist er insofern besser und wahrer; eben ein solcher Inhalt ist
ein synthetischer überhaupt; synthetisch in allgemeinerem Sinne
genommen. So bekommt Parmenides mit dem Scheine und der Meinung, dem
Gegentheil des Seyns und der Wahrheit, zu thun; so Spinoza mit den
Attributen, den Modis, der Ausdehnung, Bewegung, dem Verstande, Willen
u.s.f. Die Synthesis enthält und zeigt die Unwahrheit jener
Abstraktionen, in ihr sind sie in Einheit mit ihrem Anderen, also nicht
als für sich bestehende, nicht als absolute, sondern schlechthin als
relative.
Das
Aufzeigen der empirischen Nichtigkeit des leeren Raums u.s.f. aber ist
es nicht, um das es zu thun ist. Das Bewußtseyn kann sich abstrahirend
allerdings auch mit jenem Unbestimmten erfüllen, und die festgehaltenen
Abstraktionen sind die Gedanken von reinem Raum, Zeit, reinen Bewußtseyn, reinem Seyn. Der Gedanke des reinen Raums u.s.f. d. i. der reine Raum u.s.f. an ihm selbst
soll als nichtig aufgezeigt werden, d. i. daß er als solcher schon sein
Gegentheil, daß an ihm selbst schon sein Gegentheil in ihn
eingedrungen, er schon für sich das Herausgegangenseyn aus sich selbst,
Bestimmtheit, sey.
Dieß ergiebt sich aber unmittelbar an ihnen. Sie sind, was Jacobi reichlich beschreibt, Resultate der Abstraktion, sind ausdrücklich als Unbestimmte bestimmt, was - um zu seiner einfachsten Form zurückzugehen, das Seyn ist. Eben diese Unbestimmtheit
ist aber das, was die Bestimmtheit desselben ausmacht; denn die
Unbestimmtheit ist der Bestimmtheit entgegengesetzt; sie ist somit als
Entgegengesetztes selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar das
reine, ganz abstrakt Negative. Diese Unbestimmtheit oder abstrakte
Negation, welche so das Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die äußere
wie die innere Reflexion ausspricht, indem sie es dem Nichts gleich
setzt, es für ein leeres Gedankending, für Nichts erklärt. - Oder kann
man sich ausdrücken, weil das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es
nicht die (affirmative) Bestimmtheit, die es ist, nicht Seyn, sondern
Nichts.
In der reinen Reflexion des Anfangs, wie er in dieser Logik mit dem Seyn als solchem gemacht wird, ist der Uebergang noch verborgen; weil das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts an ihm nur unmittelbar hervor. Aber alle folgenden Bestimmungen, wie gleich das Daseyn,
sind konkreter; es ist an diesem das schon gesetzt, was den Widerspruch
jener Abstraktionen und daher ihr Uebergehen enthält und hervorbringt.
Beim Seyn als jenem Einfachen, Unmittelbaren wird die Erinnerung, daß
es Resultat der vollkommenen Abstraktion, also schon von daher
abstrakte Negativität, Nichts, ist, hinter der Wissenschaft
zurückgelassen, welchem innerhalb ihrer selbst, ausdrücklich vom Wesen aus, jene einseitige Unmittelbarkeit als eine Vermittelte darstellen wird, wo das Seyn als Existenz und das Vermittelnde dieses Seyns, der Grund, gesetzt ist.
Mit
jener Erinnerung läßt sich der Uebergang von Seyn in Nichts als etwas
selbst leichtes und triviales so vorstellen oder auch, wie man es
nennt, erklären und begreiflich machen, daß Freilich das Seyn, welches zum Anfang der Wissenschaft gemacht worden, Nichts sey, denn man könne von Allem
abstrahiren, und wenn von Allem abstrahirt worden, so bleibe Nichts
übrig. Aber, kann man fortfahren, somit sey der Anfang nicht ein
Affirmatives, nicht Seyn, sondern eben Nichts, und Nichts sey dann auch
das Ende, wenigstens sosehr als das unmittelbare Seyn und
selbst noch vielmehr. Das Kürzeste ist solches Raisonniren gewähren zu
lassen und zuzusehen, wie denn die Resultate beschaffen sind, auf
welche es pocht. Daß hiernach das Nichts das Resultat jenes
Raisonnements wäre, und nun der Anfang mit Nichts (wie in chinesischer
Philosophie) gemacht werden sollte, so wäre darum nicht die Hand
umzukehren, denn ehe man sie umkehrte, hätte sich ebenso sehr dieß
Nichts in Seyn verkehrt, (s. oben: B. Nichts). Aber ferner wenn jene
Abstraktion von Allem, welches Alles denn doch Seyendes
ist, vorausgesetzt wäre, so ist sie genauer zu nehmen; das Resultat der
Abstraktion von allem Seyenden ist zunächst abstraktes Seyn, Seyn
überhaupt; wie im kosmologischen Beweise vom Daseyn Gottes aus dem
zufälligen Seyn der Welt, über welches sich darin erhoben wird, noch
das Seyn mit hinaufgebracht, das Seyn zum unendlichen Seyn bestimmt wird. Es kann
aber allerdings auch von diesem reinen Seyn abstrahirt, das Seyn noch
zu dem Allem, wovon bereits abstrahirt worden, geschlagen werden; dann
bleibt Nichts. Man kann nun, wenn man das Denken des Nichts, d.i. sein Umschlagen in Seyn vergessen will oder nichts davon wüßte, im Style jenes Könnens
fortfahren; es kann nämlich (Gottlob!) auch vom Nichts abstrahirt
werden (wie denn auch die Schöpfung der Welt eine Abstraktion vom
Nichts ist) und dann bleibt nicht Nichts, denn eben von diesem wird
abstrahirt, sondern man ist so wieder im Seyn angekommen. - dieß Können
giebt ein äußerliches Spiel des Abstrahirens, wobei das Abstrahiren
selbst nur das einseitige Thun des Negativen ist. Zunächst liegt in
diesem Können selbst, daß ihm das Seyn so gleichgültig ist als das
Nichts, und daß so sehr jedes von Beiden
verschwindet, ebenso sehr jedes auch entsteht; aber ebenso gleichgültig
ist es, ob vom Thun des Nichts, oder dem Nichts ausgegangen wird; das
Thun des Nichts, d. i. das bloße Abstrahiren ist nicht mehr noch
weniger etwas Wahrhaftes als das bloße Nichts.
Die Dialektik, nach welcher Plato
das Eine im Parmenides behandelt, ist gleichfalls mehr für eine
Dialektik der äußern Reflexion zu achten. Das Seyn und das Eine sind
beides Eleatische Formen, die Dasselbe sind. Aber sie sind auch zu
unterscheiden, so nimmt sie Plato in jenem Dialoge. Nachdem er von dem
Einen die mancherlei Bestimmungen von Ganzen und Theilen, in sich
selbst, in einem anderen seyn u.s.f. von Figur, Zeit u.s.f. entfernt,
so ist das Resultat, daß dem Einen das Seyn nicht zukomme, denn anders
komme einem Etwas das Seyn nicht zu, als nach einer jener Weisen (p.
141 e. Vol. III. ed. Steph.). Hierauf behandelt Plato den Satz: das
Eine ist; und es ist bei ihm nachzusehen, wie von diesem Satze aus der
Uebergang zu dem Nichtseyn des Einen bewerkstelligt wird; es geschieht durch die Vergleichung der beiden Bestimmungen des vorausgesetzten Satzes: das Eine ist; er enthält das Eine und das Seyn; und das Eine ist enthält mehr, als wenn man nur sagt: das Eine. Darin daß sie verschieden
sind, wird das Moment der Negation, das der Satz enthält, aufgezeigt.
Es erhellt, daß dieser Weg eine Voraussetzung hat, und eine äußere
Reflexion ist.
Wie hier das Eine mit dem Seyn in Verbindung gesetzt ist, wird das Seyn, welches abstrakt für sich
festgehalten werden soll am einfachsten, ohne sich in das Denken
einzulassen, in einer Verbindung aufgezeigt, die das Gegentheil dessen
enthält, was behauptet werden soll. Das Seyn, wie es unmittelbar ist,
genommen gehört einem Subjekte an, ist ein ausgesprochenes, hat ein empirisches Daseyn überhaupt, und steht damit im Boden der Schranke und des Negativen. In welchen
Ausdrücken oder Wendungen der Verstand sich fasse, wenn er sich gegen
die Einheit des Seyns und Nichts sträubt, und sich auf das, was
unmittelbar vorhanden sey, beruft, wird er eben in dieser Erfahrung
selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke oder
Negation, - jene Einheit finden, die er verwirft. Die Behauptung des
unmittelbaren Seyns reducirt sich so auf eine empirische Existenz,
deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die Unmittelbarkeit
außerhalb des Denkens ist, an die sie sich halten will.
Dasselbe
ist der Fall mit dem Nichts, nur auf entgegengesetzte Weise, und diese
Reflexion ist bekannt und oft genug über dasselbe gemacht worden. Das
Nichts zeigt sich in seiner Unmittelbarkeit genommen als seyend;
denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn. Das Nichts wird
gedacht, vorgestellt, es wird von ihm gesprochen; es ist also; das
Nichts hat an dem Denken, Vorstellen, Sprechen, u.s.f. sein Seyn. Dieß
Seyn ist aber ferner, auch von ihm unterschieden; es wird daher gesagt,
daß das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber daß darum nicht es ist,
nicht ihm als solchem das Seyn zukomme, daß nur Denken oder Vorstellen
dieses Seyn ist. Bei diesem Unterscheiden ist eben so sehr nicht zu
läugnen, daß das Nichts in Beziehung auf ein Seyn steht; aber
in der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied enthält, ist eine
Einheit mit dem Seyn vorhanden. Auf weiche Weise das Nichts
ausgesprochen oder aufgezeigt werde, zeigt es sich in Verbindung oder
wenn man will Berührung mit einem Seyn, ungetrennt von einem Seyn, eben
in einem Daseyn.
Indem
aber so das Nichts in einem Daseyn aufgezeigt wird, pflegt noch dieser
Unterschied desselben vom Seyn vorzuschweben, daß das Daseyn des Nichts
durchaus nichts ihm selbst zukommendes sey, daß es nicht das Seyn für
sich selbst an ihm habe, es nicht das Seyn als solches sey; das Nichts sey nur Abwesenheit des Seyns, die Finsterniß so nur Abwesenheit
des Lichts, die Kälte nur Abwesenheit der Wärme u.s.f. Finsterniß habe
nur Bedeutung in Beziehung auf das Auge, in äußerer Vergleichung mit
dem Positiven, dem Lichte, ebenso Kälte sey nur Etwas in unserer
Empfindung, Licht, Wärme, wie Seyn, hingegen seyen für sich das
Objektive, Reale, Wirksame, von schlechthin anderer Qualität und Würde,
als jene Negativen, als Nichts. Man kann es häufig als eine sehr
wichtige Reflexion und bedeutende Erkenntniß aufgeführt finden, daß
Finsterniß nur Abwesenheit des Lichts, Kälte nur Abwesenheit
der Wärme sey. Ueber diese scharfsinnige Reflexion kann in diesem Felde
von empirischen Gegenständen empirisch bemerkt werden, daß die
Finsterniß sich im Lichte allerdings wirksam zeigt, indem sie dasselbe
zur Farbe bestimmt und ihm selbst dadurch erst Sichtbarkeit ertheilt,
indem wie früher gesagt, im reinen Lichte ebenso wenig gesehen wird,
als in der reinen Finsterniß. Die Sichtbarkeit ist aber Wirksamkeit im
Auge, an der jenes Negative ebenso viel Antheil hat, als das für das
Reale, Positive geltende Licht; ebenso giebt sich die Kälte dem Wasser,
unserer Empfindung u.s.f. genugsam zu erkennen, und wenn wir ihr
sogenannte objektive Realität absprechen, so ist damit durchaus nichts
gegen sie gewonnen. Aber ferner wäre zu rügen, daß hier gleichfalls,
wie oben, von einem Negativen von bestimmtem Inhalte gesprochen wird,
nicht beim Nichts selbst stehen geblieben wird, dem das Seyn an leerer
Abstraktion nicht nachsteht, noch etwas voraus hat. - Allein Kälte,
Finsterniß und dergleichen bestimmte Negationen sind sogleich für sich
zu nehmen, und es ist zu sehen, was damit in Rücksicht ihrer
allgemeinen Bestimmung, nach der sie hierher gebracht werden, gesetzt
ist. Sie sollen nicht das Nichts überhaupt, sondern das Nichts vom
Licht, Wärme u.s.f. von etwas Bestimmten, einem Inhalte seyn; so sind
sie bestimmte, inhaltige Nichts, wenn man so sagen kann. Aber eine
Bestimmtheit ist, wie noch weiter hin vorkommt, selbst eine Negation;
so sind sie negative Nichts; aber ein
negatives Nichts ist etwas Affirmatives. Das Umschlagen des Nichts
durch seine Bestimmtheit (die vorhin als ein Daseyn im
Subjekte, oder in sonst was es sey, erschien) in ein Affirmatives,
erscheint dem Bewußtseyn, das in der Verstandes-Abstraktion feststeht,
als das paradoxeste, so einfach die Einsicht ist, oder auch wegen ihrer
Einfachheit selbst erscheint die Einsicht, daß die Negation der
Negation Positives ist, als etwas Triviales, auf welches der stolze
Verstand daher nicht zu achten brauche, obgleich die Sache ihre
Richtigkeit habe, - und sie hat nicht nur diese Richtigkeit, sondern um
der Allgemeinheit solcher Bestimmungen willen ihre unendliche
Ausdehnung und allgemeine Anwendung, so daß wohl darauf zu achten wäre.
Noch
kann über die Bestimmung des Uebergangs von Seyn und Nichts in einander
bemerkt werden, daß derselbe eben so ohne weitere Reflexionsbestimmung
aufzufassen ist. Er ist unmittelbar und ganz abstrakt, um der
Abstraktion der übergehenden Momente willen, d. i. indem an diesen
Momenten noch nicht die Bestimmtheit des anderen gesetzt ist,
vermittelst dessen sie übergingen; das Nichts ist am Seyn noch nicht gesetzt, ob zwar Seyn wesentlich
Nichts ist, und umgekehrt. Es ist daher unzulässig, weiters bestimmte
Vermittelungen hier anzuwenden, und Seyn und Nichts in irgend einem
Verhältnisse zu fassen, - jenes Uebergehen ist noch kein Verhältniß. Es
ist also unstatthaft zu sagen: Das Nichts ist der Grund vom Seyn; oder Seyn ist der Grund von Nichts; - das Nichts Ursache vom Seyn u.s.f.; oder es kann nur unter der Bedingung
in das Nichts übergegangen werden, daß etwas ist, oder in das Seyn nur
unter der Bedingung des Nichtseyns. Die Art der Beziehung kann nicht
weiter bestimmt seyn, ohne daß zugleich die bezogenen Seiten weiter bestimmt würden. Der Zusammenhang von Grund und Folge
u.s.f. hat nicht mehr das bloße Seyn und Nichts zu den Seiten, die er
verbindet, sondern ausdrücklich Seyn, das Grund ist, und etwas, das
zwar nur ein gesetztes, nicht Selbstständiges sey, das aber nicht das
abstrakte Nichts ist.
Es geht aus dem Bisherigen hervor, welche Bewandniß es mit der Dialektik gegen den Anfang der Welt, auch deren Untergang hat, wodurch die Ewigkeit der Materie erwiesen werden sollte, d. i. mit der Dialektik gegen das Werden,
Entstehen oder Vergehen überhaupt. - Die Kantische Antinomie über die
Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt in Raum und Zeit wird unten bei
dem Begriffe der quantitativen Unendlichkeit näher betrachtet werden. -
Jene einfache gewöhnliche Dialektik beruht auf dem Festhalten des
Gegensatzes von Seyn und Nichts. Es wird auf folgende Art bewiesen, daß
kein Anfang der Welt oder von Etwas möglich sey: Es kann nichts
anfangen, weder insofern etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn
insofern es ist, fängt es nicht erst an; insofern es aber nicht ist,
fängt es auch nicht an. -
Wenn
die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so hätte sie im Nichts
angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang; denn
Anfang schließt ein Seyn in sich, aber das Nichts enthält kein Seyn.
Nichts ist nur Nichts. In einem Grunde, Ursache u.s.w. wenn das Nichts
so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Seyn enthalten. - Aus demselben
Grunde kann auch Etwas nicht aufhören. Denn so müßte das Seyn das
Nichts enthalten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das Gegentheil seiner
selbst.
Es erhellt, daß hierin gegen das Werden, oder Anfangen und Aufhören, diese Einheit
des Seyns und Nichts, nichts vorgebracht wird, als sie assertorisch zu
läugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von dem andern,
Wahrheit zuzuschreiben. - Diese Dialektik ist jedoch wenigstens
konsequenter als das reflektirende Vorstellen.
Ihm gilt es für vollkommene Wahrheit, daß Seyn und Nichts nur getrennt
seyen; auf der anderen Seite aber läßt es ein Anfangen und Aufhören als
eben so wahrhafte Bestimmungen gelten; in diesen aber nimmt es die
Ungetrenntheit des Seyns und Nichts faktisch an.
Bei
der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seyns vom Nichts,
ist - was man so oft hört - der Anfang oder das Werden allerdings etwas
Unbegreifliches; denn man macht eine Voraussetzung, welche den Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch wieder zugibt, und dieser Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Auflösung unmöglich macht, heißt das Unbegreifliche.
Das Angeführte ist auch dieselbe Dialektik, die der Verstand gegen den Begriff braucht, den die höhere Analysis von den unendlich-kleinen Größen giebt. Von diesem Begriffe wird weiter unten ausführlicher gehandelt. - Diese Größen sind als solche, bestimmt worden, die in ihrem Verschwinden sind, nicht vor ihrem Verschwinden, denn als dann sind sie endliche Größen; - nicht nach
ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie nichts. Gegen diesen reinen
Begriff ist eingewendet und immer wiederholt worden, daß solche Größen
entweder Etwas seyen, oder Nichts; daß es keinen Mittelzustand
(Zustand ist hier ein unpassender, barbarischer Ausdruck) zwischen Seyn
und Nichtseyn gebe. - Es ist hierbei gleichfalls die absolute Trennung
des Seyns und Nichts angenommen. Dagegen ist aber gezeigt worden, daß
Seyn und Nichts in der That dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu
sprechen, daß es gar nichts giebt, das nicht ein Mittelzustand zwischen Seyn und Nichts ist. Die Mathematik hat ihre glänzendsten Erfolge der Annahme jener Bestimmung, welcher der Verstand widerspricht, zu danken.
Das angeführte Raisonnement, das die falsche Voraussetzung der absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, und bei derselben stehen bleibt, ist nicht Dialektik, sondern Sophisterei
zu nennen. Denn Sophisterei ist ein Raisonnement aus einer grundlosen
Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten läßt;
Dialektik aber nennen wir die höhere vernünftige Bewegung, in welche
solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, durch das,
was sie sind, in einander übergehen, die Voraussetzung sich aufhebt. Es
ist die dialektische immanente Natur des Seyns und Nichts selbst, daß
sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen.
Das
Werden, Entstehen und Vergehen, ist die Ungetrenntheit des Seyns und
Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstrahirt;
sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist. Aber indem Seyn und Nichts, jedes ungetrennt von seinem Anderen ist, ist es nicht. Sie sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als Aufgehobene. Sie sinken von ihrer zunächst vorgestellten Selbstständigkeit zu Momenten herab, noch unterschiedenen, aber zugleich aufgehobenen.
Nach dieser ihrer Unterschiedenheit sie aufgefaßt, ist jedes in derselben als Einheit mit dem Anderen. Das Werden enthält also Seyn und Nichts als zwei solche Einheiten,
deren jede selbst Einheit des Seyns und Nichts ist; die eine das Seyn
als unmittelbar und als Beziehung auf das Nichts; die andere das Nichts
als unmittelbar und als Beziehung auf das Seyn; die Bestimmungen sind
in ungleichem Werthe in diesen Einheiten.
Das
Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Bestimmung; in der einen ist
das Nichts als unmittelbar, d. i. sie ist anfangend vom Nichts, das
sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe übergeht, in der
anderen ist das Seyn als unmittelbar d. i. sie ist anfangend vom Seyn, das in das Nichts übergeht, - Entstehen und Vergehen.
Beide
sind dasselbe, Werden, und auch als diese so unterschiedenen Richtungen
durchdringen und paralysiren sie sich gegenseitig. Die eine ist Vergehen;
Seyn geht in Nichts über, aber Nichts ist eben so sehr das Gegentheil
seiner selbst, Uebergehen in Seyn, Entstehen. Dieß Entstehen ist die
andere Richtung; Nichts geht in Seyn über, aber Seyn hebt ebenso sehr
sich selbst auf und ist vielmehr das Uebergehen in Nichts, ist
Vergehen. - Sie heben sich nicht gegenseitig, nicht das eine äußerlich
das andere auf; sondern jedes hebt sich an sich selbst auf und ist an
ihm selbst das Gegentheil seiner.
Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist zunächst das Werden selbst. Aber dieses geht eben so in ruhige Einheit
zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende; aber das
Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit derselben. Ihr
Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens, oder Verschwinden
des Verschwindens selbst. Das Werden ist eine haltungslose Unruhe, die
in ein ruhiges Resultat zusammensinkt.
Dieß
könnte auch so ausgedrückt werden: Das Werden ist das Verschwinden von
Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das Verschwinden von Seyn
und Nichts überhaupt; aber es beruht zugleich auf dem Unterschiede
derselben. Es widerspricht sich also in sich selbst, weil es solches in
sich vereint, das sich entgegengesetzt ist; eine solche Vereinigung
aber zerstört sich.
Dieß Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so wäre es nur ein Rückfall in die eine der schon aufgehobenen Bestimmungen, nicht Resultat des Nichts und des Seyns. Es ist die zur ruhigen Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Die ruhige Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr für sich, sondern als Bestimmung des Ganzen.
Das Werden so Uebergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche als seyend ist, oder die Gestalt der einseitigen unmittelbaren Einheit dieser Momente hat, ist das Daseyn.
Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle)
ist einer der wichtigsten Begriffe der Philosophie, eine
Grundbestimmung, die schlechthin allenthalben wiederkehrt, deren Sinn
bestimmt aufzufassen und besonders vom Nichts zu unterscheiden ist. -
Was sich aufhebt, wird dadurch nicht zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare; ein Aufgehobenes dagegen ist ein Vermitteltes, es ist das Nichtseyende, aber als Resultat, das von einem Seyn ausgegangen ist; es hat daher die Bestimmtheit aus der es herkommt, noch an sich.
Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhören lassen, ein Ende machen.
Das Aufbewahren selbst schließt schon das Negative in sich, daß etwas
seiner Unmittelbarkeit und damit einem den äußerlichen Einwirkungen
offenen Daseyn entnommen wird, um es zu erhalten. - So ist das
Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur seine Unmittelbarkeit
verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist. - Die angegebenen zwei
Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch als zwei Bedeutungen
dieses Wortes aufgeführt werden. Auffallend müßte es aber dabei seyn,
daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und dasselbe Wort für zwei
entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen. Für das spekulative Denken
ist es erfreulich, in der Sprache Wörter zu finden welche eine
spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben; die deutsche Sprache hat
mehrere dergleichen. Der Doppelsinn des lateinischen: tollere (der
durch den ciceronianischen Witz tollendum esse Octavium
, berühmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative Bestimmung geht
nur bis zum Emporheben. Etwas ist nur insofern aufgehoben, als es in
die Einheit mit seinem Entgegengesetzten getreten ist; in dieser nähern
Bestimmung als ein reflektirtes kann es passend Moment genannt werden. Gewicht und Entfernung von einem Punkt heißen beim Hebel, dessen mechanische Momente, um der Dieselbigkeit
ihrer Wirkung willen bei aller sonstigen Verschiedenheit eines Reellen,
wie das ein Gewicht ist, und eines Ideellen, der bloßen räumlichen
Bestimmung, der Linie; s. Encykl. der philos. Wissenschaft 3te Ausg. _
261. Anm. - Noch öfter wird die Bemerkung sich aufdringen, daß die
philosophische Kunstsprache für reflektirte Bestimmungen lateinische
Ausdrücke gebraucht, entweder weil die Muttersprache keine Ausdrücke
dafür hat, oder wenn sie deren hat, wie hier, weil ihr Ausdruck mehr an
das Unmittelbare, die fremde Sprache aber mehr an das Reflektirte
erinnert.
Der nähere Sinn und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr Momente
sind, erhalten, hat sich bei der Betrachtung des Daseyns, als der
Einheit, in der sie aufbewahrt sind, zu ergeben. Seyn ist Seyn, und
Nichts ist Nichts nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in ihrer
Wahrheit aber, in ihrer Einheit, sind sie als diese Bestimmungen
verschwunden, und sind nun etwas anderes. Seyn und Nichts sind
dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht mehr Seyn und Nichts,
und haben eine verschiedene Bestimmung; im Werden waren sie Entstehen
und Vergehen; im Daseyn als einer anders bestimmten Einheit sind sie
wieder anders bestimmte Momente. Diese Einheit bleibt nun ihre
Grundlage, aus der sie nicht mehr zur abstrakten Bedeutung von Seyn und
Nichts heraustreten.
Daseyn ist bestimmtes Seyn; seine Bestimmtheit ist seyende Bestimmtheit, Qualität. Durch seine Qualität ist Etwas gegen ein Anderes, ist veränderlich und endlich,
nicht nur gegen ein Anderes, sondern an ihm schlechthin negativ
bestimmt. Diese seine Negation dem endlichen Etwas zunächst gegenüber
ist das Unendliche; der abstrakte Gegensatz, in welchem diese Bestimmungen erscheinen, löst sich in die gegensatzlose Unendlichkeit, in das Fürsichseyn auf.
Die Abhandlung des Daseyns hat so die drei Abtheilungen:
A. das Daseyn als solches,
B. Etwas und Anderes, die Endlichkeit,
C. die qualitative Unendlichkeit.
An dem Daseyn
a. als solchem, ist zunächst seine Bestimmtheit
b. als Qualität zu unterscheiden. Diese aber ist sowohl in der einen als in der anderen Bestimmung des Daseyns zu nehmen, als Realität und als Negation. Aber in diesen Bestimmtheiten ist Daseyn eben so sehr in sich reflektirt; und als solches gesetzt
ist es
c. Etwas, Daseyendes.
Aus
dem Werden geht das Daseyn hervor. Das Daseyn ist das einfache Einsseyn
des Seyns und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen, die Form von
einem Unmittelbaren. Seine Vermittelung, das Werden, liegt hinter ihm;
sie hat sich aufgehoben, und das Daseyn erscheint daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist zunächst in der einseitigen Bestimmung des Seyns, die andere, die es enthält, das Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervorthun, gegen jene.
Es ist nicht bloßes Seyn, sondern Daseyn;
etymologisch genommen Seyn an einem gewissen Orte; aber die
Raumvorstellung gehört nicht hierher. Daseyn ist, nach seinem Werden,
überhaupt Seyn mit einem Nichtseyn, so daß dieß Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen ist. Das Nichtseyn so in das Seyn aufgenommen, daß das konkrete Ganze in der Form des Seyns, der Unmittelbarkeit ist, macht die Bestimmtheit als solche aus.
Das Ganze ist gleichfalls in der Form d. i. Bestimmtheit
des Seyns, denn Seyn hat im Werden sich gleichfalls nur ein Moment zu
seyn gezeigt, - ein aufgehobenes, negativ bestimmtes; aber so ist es für uns in unserer Reflexion, noch nicht gesetzt
an ihm selbst. Aber die Bestimmtheit des Daseyns als solche ist die
gesetzte, die auch im Ausdruck Daseyn liegt. - Beides ist immer sehr
wohl von einander zu unterscheiden; nur das, was gesetzt ist an einem
Begriffe, gehört in die entwickelnde Betrachtung desselben, zu seinem
Inhalte. Die noch nicht an ihm selbst gesetzte Bestimmtheit aber gehört
unserer Reflexion, sie betreffe nun die Natur des Begriffes selbst,
oder sie sey äußere Vergleichung; eine Bestimmtheit der letztern Art
bemerklich zu machen kann nur zur Erläuterung oder Vorausandeutung des
Ganges dienen, der in der Entwickelung selbst sich darstellen wird. Daß
das Ganze, die Einheit des Seyns und des Nichts, in der einseitigen
Bestimmtheit des Seyns sey, ist eine äußerliche Reflexion; in der
Negation aber, im Etwas und Anderen u.s.f. wird sie dazu kommen, als gesetzte
zu seyn. - Es hat hier auf den angegebenen Unterschied aufmerksam
gemacht werden sollen; über alles aber, was die Reflexion sich erlauben
kann zu bemerken, Rechenschaft zu geben, würde in die Weitläufigkeit
führen, das zu anticipiren, was sich an der
Sache selbst ergeben muß. Wenn dergleichen Reflexionen dienen können,
die Uebersicht und damit das Verständniß zu erleichtern, so führen sie
wohl auch den Nachtheil herbei, als unberechtigte Behauptungen, Gründe
und Grundlagen für das Weitere auszusehen. Man soll sie daher für
nichts mehr nehmen, als was sie seyn sollen, und sie von dem
unterscheiden, was ein Moment im Fortgange der Sache selbst ist.
Das Daseyn entspricht dem Seyn
der vorigen Sphäre; das Seyn jedoch ist das Unbestimmte, es ergeben
sich deswegen keine Bestimmungen an demselben. Aber das Daseyn ist
bestimmtes Seyn, ein konkretes; es thun sich daher sogleich mehrere Bestimmungen, unterschiedene Verhältnisse seiner Momente an ihm auf.
Um
der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts, Eins
sind, gehen sie nicht übereinander hinaus; so weit das Daseyn seyend
ist, so weit ist es Nichtseyn, ist es bestimmt. Das Seyn ist nicht das Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere. Die Bestimmtheit hat sich noch nicht vom Seyn abgelöst;
zwar wird sie sich auch nicht mehr von ihm ablösen; denn das nunmehr
zum Grunde liegende Wahre ist die Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn;
auf ihr als dem Grunde ergeben sich alle fernern Bestimmungen. Aber die
Beziehung, in der hier die Bestimmtheit mit dem Seyn steht, ist die
unmittelbare Einheit beider, so daß noch keine Unterscheidung derselben
gesetzt ist.
Die Bestimmtheit so für sich isolirt, als seyende Bestimmtheit, ist die Qualität; - ein ganz Einfaches, Unmittelbares. Die Bestimmtheit
überhaupt ist das Allgemeinere, das ebenso sehr auch das Quantitative,
wie weiter Bestimmte seyn kann. Um dieser Einfachheit willen ist von
der Qualität als solcher weiter nichts zu sagen.
Aber
das Daseyn, in welchem ebenso wohl das Nichts als das Seyn enthalten,
ist selbst der Maßstab für die Einseitigkeit der Qualität als nur unmittelbarer oder seyender Bestimmtheit. Sie ist ebenso sehr in der Bestimmung des Nichts zu setzen, womit dann die unmittelbare oder die seyende
Bestimmtheit als eine unterschiedene, reflektirte gesetzt wird, das
Nichts so als das bestimmte einer Bestimmtheit, ist ebenso ein
reflektirtes, eine Verneinung. Die Qualität, so daß sie unterschieden als seyende gelte, ist die Realität; sie als mit einer Verneinung behaftet, Negation überhaupt, gleichfalls eine Qualität, aber die für einen Mangel gilt, sich weiterhin als Grenze, Schranke bestimmt.
Beide sind ein Daseyn, aber in der Realität als Qualität mit dem Accente, eine seyende,
zu seyn, ist es versteckt, daß sie die Bestimmtheit, also auch die
Negation enthält; die Realität gilt daher nur als etwas Positives, aus
welchem Verneinung, Beschränktheit, Mangel ausgeschlossen sey. Die
Negation als bloßer Mangel genommen, wäre was Nichts ist; aber sie ist
ein Daseyn, eine Qualität nur mit einem Nichtseyn bestimmt.
Realität
kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von verschiedenen,
ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird. Im philosophischen
Sinne wird etwa von bloß empirischer Realität als einem werthlosen Daseyn gesprochen. Wenn aber von Gedanken, Begriffen, Theorien gesagt wird, sie haben keine Realität, so heißt dieß, daß ihnen keine Wirklichkeit zukomme; an sich
oder im Begriffe könne die Idee einer platonischen Republik z. B. wohl
wahr seyn. Der Idee wird hier ihr Werth nicht abgesprochen, und sie neben der Realität auch belassen. Aber gegen sogenannte bloße Ideen, gegen bloße Begriffe gilt das Reelle als das allein Wahrhafte. - Der Sinn, in welchem das eine Mal dem äußerlichen Daseyn
die Entscheidung über die Wahrheit eines Inhalts zugeschrieben wird,
ist ebenso einseitig, als wenn die Idee, das Wesen oder auch die innere
Empfindung als gleichgültig gegen das äußerliche Daseyn vorgestellt und
gar für um so vortrefflicher gehalten wird, je mehr es von der Realität
entfernt sey.
Bei dem Ausdrucke: Realität ist der sonstige metaphysische Begriff von Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom Daseyn Gottes zu Grunde gelegt wurde, zu erwähnen. Gott wurde als der Inbegriff aller Realitäten
bestimmt, und von diesem Inbegriffe gesagt, daß er keinen Widerspruch
in sich enthalte, daß keine der Realitäten die andere aufhebe; denn
eine Realität sey nur als eine Vollkommenheit, als ein Affirmatives zu nehmen, das keine Negation enthalte. Somit seyen die Realitäten sich nicht entgegengesetzt und widersprechen sich nicht.
Bei
diesem Begriffe der Realität wird angenommen, daß sie dann noch bleibe,
wenn alle Negation weggedacht werde; damit wird aber alle Bestimmtheit
derselben aufgehoben. Die Realität ist Qualität, Daseyn; damit enthält
sie das Moment des Negativen, und ist allein dadurch das Bestimmte, das
sie ist. Im sogenannten eminenten Sinne oder als unendliche,
- in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts, - wie sie genommen werden
soll, wird sie ins Bestimmungslose erweitert, und verliert ihre
Bedeutung. Die Güte Gottes soll nicht Güte im gewöhnlichen, sondern im
eminenten Sinne, nicht verschieden von der Gerechtigkeit, sondern durch
sie temperirt seyn, (ein leibnitzischer
Vermittelungs-Ausdruck) so wie umgekehrt die Gerechtigkeit durch die
Güte; so ist weder Güte mehr Güte, noch Gerechtigkeit mehr
Gerechtigkeit. Die Macht solle durch die Weisheit temperirt seyn, aber
so ist sie nicht Macht als solche, denn sie wäre jener unterworfen, -
die Weisheit solle zur Macht erweitert seyn, aber so verschwindet sie
als den Zweck und Maaß bestimmende Weisheit. Der wahre Begriff des Unendlichen und dessen absolute Einheit, der sich später ergeben wird, ist nicht als ein Temperiren, gegenseitiges Beschränken oder Vermischen
zu fassen, als welches eine oberflächliche, in unbestimmtem Nebel
gehaltene Beziehung ist, mit der sich nur begriffloses Vorstellen
begnügen kann. - Die Realität, wie sie in jener Definition Gottes als
bestimmte Qualität genommen wird, über ihre Bestimmtheit hinausgeführt,
hört auf Realität zu seyn; sie wird zum abstrakten Seyn; Gott als das rein Reale in allem Realen, oder als Inbegriff aller Realitäten, ist dasselbe Bestimmungs- und Gehaltlose, was das leere Absolute, in dem alles Eins ist.
Wird
dagegen die Realität in ihrer Bestimmtheit genommen, so wird, da sie
wesentlich das Moment des Negativen enthält, der Inbegriff aller
Realitäten ebenso sehr zu einem Inbegriffe aller Negationen, dem
Inbegriffe aller Widersprüche, zunächst etwa zur absoluten Macht,
in der alles Bestimmte absorbirt ist, aber da sie selbst nur ist,
insofern sie noch ein von ihr nicht Aufgehobenes sich gegenüber hat, so
wird sie, indem sie zur ausgeführten, schrankenlosen Macht erweitert
gedacht wird, zum abstrakten Nichts. Jenes Reale in allem Realen, das
Seyn in allem Daseyn, welches den Begriff Gottes ausdrücken soll, ist
nichts anderes, als das abstrakte Seyn, dasselbe was das Nichts ist.
Die Bestimmtheit ist die Negation als affirmativ gesetzt, ist der Satz des Spinoza: Omnis determinatio est negatio
, dieser Satz ist von unendlicher Wichtigkeit; nur ist die Negation als
solche die formlose Abstraktion; der spekulativen Philosophie muß aber
nicht Schuld gegeben werden, daß ihr die Negation oder das Nichts ein
Letztes sey; dieß ist es ihr so wenig als die Realität das Wahrhafte.
Von diesem Satze, daß die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit der Spinozistischen Substanz, oder daß nur Eine Substanz ist, - die nothwendige Konsequenz. Denken und Seyn
oder Ausdehnung, die zwei Bestimmungen, die Spinoza nämlich vor sich
hat, mußte er in dieser Einheit in eins setzen, denn als bestimmte
Realitäten, sind sie Negationen, deren Unendlichkeit ihre Einheit ist;
nach Spinozas Definition, wovon weiter unten, ist die Unendlichkeit von
Etwas seine Affirmation. Er begriff sie daher als Attribute, d. h. als
solche, die nicht ein besonderes Bestehen, ein An-und-für-sich-Seyn
haben, sondern nur als aufgehobene, als Momente sind; oder vielmehr
sind sie ihm nicht einmal Momente, denn die Substanz ist das in ihr
selbst ganz bestimmungslose, und die Attribute sind, wie auch die Modi,
Unterscheidungen, die ein äußerer Verstand macht. - Eben so kann die
Substantialität der Individuen, nicht gegen jenen Satz bestehen. Das
Individuum ist Beziehung auf sich dadurch, daß es allein Anderen
Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner
selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm
selbst. Das Individuum ist wohl mehr als nur das nach allen Seiten beschränkte, aber dieß Mehr
gehört in eine andere Sphäre des Begriffs; in der Metaphysik des Seyns
ist es ein schlechthin bestimmtes; und daß ein solches, daß das
Endliche als solches an und für sich sey, dagegen macht sich die
Bestimmtheit wesentlich als Negation geltend, und reißt es in dieselbe
negative Bewegung des Verstandes, welche alles in der abstrakten
Einheit, der Substanz, verschwinden läßt.
Die
Negation steht unmittelbar der Realität gegenüber; weiterhin in der
eigentlichen Sphäre der reflektirten Bestimmungen, wird sie dem Positiven entgegengesetzt, welches die auf die Negation reflektirende Realität ist, - die Realität, an der das Negative scheint, das in der Realität als solcher noch versteckt ist.
Die Qualität ist erst in der Rücksicht vornehmlich Eigenschaft, als sie in einer äußerlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung zeigt. Unter Eigenschaften z. B. von Kräutern versteht man Bestimmungen, die einem Etwas nicht nur überhaupt eigen sind, sondern insofern es sich dadurch in der Beziehung auf andere auf eine eigenthümliche Weise erhält,
die fremden in ihm gesetzten Einwirkungen nicht in sich gewähren läßt,
sondern seine eigene Bestimmungen in dem Anderen, - ob es dieß zwar
nicht von sich abhält, - geltend macht. Die mehr ruhenden
Bestimmtheiten, z. B. Figur, Gestalt, nennt man dagegen nicht wohl
Eigenschaften, auch etwa nicht Qualitäten, insofern sie als
veränderlich, mit dem Seyn nicht identisch vorgestellt werden.
Die Qualirung oder Inqualirung,
ein Ausdruck der Jacob-Böhmischen, einer in die Tiefe aber in eine
trübe Tiefe gehenden Philosophie, bedeutet die Bewegung einer Qualität
(der sauren, herben, feurigen u.s.f.) in ihr selbst, insofern sie in
ihrer negativen Natur (in ihrer Qual) sich aus anderem setzt
und befestigt, überhaupt die Unruhe ihrer an ihr selbst ist, nach der
sie nur im Kampfe sich hervorbringt und erhält.
An
dem Daseyn ist seine Bestimmtheit als Qualität unterschieden worden; an
dieser als daseyender ist der Unterschied, - der Realität und der
Negation. So sehr nun diese Unterschiede an dem Daseyn vorhanden sind,
so sehr sind sie auch nichtig und aufgehoben. Die Realität enthält
selbst die Negation, ist Daseyn, nicht unbestimmtes, abstraktes Seyn.
Ebenso ist die Negation Daseyn, nicht das abstraktseynsollende Nichts,
sondern hier gesetzt wie es an sich ist, als seyend, dem Daseyn
angehörig. So ist die Qualität überhaupt nicht vom Daseyn getrennt,
welches nur bestimmtes, qualitatives Seyn ist.
Dieses
Aufheben der Unterscheidung ist mehr als ein bloßes Zurücknehmen und
äußeres Wieder-Weglassen derselben oder als ein einfaches Zurückkehren
zum einfachen Anfange, dem Daseyn als solchem. Der Unterschied kann nicht weggelassen werden; denn er ist.
Das Faktische, was also vorhanden ist, ist das Daseyn überhaupt,
Unterschied an ihm, und das Aufheben dieses Unterschiedes; das Daseyn
nicht als unterschiedlos, wie Anfangs, sondern als wieder sich selbst gleich, durch Aufheben des Unterschieds, die Einfachheit des Daseyns vermittelt durch dieses Aufheben. Dieß Aufgehobenseyn des Unterschieds ist die eigne Bestimmtheit des Daseyns; so ist es Insichseyn; das Daseyn ist Daseyendes, Etwas.
Das Etwas ist die erste Negation der Negation, als einfache seyende Beziehung auf sich. Daseyn, Leben, Denken u.s.f. bestimmt sich wesentlich zum Daseyenden, Lebendigen, Denkenden
(Ich) u.s.f. Diese Bestimmung ist von der höchsten Wichtigkeit, um
nicht bei dem Daseyn, Leben, Denken u.s.f. auch nicht bei der Gottheit (statt Gottes), als Allgemeinheiten stehen zu bleiben. Etwas gilt der Vorstellung mit Recht als ein Reelles. Jedoch ist Etwas noch eine sehr oberflächliche Bestimmung; wie Realität und Negation,
das Daseyn und dessen Bestimmtheit zwar nicht mehr die leeren: Seyn und
Nichts, aber ganz abstrakte Bestimmungen sind. Deswegen sind sie auch
die gegenläufigsten Ausdrücke, und die philosophisch nicht gebildete
Reflexion gebraucht sie am meisten, gießt ihre Unterscheidungen darein,
und meint daran etwas recht gut und fest Bestimmtes zu haben. - Das
Negative des Negativen ist als Etwas nur der Anfang des
Subjekts; - das Insichseyn nur erst ganz unbestimmt. Es bestimmt sich
fernerhin zunächst als Fürsichseyendes und sofort bis es erst im
Begriff die konkrete Intensität des Subjekts erhält. Allen diesen
Bestimmungen liegt die negative Einheit mit sich zu Grunde. Aber dabei
ist die Negation als erste, als Negation überhaupt wohl zu unterscheiden von der zweiten, der Negation der Negation, welche die konkrete, absolute Negativität, wie jene erste dagegen nur die abstrakte Negativität ist.
Etwas ist seyend
als die Negation der Negation; denn diese ist das Wiederherstellen der
einfachen Beziehung auf sich; - aber ebenso ist damit Etwas, die Vermittelung seiner mit sich selbst.
Schon in dem Einfachen des Etwas, dann noch bestimmter im Fürsichseyn,
Subjekt u.s.f. ist die Vermittelung seiner mit sich selbst vorhanden,
bereits auch im Werden nur die ganz abstrakte Vermittelung; die
Vermittelung mit sich ist im Etwas gesetzt, insofern es als
einfaches Identisches bestimmt ist. - Auf das Vorhandenseyn der
Vermittelung überhaupt kann gegen das Princip der behaupteten bloßen
Unmittelbarkeit des Wissens, von welcher die Vermittelung
ausgeschlossen seyn solle, aufmerksam gemacht werden; aber es bedarf
weiterhin nicht besonders auf das Moment der Vermittelung aufmerksam zu
machen; denn es befindet sich überall und allenthalben, in jedem
Begriffe.
Diese Vermittelung mit sich, die Etwas an sich
ist, hat nur als Negation der Negation genommen, keine konkrete
Bestimmungen zu ihren Seiten; so fällt sie in die einfache Einheit
zusammen, welche Seyn ist. Etwas ist, und ist denn auch Daseyendes; es ist an sich ferner auch Werden, das aber nicht mehr nur Seyn und Nichts zu seinen Momenten hat. Das eine derselben, das Seyn, ist nun Daseyn und weiter Daseyendes. Das zweite ist ebenso ein Daseyendes, aber als Negatives des Etwas bestimmt, - ein Anderes. Das Etwas als Werden ist ein Uebergehen, dessen Momente selbst Etwas sind, und das darum Veränderung ist; - ein bereits konkret
gewordenes Werden. - Das Etwas aber verändert sich zunächst nur in
seinem Begriffe; es ist noch nicht so als vermittelnd und vermittelt gesetzt;
zunächst nur als sich in seiner Beziehung auf sich einfach erhaltend,
und das Negative seiner als ein ebenso qualitatives, nur ein Anderes überhaupt.
a. Etwas und
Anderes; sie sind zunächst gleichgültig gegeneinander; ein Anderes ist
auch ein unmittelbar Daseyendes, ein Etwas; die Negation fällt so außer
beiden. Etwas ist an sich gegen sein Seyn-für anderes. Aber die Bestimmtheit gehört auch seinem Ansich an, und ist
b. dessen Bestimmung, welche ebenso sehr in Beschaffenheit übergeht, die mit jener identisch das immanente und zugleich negirte Seyn-für-Anders, die Grenze des Etwas ausmacht, welche
c. die immanente Bestimmung des Etwas selbst, und dieses somit das Endliche ist.
In der ersten Abtheilung, worin das Daseyn überhaupt betrachtet wurde, hatte dieses als zunächst aufgenommen, die Bestimmung des Seyenden.
Die Momente seiner Entwicklung, Qualität und Etwas, sind darum ebenso
affirmativer Bestimmung. In dieser Abtheilung hingegen entwickelt sich
die negative Bestimmung, die im Daseyn liegt, welche dort nur erst
Negation überhaupt, erste Negation war, nun aber zu dem Puncte des In-sichseyns des Etwas, zur Negation der Negation bestimmt ist.
1. Etwas und Anderes sind beide erstens Daseyende oder Etwas.
Zweitens ist ebenso jedes ein Anderes. Es ist gleichgültig, welches zuerst und bloß darum Etwas genannt wird; (im Lateinischen, wenn sie in einem Satze vorkommen, heißen beide aliud , oder einer den andern, alius alium ; bei einer Gegenseitigkeit ist der Ausdruck: alter alterum
analog.) Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B, so ist
zunächst B als das Andere bestimmt. Aber A ist ebenso sehr das Andere des B. Beide sind auf gleiche Weise Andere. Um den Unterschied und das als affirmativ zu nehmende Etwas zu fixiren, dient das Dieses. Aber Dieses
spricht eben es aus, daß dieß Unterscheiden und Herausheben des einen
Etwas ein subjektives, außerhalb des Etwas selbst fallendes Bezeichnen
ist. In dieses äußerliche Monstriren fällt die ganze Bestimmtheit;
selbst der Ausdruck: Dieses enthält keinen Unterschied; alle und jede Etwas sind gerade so gut Diese, als sie auch Andere sind. Man meint, durch: Dieses,
etwas vollkommen bestimmtes auszudrücken; es wird übersehen, daß die
Sprache, als Werk des Verstandes, nur Allgemeines ausspricht, außer in
dem Namen eines einzelnen Gegenstandes; der individuelle Name
ist aber ein Sinnloses in dem Sinne, daß er nicht ein Allgemeines
ausdrückt, und erscheint als ein bloß Gesetztes, Willkürliches aus
demselben Grunde, wie denn auch Einzelnamen willkürlich angenommen,
gegeben oder ebenso verändert werden können.
Es erscheint somit das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn fremde Bestimmung, oder das Andere außer dem einen Daseyn; Theils, daß ein Daseyn erst durch das Vergleichen
eines Dritten, Theils, daß es nur um des Anderen willen, das außer ihm
ist, als anderes bestimmt werde, aber nicht für sich so sey. Zugleich,
wie bemerkt worden, bestimmt sich jedes Daseyn, auch für die
Vorstellung, ebenso sehr als ein anderes Daseyn, so daß nicht ein
Daseyn bleibt, das nur als ein Daseyn bestimmt, das nicht außerhalb
eines Daseyns, also nicht selbst ein Anderes wäre.
Beide sind sowohl als Etwas als auch als Anderes bestimmt, hiermit dasselbe und es ist noch kein Unterschied derselben vorhanden. Diese Dieselbigkeit der Bestimmungen fällt aber ebenso nur in die äußere Reflexion, in die Vergleichung beider; aber wie das Andere zunächst gesetzt ist, so ist dasselbe für sich zwar in Beziehung auf das Etwas, aber auch für sich außerhalb desselben.
Drittens ist daher das Andere zu nehmen, als isolirt, in Beziehung auf sich selbst; abstrakt als das Andere, ... ... des Plato, der es als eins der Momente der Totalität, dem Einen entgegensetzt, und dem Anderen auf diese Weise eine eigne Natur zuschreibt. So ist das Andere
allein als solches gefaßt, nicht das Andere von Etwas, sondern das
Andere an ihm selbst, d. i. das Andere seiner selbst. - Solches seiner
Bestimmung nach Andere ist die physische Natur; sie ist das Andere des Geistes;
diese ihre Bestimmung ist so zunächst eine bloße Relativität, wodurch
nicht eine Qualität der Natur selbst, sondern nur eine ihr äußerliche
Beziehung ausgedrückt wird. Aber indem der Geist das wahrhafte Etwas,
und die Natur daher an ihr selbst nur das ist, was sie gegen den Geist
ist, so ist, insofern sie für sich genommen wird, ihre Qualität eben
dieß, das Andere an ihr selbst, das Außer-sich-seyende (in den Bestimmungen des Raumes, der Zeit, der Materie) zu seyn.
Das
Andere für sich ist das Andere an ihm selbst, hiermit das Andere seiner
selbst, so das Andere des Anderen, - also das in sich schlechthin
Ungleiche, sich Negirende, das sich Verändernde. Aber ebenso
bleibt es identisch mit sich, denn dasjenige, in welches es sich
veränderte, ist das Andere, das sonst weiter keine Bestimmung hat; aber
das sich Verändernde ist auf keine verschiedene Weise, sondern auf
dieselbe, ein Anderes zu seyn, bestimmt, es geht daher in demselben nur mit sich zusammen. So ist es gesetzt als in sich Reflektirtes mit Aufheben des Andersseyns; mit sich identisches
Etwas, von dem hiermit das Andersseyn, das zugleich Moment desselben
ist, ein Unterschiedenes, ihm nicht als Etwas selbst zukommendes ist.
2. Etwas erhält sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich Eins mit ihm, und wesentlich nicht Eins mit ihm.
Es steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein sein Andersseyn. Das Andersseyn ist zugleich in ihm enthalten, und zugleich noch davon getrennt; es ist Seyn-für-Anderes.
Daseyn
als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in der
Bestimmung des Seyns. Aber Daseyn als das Nichtseyn in sich schließend,
ist bestimmtes, in sich verneintes Seyn, und dann zunächst Anderes, - aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich auch erhält, nur Seyn-für-Anderes.
Es erhält sich in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn; aber nicht Seyn überhaupt, sondern als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein solches Seyn ist Ansichseyn.
Seyn-für-Anderes und Ansichseyn machen die zwei Momente des Etwas aus. Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Etwas und Anderes. 2) Seyn-für-Anderes, und Ansichseyn.
Die erstern enthalten die Beziehungslosigkeit ihrer Bestimmtheit; Etwas
und Anderes fallen auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung;
das Seyn-für-Anderes und das Ansichseyn sind daher jene Bestimmungen
als Momente Eines und desselben gesetzt, als Bestimmungen,
welche Beziehungen sind und in ihrer Einheit, in der Einheit des
Daseyns bleiben. Jedes selbst enthält damit an ihm zugleich auch sein
von ihm verschiedenes Moment.
Seyn
und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, sind nicht mehr als
Seyn und Nichts; - dieß sind sie nur außer ihrer Einheit; so in ihrer
unruhigen Einheit, im Werden, sind sie Entstehen und Vergehen. - Seyn
im Etwas ist Ansichseyn. Seyn, die Beziehung auf sich, die Gleichheit
mit sich, ist jetzt nicht mehr unmittelbar, sondern Beziehung auf sich
nur als Nichtseyn des Andersseyns, (als in sich reflektirtes Daseyn). -
Eben so ist Nichtseyn als Moment des Etwas in dieser Einheit des Seyns und Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn überhaupt, sondern Anderes, und bestimmter nach der Unterscheidung des Seyns von ihm zugleich, Beziehung auf sein Nichtdaseyn, Seyn-für-Anderes.
Somit ist Ansichseyn erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn, es hat das Andersseyn außer ihm und ist demselben entgegen; insofern Etwas an sich
ist, ist es dem Anders-seyn und dem Seyn-für-Anderes entnommen. Aber
zweitens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm; denn es selbst ist das Nicht-seyn des Seyns-für Anderes.
Das Seyn-für-Anderes
aber ist erstlich Negation der einfachen Beziehung des Seyns auf sich,
die zunächst Daseyn und Etwas seyn soll; insofern Etwas in einem
Anderen oder für ein Anderes ist, entbehrt es des eigenen Seyns. Aber
zweitens ist es nicht das Nichtdaseyn als reines Nichts; es ist
Nichtdaseyn, das auf das Ansichseyn als auf sein in sich reflektirtes
Seyn hinweist, so wie umgekehrt das Ansichseyn auf das Seyn-für-Anderes
hinweist.
Beide Momente sind Bestimmungen eines und des selben, nämlich des Etwas. Ansich
ist Etwas, insofern es aus dem Seyn-für-Anderes heraus, in sich
zurückgekehrt ist. Etwas hat aber auch eine Bestimmung oder Umstand an sich (hier fällt der Accent auf an) oder an ihm, insofern dieser Umstand äußerlich an ihm, ein Seyn-für-Anderes ist.
Dieß führt zu einer weitern Bestimmung. Ansichseyn und Seyn-für-Anderes sind zunächst verschieden; aber daß Etwas dasselbe, was es an sich ist, auch an ihm
hat, und umgekehrt, was es als Seyn-für-Anderes ist, auch an sich ist,
- dieß ist die Identität des Ansichseyns und Seyns-für-Anderes, nach
der Bestimmung, daß das Etwas selbst ein und dasselbe beider Momente
ist, sie also ungetrennt in ihm sind. - Es ergiebt sich formell diese
Identität schon in der Sphäre des Daseyns, aber ausdrücklicher in der
Betrachtung des Wesens und dann des Verhältnisses der Innerlichkeit und Aeußerlichkeit, und am bestimmtesten in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des Begriffs und der Wirklichkeit . - Man meint, mit dem Ansich etwas Hohes zu sagen, wie mit dem Inneren; was aber Etwas nur ansich ist, ist auch nur an ihm; ansich ist eine nur abstrakte, damit selbst äußerliche Bestimmung. Die Ausdrücke: es ist nichts an ihm, oder es ist etwas daran, enthalten, obgleich etwa dunkel, daß das, was an einem ist, auch zu seinem Ansichseyn, seinem inneren wahrhaften Werthe gehöre.
Es kann bemerkt werden, daß sich hier der Sinn des Dings-an-sich
ergiebt, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang
eine sehr wichtige Bestimmung, gleichsam etwas Vornehmes, so wie, der
Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine
vielgeltende Weisheit war. - Die Dinge heißen an-sich, insofern von
allem Seyn-für-Anderes abstrahirt wird, das heißt überhaupt, insofern
sie ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht werden. In diesem Sinn
kann man freilich nicht wissen, was das Ding-an-sich ist. Denn die Frage: was? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem aber die Dinge, von denen sie anzugeben verlangt würde, zugleich Dinge-an-sich
seyn sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in die Frage
gedankenloserweise die Unmöglichkeit der Beantwortung gelegt, oder man
macht nur eine widersinnige Antwort. - Das Ding-an-sich ist dasselbe,
was jenes Absolute, von dem man nichts weiß, als daß Alles eins in ihm
ist. Man weiß daher sehr wohl, was an diesen Dingen-an-sich ist; sie
sind als solche nichts als Wahrheitslose, leere Abstraktionen. Was aber
das Ding-an-sich in Wahrheit ist, was wahrhaft an sich ist, davon ist
die Logik die Darstellung, wobei aber unter Ansich etwas
Besseres als die Abstraktion verstanden wird, nämlich was etwas in
seinem Begriffe ist; dieser aber ist konkret in sich, als Begriff
überhaupt begreiflich, und als bestimmt und Zusammenhang seiner Bestimmungen in sich erkennbar.
Das Ansichseyn hat zunächst das Seyn-für-Anderes zu seinem gegenüberstehenden Momente; aber es wird demselben auch das Gesetztseyn
gegenübergestellt; in diesem Ausdruck liegt zwar auch das
Seyn-für-Anderes, aber er enthält bestimmt die bereits geschehene
Zurückbeugung dessen, was nicht an sich ist, in das, was sein
Ansichseyn, worin es positiv ist. Das Ansichseyn ist gewöhnlich als eine abstrakte Weise den Begriff auszudrücken zu nehmen; Setzen fällt eigentlich erst in die Sphäre des Wesens, der objektiven Reflexion; der Grund setzt das, was durch ihn begründet wird; die Ursache noch mehr bringt eine Wirkung hervor, ein Daseyn, dessen Selbstständigkeit unmittelbar negirt ist und das den Sinn an ihm hat, in einem anderen seine Sache, sein Seyn zu haben. In der Sphäre des Seyns geht
das Daseyn aus dem Werden nur hervor, oder mit dem Etwas ist ein
Anderes, mit dem Endlichen das Unendliche gesetzt, aber das Endliche
bringt das Unendliche nicht hervor, setzt dasselbe nicht. In der Sphäre des Seyns ist das Sich-bestimmen
des Begriffs selbst nur erst an sich, so heißt es ein Uebergehen; auch
die reflektirenden Bestimmungen des Seyns, wie Etwas und Anderes, oder
das Endliche und Unendliche, ob sie gleich wesentlich auf einander
hinweisen, oder als Seyn-für-Anderes sind, gelten als qualitative für sich bestehend; das Andere ist, das Endliche gilt ebenso als unmittelbar seyend
und für sich feststehend, wie das Unendliche; ihr Sinn erscheint als
vollendet auch ohne ihr Anderes. Das Positive und Negative hingegen,
Ursache und Wirkung, so sehr sie auch als isolirt seyend genommen
werden, haben zugleich keinen Sinn ohne einander; es ist an ihnen selbst
ihr Scheinen in einander, das Scheinen seines Anderen in jedem,
vorhanden. - In den verschiedenen Kreisen der Bestimmung und besonders
im Fortgange der Exposition, oder näher im Fortgange des Begriffs zu seiner Exposition ist es eine Hauptsache, dieß immer wohl zu unterscheiden, was noch an sich und was gesetzt
ist, wie die Bestimmungen als im Begriffe und wie sie als gesetzt oder
als seyend-für-Anderes sind. Es ist dieß ein Unterschied, der nur der
dialektischen Entwickelung angehört, den das metaphysische
Philosophiren, worunter auch das kritische gehört, nicht kennt; die
Definitionen der Metaphysik, wie ihre Voraussetzungen, Unterscheidungen
und Folgerungen, wollen nur Seyendes und zwar Ansichseyendes behaupten und hervorbringen.
Das Seyn-für-Anderes ist in der Einheit des Etwas mit sich, identisch mit seinem Ansich; das Seyn-für-Anderes ist so am Etwas. Diese in sich reflektirte Bestimmtheit ist damit wieder einfache seyende, somit wieder eine Qualität, - die Bestimmung.
Das Ansich,
in welches das Etwas aus seinem Seyn-für-Anderes in sich reflektirt
ist, ist nicht mehr abstraktes Ansich, sondern als Negation seines
Seyns-für-Anderes durch dieses vermittelt, welches so sein Moment ist.
Es ist nicht nur die unmittelbare Identität des Etwas mit sich, sondern
die, durch welche das Etwas das, was es an sich ist, auch an ihm ist; das Seyn-für-Anderes ist an ihm, weil das Ansich das Aufheben desselben ist, aus demselben
in sich ist; aber ebenso sehr auch schon, weil es abstrakt, also
wesentlich mit Negation, mit Seyn-für-Anderes behaftet ist. Es ist hier
nicht nur Qualität und Realität, seyende Bestimmtheit, sondern an-sich-seyende Bestimmtheit vorhanden, und die Entwickelung ist, sie als diese in sich reflektirte Bestimmtheit zu setzen.
1. Die Qualität, die das Ansich im einfachen Etwas wesentlich in Einheit mit dessen anderen Momente, dem An-ihm-Seyn, ist, kann seine Bestimmung genannt werden, insofern dieses Wort in genauerer Bedeutung von Bestimmtheit
überhaupt unterschieden wird. Die Bestimmung ist die affirmative
Bestimmtheit, als das Ansichseyn, dem das Etwas in seinem Daseyn gegen
seine Verwicklung mit Anderem, wo von es bestimmt würde, gemäß bleibt,
sich in seiner Gleichheit mit sich erhält, sie in seinem
Seyn-für-Anderes geltend macht. Es erfüllt seine Bestimmung,
insofern die weitere Bestimmtheit, welche zunächst durch sein Verhalten
zu Anderem mannigfaltig erwächst, seinem Ansichseyn gemäß, seine Fülle
wird. Die Bestimmung enthält dieß, daß was Etwas an sich ist, auch an ihm sey.
Die Bestimmung des Menschen ist die denkende Vernunft: Denken überhaupt ist seine einfache Bestimmtheit, er ist durch dieselbe von dem Thiere unterschieden; er ist Denken an sich,
insofern dasselbe auch von seinem Seyn-für-Anderes, seiner eigenen
Natürlichkeit und Sinnlichkeit, wodurch er unmittelbar mit Anderem
zusammenhängt, unterschieden ist. Aber das Denken ist auch an ihm; der Mensch selbst ist Denken, er ist da
als denkend, es ist seine Existenz und Wirklichkeit; und ferner indem
es in seinem Daseyn, und sein Daseyn im Denken ist, ist es konkret, ist mit Inhalt und Erfüllung zu nehmen, es ist denkende Vernunft, und so ist es Bestimmung des Menschen. Aber selbst diese Bestimmung ist wieder nur an sich, als ein Sollen, d. i. sie mit der Erfüllung, die ihrem Ansich einverleibt ist, in der Form des Ansich überhaupt, gegen das ihr nicht einverleibte Daseyn, das zugleich noch als äußerlich gegenüberstehende, unmittelbare Sinnlichkeit und Natur ist.
2.
Die Erfüllung des Ansichseyns mit Bestimmtheit ist auch unterschieden
von der Bestimmtheit, die nur Seyn-für-Anderes ist und außer der
Bestimmung bleibt. Denn im Felde des Qualitativen bleibt den
Unterschieden in ihrem Aufgehobenseyn auch das unmittelbare,
qualitative Seyn gegeneinander. Das, was das Etwas an ihm hat, theilt sich so, und ist nach dieser Seite äußerliches Daseyn des Etwas, das auch sein Daseyn ist, aber nicht seinem Ansichseyn angehört. - Die Bestimmtheit ist so Beschaffenheit.
So
oder anders beschaffen, ist Etwas als in äußerem Einfluß und
Verhältnissen begriffen. Diese äußerliche Beziehung, von der die
Beschaffenheit abhängt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes,
erscheint als etwas Zufälliges. Aber es ist Qualität des Etwas, dieser
Aeußerlichkeit preisgegeben zu seyn und eine Beschaffenheit zu haben.
Insofern
Etwas sich verändert, so fällt die Veränderung in die Beschaffenheit;
sie ist am Etwas das, was ein Anderes wird. Es selbst erhält sich in
der Veränderung, welche nur diese unstäte Oberfläche seines
Andersseyns, nicht seine Bestimmung trifft.
Bestimmung
und Beschaffenheit sind so von einander unterschieden; Etwas ist seiner
Bestimmung nach gleichgültig gegen seine Beschaffenheit. Das aber, was
Etwas an ihm hat, ist die sie beide verbindende Mitte dieses Schlusses. Das Am Etwas
seyn zeigte sich aber vielmehr in jene beide Extreme zu zerfallen. Die
einfache Mitte ist die Bestimmtheit als solche; ihrer Identität gehört
sowohl Bestimmung als Beschaffenheit an. Aber die Bestimmung geht für
sich selbst in Beschaffenheit und diese in jene über. Dieß liegt im
Bisherigen; der Zusammenhang ist näher dieser: Insofern das, was Etwas an sich ist, auch an ihm
ist, ist es mit Seyn-für-Anderes behaftet; die Bestimmung ist damit als
solche offen dem Verhältniß zu Anderem. Die Bestimmtheit ist zugleich
Moment, enthält aber zugleich den qualitativen Unterschied, vom
Ansichseyn verschieden, das Negative des Etwas, ein anderes Daseyn zu
seyn. Die so das Andere in sich fassende Bestimmtheit mit dem
Ansichseyn vereinigt bringt das Andersseyn in das Ansichseyn oder in
die Bestimmung hinein, welche dadurch zur Beschaffenheit herabgesetzt
ist. Umgekehrt das Seyn-für-Anders als Beschaffenheit isolirt und für
sich gesetzt ist es an ihm dasselbe, was das Andere als solches, das Andere an ihm selbst d. i. seiner selbst ist; so ist es aber sich auf sich beziehendes Daseyn, so Ansichseyn mit einer Bestimmtheit, also Bestimmung. - Es hängt
hiermit, insofern beide auch außereinander zu halten sind, die
Beschaffenheit, die in einem Aeußerlichen, einem Anderen überhaupt
gegründet erscheint, auch von der Bestimmung ab, und das fremde
Bestimmen ist durch die eigene, immanente des Etwas zugleich bestimmt.
Aber ferner gehört die Beschaffenheit zu dem, was das Etwas an sich
ist; mit seiner Beschaffenheit ändert sich Etwas.
Diese
Aenderung des Etwas ist nicht mehr die erste Veränderung des Etwas bloß
nach seinem Seyn-für-Anderes; jene erste war nur die an sich seyende,
dem innern Begriffe angehörige Veränderung; die Veränderung ist nunmehr
auch die am Etwas gesetzte. - Das Etwas selbst ist weiter bestimmt, und
die Negation als ihm immanent gesetzt, als sein entwickeltes Insichseyn.
Zunächst
ist das Uebergehen der Bestimmung und Beschaffenheit ineinander das
Aufheben ihres Unterschiedes, damit ist das Daseyn oder Etwas überhaupt
gesetzt; und, indem es aus jenem Unterschiede resultirt, der das
qualitative Andersseyn ebenso in sich befaßt, sind Zwei Etwas, aber
nicht nur Andere gegen einander überhaupt, so daß diese Negation noch
abstrakt wäre und nur in die Vergleichung fiele, sondern sie ist
nunmehr den Etwas immanent. Sie sind als daseyend gleichgültig gegeneinander, aber diese ihre Affirmation ist nicht mehr unmittelbare, jedes bezieht sich auf sich selbst vermittelst des Aufhebens des Andersseyns, welches in der Bestimmung in das Ansichseyn reflektirt ist.
Etwas verhält sich so aus sich selbst
zum Anderen, weil das Andersseyn als sein eigenes Moment in ihm gesetzt
ist, sein Insichseyn befaßt die Negation in sich, vermittelst deren
überhaupt es nun sein affirmatives Daseyn hat. Aber von diesem
ist das Andere auch qualitativ unterschieden, es ist hiermit außer dem
Etwas gesetzt. Die Negation seines Anderen ist nur die Qualität des
Etwas, denn als dieses Aufheben seines Anderen ist es Etwas. Damit
tritt erst eigentlich das Andere einem Daseyn selbst gegenüber; dem
ersten Etwas ist das Andere nur äußerlich gegenüber, oder aber indem
sie in der That schlechthin, d. i. ihrem Begriffe nach zusammenhängen,
ist ihr Zusammenhang dieser, daß das Daseyn in Andersseyn, Etwas in
Anderes übergegangen, Etwas sosehr als das Andere, ein Anderes
ist. Insofern nun das Insichseyn das Nichtseyn des Andersseyns, welches
in ihm enthalten, aber Zugleich als seyend unterschieden, ist das Etwas
selbst, die Negation, das Aufhören eines Anderen an ihm; es ist
als sich negativ dagegen verhaltend und sich damit erhaltend gesetzt; -
dieß Andere, das Insichseyn des Etwas als Negation der Negation ist
sein Ansichseyn, und zugleich ist dieß Aufheben als einfache
Negation an ihm, nämlich als seine Negation des ihm äußerlichen anderen
Etwas. Es ist Eine Bestimmtheit derselben, welche sowohl mit
dem Insichseyn der Etwas identisch, als Negation der Negation, als auch
indem diese Negationen als andere Etwas gegeneinander sind, sie aus
ihnen selbst zusammenschließt und ebenso von einander, jedes das Andere
negirend, abscheidet, - die Grenze.
3. Seyn-für-Anderes ist unbestimmte, affirmative Gemeinschaft von Etwas mit seinem Anderen; in der Grenze hebt sich das Nichtseyn-für-Anderes
hervor, die qualitative Negation des Anderen, welches dadurch von dem
in sich reflektirten Etwas abgehalten wird. Die Entwickelung dieses
Begriffs ist zu sehen, welche sich aber vielmehr als Verwicklung und
Widerspruch zeigt. Dieser ist sogleich darin vorhanden, daß die Grenze
als in sich reflektirte Negation des Etwas die Momente des Etwas und
des Anderen in ihr ideell enthält, und diese als unterschiedene Momente zugleich in der Sphäre des Daseyns als reell, qualitativ unterschieden gesetzt sind.
à.
Etwas also ist unmittelbares sich auf sich beziehendes Daseyn und hat
eine Grenze zunächst als gegen Anderes; sie ist das Nichtseyn des
Anderen, nicht des Etwas selbst; es begrenzt in ihr sein Anderes. -
Aber das Andere ist selbst ein Etwas überhaupt; die Grenze also, welche
das Etwas gegen das Andere hat, ist auch Grenze des Anderen als Etwas,
Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein Anderes von sich abhält, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas; so ist sie nicht nur Nichtseyn des Andern, sondern des einen wie des anderen Etwas, somit des Etwas überhaupt.
Aber
sie ist wesentlich ebenso das Nichtseyn des Anderen, so ist Etwas
zugleich durch seine Grenze. Indem Etwas begrenzend ist, wird es zwar
dazu herabgesetzt, selbst begrentzt zu seyn; aber seine Grenze ist, als
Aufhören des Anderen an ihm, zugleich selbst nur das Seyn des Etwas; dieses ist durch sie das, was es ist, hat in ihr seine Qualität. - Dieß Verhältniß ist die äußere Erscheinung dessen, daß die Grenze einfache Negation oder die erste Negation, das Andere aber zugleich die Negation der Negation, das Insichseyn des Etwas, ist.
Etwas ist also als unmittelbares Daseyn die Grenze gegen anderes Etwas, aber es hat sie an ihm selbst
und ist Etwas durch die Vermittelung derselben, die ebenso sehr sein
Nichtseyn ist. Sie ist die Vermittelung, wodurch Etwas und Anderes sowohl ist, als nicht ist.
ß. Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht
ist, und diese Momente ein unmittelbarer, qualitativer Unterschied
sind, so fällt das Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas außer einander.
Etwas hat sein Daseyn außer (oder wie man es sich auch vorstellt, innerhalb) seiner Grenze; eben so ist auch das Andere, weil es Etwas ist, außerhalb derselben. Sie ist die Mitte zwischen beiden, in der sie aufhören. Sie haben das Daseyn jenseits von einander von ihrer Grenze; die Grenze als das Nichtseyn eines jeden ist das Andere von beiden.
- Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint die Linie als Linie nur außerhalb ihrer Grenze, des Punktes; die Fläche als Fläche außerhalb der Linie; der Körper
als Körper nur außerhalb seiner begrenzenden Fläche. - Dieß ist die
Seite, von welcher die Grenze zunächst in die Vorstellung, - das
Außersichseyn des Begriffes, - fällt, als vornehmlich auch in den
räumlichen Gegenständen genommen wird.
y.
Ferner aber ist das Etwas, wie es außer der Grenze ist, das unbegrenzte
Etwas, nur das Daseyn überhaupt. So ist es nicht von seinem Anderen
unterschieden; es ist nur Daseyn, hat also mit seinem Anderen dieselbe
Bestimmung, jedes ist nur Etwas überhaupt oder jedes ist Anderes; beide
sind so Dasselbe. Aber dieß ihr zunächst unmittelbares Daseyn
ist nun gesetzt mit der Bestimmtheit als Grenze, in welcher beide sind,
was sie sind, unterschieden von einander. Sie ist aber ebenso ihre gemeinschaftliche
Unterschiedenheit, die Einheit und Unterschiedenheit derselben, wie das
Dasein. Diese doppelte Identität beider, das Daseyn und die Grenze
enthält dieß, daß das Etwas sein Daseyn nur in der Grenze hat, und daß,
indem die Grenze und das unmittelbare Daseyn beide zugleich das
Negative von einander sind, das Etwas, welches nur in seiner Grenze
ist, eben so sehr sich von sich selbst trennt und über sich hinaus auf
sein Nichtseyn weißt und dieß als sein Seyn ausspricht, und so in
dasselbe übergeht. Um dieß auf das vorige Beispiel anzuwenden, so ist
die eine Bestimmung, daß Etwas, das was es ist, nur in seiner Grenze
ist; - so ist also der Punkt nicht nur so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhört und sie als Daseyn außer ihm ist; - die Linie nicht nur so Grenze der Fläche, daß diese in der Linie nur aufhört, ebenso die Fläche als Grenze des Körpers. Sondern im Punkte fängt die Linie auch an;
er ist ihr absoluter Anfang, auch insofern sie als nach ihren beiden
Seiten unbegrenzt, oder wie man es ausdrückt, als ins Unendliche
verlängert vorgestellt wird, macht der Punkt ihr Element aus, wie die Linie das Element der Fläche, die Fläche das des Körpers. Diese Grenzen sind Princip dessen, das sie begrenzen; wie das Eins, z. B. als Hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des ganzen Hundert.
Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in der es immanent ist, der Widerspruch
zu seyn, der es über sich selbst hinausschickt. So ist der Punkt, diese
Dialektik seiner selbst, zur Linie zu werden, die Linie die Dialektik,
zur Fläche, die Fläche die zum totalen Raume zu werden. Von Linie,
Fläche, und ganzem Raum wird eine zweite Definition so gegeben, daß
durch die Bewegung des Punktes die Linie, durch die Bewegung der Linie die Fläche entsteht u.s.f. Diese Bewegung
des Punkts, der Linie u.s.f. wird aber als etwas Zufälliges oder nur so
Vorgestelltes angesehen. Dieß ist jedoch eigentlich darin
zurückgenommen, daß die Bestimmungen, aus denen Linie u.s.f. entstehen
sollen, ihre Elemente und Principien seyen, und diese
sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das Entstehen wird so
nicht für zufällig oder nur so vorgestellt, betrachtet. Daß Punkt,
Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend, Anfänge sind, welche
selbst sich von sich abstossen, und der Punkt somit aus sich durch
seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an sich bewegt und
sie entstehen macht, u.s.f. - liegt in dem Begriffe der dem Etwas
immanenten Grenze. Die Anwendung jedoch selbst gehört in die
Betrachtung des Raums; um sie hier anzudeuten, so ist der Punkt die
ganz abstrakte Grenze, aber in einem Daseyn; dieses ist noch ganz
unbestimmt genommen, es ist der sogenannte absolute, d. h. abstrakte Raum, das schlechthin kontinuirliche Außereinanderseyn. Damit daß die Grenze s nicht abstrakte Negation, sondern in diesem Daseyn, daß sie räumliche
Bestimmtheit ist, ist der Punkt räumlich, der Widerspruch der
abstrakten Negation und der Kontinuität und damit das Uebergehen und
Uebergegangenseyn in Linie u.s.f. wie es denn keinen Punkt giebt, wie auch nicht eine Linie und Fläche.
Etwas
mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner selbst,
durch den es über sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist das Endliche.
Das
Daseyn ist bestimmt; Etwas hat eine Qualität, und ist in ihr nicht nur
bestimmt, sondern begrenzt; seine Qualität ist seine Grenze, mit
welcher behaftet, es zunächst affirmatives, ruhiges Daseyn bleibt. Aber
diese Negation entwickelt, so daß der Gegensatz seines Daseyns und der
Negation als ihm immanenter Grenze selbst das Insichseyn des Etwas, und
dieses somit nur Werden an ihm selbst sey, macht seine Endlichkeit aus.
Wenn wir von den Dingen sagen, sie sind endlich, so wird darunter
verstanden, daß sie nicht nur eine Bestimmtheit haben, die Qualität
nicht nur als Realität und ansichseyende Bestimmung, daß sie nicht blos
begrenzt sind, sie haben so noch Daseyn außer ihrer Grenze, - sondern
daß vielmehr das Nichtseyn ihre Natur, ihr Seyn, ausmacht. Die
endlichen Dinge sind, aber ihre Beziehung auf sich selbst ist, daß sie als negativ sich auf sich selbst beziehen, eben in dieser Beziehung auf sich selbst sich über sich, über ihr Seyn, hinauszuschicken. Sie sind, aber die Wahrheit dieses Seyns ist ihr Ende.
Das Endliche verändert sich nicht nur, wie Etwas überhaupt, sondern es
vergeht, und es ist nicht bloß möglich, daß es vergeht, so daß es seyn
könnte, ohne zu vergehen. Sondern das Seyn der endlichen Dinge als
solches ist, den Keim des Vergehens als ihr Insichseyn zu haben, die Stunde ihrer Geburt ist die Stunde ihres Todes.
Der
Gedanke an die Endlichkeit der Dinge führt diese Trauer mit sich, weil
sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in der
Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives Seyn unterschieden
von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist. Die Endlichkeit ist
um dieser qualitativen Einfachheit der Negation, die zum abstrakten
Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn zurückgegangen ist,
die hartnäckigste Kategorie des Verstandes; die Negation überhaupt,
Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem Anderen, dem Daseyn;
auch das abstrakte Nichts wird für sich als Abstraktion aufgegeben;
aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte Negation, und
steht daher seinem Affirmativen schroff gegenüber. Das Endliche läßt
sich so in Fluß wohl bringen, es ist selbst dieß, zu seinem Ende
bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende; - es ist vielmehr das
Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen hin affirmativ
bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also untrennbar von
seinem Nichts gesetzt, und alle Versöhnung mit seinem Anderen, dem
Affirmativen, dadurch abgeschnitten. Die Bestimmung der endlichen Dinge
ist nicht eine weitere als ihr Ende. Der Verstand verharrt in
dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur Bestimmung
der Dinge, es zugleich unvergänglich und absolut macht. Ihre
Vergänglichkeit könnte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen,
vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist
ihre unveränderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr
Affirmatives übergehende Qualität, so ist sie ewig.
Dieß ist eine sehr wichtige Betrachtung daß aber das Endliche absolut sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend
eine Philosophie oder Ansicht oder der Verstand nicht aufbürden lassen
wollen; vielmehr ist das Gegentheil ausdrücklich in der Behauptung des
Endlichen vorhanden; das Endliche ist das Beschränkte, Vergängliche;
das Endliche ist nur das Endliche, nicht das Unvergängliche;
dieß liegt unmittelbar in seiner Bestimmung und Ausdruck. Aber es kommt
darauf an, ob in der Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird, die Vergänglichkeit bestehen bleibt, oder ob die Vergänglichkeit und das Vergehen vergeht?
Daß dieß aber nicht geschieht, ist das Faktum eben in derjenigen
Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum Letzten des Endlichen
macht. Es ist die ausdrückliche Behauptung, daß das Endliche mit dem
Unendlichen unverträglich und unvereinbar sey, das Endliche dem
Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey. Dem Unendlichen ist Seyn,
absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenüber bleibt so das Endliche
festgehalten, als das Negative desselben; unvereinbar mit dem
Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen Seite; Affirmation
erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und verginge so; aber
eine Vereinigung mit demselben ist das, was für das Unmögliche erklärt
wird. Soll es nicht beharren dem Unendlichen gegenüber, sondern
vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein Vergehen das Letzte,
nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben des Vergehens seyn
würde. Sollte aber das Endliche nicht im Affirmativen vergehen, sondern
sein Ende als das Nichts gefaßt werden, so wären wir wieder bei jenem
ersten, abstrakten Nichts, das selbst längst vergangen ist.
Bei diesem Nichts jedoch, welches nur
Nichts seyn soll und dem zugleich eine Existenz, im Denken, Vorstellen
oder Sprechen zugegeben wird, kommt derselbe Widerspruch vor, als so
eben bei dem Endlichen, angegeben worden, nur daß er dort nur vorkommt, aber in der Endlichkeit ausdrücklich ist. Dort erscheint er als subjektiv, hier wird behauptet, das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen entgegen, das an sich Nichtige sey,
und es sey als an sich Nichtiges. Dieß ist zum Bewußtseyn zu bringen;
und die Entwickelung des Endlichen zeigt, daß es an ihm als dieser
Widerspruch in sich zusammenfällt, aber ihn dahin wirklich auflöst,
nicht daß es nur vergänglich ist und vergeht, sondern daß das Vergehen,
das Nichts, nicht das Letzte ist, sondern vergeht.
Dieser Widerspruch ist zwar abstrakt sogleich darin vorhanden, daß das Etwas endlich ist, oder daß das Endliche ist. Aber Etwas
oder das Seyn ist nicht mehr abstrakt gesetzt, sondern in sich
reflektirt, und entwickelt als Insichseyn, das eine Bestimmung und
Beschaffenheit an ihm hat, und noch bestimmter, daß es eine Grenze an
ihm hat, welche als das dem Etwas immanente und die Qualität seines
Insichseyns ausmachend, die Endlichkeit ist. In diesem Begriffe des
endlichen Etwas ist zu sehen, was für Momente enthalten sind.
Bestimmung und Beschaffenheit ergaben sich als Seiten für die äußerliche Reflexion; jene enthielt aber schon das Andersseyn als dem Ansich
des Etwas angehörig; die Aeußerlichkeit des Andersseyns ist einer Seits
in der eigenen Innerlichkeit des Etwas, andererseits bleibt sie als
Aeußerlichkeit unterschieden davon, sie ist noch Aeußerlichkeit als
solche, aber an dem Etwas. Indem aber ferner das Andersseyn als Grenze,
selbst als Negation der Negation, bestimmt ist, so ist das dem Etwas
immanente Andersseyn, als die Beziehung der beiden Seiten gesetzt, und
die Einheit des Etwas mit sich, dem sowohl die Bestimmung als die
Beschaffenheit angehört, seine gegen sich selbst gekehrte Beziehung,
die seine immanente Grenze in ihm negirende Beziehung seiner an sich
seyenden Bestimmung darauf. Das mit sich identische Insichseyn bezieht
sich so auf sich selbst als sein eigenes Nichtseyn, aber als Negation
der Negation, als dasselbe negirend, das
zugleich Daseyn in ihm behält, denn es ist die Qualität seines
Insichseyns. Die eigene Grenze des Etwas, so von ihm als ein Negatives,
das zugleich wesentlich ist, gesetzt, ist nicht nur Grenze als solche,
sondern Schranke. Aber die Schranke ist nicht allein das als
negirt gesetzte; die Negation ist zweischneidig, indem das von ihr als
negirt Gesetzte, die Grenze ist; diese nämlich ist überhaupt das
Gemeinschaftliche des Etwas und des Anderen, auch Bestimmtheit des Ansichseyns
der Bestimmung als solcher. Dieses Ansichseyn hiermit ist als die
negative Beziehung auf seine von ihm auch unterschiedene Grenze, auf
sich als Schranke, Sollen.
Daß die Grenze, die am Etwas überhaupt ist, Schranke sey, muß es zugleich in sich selbst über sie hinausgehen, sich an ihm selbst auf sie als auf ein Nichtseyendes
beziehen. Das Daseyn des Etwas liegt ruhig gleichgültig, gleichsam
neben seiner Grenze. Etwas geht aber über seine Grenze nur hinaus,
insofern es deren Aufgehobenseyn, das gegen sie negative Ansichseyn
ist. Und indem sie in der Bestimmung selbst als Schranke ist, geht Etwas damit über sich selbst hinaus.
Das Sollen enthält also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als an sich seyende Bestimmung gegen die Negation, das andere Mal aber dieselbe als ein Nichtseyn, das als Schranke von ihr unterschieden, aber zugleich selbst ansichseyende Bestimmung ist.
Das Endliche hat sich so als die Beziehung seiner Bestimmung auf seine Grenze bestimmt; jene ist in dieser Beziehung Sollen, diese ist Schranke.
Beide sind so Momente des Endlichen, somit beide selbst endlich, sowohl
das Sollen, als die Schranke. Aber nur die Schranke ist als das
Endliche gesetzt; das Sollen ist nur an sich, somit für uns,
beschränkt. Durch seine Beziehung auf die ihm selbst schon immanente
Grenze ist es beschränkt, aber diese seine Beschränkung ist in
das Ansichseyn eingehüllt, denn nach seinem Daseyn, d. i. nach seiner
Bestimmtheit gegen die Schranke ist es als das Ansichseyn gesetzt.
Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht. Wenn es wäre, so sollte es nicht bloß seyn. Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke. Diese Schranke ist nicht ein Fremdes; das, was nur seyn soll, ist die Bestimmung, die nun gesetzt ist, wie sie in der That ist, nämlich zugleich nur eine Bestimmtheit.
Das An-sich-seyn des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum Sollen herab, dadurch daß dasselbe, was sein Ansichseyn ausmacht, in einer und derselben Rücksicht als Nichtseyn
ist; und zwar so, daß im Insichseyn, der Negation der Negation, jenes
Ansichseyn als die eine Negation (das Negirende) Einheit mit der
anderen ist, die zugleich als qualitativ andere, Grenze ist, wodurch
jene Einheit als Beziehung auf sie ist. Die Schranke des
Endlichen ist nicht ein Aeußeres, sondern seine eigene Bestimmung ist
auch seine Schranke; und diese ist sowohl sie selbst als auch Sollen;
sie ist das Gemeinschaftliche beider, oder vielmehr das, worin beide
identisch sind.
Als Sollen geht nun aber ferner das Endliche über seine Schranke hinaus;
dieselbe Bestimmtheit, welche seine Negation ist, ist auch aufgehoben,
und ist so sein Ansichseyn; seine Grenze ist auch nicht seine Grenze.
Als Sollen ist somit Etwas über seine Schranke erhaben, umgekehrt hat es aber nur als Sollen seine Schranke.
Beides ist untrennbar. Etwas hat insofern eine Schranke, als es in
seiner Bestimmung die Negation hat, und die Bestimmung ist auch das
Aufgehobenseyn der Schranke.
Das
Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie, vornehmlich
in Beziehung auf Moralität, und metaphysisch überhaupt auch als der
letzte und absolute Begriff von der Identität des Ansichseyns oder der Beziehung auf sich selbst und der Bestimmtheit oder der Grenze gespielt.
Du kannst, weil du sollst,
- dieser Ausdruck, der viel sagen sollte, liegt im Begriffe des
Sollens. Denn das Sollen ist das Hinausseyn über die Schranke; die
Grenze ist in demselben aufgehoben, das Ansichseyn des Sollens ist so
identische Beziehung auf sich, somit die Abstraktion des Könnens. - Aber umgekehrt ist es eben so richtig: Du kannst nicht, eben weil du sollst.
Denn im Sollen liegt ebenso sehr die Schranke als Schranke; jener
Formalismus der Möglichkeit hat an ihr eine Realität, ein qualitatives
Andersseyn, sich gegenüber, und die Beziehung beider auf einander ist
der Widerspruch, somit das Nicht-Können oder vielmehr die Unmöglichkeit.
Im
Sollen beginnt das Hinausgehen über die Endlichkeit, die Unendlichkeit.
Das Sollen ist dasjenige, was sich in weiterer Entwickelung, nach jener
Unmöglichkeit als der Progreß ins Unendliche darstellt.
In Ansehung der Form der Schranke und des Sollens
können zwei Vorurtheile näher gerügt werden. Es pflegt zuerst viel auf
die Schranken des Denkens, der Vernunft u.s.f. gehalten zu werden, und
es wird behauptet, es könne über die Schranke nicht
hinausgegangen werden. In dieser Behauptung liegt die Bewußtlosigkeit,
daß darin selbst, daß etwas als Schranke bestimmt ist, darüber bereits
hinausgegangen ist. Denn eine Bestimmtheit, Grenze, ist als Schranke
nur bestimmt, im Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt, also gegen
sein Unbeschränktes; das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus über dieselbe. Der Stein, das Metall ist nicht über seine Schranke hinaus, darum weil sie für ihn
nicht Schranke ist. Wenn jedoch bei solchen allgemeinen Sätzen des
verständigen Denkens, daß über die Schranke nicht hinausgegangen werden
könne, das Denken sich nicht anwenden will, um zu sehen, was im
Begriffe liegt, so kann an die Wirklichkeit verwiesen werden,
wo denn solche Sätze sich als das Unwirklichste zeigen. Dadurch eben,
daß das Denken etwas Höheres, als die Wirklichkeit seyn, von ihr sich
entfernt in höheren Regionen halten soll, dasselbe also selbst als ein Sollen
bestimmt ist, geht es einer Seits nicht zum Begriffe fort, und
geschieht ihm andererseits, daß es sich ebenso unwahr gegen die
Wirklichkeit als gegen den Begriff verhält. - Weil der Stein nicht
denkt, nicht einmal empfindet, ist seine Beschränktheit für ihn
keine Schranke, d. h. in ihm nicht eine Negation für die Empfindung,
Vorstellung, Denken u.s.f. die er nicht hat. Aber auch selbst der Stein
ist als Etwas in seine Bestimmung oder sein Ansichseyn und sein Daseyn
unterschieden, und insofern geht auch er über seine Schranke hinaus;
der Begriff der er an sich ist, enthält die Identität mit seinem
Anderen. Ist er eine säurungsfähige Basis, so ist er oxidirbar,
neutralisirbar u.s.f. In der Oxidation, Neutralisation u.s.f. hebt sich
seine Schranke, nur als Basis da zu seyn, auf; er geht darüber hinaus;
sowie die Säure ihre Schranke als Säure zu seyn aufhebt, und es ist in
ihr wie in der kaustischen Basis sosehr das Sollen, über ihre
Schranke hinauszugehen, vorhanden, daß sie nur mit Gewalt als -
wasserlose, d. i. rein nicht neutrale - Säure und kaustische Basis
festgehalten werden können.
Enthält
aber eine Existenz den Begriff nicht bloß als abstraktes Ansichseyn,
sondern als für sich seyende Totalität, als Trieb, als Leben,
Empfindung, Vorstellen u.s.f., so vollbringt sie selbst aus ihr dieß,
über die Schranke hinaus zu seyn und hinaus zu gehen. Die Pflanze geht
über die Schranke, als Keim zu seyn, ebenso über die, als Blüthe, als
Frucht, als Blatt zu seyn, hinaus; der Keim wird entfaltete Pflanze,
die Blüthe verblüht u.s.f. Das Empfindende in der Schranke des Hungers,
Durstes u.s.f. ist der Trieb über diese Schranke hinauszugehen und
vollführt dieß Hinausgehen. Es empfindet Schmerz, und das Vorrecht empfindender Natur ist Schmerz zu empfinden; es ist eine Negation in seinem Selbst, und sie ist als eine Schranke in seinem Gefühle bestimmt, eben weil das Empfindende das Gefühl seiner Selbst
hat, welches die Totalität ist, das über jene Bestimmtheit hinaus ist.
Wäre es nicht darüber hinaus, so empfände es dieselbe nicht als seine
Negation und hätte keinen Schmerz. - Die Vernunft aber, das Denken,
sollte nicht über die Schranke hinausgehen können, - sie, die das Allgemeine, das für sich über die, d. i. über alle
Besonderheit hinaus ist, nur das Hinausgehen über die Schranke ist. -
Freilich ist nicht jedes Hinausgehen und Hinausseyn über die Schranke
eine wahrhafte Befreiung von derselben, wahrhafte Affirmation; schon
das Sollen selbst ist ein solches unvollkommenes Hinausgehen, und die
Abstraktion überhaupt. Aber das Hinweisen auf das ganz abstrakte
Allgemeine reicht aus gegen die ebenso abstrakte Versicherung, es könne
nicht über die Schranke hinausgegangen werden, oder schon das Hinweisen
auf das Unendliche überhaupt gegen die Versicherung, daß nicht über das
Endliche hinausgegangen werden könne.
Es kann hierbei ein sinnreich scheinender Einfall Leibnitzens
erwähnt werden, - wenn ein Magnet Bewußtseyn hätte, so würde derselbe
seine Richtung nach Norden für eine Bestimmung seines Willens, ein
Gesetz seiner Freyheit ansehen. Vielmehr wenn er Bewußtseyn damit
Willen und Freiheit hätte, wäre er denkend, somit würde der Raum für
ihn als allgemeiner alle Richtung enthaltender, und damit die eine
Richtung nach Norden vielmehr als eine Schranke für seine Freyheit
seyn, so sehr als es für den Menschen eine Schranke auf einer Stelle
festgehalten zu werden, für die Pflanze aber nicht ist.
Das Sollen andererseits ist das Hinausgehen über die Schranke, aber ein selbst nur endliches Hinausgehen. Es hat daher seine Stelle und sein Gelten im Felde der Endlichkeit, wo es das Ansichseyn gegen das Beschränkte festhält und es als die Regel und das Wesentliche gegen das Nichtige behauptet. Die Pflicht ist ein Sollen
gegen den besonderen Willen, gegen die selbstsüchtige Begierde und das
willkürliche Interesse gekehrt; dem Willen, insofern er in seiner
Beweglichkeit sich vom Wahrhaften isoliren kann, wird dieses als ein
Sollen vorgehalten. Diejenigen, welche das Sollen der Moral so hoch
halten, und darin, daß das Sollen nicht als Letztes und Wahrhaftes
anerkannt wird, meinen, daß die Moralität zerstört werden solle, sowie
die Raisonneurs, deren Verstand sich die unaufhörliche Befriedigung
giebt, gegen Alles, was da ist, ein Sollen und somit ein Besser-wissen
vorbringen zu können, die sich das Sollen darum ebenso wenig wollen
rauben lassen, sehen nicht, daß für die Endlichkeit ihrer Kreise das
Sollen vollkommen anerkannt wird. - Aber in der Wirklichkeit selbst
steht es nicht so traurig um Vernünftigkeit und Gesetz, daß sie nur
seyn sollten, dabei bleibt nur das Abstraktum des Ansichseyns,
- so wenig als daß das Sollen an ihm selbst perennirend und, was
dasselbe ist, die Endlichkeit absolut wäre. Die Kantische und
Fichtesche Philosophie giebt als den höchsten Punkt der Auflösung der
Widersprüche der Vernunft das Sollen an, was aber vielmehr nur der
Standpunkt des Beharrens in der Endlichkeit und damit im Widerspruche,
ist.
Das
Sollen für sich enthält die Schranke, und die Schranke das Sollen. Ihre
Beziehung auf einander ist das Endliche selbst, das sie beide in seinem
Insichseyn enthält. Diese Momente seiner Bestimmung sind sich
qualitativ entgegengesetzt; die Schranke ist bestimmt als das Negative
des Sollens, und das Sollen ebenso als das Negative der Schranke. Das
Endliche ist so der Widerspruch seiner in sich; es hebt sich auf,
vergeht. Aber dieß sein Resultat, das Negative überhaupt, ist à) seine Bestimmung selbst; denn es ist das Negative des Negativen. So ist das Endliche in dem Vergehen nicht vergangen; es ist zunächst nur ein anderes Endliches geworden, welches aber ebenso das Vergehen als Uebergehen in ein anderes Endliches ist, und so fort, etwa ins Unendliche.
Aber ß) näher dieß Resultat betrachtet, so hat das Endliche in seinem
Vergehen, dieser Negation seiner selbst, sein Ansichseyn erreicht, es
ist darin mit sich selbst zusammengegangen. Jedes seiner
Momente enthält eben dieß Resultat; das Sollen geht über die Schranke,
d. i. über sich selbst hinaus; über es hinaus aber oder sein Anderes
ist nur die Schranke selbst. Die Schranke aber weist über sich selbst
unmittelbar hinaus zu seinem Anderen, welches das Sollen ist; dieses
aber ist dieselbe Entzweiung des Ansichseyns und des Daseyns wie die Schranke, ist dasselbe; über sich hinaus geht sie daher ebenso nur mit sich zusammen. Diese Identität mit sich,
die Negation der Negation, ist affirmatives Seyn, so das Andere des
Endlichen, als welches die erste Negation zu seiner Bestimmtheit haben
soll; - jenes Andere ist das Unendliche.
Das
Unendliche in seinem einfachen Begriff kann zunächst als eine neue
Definition des Absoluten angesehen werden; es ist als die
bestimmungslose Beziehung auf sich gesetzt als Seyn und Werden. Die Formen des Daseyns
fallen aus in der Reihe der Bestimmungen, die für Definitionen des
Absoluten angesehen werden können, da die Formen jener Sphäre für sich
unmittelbar nur als Bestimmtheiten, als endliche überhaupt, gesetzt
sind. Das Unendliche aber gilt schlechthin für absolut, da es
ausdrücklich als Negation des Endlichen bestimmt ist, hiermit auf die
Beschränktheit, deren das Seyn und Werden, wenn sie auch an ihnen keine
Beschränktheit haben oder zeigen, doch etwa fähig seyn könnten, im Unendlichen ausdrücklich Beziehung genommen und eine solche an ihm negirt ist.
Damit
aber selbst ist das Unendliche nicht schon in der That der
Beschränktheit und Endlichkeit entnommen; die Hauptsache ist, den
wahrhaften Begriff der Unendlichkeit von der schlechten Unendlichkeit,
das Unendliche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu
unterscheiden; doch Letzteres ist das verendlichte Unendliche,
und es wird sich ergeben, daß eben indem das Unendliche vom Endlichen
rein und entfernt gehalten werden soll, es nur verendlicht wird.
Das Unendliche ist
a. in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen;
b. es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist das abstrakte, einseitige Unendliche;
c. das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein Proceß, - ist das wahrhafte Unendliche.
Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das Seyn,
das sich aus der Beschränktheit wieder hergestellt hat. Das Unendliche
ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare Seyn; es ist
das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke. Bei dem Namen des
Unendlichen geht dem Gemüth und dem Geiste sein Licht auf,
denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt sich zu
sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit, seiner
Freiheit.
Zuerst
hat sich für den Begriff des Unendlichen ergeben, daß das Daseyn in
seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und über die Schranke
hinausgeht. Es ist die Natur des Endlichen selbst, über sich
hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden. Das
Unendliche steht somit nicht als ein für sich Fertiges über dem Endlichen, so daß das Endliche außer oder unter jenem sein Bleiben hätte und behielte. Noch gehen wir
nur als eine subjektive Vernunft über das Endliche ins Unendliche
hinaus. Wie wenn man sagt, daß das Unendliche der Vernunftbegriff sey,
und wir uns durch die Vernunft über das Zeitliche erheben, so läßt man
dieß ganz unbeschadet des Endlichen geschehen, welches jene ihm
äußerlich bleibende Erhebung nichts angeht. Insofern aber das Endliche
selbst in die Unendlichkeit erhoben wird, ist es eben so wenig eine
fremde Gewalt, welche ihm dieß anthut, sondern es ist dieß seine Natur,
sich auf sich als Schranke, sowohl als Schranke als solche, wie als
Sollen, zu beziehen, und über dieselbe hinauszugehen, oder vielmehr als
Beziehung auf sich sie negirt zu haben und über sie hinaus zu seyn.
Nicht im Aufheben der Endlichkeit überhaupt wird die Unendlichkeit
überhaupt, sondern das Endliche ist nur dieß, selbst durch seine Natur
dazu zu werden. Die Unendlichkeit ist seine affirmative Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist.
So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur das Unendliche.
Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die Negation eines Andern, des Endlichen. So als seyend und zugleich als Nichtseyn eines Andern
ist es in die Kategorie des Etwas als eines bestimmten überhaupt, näher
weil es das in sich-reflektirte, vermittelst des Aufhebens der
Bestimmtheit überhaupt resultirende Daseyn, hiermit als das von seiner
Bestimmtheit unterschiedene Daseyn gesetzt ist, - in die
Kategorie des Etwas mit einer Grenze, zurückgefallen. Das Endliche
steht nach dieser Bestimmtheit dem Unendlichen als reales Daseyn gegenüber; so stehen sie in qualitativer Beziehung als außer einander bleibende; das unmittelbare Seyn des Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen wieder, das zunächst im Unendlichen verschwunden schien.
Aber
das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien der
Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloß Andere gegeneinander zu seyn. Die Endliche ist nämlich die als Schranke gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung gesetzt in sein Ansichseyn überzugehen, unendlich zu werden. Die Unendlichkeit ist das Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und Sollen,
aber dieses zugleich als in sich reflektirt, das ausgeführte Sollen,
nur sich auf sich beziehendes ganz affirmatives Seyn. In der
Unendlichkeit ist die Befriedigung vorhanden, daß alle Bestimmtheit,
Veränderung, alle Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden,
als aufgehoben, das Nichts des Endlichen gesetzt ist. Als diese
Negation des Endlichen ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als
Negation der Negation in sich affirmativ ist. Diese Affirmation jedoch
ist als qualitativ unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn; hierdurch ist das Unendliche auf die Kategorie zurückgeführt, daß es das Endliche als ein Anderes sich gegenüber hat; seine negative Natur ist als die seyende,
hiermit erste und unmittelbare Negation gesetzt. Das Unendliche ist auf
diese Weise mit dem Gegensatze gegen das Endliche behaftet, welches,
als Anderes, das bestimmte, reale Daseyn zugleich bleibt, obschon es in
seinem Ansichseyn, dem Unendlichen, zugleich als aufgehoben gesetzt
ist; dieses ist das Nicht-endliche; - ein Seyn in der Bestimmtheit der
Negation. Gegen das Endliche, den Kreis der seyenden Bestimmtheiten,
der Realitäten, ist das Unendliche das unbestimmte Leere, das Jenseits
des Endlichen, welches sein Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein
bestimmtes ist, hat.
So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das Unendliche des Verstandes
zu nennen, dem es für die höchste, für die absolute Wahrheit gilt; ihn
zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß, indem er seine Befriedigung in
der Versöhnung der Wahrheit erreicht zu haben meint, er in dem
unversöhnten, unaufgelösten, absoluten Widerspruche sich befindet,
müßten die Widersprüche bewirken, in die er nach allen Seiten verfällt,
so wie er sich auf die Anwendung und Explikation dieser seiner
Kategorien einläßt.
Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, daß dem Unendlichen das Endliche als Daseyn gegenüber bleibt; es sind damit zwei Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches Unendliches.
Dieser
Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdrücklicheren Formen. - Das
Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt, auch indem zu
seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, übergegangen wird; - dieses hat, wie
gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu seiner Bestimmtheit
gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene Negation, als Negirtes nur
die Bedeutung eines Anderen hat, und daher noch Etwas ist. Wenn
somit der sich aus dieser endlichen Welt erhebende Verstand zu seinem
Höchsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so bleibt ihm diese endliche Welt
als ein Diesseits stehen, so daß das Unendliche nur über dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und eben damit das Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird; - beide an einen verschiedenen Platz gestellt, - das Endliche als das hiesige Daseyn, das Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als ein Jenseits in die trübe, unerreichbare Ferne, außerhalb welcher jenes sich befinde und dableibe.
So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie abscheidende Negation auf einander bezogen.
Diese sie, die in sich reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die
gegenseitige Grenze des einen gegen das Andere; und zwar so, daß jedes
derselben, sie nicht bloß gegen das Andere an ihm hat, sondern die
Negation ist ihr Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm
selbst für sich, in seiner Absonderung von dem Anderen. Die Grenze ist
aber als die erste Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich
selbst. Jedoch ist jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend
die Negation seiner Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn
unmittelbar von sich ab, und qualitativ davon getrennt, setzt es sie
als ein anderes Seyn außer ihm, das Endliche sein Nichtseyn als
dieß Unendliche, dieses ebenso das Endliche. Daß von dem Endlichen zum
Unendlichen nothwendig d. h. durch die Bestimmung des Endlichen
übergegangen und es als zum Ansichseyn erhoben werde, wird leicht
zugegeben, indem das Endliche zwar als bestehendes Daseyn aber zugleich
auch als das an sich nichtige also sich nach seiner
Bestimmung auflösende bestimmt ist, das Unendliche aber zwar als mit
Negation und Grenze behaftet, bestimmt ist, aber zugleich auch als das
Ansichseyende, so daß diese Abstraktion der sich auf sich
beziehenden Affirmation seine Bestimmung ausmache, nach dieser hiermit
das endliche Daseyn nicht in ihr liege. Aber es ist gezeigt worden, daß
das Unendliche selbst nur vermittelst der Negation, als
Negation der Negation, zum affirmativen Seyn resultirt, und daß diese
seine Affirmation als nur einfaches, qualitatives Seyn genommen, die in
ihm enthaltene Negation, zur einfachen unmittelbaren Negation, und
damit zur Bestimmtheit und Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als
widersprechend seinem Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das
Seinige, vielmehr seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche,
gesetzt wird. Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung
das Setzen seines Anderen ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre Einheit ist in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist die innerliche, die nur zu Grunde liegt.
Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im Daseyn
gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Uebergehen des Endlichen zum
Unendlichen, und umgekehrt; so daß das Unendliche an dem Endlichen, und
das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem Anderen, nur hervortrete, das heißt, jedes ein eigenes unmittelbares Entstehen an dem Anderen und ihre Beziehung nur eine äußerliche sey.
Der
Proceß ihres Uebergehens hat folgende, ausführliche Gestalt. Es wird
über das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Dieß Hinausgehen
erscheint als ein äußerliches Thun. In diesem dem Endlichen jenseitigen
Leeren was entsteht? Was ist das Positive darin? Um der Untrennbarkeit
des Unendlichen und Endlichen willen, (oder weil dieß auf seiner Seite
stehende Unendliche selbst beschränkt ist), entsteht die Grenze; das
Unendliche ist verschwunden, sein Anderes, das Endliche, ist
eingetreten. Aber dieß Eintreten des Endlichen, erscheint als ein dem
Unendlichen äußerliches Geschehen, und die neue Grenze als ein solches,
das nicht aus dem Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso
vorgefunden werde. Es ist damit der Rückfall in die vorherige,
vergebens aufgehobene Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist
selbst nur ein solches, das aufzuheben, oder über das hinaus zu gehen
ist. Somit ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem
ebenso jene Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird, - und sofort ins Unendliche.
Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen
vorhanden; das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen
oder auf das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in
Beziehung auf das Endliche. Sie sind untrennbar und zugleich
schlechthin Andere gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm
selbst; so ist jedes die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in
seiner Bestimmtheit Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein Anderes ist.
Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist es, welche als der Progreß ins Unendliche auftritt, der in so vielen Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, über das nicht mehr hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben. - Dieser Progreß tritt allenthalben ein, wo relative
Bestimmungen bis zu ihrer Entgegensetzung getrieben sind, so daß sie in
untrennbarer Einheit sind, und doch jeder gegen die andere ein
selbstständiges Daseyn zugeschrieben wird. Dieser Progreß ist daher der
Widerspruch, der nicht aufgelöst ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen wird.
Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollständig bleibt, indem über dieß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen
wird. Es ist das Unendliche vorhanden; über dasselbe wird allerdings
hinausgegangen, denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit eben
wird vielmehr nur zum Endlichen zurückgekehrt. Diese schlechte
Unendlichkeit ist an sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie ist zwar die Negation des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in Wahrheit davon zu befreien; dieß tritt an ihr selbst wieder hervor, als ihr Anderes, weil dieß Unendliche nur ist als in Beziehung
auf das ihm andere Endliche. Der Progreß ins Unendliche ist daher nur
die sich wiederholende Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige Abwechslung dieses Endlichen und Unendlichen.
Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich.
Somit wäre es aber in der That als die Einheit des Endlichen und
Unendlichen gesetzt. Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt. Sie
ist es jedoch nur, welche im Endlichen das
Unendliche, und im Unendlichen das Endliche hervorruft, sie ist so zu
sagen die Triebfeder des unendlichen Progresses. Er ist das Aeußere
jener Einheit, bei welchem die Vorstellung stehen bleibt, bei jener
perennirenden Wiederholung eines und desselben Abwechselns, der leeren
Unruhe des Weitergehens über die Grenze hinaus zur Unendlichkeit, das
in diesem Unendlichen eine neue Grenze findet, auf derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem Unendlichen. Dieses Unendliche hat die feste Determination eines Jenseits, das nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht werden soll, weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden
Negation nicht abgelassen wird. Er hat nach dieser Bestimmung das
Endliche als ein Diesseits sich gegenüber, das sich eben so wenig ins
Unendliche erheben kann, darum weil es diese Determination eines Andern, hiermit eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und zwar als davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat.
In
dem aufgezeigten herüber- und hinübergehenden Wechselbestimmen des
Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon vorhanden,
und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist. Dieß
Herüber- und Hinübergehen macht die äußere Realisation des Begriffes
aus; es ist in ihr das, aber äußerlich, außer einander fallend, gesetzt, was der Begriff enthält; es bedarf nur der Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit sich ergiebt, die den Begriff selbst giebt; - die Einheit
des Unendlichen und Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber
vornehmlich in Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck für die
Einheit, wie sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen dieser
schiefen Bestimmung muß in jener vor uns liegenden Aeußerung des
Begriffes vorhanden seyn.
Nach ihrer nächsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist das Unendliche nur als das Hinausgehen über das Endliche;
es ist seiner Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das
Endliche nur als das, worüber hinausgegangen werden muß, die Negation
seiner an ihm selbst, welche die Unendlichkeit ist. In jedem liegt hiermit die Bestimmtheit des Andern,
die nach der Meinung des unendlichen Progresses von einander
ausgeschlossen seyn sollen und nur abwechselnd auf einander folgen; es
kann keines gesetzt und gefaßt werden ohne das Andere, das Unendliche
nicht ohne das Endliche, dieses nicht ohne das Unendliche. Wenn gesagt wird, was das Unendliche ist, nämlich die Negation des Endlichen, so wird das Endliche selbst mit ausgesprochen; es kann zur Bestimmung des Unendlichen nicht entbehrt werden. Man bedarf nur zu wissen, was man sagt,
um die Bestimmung des Endlichen im Unendlichen zu finden. Vom Endlichen
seinerseits wird sogleich zugegeben, daß es das Nichtige ist, aber eben
seine Nichtigkeit ist die Unendlichkeit, von der es ebenso untrennbar
ist. - In diesem Auffassen können sie nach ihrer Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn scheinen. Werden sie hiermit beziehungslos genommen, so daß sie nur durch das: Und
verbunden seyen, so stehen sie als selbstständig, jedes nur an ihm
selbst seyend, einander gegenüber. Es ist zu sehen, wie sie in solcher
Weise beschaffen sind. Das Unendliche so gestellt ist Eines der beiden; aber als nur
Eines der beiden ist es selbst endlich, es ist nicht das Ganze, sondern
nur die Eine Seite; es hat an dem gegenüberstehenden seine Grenze; es
ist so das endliche Unendliche. Es sind nur zwei Endliche vorhanden. Eben darin, daß es so vom Endlichen abgesondert, damit als Einseitiges
gestellt wird, liegt seine Endlichkeit, also seine Einheit mit dem
Endlichen. - Das Endliche seinerseits als für sich vom Unendlichen
entfernt gestellt, ist diese Beziehung auf sich, in der
seine Relativität, Abhängigkeit, seine Vergänglichkeit entfernt ist; es
ist dieselbe Selbstständigkeit und Affirmation seiner, welche das
Unendliche seyn soll.
Beide
Betrachtungsweisen, die zunächst eine verschiedene Bestimmtheit zu
ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur als Beziehung
des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden auf sein
Anderes, und die zweite sie in ihrer völligen Absonderung von einander
halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das Unendliche und
Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die ihnen
äußerlich wäre, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist, was es
ist, enthält so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung, ebenso sehr
als jedes für sich genommen, an ihm selbst betrachtet, sein Anderes in ihm als sein eigenes Moment liegen hat.
Dieß
giebt denn die - verrufene - Einheit des Endlichen und Unendlichen, -
die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und die
Endlichkeit in sich begreift, - also das Unendliche in einem anderen
Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und auf die
andere Seite gestellt ist. Indem sie nun auch unterschieden werden
müssen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die Einheit
beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten. Das Gemeinschaftliche,
die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als Einheit sie zunächst als
negirte, da jedes das seyn soll, was es ist in ihrer Unterschiedenheit;
in ihrer Einheit verlieren sie also ihre qualitative Natur; - eine
wichtige Reflexion gegen die Vorstellung, die sich nicht davon
losmachen will, in der Einheit des Unendlichen und Endlichen sie nach
der Qualität, welche sie als außereinander genommen haben sollen,
festzuhalten, und daher in jener Einheit nichts als den Widerspruch,
nicht auch die Auflösung desselben durch die Negation der qualitativen
Bestimmtheit beider sieht; so wird die zunächst einfache, allgemeine
Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht.
Ferner
aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so ist die
Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist, in jedem
derselben auf verschiedene Weise bestimmt. Das seiner Bestimmung nach
Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit an ihm, jenes ist
das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur Bestimmtheit,
Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das schlechthin Andere
desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung, welche das
An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag einer Qualität
solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes Unendliches.
Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur das
Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein
Gegentheil an ihm hat, wird es über seinen Werth und zwar so zu sagen
unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt.
Auf
gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch die
gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht. Dieß
geschieht hier ebenso dadurch, daß in der einen der beiden Einheiten,
das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das An-sich-seyn
angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit und Schranke
gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn herabgesetzt und
verdorben. Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls als das nicht
negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so daß es in seiner
Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht sey, erhoben, und dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr perennirende Bestimmung verunendlicht werde.
Die
Verfälschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen
vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit
festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut
getrennt zu behaupten, gründet sich auf das Vergessen dessen, was für
ihn selbst der Begriff dieser Momente ist. Nach diesem ist die Einheit
des Endlichen und Unendlichen nicht ein
äußerliches Zusammenbringen derselben, noch eine ungehörige, ihrer
Bestimmung zuwiderlaufende Verbindung, in welcher an sich getrennte und
entgegengesetzte, gegeneinander Selbstständige, Seyende, somit
unverträgliche verknüpft würden, sondern jedes ist an ihm selbst diese
Einheit, und dieß nur als Aufheben seiner selbst worin keines
vor dem andern einen Vorzug des Ansichseyns und affirmativen Daseyns
hätte. Wie früher gezeigt, ist die Endlichkeit nur als Hinausgehen über
sich; es ist also in ihr die Unendlichkeit, das Andere ihrer selbst,
enthalten. Eben so ist die Unendlichkeit nur als Hinausgehen über das
Endliche; sie enthält also wesentlich ihr Anderes, und ist somit an ihr
das Andere ihrer selbst. Das Endliche wird nicht vom Unendlichen als
einer außer ihm vorhandenen Macht aufgehoben, sondern es ist seine
Unendlichkeit, sich selbst aufzuheben.
Dieß Aufheben ist somit nicht die Veränderung oder das Andersseyn überhaupt, nicht das Aufheben von Etwas.
Das, worin sich das Endliche aufhebt, ist das Unendliche als das
Negiren der Endlichkeit; aber diese ist längst selbst nur das Daseyn
als ein Nichtseyn bestimmt. Es ist also nur die Negation, die sich in der Negation aufhebt.
So ist ihrer Seits die Unendlichkeit als das Negative der Endlichkeit
und damit der Bestimmtheit überhaupt, als das leere Jenseits, bestimmt;
sein Sich-aufheben im Endlichen ist ein Zurückkehren aus der leeren
Flucht, Negation des Jenseits, das ein Negatives an ihm selbst ist.
Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation. Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation aber als Rückkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung,
welche die Negation der Negation ist. Diese Bestimmungen sind es, die
wesentlich ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, daß sie im
unendlichen Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm gesetzt sind, - nämlich noch nicht in ihrer letzten Wahrheit.
Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche negirt, - es wird über beide auf gleiche Weise hinausgegangen; zweitens
werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern, als für sich
Positive gesetzt. Wir fassen so diese zwei Bestimmungen vergleichend
heraus, wie wir in der Vergleichung, einem äußeren Vergleichen, die
zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und Unendlichen in ihrer
Beziehung, und ihrer jedes für sich genommen, getrennt haben. Aber der
unendliche Progreß spricht mehr aus, es ist in ihm auch der Zusammenhang
der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch zunächst nur noch als
Uebergang und Abwechslung; es ist nur in einer einfachen Reflexion von
uns zu sehen, was in der That darin vorhanden ist.
Zunächst
kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im unendlichen
Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander, nur
aufeinander folgend genommen werden. Vom Endlichen angefangen, so wird
über die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt. Nun ist also das
Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in diesem entsteht
wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen über das Unendliche
vorhanden. Dieß zweifache Aufheben ist jedoch Theils überhaupt nur als
ein äußerliches Geschehen und Abwechseln der Momente, Theils noch nicht
als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser Hinaus ist ein eigener
Ansatz, ein neuer Akt, so daß sie so auseinander fallen. - Es ist aber
auch ferner im unendlichen Progresse deren Beziehung vorhanden. Es ist erstlich das Endliche; dann
wird darüber hinausgegangen, dieß Negative oder Jenseits des Endlichen
ist das Unendliche; drittens wird über diese Negation wieder
hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze, wieder ein Endliches. - Dieß ist die vollständige, sich selbst schließende Bewegung, die bei dem angekommen, das den Anfang machte; es entsteht dasselbe, von dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche ist wiederhergestellt; dasselbe ist also mit sich selbst zusammengegangen, hat nur sich in seinem Jenseits wiedergefunden.
Dasselbe
ist der Fall in Ansehung des Unendlichen. Im Unendlichen, dem Jenseits
der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe Schicksal hat, als
Endliches negirt werden zu müssen. Was so wieder vorhanden ist, ist dasselbe
Unendliche, das vorhin in der neuen Grenze verschwand; das Unendliche
ist daher durch sein Aufheben, durch die neue Grenze hindurch, nicht
weiter hinausgeschoben, weder von dem Endlichen entfernt worden, denn
dieses ist nur dieß, in das Unendliche überzugehen, - noch von sich
selbst, denn es ist bei sich angekommen.
So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu sich durch seine Negation zurückzukehren; sie sind nur als Vermittelung in sich, und das Affirmative beider enthält die Negation beider, und ist die Negation der Negation. - Sie sind so Resultat, hiermit nicht das, was sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind; - nicht das Endliche ein Daseyn seinerseits und das Unendliche ein Daseyn, oder Ansichseyn
jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich bestimmten. Gegen die
Einheit des Endlichen und Unendlichen sträubt sich der Verstand nur
darum so sehr, weil er die Schranke und das Endliche wie das Ansichseyn
als perennirend voraussetzt; damit übersieht er die
Negation beider, die im unendlichen Progresse faktisch vorhanden ist,
wie ebenso, daß sie darin nur als Momente eines Ganzen vorkommen und
daß sie nur vermittelst ihres Gegentheils aber wesentlich ebenso
vermittelst des Aufhebens ihres Gegentheils hervortreten.
Wenn zunächst die Rückkehr in sich, ebenso wohl als
Rückkehr des Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich
betrachtet wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine
Unrichtigkeit, die mit der so eben gerügten Schiefheit zusammenhängt;
das Endliche ist das eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt
genommen, und nur dadurch entstehen zwei Resultate. Es ist aber völlig
gleichgültig, welches als Anfang genommen werde; damit fällt der
Unterschied für sich hinweg, der die Zweiheit der Resultate
hervorbrachte. Dieß ist in der nach beiden Seiten unbegrenzten Linie
des unendlichen Progresses gleichfalls gesetzt, worin jedes der Momente
mit gleichem abwechselnden Vorkommen vorhanden, und es ganz äußerlich
ist, in welche Stelle gegriffen und als Anfang genommen werde. - Sie
sind in demselben unterschieden, aber auf gleiche Weise das eine nur
das Moment des andern. Indem sie beide, das Endliche und das Unendliche
selbst Momente des Processes sind, sind sie gemeinschaftlich das Endliche,
und indem sie ebenso gemeinschaftlich in ihm und im Resultate negirt
sind, so heißt dieses Resultat als Negation jener Endlichkeit beider
mit Wahrheit das Unendliche. Ihr Unterschied ist so der Doppelsinn, den
beide haben. Das Endliche hat den Doppelsinn, erstens nur das Endliche
gegen das Unendliche zu seyn, das ihm gegenübersteht, und zweitens das
Endliche und das ihm gegenüberstehende Unendliche zugleich zu seyn.
Auch das Unendliche hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu
seyn, so ist es das Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in
welchem jene beide, es selbst und sein anderes, nur Momente sind. Wie
also das Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Proceß zu seyn,
in welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem
Endlichen gegenüber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn,
und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner
aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu seyn.
Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon gerügte Formel einer Einheit
des Endlichen und Unendlichen gefaßt werden; die Einheit ist abstrakte
bewegungslose Sichselbstgleichheit, und die Momente sind ebenso als
unbewegte Seyende. Das Unendliche aber ist, wie seine beiden Momente,
vielmehr wesentlich nur als Werden, aber das nun in seinen Momenten
weiter bestimmte Werden. Dieses hat zunächst das abstrakte Seyn und
Nichts zu seinen Bestimmungen; als Veränderung Daseyende, Etwas und
Anderes; nun als Unendliches, Endliches und Unendliches, selbst als
Werdende.
Dieses Unendliche als In-sich-Zurückgekehrtseyn, Beziehung seiner auf sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn, denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch Daseyn, denn es enthält die Negation überhaupt, somit die Bestimmtheit. Es ist, und ist da, präsent, gegenwärtig. Nur das Schlecht-Unendliche ist das Jenseits, weil es nur die Negation des als real gesetzten Endlichen ist, - so ist es die abstrakte, erste Negation; nur als negativ bestimmt, hat es nicht die Affirmation des Daseyns in ihm; festgehalten als nur Negatives soll es sogar nicht da,
soll unerreichbar seyn. Diese Unerreichbarkeit ist aber nicht seine
Hoheit, sondern sein Mangel, welcher seinen letzten Grund darin hat,
daß das Endliche als solches als seyend festgehalten wird. Das Unwahre
ist das Unerreichbare; und es ist einzusehen, daß solches Unendliche
das Unwahre ist. - Das Bild des Progresses ins Unendliche ist die
gerade Linie, an deren beiden Grenzen nur, das Unendliche und
immer nur ist, wo sie, - und sie ist Daseyn - nicht ist, und die zu
diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus geht; als wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurückgebogen, wird deren Bild der Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und ganz gegenwärtig ist, ohne Anfangspunkt und Ende.
Die wahrhafte Unendlichkeit so überhaupt als Daseyn, das als affirmativ gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realität in höherem Sinn, - als die früher einfach
bestimmte; sie hat hier einen konkreten Inhalt erhalten. Das Endliche
ist nicht das Reale, sondern das Unendliche. So wird die Realität
weiter als das Wesen, der Begriff, die Idee u.s.f. bestimmt. Es ist
jedoch überflüssig, solche frühere, abstraktere Kategorien, wie die
Realität, bei dem Konkreteren zu wiederholen und sie für konkretere
Bestimmungen, als jene an ihnen selbst sind, zu gebrauchen. Solches
Wiederholen, wie zu sagen, daß das Wesen oder daß die Idee das Reale
sey, hat seine Veranlassung darin, daß dem ungebildeten Denken die
abstraktesten Kategorien, wie Seyn, Daseyn, Realität Endlichkeit, die
geläufigsten sind.
Hier
hat die Zurückrufung der Kategorie der Realität ihre bestimmtere
Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative ist,
hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener Realität,
die das endliche Daseyn ist, gegenüber gesetzt. - Die Negation ist so
als Idealität bestimmt; das Ideelle ist das Endliche, wie es im wahrhaften Unendlichen ist, - als eine Bestimmung, Inhalt, der unterschieden, aber nicht selbstständig seyend, sondern als Moment
ist. Die Idealität hat diese konkretere Bedeutung, welche durch
Negation des endlichen Daseyns nicht vollständig ausgedruckt ist. - In
Beziehung auf Realität und Idealität wird aber der Gegensatz des
Endlichen und Unendlichen so gefaßt, daß das Endliche für das Reale
gilt, das Unendliche aber für das Ideelle gilt; wie auch weiterhin der
Begriff als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles, das Daseyn überhaupt dagegen
als das Reale betrachtet wird. Auf solche Weise hilft es freilich
nichts für die angegebene konkrete Bestimmung der Negation den eigenen
Ausdruck des Ideellen zu haben; es wird in jenem Gegensatze wieder zu
der Einseitigkeit des abstrakten Negativen, die dem Schlechtunendlichen
zukommt, zurückgegangen und bei dem affirmativen Daseyn des Endlichen
beharrt.
Die Idealität kann die Qualität der Unendlichkeit genannt werden; aber sie ist wesentlich der Proceß des Werdens
und damit ein Uebergang, wie des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben
ist. Als Aufheben der Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher
und ebenso sehr der ihr nur gegenüberstehenden, nur negativen
Unendlichkeit ist diese Rückkehr in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn.
Da in diesem Seyn Negation ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner
wesentlich Negation der Negation, die sich auf sich beziehende Negation
ist, ist sie das Daseyn, welches Fürsichseyn genannt wird.
Das Unendliche, - nach dem gewöhnlichen Sinne der schlechten Unendlichkeit, - und der Progreß ins Unendliche, wie das Sollen, sind der Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst für die Auflösung
und für das Letzte giebt. Dieß Unendliche ist eine erste Erhebung des
sinnlichen Vorstellens über das Endliche in den Gedanken, der aber nur
den Inhalt von Nichts, dem ausdrücklich als Nichtseyend
gesetzten, hat, - eine Flucht über das Beschränkte, die sich nicht in
sich sammelt, und das Negative nicht zum Positiven zurückzubringen
weiß. Diese unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des wahrhaft Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, und die Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollständig vor sich, aber bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine führt untrennbar den anderen herbei, aber sie läßt sie nur abwechseln. Die Darstellung dieser Abwechslung, der unendliche Progreß, tritt allenthalben ein, wo in dem Widerspruche der Einheit zweier Bestimmungen und des Gegensatzes
derselben verharrt wird. Das Endliche ist das Aufheben seiner selbst,
es schließt seine Negation, die Unendlichkeit in sich; - die Einheit
beider, - es wird hinaus über das Endliche zum Unendlichen als dem
Jenseits desselben gegangen, - Trennung beider; aber über das Unendliche hinaus ist ein anderes Endliches, - das Hinaus, das Unendliche, enthält die Endlichkeit, - Einheit beider; aber dieß Endliche ist auch ein Negatives des Unendlichen; - Trennung
beider, u.s.f. - So ist im Kausalitätsverhältniß Ursache und Wirkung
untrennbar; eine Ursache, die keine Wirkung haben sollte, ist nicht
Ursache, wie die Wirkung, die keine Ursache hätte, nicht mehr Wirkung.
Dieß Verhältniß giebt daher den unendlichen Progreß von Ursachen und Wirkungen;
Etwas ist als Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (- und
endlich ist sie eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung)
selbst eine Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe,
was als Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt; - Einheit
der Ursache und der Wirkung; - das nun als Wirkung Bestimmte hat von
neuem eine Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und als ein verschiedenes Etwas zu setzen; - diese neue Ursache ist aber selbst nur eine Wirkung - Einheit der Ursache und Wirkung; - sie hat ein Anderes zu ihrer Ursache; - Trennung beider Bestimmungen u.s.f. ins Unendliche.
Dem
Progreß kann so die eigenthümlichere Form gegeben werden; es wird die
Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit;
diese falsche Behauptung muß durch die entgegengesetzte berichtigt
werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt;
diese ist wieder dahin zu berichtigen, daß sie
untrennbar sind, in der einen Bestimmung die andere liegt, durch die
Behauptung ihrer Einheit und so fort ins Unendliche. - Es ist eine
leichte Forderung, welche um die Natur des Unendlichen einzusehen,
gemacht wird, das Bewußtseyn zu haben, daß der unendliche Progreß, das
entwickelte Unendliche des Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung der beiden Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente zu seyn, und dann das fernere Bewußtseyn zu haben, daß diese Einheit und diese Trennung selbst untrennbar sind.
Die Auflösung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der gleichen Richtigkeit,
und der gleichen Unrichtigkeit beider Behauptungen; - dieß ist nur eine
andere Gestalt des bleibenden Widerspruchs, - sondern die Idealität beider, als in welcher sie in ihrem Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind; jene eintönige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der Einheit als der Trennung
derselben. In ihr ist ebenso faktisch das oben Aufgezeigte vorhanden,
daß das Endliche über sich hinaus in das Unendliche fällt, aber ebenso
über dasselbe hinaus sich selbst wieder erzeugt findet, hiermit darin
nur mit sich zusammengeht, wie das Unendliche gleichfalls; so daß
dieselbe Negation der Negation sich zur Affirmation resultirt, welches Resultat sich damit als ihre Wahrheit und Ursprünglichkeit erweist. In diesem Seyn hiermit als der Idealität
der Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt verschwunden,
sondern aufgelöst und versöhnt, und die Gedanken sind nicht nur
vollständig, sondern sie sind auch zusammengebracht. Die Natur
des spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem ausgeführten
Beispiele in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein in dem
Auffassen der entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit. Indem jedes
und zwar faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an ihm selbst zu
haben, und in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist
die affirmative Wahrheit diese sich in sich bewegende Einheit, das
Zusammenfassen beider Gedanken, ihre Unendlichkeit, - die Beziehung auf
sich selbst, nicht die unmittelbare, sondern die unendliche.
Das
Wesen der Philosophie ist häufig von solchen, die mit dem Denken schon
vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten, wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme? - Dieß, meint man, sey nicht begreiflich zu machen. Das Unendliche, bei dessen Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser Darstellung weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit der Formen das Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdrücken will, zur Endlichkeit komme.
Hier betrachten wir diese Frage nur in ihrer Unmittelbarkeit, und in
Rücksicht des vorhin betrachteten Sinnes, den das Unendliche zu haben
pflegt.
Von der Beantwortung dieser Frage soll es überhaupt abhängen, ob es eine Philosophie gebe,
und indem man es hierauf noch ankommen lassen zu wollen vorgiebt,
glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art von Vexirfrage, einen
unüberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch den man gegen die
Beantwortung und damit gegen die Philosophie und das Ankommen bei
derselben fest und gesichert sey. Auch bei anderen Gegenständen setzt
es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch mehr aber bei
philosophischen Gegenständen, um eine andere Antwort zu erhalten, als
die, daß die Frage nichts tauge. - Es pflegt bei solchen Fragen die
Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die Worte nicht
ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des Ausdrucks verständlich
sey, worauf es ankomme? Ausdrücke sinnlicher Vorstellung, wie herausgehen
und dergleichen, die bei der Frage gebraucht werden, erwecken den
Verdacht, daß sie aus dem Boden des gewöhnlichen Vorstellens stamme,
und für die Beantwortung auch Vorstellungen, die im gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt eines sinnlichen Gleichnisses erwartet werden.
Wenn statt des Unendlichen das Seyn überhaupt genommen wird, so scheint das Bestimmen des Seyns,
eine Negation oder Endlichkeit an ihm, leichter begreiflich. Seyn ist
zwar selbst das Unbestimmte, aber es ist nicht unmittelbar an ihm
ausgedrückt, daß es das Gegentheil des Bestimmten sey. Das Unendliche
hingegen enthält dieß ausgedrückt; es ist das Nicht-Endliche.
Die Einheit des Endlichen und Unendlichen scheint somit unmittelbar
ausgeschlossen; die unvollendete Reflexion ist darum am hartnäckigsten
gegen diese Einheit.
Es
ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die Bestimmung
des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, daß das
Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren genommen
wird, - nämlich als dem Endlichen gegenüberstehend, - darum weil es ihm
gegenübersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon begrenzt, und
selbst endlich, das Schlechtunendliche ist. Die Antwort auf die Frage, wie das Unendliche endlich werde, ist somit diese, daß es nicht ein Unendliches gibt, das vorerst
unendlich ist, und das nachher erst endlich zu werden, zur Endlichkeit
herauszugehen nöthig habe, sondern es ist für sich selbst schon eben so
sehr endlich als unendlich. Indem die Frage annimmt, daß das Unendliche
einer Seits für sich, und daß das Endliche, das aus ihm heraus in die
Trennung gegangen, oder wo es hergekommen seyn möchte, abgesondert von
ihm, wahrhaft real sey, - so wäre vielmehr zu sagen, diese Trennung sey
unbegreiflich. Weder solches Endliches, noch solches Unendliches
hat Wahrheit; das Unwahre aber ist unbegreiflich. Man muß aber ebenso
sagen, sie seyen begreiflich; die Betrachtung derselben, auch wie sie
in der Vorstellung sind, daß in dem einen die Bestimmung des anderen
liegt, die einfache Einsicht in diese ihre Untrennbarkeit haben, heißt
sie begreifen; diese Untrennbarkeit ist ihr Begriff. - In der Selbstständigkeit
jenes Unendlichen und Endlichen dagegen stellt jene Frage einen
unwahren Inhalt auf, und enthält in sich schon eine unwahre Beziehung
desselben. Darum ist nicht auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind
die falschen Voraussetzungen, die sie enthält, d. i. die Frage selbst
zu negiren. Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und
Endlichen wird der Standpunkt verändert, und diese Veränderung wird die
Verlegenheit, welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie
zurückbringen; jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste Frage stammt, neu,
da solches Reflektiren nicht das spekulative Interesse enthält,
welches, für sich und ehe es Bestimmungen bezieht, darauf geht, zu
erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden, etwas Wahres
seyen. Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten Unendlichen, und
des eben so auf seiner Seite stehen bleiben sollenden Endlichen erkannt
ist, so ist über das Herausgehen des Endlichen aus dem Unendlichen zu
sagen, das Unendliche gehe zur Endlichkeit heraus, darum weil
es keine Wahrheit, kein Bestehen an ihm, wie es als abstrakte Einheit
gefaßt ist, hat; so umgekehrt geht das Endliche aus demselben Grunde
seiner Nichtigkeit in das Unendliche hinein. oder vielmehr ist
zu sagen, daß das Unendliche ewig zur Endlichkeit herausgegangen, daß
es schlechthin nicht ist, so wenig als das reine Seyn, allein für sich, ohne sein Anderes an ihm selbst zu haben.
Jene
Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch die
weitere Voraussetzung enthalten, daß das Unendliche an sich das
Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst und
seines Anderen sey, so daß die Schwierigkeit sich wesentlich auf das Trennen
bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider entgegensteht.
In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem festgehalten s
wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das Unterscheiden
werden von einander getrennt und isolirt. Wenn aber jene nicht als die
abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie in jener Voraussetzung
als die bestimmte Einheit des Endlichen und Unendlichen
genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits darin auch
vorhanden, - eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein Loslassen
derselben zu getrennter Selbstständigkeit ist, sondern sie als ideelle in der Einheit läßt. Diese Einheit des Unendlichen und Endlichen und deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die Endlichkeit und Unendlichkeit.
Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus
aus. Der Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als
darin, das Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen. Jede
Philosophie ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens zu
ihrem Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe wirklich
durchgeführt ist. Die Philosophie ist es so sehr als die Religion; denn
die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig als ein wahrhaftes
Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein Nicht-Gesetztes,
Unerschaffenes, Ewiges. Der Gegensatz von idealistischer und
realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung. Eine Philosophie,
welche dem endlichen Daseyn als solchem wahrhaftes, letztes, absolutes
Seyn zuschriebe, verdiente den Namen Philosophie nicht; Principien
älterer oder neuerer Philosophien, das Wasser, oder die Materie oder
die Atome sind Gedanken, Allgemeine, Ideelle, nicht Dinge, wie
sie sich unmittelbar vorfinden, d. h. in sinnlicher Einzelnheit, selbst
jenes thaletische Wasser nicht; denn, obgleich auch das empirische
Wasser, ist es außerdem zugleich das Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und diese sind nicht selbstständige, in sich gegründete, sondern aus einem Anderen, dem Wasser, gesetzte, d. i. ideelle. Indem vorhin das Princip, das Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff, die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die einzelnen sinnlichen Dinge als ideell
im Princip, im Begriffe, noch mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so
ist dabei auf dieselbe Doppelseite vorläufig aufmerksam zu machen, die
bei dem Unendlichen sich gezeigt hat, nämlich daß das eine Mal das
Ideelle das Konkrete, Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso
sehr seine Momente das Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That
aber nur das Eine konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar
sind.
Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint, und das was in meiner Vorstellung überhaupt, oder im Begriffe, in der Idee, in der Einbildung u.s.f. ist, ideell
genannt, so daß Ideelles überhaupt auch für Einbildungen gilt, -
Vorstellungen, die nicht nur vom Reellen unterschieden, sondern
wesentlich nicht reell seyn sollen. In der That ist der Geist der
eigentliche Idealiste überhaupt; in ihm, schon wie er
empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er denkend und begreifend
ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes reales Daseyn; in der Einfachheit des Ich ist solches äußerliches Seyn nur aufgehoben, es ist für mich, es ist ideell
in mir. Dieser subjektive Idealismus, er sey als der bewußtlose
Idealismus des Bewußtseyns überhaupt oder bewußt als Princip
ausgesprochen und aufgestellt, geht nur auf die Form der
Vorstellung, nach der ein Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im
systematischen Idealismus der Subjektivität als die einzig wahrhafte,
die ausschließende gegen die Form der Objektivität oder Realität, des äußerlichen Daseyns jenes Inhalts behauptet. Solcher Idealismus ist formell, indem er den Inhalt
des Vorstellens oder Denkens nicht beachtet, welcher im Vorstellen oder
Denken dabei ganz in seiner Endlichkeit bleiben kann. Es ist mit
solchem Idealismus nichts verloren, ebenso wohl weil die Realität
solchen endlichen Inhalts, das mit Endlichkeit erfüllte Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon abstrahirt wird, an sich
an solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll; und es ist nichts mit ihm
gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil Ich die Vorstellung, der
Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit erfüllt bleibt. Der
Gegensatz der Form von Subjektivität und Objektivität ist allerdings
eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt, wie er in die
Empfindung, Anschauung oder auch in das abstraktere Element der
Vorstellung, des Denkens, aufgenommen wird, enthält die Endlichkeiten
in Fülle, welche mit dem Ausschließen jener nur einen Weise der
Endlichkeit, der Form von Subjektivem und objektivem, noch gar nicht
weggebracht, noch weniger von selbst weggefallen sind.
Im Fürsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet;
es ist das unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos.
Das Daseyn ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn;
es enthält so zunächst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das
Seyn ist zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher
Einheit vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und ihre Einheit noch nicht gesetzt.
Das Daseyn ist darum die Sphäre der Differenz, des Dualismus, das Feld
der Endlichkeit. Die Bestimmtheit ist Bestimmtheit als solche; ein
relatives, nicht absolutes Bestimmtseyn. Im Fürsichseyn ist der
Unterschied zwischen dem Seyn und der Bestimmtheit oder Negation
gesetzt und ausgeglichen; Qualität, Andersseyn, Grenze, wie Realität,
Ansichseyn, Sollen u.s.f. - sind die unvollkommenen
Einbildungen der Negation in das Seyn, als in welchen die Differenz
beider noch zu Grunde liegt. Indem aber in der Endlichkeit die Negation
in die Unendlichkeit, in die gesetzte Negation der Negation, übergegangen, ist sie einfache Beziehung auf sich, also an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn; - absolutes Bestimmtseyn.
Das Fürsichseyn ist erstens unmittelbar Fürsichseyendes, Eins.
Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins über, - Repulsion; welches Andersseyn des Eins sich in der Idealität desselben aufhebt, Attraktion.
Drittens
die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in welcher sie in
das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualität, die sich im
Fürsichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantität übergeht.
Der
allgemeine Begriff des Fürsichseyns hat sich ergeben. Es käme nur
darauf an, nachzuweisen, daß jenem Begriffe die Vorstellung entspricht,
die wir mit dem Ausdrucke: Fürsichseyn verbinden, um berechtigt
zu seyn, denselben für jenen Begriff zu gebrauchen. Und so scheint es
wohl; wir sagen, daß etwas für sich ist, insofern als es das
Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem aufhebt, sie
zurück-gestoßen, davon abstrahirt hat. Das Andere ist in ihm nur als ein Aufgehobenes, als sein Moment;
das Fürsichseyn besteht darin, über die Schranke, über sein Andersseyn
so hinausgegangen zu seyn, daß es als diese Negation die unendliche Rückkehr
in sich ist. - Das Bewußtseyn enthält schon als solches an sich die
Bestimmung des Fürsichseyns, indem es einen Gegenstand, den es
empfindet, anschaut u.s.f. sich vorstellt, d. i. dessen Inhalt in ihm hat, der auf die Weise als Ideelles ist; es ist in seinem Anschauen selbst, überhaupt in seiner Verwicklung mit dem Negativen seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst.
Das Fürsichseyn ist das polemische, negative Verhalten, gegen das
begrenzende Andere, und durch diese Negation desselben
In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben dieser Rückkehr des Bewußtseyns in sich, und der Idealität des Gegenstandes, auch noch die Realität desselben erhalten ist, indem er zugleich als ein äußeres Daseyn gewußt wird. Das Bewußtseyn ist so erscheinend,
oder der Dualismus, einer Seits von einem ihm andern, äußerlichen
Gegenstande zu wissen, und andererseits, für-sich zu seyn, denselben in
ihm ideell zu haben, nicht nur bei solchem Andern, sondern darin auch
bei sich selbst zu seyn. Das Selbstbewußtseyn dagegen ist das Fürsichseyn als vollbracht und gesetzt; jene Seite der Beziehung auf ein Anderes,
einen äußern Gegenstand ist entfernt. Das Selbstbewußtseyn ist so das
nächste Beispiel der Präsenz der Unendlichkeit; - einer freilich immer
abstrakten Unendlichkeit, die jedoch zugleich von ganz anders konkreter
Bestimmung ist, als das Fürsichseyn überhaupt, dessen Unendlichkeit
noch ganz nur qualitative Bestimmtheit hat.
Das Fürsichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit
des Seyns, nur als Negation überhaupt, als einfache qualitative
Bestimmtheit ist. Das Seyn in solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn
ist, ist aber sogleich vom Fürsichseyn selbst auch unterschieden,
welches nur Fürsichseyn, insofern seine Bestimmtheit jene unendliche
ist; jedoch ist das Daseyn zugleich Moment des Fürsichseyns selbst;
denn dieses enthält allerdings auch das mit der Negation behaftete
Seyn. So ist die Bestimmtheit, welche am Daseyn als solchem ein Anderes und Seyn-für-Anderes ist, in die unendliche Einheit des Fürsichseyns zurückgebogen, und das Moment des Daseyns ist im Fürsichseyn als Seyn-für-Eines vorhanden.
Dieß
Moment drückt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem
Unendlichen oder als Ideelles ist. Das Fürsichseyn hat die Negation
nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht
als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn. Indem nun dieß Moment als
Seyn-für-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, für
welches es wäre, - das Eine nicht, dessen Moment es wäre. Es ist in der
That dergleichen noch nicht im Fürsichseyn fixirt; das für welches
Etwas (- und ist hier kein Etwas -) wäre, was die andere Seite
überhaupt seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur
Seyn-für-Eines, noch nicht Eines. - Somit ist noch eine
Ununterschiedenheit zweier Seiten, die im Seyn-für-eines vorschweben
können, vorhanden; nur Ein Seyn-für-Anderes, und weil es nur
Ein Seyn-für-Anderes ist, ist dieses auch nur Seyn-für-Eines; es ist
nur die Eine ldealität dessen, für welches oder in welchem eine
Bestimmung als Moment und dessen, was Moment in ihm seyn sollte. So
machen Für-eines-seyn und das Fürsichseyn keine wahrhaften Bestimmtheiten gegeneinander aus. Insofern der Unterschied auf einen Augenblick angenommen und hier von einem Fürsichseyenden
gesprochen wird, so ist es das Fürsichseyende, als Aufgehobenseyn des
Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf das aufgehobene
Andere bezieht, also für-Eines ist; es bezieht sich in seinem Andern nur auf sich. Das Ideelle ist nothwendig für-Eines, aber es ist nicht für ein Anderes; das Eine, für welches es ist, ist nur es selbst. - Ich also, der Geist überhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil
sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als für-sich-seyende,
verschieden von dem, das für-Eines ist. Denn so wären sie nur
unmittelbare, oder näher Daseyn und ein Seyn-für-Anderes, weil das,
welches für sie wäre, nicht sie selbst, sondern ein Anderes wäre, wenn
das Moment, für-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte. Gott ist
daher für sich, insofern er selbst das ist, das für ihn ist.
Für-sich-seyn
und Für-Eines-seyn sind also nicht verschiedene Bedeutungen der
Idealität, sondern sind wesentliche, untrennbare Momente derselben.
Der zunächst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache für die Frage nach der Qualität, was für ein
Ding etwas sey, hebt das hier betrachtete Moment in seiner
Reflexion-in-sich heraus. Dieser Ausdruck ist in seinem Ursprung
idealistisch, indem er nicht fragt, was dieß Ding A für ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch für einen anderen Menschen sey; - sondern was dieß für ein Ding, für ein Mensch ist so daß dieß Seyn-für-Eines zugleich zurückgenommen ist in dieß Ding, in diesen Menschen selbst, daß dasjenige, welches ist, und das für welches es ist, ein und dasselbe ist, - eine Identität, als welche auch die Idealität betrachtet werden muß.
Die Idealität kommt zunächst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als unterschieden von dem, worin
sie aufgehoben sind, das dagegen als das Reelle genommen werden kann.
So aber ist das Ideelle wieder eins der Momente und das Reale das
andere; die Idealität aber ist dieß, daß beide Bestimmungen
gleicherweise nur für Eines sind, und nur für Eines
gelten, welche Eine Idealität somit ununterschieden Realität ist. In
diesem Sinn ist das Selbstbewußtseyn, der Geist, Gott, das Ideelle, als
unendliche Beziehung rein auf sich, - Ich-ist für Ich, beide sind
dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von
den Zweien ist jedes nur für-Eines, ideell; der Geist ist nur für den
Geist, Gott nur für Gott, und nur diese Einheit ist Gott, Gott als
Geist. - Das Selbstbewußtseyn aber tritt als Bewußtseyn in den
Unterschied seiner und eines Anderen, oder seiner
Idealität, in der es vorstellend ist, und seiner Realität, indem seine
Vorstellung einen bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite hat, als
das unaufgehobene Negative, als Daseyn, gewußt zu werden. Jedoch den
Gedanken, Geist, Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den
Standpunkt voraus, auf welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt,
und das Ideelle oder das Seyn-für-Eines nur einen einseitigen Sinn hat.
In
einer vorherg. Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und gesagt
worden, daß es bei einer Philosophie alsdann näher darauf ankomme, in
wiefern das Princip durchgeführt ist. Ueber die Art dieser Durchführung
kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir stehen, noch eine
weitere Bemerkung gemacht werden. Diese Durchführung hängt zunächst
davon ab, - ob neben dem Fürsichseyn nicht noch das endliche Daseyn
selbstständig bestehen bleibt, außerdem aber ob in dem Unendlichen
schon selbst das Moment: für-Eines, ein Verhalten des Ideellen
zu sich als Ideellem, gesetzt sey. So ist das eleatische Seyn oder die
Spinozische Substanz nur die abstrakte Negation aller Bestimmtheit,
ohne daß in ihr selbst die Idealität gesetzt wäre; - bei Spinoza ist, wie weiter unten erwähnt werden wird, die Unendlichkeit nur die absolute Affirmation
eines Dings, somit nur die unbewegte Einheit, die Substanz kommt daher
nicht einmal zur Bestimmung des Fürsichseyns, vielweniger des Subjekts
und des Geistes. Der Idealismus des edeln Malebranche ist in
sich explicirter; er enthält folgende Grundgedanken: da Gott alle ewige
Wahrheiten, die Ideen, und Vollkommenheiten aller Dinge in sich
schließt, so daß sie nur die seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in uns unsere Empfindungen von den
Gegenständen durch eine Aktion, die nichts Sinnliches hat, wobei wir
uns einbilden, daß wir vom Gegenstande nicht nur dessen Idee die dessen
Wesen vorstellt, sondern auch die Empfindung von dem Daseyn desselben
erlangen ( De la recherche de la Verité, Eclairc. sur la nature des idées
etc.). Wie also die ewigen Wahrheiten und Ideen (Wesenheiten) der
Dinge, so ist ihr Daseyn, in Gott, ideell, nicht ein wirkliches Daseyn;
obgleich als unsere Gegenstände, sind sie nur für Eines. Dieß
Moment des explicirten und konkreten Idealismus, das im Spinozismus
mangelt, ist hier vorhanden, indem die absolute Idealität als Wissen
bestimmt ist. So rein und tief dieser Idealismus ist, so enthalten jene
Verhältnisse Theils noch viel für den Gedanken Unbestimmtes, Theils
aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die Sünde und die Erlösung
u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische Bestimmung der
Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn müßte, ist nicht für sich
ausgeführt, und so jener erhabene und erfüllte Idealismus wohl das
Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber noch nicht eines reinen
spekulativen, allein wahrhaft begründenden, Denkens. Der leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze des abstrakten Begriffes. - Das leibnitzische vorstellende Wesen, die Monade,
ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fürsichseyn, in welchem
die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein Daseyn, sondern
nur Momente sind. Vorstellen ist zwar gleichfalls eine konkretere
Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung, als die der
Idealität; denn auch das Bewußtseynslose überhaupt ist bei Leibnitz
Vorstellendes, Percipirendes. Es ist in diesem Systeme also das
Andersseyn aufgehoben; Geist und Körper, oder die Monaden überhaupt
sind nicht Andere für einander, sie begrenzen sich nicht, haben keine
Einwirkung aufeinander; es fallen überhaupt alle Verhältnisse weg,
welchen ein Daseyn zum Grunde liegt. Die Mannigfaltigkeit ist nur eine
ideelle und innere, die Monade bleibt darin
nur auf sich selbst bezogen, die Veränderungen entwickeln sich
innerhalb ihrer, und sind keine Beziehungen derselben auf andere. Was
nach der realen Bestimmung als da seyende Beziehung der Monaden
aufeinander genommen wird, ist ein unabhängiges nur simultanes Werden, in das Fürsichseyn einer jeden eingeschlossen. - Daß es mehrere Monaden
giebt, daß sie damit auch als Andere bestimmt werden, geht die Monaden
selbst nichts an; es ist dieß die außer ihnen fallende Reflexion eines
Dritten; sie sind nicht an ihnen selbst Andere gegeneinander; das Fürsichseyn ist rein ohne das Daneben eines Daseyns gehalten. - Allein hierin liegt zugleich das Unvollendete dieses Systems. Die Monaden sind nur an sich, oder in Gott, als der Monade der Monaden, oder auch im Systeme,
so Vorstellende. Das Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle
wohin es wolle, in die Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt
werde, welches sie als Andere, als Viele, betrachtet. Die Vielheit
ihres Daseyns ist nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden
nur durch die Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere
seyen. Wenn es ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es
auch ein Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze Bewegung, welche sie zu ideellen macht,
fällt außer ihnen. Indem aber daran erinnert werden kann, daß diese
Bewegung des Gedankens selbst doch nur innerhalb einer vorstellenden
Monade falle, so ist zugleich zu erinnern, daß eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich äußerlich
ist. Es wird von der Einheit der absoluten Idealität (der Monade der
Monaden) unmittelbar, unbegriffen (- durch die Vorstellung des
Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen) Vielheit
des Daseyns übergegangen, und von dieser ebenso abstrakt zurück zu
jener Einheit. Die Idealität, das Vorstellen überhaupt, bleibt etwas
formelles, wie gleichfalls das zum Bewußtseyn gesteigerte Vorstellen.
Wie
in dem oben angeführten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel, die
wenn sie ein Bewußtseyn hätte, ihre Richtung nach Norden für eine
Bestimmung ihrer Freiheit ansehen würde, das Bewußtseyn nur als
einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgültig
sey, gedacht wird, so ist die Idealität in den Monaden eine der
Vielheit äußerlich bleibende Form. Die Idealität soll ihnen immanent,
ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre
Harmonie, die nicht in ihr Daseyn fällt, sie ist daher prästabilirt;
anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-für-Anderes,
noch weiter als Idealität gefaßt, sondern nur als abstrakte Vielheit
bestimmt; die Idealität der Vielheit und die weitere Bestimmung
derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und
angehörig.
Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche, kommt nicht über das Sollen oder den unendlichen Progreß
hinaus, und bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fürsichseyns. In
diesen Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoß zwar
unmittelbar in das Ich und wird nur ein für dasselbe; aber er
geht von einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn
perennirt. Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als fürsichseyend,
als unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das Für-Eines-seyn ist nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen oder der Richtung nach dem Jenseits.
Das
Fürsichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines Moments,
des Seyns für-Eines. Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden, die
Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die Momente des Fürsichseyns sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche Unmittelbarkeit oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich auf das Negiren gründet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist. Das Fürsichseyn ist so, Fürsichseyendes, und indem in dieser Unmittelbarkeit seine innere Bedeutung verschwindet, die ganz abstrakte Grenze seiner selbst, - das Eins.
Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden. Die Momente, welche den Begriff des Eins als Fürsichseyns ausmachen, treten darin auseinander; sie sind 1) Negation überhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier, die dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5) Beziehung auf sich, Identität als solche, 6) negative Beziehung und doch auf sich selbst. Diese Momente treten hier dadurch auseinander, daß die Form der Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fürsichseyn als Fürsichseyendem hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes Moment als eine eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie ebenso untrennbar. Somit muß von jeder Bestimmung ebenso ihr Gegentheil gesagt werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der abstrakten Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht.
Das
Eins ist die einfache Beziehung des Fürsichseyns auf sich selbst, in
der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher die
Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun daseyende werden.
Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen, - und als Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen. Aber um der nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht mehr nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern zugleich als Seyende gesetzt. Die Idealität des Fürsichseyns als Totalität schlägt so fürs erste in die Realität um, und zwar in die festeste, abstrakteste, als Eins. Das Fürsichseyn ist im Eins die gesetzte Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung
der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so daß was Eins an sich ist, es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm unterschiedenes Anderes. Was sich als von ihm unterschieden vorhanden zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit sich so als unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt, und als negative Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen, Ausschließen des Eins als eines Anderen aus sich, dem Eins.
An
ihm selbst ist das Eins überhaupt; dieß sein Seyn ist kein Daseyn,
keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es
ist dieß, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben. Das Eins ist
somit keines Anderswerdens fähig; es ist unveränderlich.
Es
ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine Unbestimmtheit
ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst ist, absolutes
Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn. Als nach seinem Begriffe
sich auf sich beziehende Negation hat es den Unterschied in ihm, - eine
Richtung von sich ab hinaus auf Anderes, die aber unmittelbar
umgewendet, weil nach diesem Momente des Selbstbestimmens kein Anderes
ist, auf das sie gehe, und die in sich zurückgekehrt ist.
In
dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns und
der Idealität selbst, und damit alle Verschiedenheit und
Mannigfaltigkeit verschwunden. Es ist nichts in ihm; dieß Nichts, die Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden von dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes,
weil dieß Insichseyn nicht mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die
Bestimmung hat, als Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist
es zwar identisch mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung. So
dieß Nichts gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres. - Das Leere ist so die Qualität des Eins in seiner Unmittelbarkeit.
Das
Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf sich
selbst. Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch affirmativen
Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin verschieden,
und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst nämlich, stehen, ist
ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber vom Seyenden ist das Nichts als Leeres außer dem seyenden Eins.
Das Fürsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn
erlangt. - Das Eins und das Leere haben die negative Beziehung auf sich
zu ihrem gemeinschaftlichen, einfachen Boden. Die Momente des
Fürsichseyns treten aus dieser Einheit, werden sich Aeußerliche, indem
durch die einfache Einheit der Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so setzt sie sich selbst zu einer
Seite, damit zum Daseyn herab, und darin stellt sich ihre andere
Bestimmung, die Negation überhaupt, gleichfalls als Daseyn des Nichts,
als das Leere, gegenüber.
Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die bei den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach welchem das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, ( .... .) Die Abstraktion zu dieser Form gediehen, hat eine größere Bestimmtheit gewonnen, als das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits. So hoch
sie sich stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des Eins und des
Leeren zum Princip aller Dinge macht, die unendliche Mannigfaltigkeit
der Welt auf diesen einfachen Gegensatz zurückführt, und sie aus ihm zu
erkennen sich erkühnt, ebenso leicht ist es für das vorstellende Reflektiren, sich hier Atome und daneben
das Leere vorzustellen. Es ist daher kein Wunder, daß das atomistische
Princip sich jederzeit erhalten hat; das gleich triviale und äußerliche
Verhältniß der Zusammensetzung, das noch hinzukommen muß, um
zum Scheine eines Konkreten und einer Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist
eben so populär als die Atome selbst und das Leere. Das Eins und das
Leere ist das Fürsichseyn, das höchste qualitative Insichseyn zur
völligen Aeußerlichkeit herabgesunken; die Unmittelbarkeit oder
das Seyn des Eins, weil es die Negation alles Andersseyns ist, ist
gesetzt nicht mehr bestimmbar und veränderlich zu seyn, für dessen
absolute Sprödigkeit bleibt also alle Bestimmung, Mannigfaltigkeit,
Verknüpfung schlechthin äußerliche Beziehung.
In
dieser Aeußerlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei den
ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte außer seiner
Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, daß das Leere als der Quell der Bewegung
erkannt worden ist; was eine ganz andere Beziehung des Atomen und des
Leeren ist, als das bloße Nebeneinander und die Gleichgültigkeit dieser
beiden Bestimmungen gegeneinander. Daß das Leere der Quell der Bewegung
ist, hat nicht den geringfügigen Sinn, daß sich Etwas nur in ein Leeres
hineinbewegen könne, und nicht in einen schon erfüllten Raum, denn in
einem solchen fände es keinen Platz mehr offen; in welchem Verstande
das Leere nur die Voraussetzung oder Bedingung, nicht der Grund der Bewegung wäre, so wie auch die Bewegung selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das Wesentliche, ein Grund derselben,
vergessen ist. Die Ansicht, daß das Leere den Grund der Bewegung
ausmache, enthält den tiefern Gedanken, daß im Negativen überhaupt, der
Grund des Werdens, der Unruhe der Selbstbewegung liegt; in welchem
Sinne aber das Negative als die wahrhafte Negativität des Unendlichen
zu nehmen ist. - Das Leere ist Grund der Bewegung nur als die negative Beziehung des Eins auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf sich selbst, das jedoch als Daseyendes gesetzt ist.
Sonst
aber sind weitere Bestimmungen der Alten über eine Gestalt, Stellung
der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkürlich und äußerlich genug;
und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der Grundbestimmung des
Atomen. An den Atomen, dem Princip der höchsten Aeußerlichkeit und
damit der höchsten Begrifflosigkeit, leidet die Physik in den
Molecules, Partikeln ebenso sehr als die Staatswissenschaft, die von
dem einzelnen Willen der Individuen ausgeht.
Das
Eins und das Leere macht das Fürsichseyn in seinem nächsten Daseyn aus.
Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die Negation, und ist
zugleich als ein Daseyn gesetzt. Nach jener ist das Eins und das Leere
die Beziehung der Negation auf die Negation als eines Andern
auf sein Anderes; das Eins ist die Negation in der Bestimmung des
Seyns, das Leere die Negation in der Bestimmung des Nichtseyns. Aber
das Eins ist wesentlich nur Beziehung auf sich als beziehende Negation d. h. ist selbst dasjenige, was das Leere außer ihm seyn soll. Beide sind aber auch gesetzt als ein affirmatives Daseyn, das eine als das Fürsichseyn als solches, das andere als unbestimmtes Daseyn überhaupt, und sich aufeinander als auf ein anderes Daseyn beziehend. Das Fürsichseyn des Eins ist jedoch wesentlich die Idealität des Daseyns und des Anderen; es bezieht sich nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich. Indem aber das Fürsichseyn als Eins, als für sich Seyendes, als unmittelbar vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich zugleich Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ ist, bleibt das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein Anderes bestimmt; als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das Andere nicht die unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist gleichfalls Eins. Das Eins ist somit Werden zu vielen Eins.
Eigentlich ist dieß aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein Uebergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins.
Eins, das Bezogene enthält das Negative als Beziehung, hat dasselbe
also an ihm selbst. Statt des Werdens ist also erstens die eigene
immanente Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie
negativ und das Eins seyendes zugleich ist, so stößt das Eins sich
selbst von sich ab. Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion.
Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins
aber durch Eins selbst ist das eigne Außersichkommen des Eins, aber zu
solchen außer ihm, die selbst nur Eins sind. Es ist dieß die Repulsion
dem Begriffe nach, die an sich seyende. Die zweite
Repulsion ist davon unterschieden, und ist die der Vorstellung der
äußern Reflexion zunächst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der
Eins, sondern nur als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins. Es ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten, der äußerlichen, sich bestimmt.
Zunächst
ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als solche haben.
Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen, verschwindet
unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins, nicht für
Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst. Das Eins stößt nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern es ist schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist gleichfalls ein Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden kommt beiden auf gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied.
Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander; - gesetzte durch die Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt; ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als sich nur auf sich beziehende.
Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn,
sondern als eine dein Eins vollkommen äußere Bestimmung. Eins, indem es
sich selbst repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunächst
als repellirt genommen wird. Daß die Eins andere gegeneinander,
in die Bestimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die
Eins nichts an. Wäre die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst
aufeinander, so begrenzten sie einander und hätten ein Seyn-für-Anderes
affirmativ an ihnen. Ihre Beziehung, - und diese haben sie durch ihre an sich seyende Einheit, - wie sie hier gesetzt ist, ist als keine bestimmt; sie ist wieder das vorhingesetzte Leere. Es ist ihre aber ihnen äußerliche Grenze, in der sie nicht für einander seyn sollen. Die Grenze ist das, worin die Begrenzten eben so sehr sind als nicht sind; aber das Leere ist als das reine Nichtseyn bestimmt, und nur dieß macht ihre Grenze aus.
Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen, was das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander gelegt ist hier die außer sich gekommene Unendlichkeit;
außer sich gekommen ist sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen,
des Eins. Sie ist ein ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als
vielmehr die absolute Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der
einfachen affirmativen Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben
derselben als negativen. Oder die Vielheit des Eins ist das eigene Setzen des Eins; das Eins ist nichts als die negative
Beziehung des Eins auf sich, und diese Beziehung, also das Eins selbst,
ist das viele Eins. Aber ebenso ist die Vielheit dem Eins schlechthin
äußerlich; denn das Eins ist eben das Aufheben des Andersseyns, die
Repulsion ist seine Beziehung auf sich, und einfache Gleichheit mit
sich selbst. Die Vielheit der Eins ist die Unendlichkeit, als
unbefangen sich hervorbringender Widerspruch.
Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwähnt worden. Es kann hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade aus, die als Fürsichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit
als solcher, in der die Eins jedes nur für sich, gleichgültig gegen das
Daseyn und Für-sich-seyn anderer ist, oder überhaupt Andere gar nicht
für das Eins sind. Die Monade ist für sich die ganze abgeschlossene
Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit,
die sie in ihrem Vorstellen hat, ändert in ihrer Bestimmung, für sich
zu seyn, nichts. Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite ihrer abstrakten Aeußerlichkeit. Die Atomistik
hat den Begriff der Idealität nicht; sie faßt das Eins nicht als ein
solches, das in ihm selbst die beiden Momente des Fürsichseyns und des
Für-es-seyns enthält, also als ideelles, sondern nur als einfach,
trocken Für-sich-seyendes. Aber sie geht über die bloß gleichgültige
Vielheit hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung
gegeneinander, wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da
hingegen in jener gleichgültigen Unabhängigkeit der Monaden, die
Vielheit als starre Grundbestimmung bleibt, so daß ihre Beziehung nur in die Monade der Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen fällt.
Die
vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander ist
Nicht-Beziehung, sie ist ihnen äußerlich; - das abstrakte Leere. Aber
sie selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf seyende Andere; - der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit, gesetzt in Unmittelbarkeit des Seyns. Hiermit findet nun die Repulsion das unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist. Sie ist in dieser Bestimmung Ausschließen;
das Eins repellirt nur die Vielen von ihm unerzeugten, nichtgesetzten
Eins von sich. dieß Repelliren ist, gegenseitig oder allseitig, -
relativ, durch das Seyn der Eins beschränkt.
Die Vielheit ist zunächst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind. Aber sie sind auch in der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre gemeinsame Beziehung.
Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte Daseyn der vielen Eins;
sie ist nicht ihr Fürsichseyn, nach dem sie nur in einem Dritten als
Vieles unterschieden wären, sondern ihr eigenes sie erhaltendes
Unterscheiden. - Sie negiren sich gegenseitig, setzen einander als
solche, die nur für-Eines sind. Aber sie negiren eben so sehr zugleich dieß, nur für-Eines zu seyn; sie repelliren diese ihre Idealität und sind. - So sind die Momente getrennt, die in der Idealität schlechthin vereinigt sind. Das Eins ist in seinem Fürsichseyn auch für-Eines,
aber dieß Eine, für welches es ist, ist es selbst; sein Unterscheiden
von sich ist unmittelbar aufgehoben. Aber in der Vielheit hat das
unterschiedne Eins ein Seyn; das Seyn-für-Eines, wie es in dem
Ausschließen bestimmt ist, ist daher ein Seyn-für-Anderes. Jedes wird
so von einem Andern repellirt, aufgehoben und zu einem gemacht, das nicht für sich, sondern für-eines und zwar ein anderes Eins ist.
Das
Fürsichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre
Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander,
in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein bloßes
Seyn-für-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese
Idealität zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht für-ein-Anderes
zu seyn. Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre negative Beziehung
auf einander ist aber vielmehr ihre Auflösung.
Die Eins sind
nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr gegenseitiges
Ausschließen. Erstens ist nun das, wodurch sie den festen Halt ihrer
Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben sollten, ihr Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung auf-Anderes; dieß Ansichseyn ist, daß sie Eins sind. Aber dieß sind Alle; sie sind in ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen Punkt ihrer Verschiedenheit zu haben. Zweitens ihr Daseyn und ihr Verhalten zu einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das gegenseitige Negiren; dieß ist aber gleichfalls eine und dieselbe
Bestimmung Aller, durch welche sie sich also vielmehr als identisch
setzen; wie dadurch, daß sie an sich dasselbe sind, ihre als durch
Andere zu setzende Idealität ihre eigene ist, welche sie also ebenso wenig repelliren. - Sie sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur Eine affirmative Einheit.
Diese
Betrachtung der Eins, daß sie nach ihren beiden Bestimmungen sowohl,
insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen, sich nur
als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen, ist unsere
Vergleichung. - Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer Beziehung aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist. - Sie sind,
dieß ist in dieser Beziehung vorausgesetzt, - und sind nur insofern sie
sich gegenseitig negiren, und diese ihre Idealität, ihr Negirtseyn
zugleich von sich selbst abhalten, d. i. das
gegenseitige Negiren negiren. Aber sie sind nur insofern sie negiren,
so wird, indem dieß ihr Negiren negirt wird, ihr Seyn negirt. Zwar
indem sie sind, würden sie durch dieß Negiren nicht negirt, es
ist nur ein Aeußerliches für sie; dieß Negiren des Anderen prallt an
ihnen ab, und trifft nur berührend ihre Oberfläche. Allein nur durch
das Negiren der Anderen kehren sie in sich selbst zurück; sie sind nur
als diese Vermittelung, diese ihre Rückkehr ist ihre Selbsterhaltung
und ihr Fürsichseyn. Indem ihr Negiren nichts effektuirt, durch den
Widerstand, den die Seyenden als solche oder als negirend leisten, so
kehren sie nicht in sich zurück, erhalten sich nicht und sind nicht.
Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, daß die Eins dasselbe, jedes derselben Eins
ist, wie das Andere. Dieß ist nicht nur unser Beziehen, ein äußerliches
Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist selbst Beziehen; das die
Eins ausschließende Eins bezieht sich selbst auf sie, die Eins, d. h.
auf sich selbst. Das negative Verhalten der Eins zu einander ist somit
nur ein Mit-sich-zusammengehen. Diese Identität, in welche ihr
Repelliren übergeht, ist das Aufheben ihrer Verschiedenheit und
Aeußerlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als Ausschließende
behaupten sollten.
Dieß sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion.
Die
Selbstständigkeit auf die Spitze des fürsichseyenden Eins getrieben,
ist die abstrakte, formelle Selbstständigkeit, die sich selbst
zerstört; der höchste, hartnäckigste Irrthum, der sich für die höchste
Wahrheit nimmt; - in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit, als
reines Ich, und dann weiter als das Böse erscheinend. Es ist die
Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion zu
setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu
gewinnen. Diese Selbstständigkeit ist
bestimmter der Irrthum, das als negativ anzusehen und sich gegen das
als negativ zu verhalten, was ihr eignes Wesen ist. Sie ist so das
negative Verhalten gegen sich selbst, welches, indem es sein eigenes
Seyn gewinnen will, dasselbe zerstört, und dieß sein Thun ist nur die
Manifestation der Nichtigkeit dieses Thuns. Die Versöhnung ist die
Anerkennung dessen, gegen welches das negative Verhalten geht, vielmehr
als seines Wesens, und ist nur als Ablassen von der Negativität seines Fürsichseyns, statt an ihm festzuhalten.
Es ist ein alter Satz, daß das Eine Vieles und insbesondere: daß das Viele Eines
ist. Es ist hierüber die Bemerkung zu wiederholen, daß die Wahrheit des
Eins und des Vielen in Sätzen ausgedrückt in einer unangemessenen Form
erscheint, daß diese Wahrheit nur als ein Werden, als ein Proceß,
Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es in einem Satze als
ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und auszudrücken ist. Es ist oben
der Dialektik Plato's im Parmenides über die Ableitung des
Vielen aus dem Eins, nämlich aus dem Satze: Eines ist, erwähnt und
erinnert worden. Die innere Dialektik des Begriffes ist angegeben
worden; am leichtesten ist die Dialektik des Satzes, daß Vieles Eines ist, als äußerliche Reflexion zu fassen; und äußerlich darf sie hier seyn, insofern auch der Gegenstand, die Vielen,
das einander Aeußerliche ist. Diese Vergleichung der Vielen miteinander
ergiebt sogleich, daß eines schlechthin nur bestimmt ist wie das
Andere; jedes ist Eins, jedes ist Eins der Vielen, ist ausschließend
die Anderen; - so daß sie schlechthin nur dasselbe sind, schlechthin
nur Eine Bestimmung vorhanden ist. Es ist dieß das Faktum, und es ist
nur darum zu thun, dieß einfache Faktum aufzufassen. Die Hartnäckigkeit
des Verstandes weigert sich nur darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch
der Unterschied, und zwar mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um
jenes Faktums willen so wenig aus, als gewiß jenes Faktum ungeachtet
des Unterschiedes existirt. Man könnte den Verstand damit für das
schlichte Auffassen des Faktums der Einheit gleichsam trösten, daß der
Unterschied auch wieder eintreten werde.
Die
Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunächst in Viele,
deren negatives Verhalten unmächtig ist, weil sie einander als Seyende
voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealität; diese aber wird
realisirt in der Attraktion. Die Repulsion geht in Attraktion über, die
vielen Eins in Ein Eins. Beide, Repulsion und Attraktion, sind
zunächst
unterschieden, jene als die Realität der Eins, diese als deren gesetzte
Idealität. Die Attraktion bezieht sich auf diese Weise auf die
Repulsion, daß sie diese zur Voraussetzung hat. Die Repulsion
liefert die Materie für die Attraktion. Wenn keine Eins wären, so wäre
nichts zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder Attraktion, der
Konsumtion der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes Erzeugen der Eins
voraus; die sinnliche Vorstellung der räumlichen Attraktion läßt den
Strom der attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an die Stelle der Atome,
die in dem attrahirenden Punkte verschwinden, tritt eine andere Menge,
und wenn man will, ins Unendliche, aus dem Leeren hervor. Wenn die
Attraktion vollführt, d. i. die Vielen auf den Punkt Eines Eins
gebracht, vorgestellt würden, so wäre nur ein träges Eins, kein
Attrahiren mehr vorhanden. Die in der Attraktion daseyende Idealität
hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer selbst, die vielen
Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und die Attraktion ist
untrennbar von der Repulsion.
Das Attrahiren kommt zunächst jedem der vielen als unmittelbar
vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem
andern; so wäre ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein
Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und
eine träge Ruhe ohne daseyende Idealität. Aber
es kann hier nicht von einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern,
was einen bestimmten Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede
seyn, vielmehr ist die Attraktion das Setzen der vorhandenen
Ununterschiedenheit der Eins. Erst die Attraktion selbst ist das Setzen
eines von den anderen unterschiedenen Eins; sie sind nur die
unmittelbaren durch die Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch
ihre gesetzte Negation aber geht das Eins der Attraktion hervor, das
daher als das Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt
ist. Die ersten als unmittelbare kehren in ihrer Idealität nicht in
sich zurück, sondern haben dieselbe an einem andern.
Das
Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealität; es
ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthält diese
Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung. Es
verschlingt so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt,
d. h. es hebt sie nicht abstrakt auf. Indem es die Repulsion in seiner
Bestimmung enthält, erhält diese die Eins als Viele zugleich in ihm; es
bringt, so zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich, gewinnt
einen Umfang oder Erfüllung. Es ist so in ihm Einheit der Repulsion und
Attraktion überhaupt.
Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer Beziehung
auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die Repulsion und
die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunächst selbstständig außer
der anderen steht, so daß sie jedoch wesentlich zusammenhängen. Die
noch unbestimmte Einheit derselben hat sich näher zu ergeben.
Die
Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und als
unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgültig gegen die Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte
äußerlich hinzukommt. Dagegen wird die Attraktion nicht von der
Repulsion vorausgesetzt, so daß an deren Setzen und Seyn jene keinen
Antheil haben soll d. i. daß die Repulsion nicht an ihr schon die
Negation ihrer selbst, die Eins nicht schon an ihnen Negirte wären. Auf
solche Weise haben wir die Repulsion abstrakt für sich, wie gleichfalls
die Attraktion gegen die Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und von sich aus als ein Anderes an sie kommt.
Nehmen
wir demnach die bloße Repulsion so für sich, so ist sie die Zerstreuung
der vielen Eins ins unbestimmte, außerhalb der Sphäre der Repulsion
selbst; denn sie ist dieß, die Beziehung der Vielen aufeinander zu
negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie abstrakt genommen,
Bestimmung. Die Repulsion ist aber nicht bloß das Leere, die Eins als
beziehungslos sind nicht repellirend, nicht ausschließend, was ihre
Bestimmung ausmacht. Repulsion ist, obgleich negative, doch wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und Fliehen ist nicht die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen, das ausschließende steht mit dem noch in Verbindung,
was von ihm ausgeschlossen wird. dieß Moment der Beziehung aber ist die
Attraktion, somit in der Repulsion selbst; sie ist das Negiren jener
abstrakten Repulsion, nach welcher die Eins nur sich auf sich
beziehende Seyende, nicht ausschließende wären.
Indem
aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden, hiermit
auch die Attraktion als äußerlich an sie tretend gesetzt ist, so sind
bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene Bestimmungen
auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, daß nicht bloß die
Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird, sondern auch ebenso
sehr die Rückbeziehung der Repulsion auf die Attraktion Statt findet,
und jene an dieser ebenso sehr ihre Voraussetzung hat.
Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen und Schranke jede gegen die andere bestimmt. Ihr Sollen ist ihre abstrakte Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit schlechthin über sich hinausgewiesen ist, und auf die andere sich bezieht, und so jede vermittelst der andern als andern
ist; ihre Selbstständigkeit besteht darin, daß sie in dieser
Vermittelung als ein anderes Bestimmen für einander gesetzt sind. - Die
Repulsion als das Setzen der Vielen, die Attraktion als das Setzen des
Eins, diese zugleich als Negation der Vielen, und jene als Negation der
Idealität derselben im Eins, daß auch die Attraktion nur vermittelst der Repulsion Attraktion, wie die Repulsion vermittelst der Attraktion Repulsion ist. Daß aber darin die Vermittelung durch Anderes
mit sich, in der That vielmehr negirt, und jede dieser Bestimmungen
Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, dieß ergiebt sich aus deren
nähern Betrachtung und führt sie zu der Einheit ihres Begriffes zurück.
Zuerst daß jede sich selbst
voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur sich auf sich bezieht, dieß ist
in dem Verhalten der erst noch relativen Repulsion und Attraktion schon
vorhanden.
Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen
vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen. Aber daß viele
Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die sie hätte,
ist nur ihr eigenes Setzen. Ferner die Bestimmung des Seyns, die den
Eins außerdem, daß sie gesetzte sind, zukäme, - wodurch sie voraus
wären, gehört gleichfalls der Repulsion an. Das Repelliren ist das,
wodurch die Eins sich als Eins manifestiren und erhalten, wodurch sie
als solche sind. Ihr Seyn ist die Repulsion selbst; sie ist so
nicht ein relatives gegen ein anderes Daseyn, sondern verhält sich
durchaus nur zu sich selbst.
Die
Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins, gegen
welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und verschwindend
bestimmt werden. So setzt sogleich die Attraktion sich voraus, in der
Bestimmung nämlich der anderen Eins, ideell zu seyn, welche sonst für sich seyende und für Andere,
also auch für irgend ein Attrahirendes, repellirende seyn sollen. Gegen
diese Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealität nicht erst durch
Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die an
sich seyende Idealität der Eins, indem sie als Eins, - das als
attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von
einander, ein und dasselbe sind.
Dieses
Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder für sich ist
ferner dieß, daß jede die andere als Moment in sich enthält. Das Sich-Voraussetzen überhaupt ist in Einem sich als das Negative seiner setzen, - Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist dasselbe als das Voraussetzende, - Attraktion. Daß jede an sich
nur Moment ist, ist das Uebergehen jeder aus sich selbst in die andere,
sich an ihr selbst zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu
setzen. Indem das Eins als solches das Außersichkommen, es selbst nur
dieß ist, sich als sein Anderes, als das Viele zu setzen und das Viele
nur ebenso dieß in sich zusammenfallen und sich als sein Anderes, als
das Eins zu setzen, und eben darin nur sich auf sich zu beziehen, jedes
in seinem Andern sich zu kontinuiren, - so ist hiermit schon an sich
das Außersichkommen (die Repulsion) und das sich-als-Eines-Setzen (die
Attraktion) ungetrennt vorhanden. Gesetzt aber ist es an der relativen Repulsion und Attraktion d. i. welche unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt, daß jede diese Negation ihrer an ihr selbst, und damit auch die Kontinuität ihrer in ihre andere ist. Die Repulsion daseyender Eins ist die Selbsterhaltung des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der andern, so daß 1) die anderen Eins an ihm
negirt werden, dieß ist die Seite seines Daseyns oder seines
Seyns-für-Anderes; diese ist aber somit Attraktion, als die Idealität
der Eins; - und daß 2) das Eins an sich sey, ohne die Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das Ansich überhaupt längst in das Fürsichseyn übergegangen, sondern an sich, seiner Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen. - Die Attraktion
daseyender Eins ist die Idealität derselben, und das Setzen des Eins,
worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich selbst
aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr,
Repulsion ist.
Damit ist die Entwickelung des Fürsichseyns vollendet und zu ihrem Resultate gekommenen. Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung, daß es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die Vielen) von sich abstößt und indem es sich auf dieß sein Nichtseyn, negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die
Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in welchem die Bestimmung, daß es anfängt, d. i. als unmittelbares, Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i. zum ebenso unmittelbaren,
ausschließenden Eins wiederhergestellt hätte, verschwunden; der Proceß,
der es ist, setzt und enthält es allenthalben nur als ein Aufgehobenes.
Das Aufheben zunächst nur zu relativem Aufheben, der Beziehung
auf anderes Daseyendes, die damit selbst eine differente Repulsion und
Attraktion ist, bestimmt, erweist sich ebenso in die unendliche
Beziehung der Vermittelung durch die Negation der äußerlichen
Beziehungen von Unmittelbaren und Daseyenden, überzugehen und zum
Resultate eben jenes Werden zu haben, das in der Haltungslosigkeit
seiner Momente das Zusammensinken, oder vielmehr das
Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit ist. Dieses
Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist die Quantität.
Uebersehen wir kurz die Momente dieses Ueberganges der Qualität in die Quantität,
so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn und die
Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit mit dem
Seyn des Etwas so identisch ist, daß das Etwas mit ihrer Veränderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches bestimmt. Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit des Seyns und Nichts, vorhanden ist, fällt er als Andersseyn überhaupt, außer
jener Einheit. Diese Beziehung auf Anderes widerspricht der
Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit Beziehung auf sich
ist. Dieß Andersseyn hebt sich in der Unendlichkeit des Fürsichseyns
auf, welches den Unterschied, den es in der Negation der Negation an
und in ihm selbst hat, zum Eins und Vielen und zu deren Beziehungen
realisirt, und das Qualitative zur wahrhaften, d. i. nicht mehr
unmittelbaren, sondern als übereinstimmend mit sich gesetzten Einheit
erhoben hat.
Diese Einheit ist somit à) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f. hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind; - ß) Daseyn;
es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit als
Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die
unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes,
sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin - das An-sich-Bestimmtseyn, - das Eins; das Andersseyn als solches ist selbst Fürsichseyn; - ç) Fürsichseyn,
als jenes durch die Bestimmtheit hindurch sich kontinuirende Seyn, in
welchem das Eins und An-sich-Bestimmtseyn selbst als Aufgehobenes
gesetzt ist. Das Eins ist zugleich als über sich hinausgegangen und als
Einheit bestimmt, das Eins damit, die schlechthin bestimmte
Grenze, als die Grenze, die keine ist, die am Seyn aber ihm
gleichgültig ist, gesetzt.
Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kräfte
angesehen zu werden. Diese ihre Bestimmung und die damit
zusammenhängende Verhältnisse sind mit den Begriffen, die sich für sie
ergeben haben, zu vergleichen. - In jener Vorstellung werden sie als
selbstständig betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur auf
einander beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre
entgegengesetzte übergehendes Moment seyn, sondern fest der andern
gegenüber beharren soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der Materie,
zusammenkommend; so jedoch, daß dieß In-Eins-Werden nicht als ihre
Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und
An-und-fürsich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben
durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen. Wenn gesagt wird, daß die
Materie die Kräfte in sich habe, so ist unter dieser ihrer
Einheit eine Verknüpfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich
seyende frei von einander vorausgesetzt werden.
Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsiv- und AttraktivKraft konstruirt
oder wenigstens, wie er sich ausdrückt, die metaphysischen Elemente
dieser Konstruction aufgestellt. - Es wird nicht ohne Interesse seyn,
diese Konstruction näher zu beleuchten. Diese metaphysische Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst, sondern in seinen Bestimmungen, nur der Erfahrung
anzugehören schien, ist eines Theils dadurch merkwürdig, daß sie als
ein Versuch des Begriffs wenigstens den Anstoß zur neueren
Naturphilosophie gegeben hat, - der Philosophie, welche die Natur nicht
als ein der Wahrnehmung sinnlich Gegebenes zum Grunde der Wissenschaft
macht, sondern ihre Bestimmungen aus dem absoluten Begriffe erkennt;
andern Theils auch, weil bei jener Kantischen Konstruktion noch häufig
stehen geblieben und sie für einen philosophischen Anfang und Grundlage
der Physik gehalten wird.
Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum
und Raumbestimmungen. Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft,
sofern sie als Kräfte der sinnlichen Materie angesehen werden, liegen
die hier betrachteten reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und
deren Beziehungen aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil
diese Namen am nächsten liegen, genannt habe, zu Grunde.
Kants
Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kräften, das er eine
Konstruktion nennt, verdient, näher betrachtet, diesen Namen nicht,
wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die analysirende,
eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich spätere
Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das grundloseste
Gebräue einer willkürlichen Einbildungskraft und gedankenlosen
Reflexion, - das besonders die sogenannten Faktoren der Attraktivkraft
und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben vorbrachte, - ein
Konstruiren genannt haben.
Kants Verfahren ist nämlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend. Er setzt die Vorstellung der Materie voraus,
und fragt nun, welche Kräfte dazu gehören, um ihre vorausgesetzten
Bestimmungen zu erhalten. So fordert er also eines Theils die
Attraktivkraft darum, weil durch die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie daseyn könnte.
(Anfangsgr. der Naturwissensch. S. 53f.) Die Repulsion andern Theils,
leitet er gleichfalls aus der Materie ab, und giebt als Grund derselben
an, weil wir uns die Materie undurchdringlich vorstellen, indem diese nämlich dem Sinne des Gefühls, durch den sie sich uns offenbare, sich unter dieser Bestimmung präsentirt. Die Repulsion werde daher ferner sogleich im Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit unmittelbar gegeben sey; die Attraktion dagegen werde derselben durch Schlüsse
beigefügt. Auch diesen Schlüssen aber liegt das so eben Gesagte zu
Grunde, daß eine Materie, die bloß Repulsivkraft hätte, das, was wir
uns unter Materie vorstellen, nicht erschöpfte. - Dieß ist, wie
erhellt, das Verfahren des über die Erfahrung reflektirenden Erkennens,
das zuerst in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun
zu Grunde legt, und für das sogenannte Erklären derselben entsprechende
Grundstoffe oder Kräfte annimmt, welche jene Bestimmungen der
Erscheinung hervorbringen sollen.
In
Ansehung des angeführten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und wie
die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde,
bemerkt Kant weiter, daß die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum Begriffe der Materie gehöre, ob sie gleich nicht darin enthalten sey.
Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht
abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine Bestimmung,
die zum Begriffe einer Sache gehört, muß wahrhaftig darin enthalten seyn.
Was
die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeiführt, besteht
darin, daß Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein einseitig nur
die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die wir durch das Gefühl wahrnehmen
sollen, weswegen die Repulsivkraft, als das Abhalten eines Anderen von
sich, unmittelbar gegeben sey. Wenn aber ferner die Materie ohne
Attraktivkraft nicht soll daseyn können, so liegt für diese
Behauptung eine aus der Wahrnehmung genommene Vorstellung der Materie
zu Grunde; die Bestimmung der Attraktion muß also gleichfalls in der
Wahrnehmung anzutreffen seyn. Es ist auch wohl wahrzunehmen, daß die
Materie außer ihrem Fürsichseyn, welches das Seyn-fur-Anderes aufhebt,
(den Widerstand leistet), auch eine Beziehung des Fürsichseyenden aufeinander, räumliche Ausdehnung und Zusammenhalt,
und in Starrheit, Festigkeit einen sehr festen Zusammenhalt hat. Die
erklärende Physik erfordert zum Zerreißen u.s.f. eines Körpers eine
Kraft, welche starker sey, als die Attraktion
der Theile desselben gegeneinander. Aus dieser Wahrnehmung kann die
Reflexion eben so unmittelbar die Attraktivkraft ableiten, oder sie als
gegeben annehmen, als sie es mit der Repulsivkraft that. In der
That, wenn die kantischen Schlüsse, aus denen die Attraktivkraft
abgeleitet werden soll, betrachtet werden (der Beweis des Lehrsatzes:
daß die Möglichkeit der Materie eine Anziehungskraft als zweite
Grundkraft erfordere a. a. O.), so enthalten sie nichts, als daß durch
die bloße Repulsion die Materie nicht räumlich seyn würde.
Indem die Materie, als Raum erfüllend vorausgesetzt ist, ist ihr die
Kontinuität zugeschrieben, als deren Grund die Anziehungskraft
angenommen wird.
Wenn
nun solche sogenannte Konstruktion der Materie höchstens ein
analytisches Verdienst hätte, das noch durch die unreine Darstellung
geschmälert würde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schätzen, die
Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren
Grundkräften zu erkennen. Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung der
gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen
Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der für-sich-seyenden Punktualität, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Aeußerlichem
macht; - die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine
bewegenden Kräfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch
Einwirkung von Aussen, einräumen will. Diese Aeußerlichkeit des Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie äußerlich vorhanden
voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu fassen, und
sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit für sich als
bewegungslos und als träge angenommen wird. Dieser Standpunkt hat nur
die gemeine Mechanik, nicht die immanente und freie Bewegung vor sich. - Indem Kant jene Aeußerlichkeit zwar insofern aufhebt, als er die Attraktion, die Beziehung
der Materien auf einander, insofern diese als von einander getrennt
angenommen werden, oder der Materie überhaupt in ihrem Außersichseyn,
zu einer Kraft der Materie selbst macht, so bleiben jedoch auf
der anderen Seite seine beiden Grundkräfte, innerhalb der Materie,
äußerliche und für sich selbstständige gegen einander.
So
nichtig der selbstständige Unterschied dieser beiden Kräfte, der ihnen
vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso nichtig muß
sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer Inhaltsbestimmung
als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen, weil sie,
wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur Momente sind, die
in einander übergehen. - Ich betrachte diese fernern
Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt.
Er bestimmt nämlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft, wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch über die Fläche der Berührung hinaus unmittelbar wirken könne, die Repulsivkraft dagegen als eine Flächenkraft,
dadurch Materien nur in der gemeinschaftlichen Fläche der Berührung auf
einander wirken können. Der Grund, der angeführt wird, daß die letztere
nur eine Flächenkraft seyn soll, ist folgender: "Die einander berührenden
Theile begrenzen einer den Wirkungsraum des andern, und die repulsive
Kraft könne keinen entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der
dazwischen liegenden; eine quer durch diese gehende unmittelbare
Wirkung einer Materie auf eine andere durch Ausdehnungskräfte (das
heißt hier Repulsivkräfte) sey unmöglich." (s. ebendas. Erklär. u.
Zusätze S. 67.)
Es ist sogleich zu erinnern, daß, indem nähere oder entferntere Theile der Materie angenommen werden, in Rücksicht auf die Attraktion gleichfalls der Unterschied entstünde, daß ein Atom zwar auf ein anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem und dem ersten Attrahirenden das Andere
sich befände, zunächst in die Anziehungssphäre des dazwischen liegenden
ihm Nähern träte, das Erste also nicht eine unmittelbare einfache
Wirkung auf das Dritte ausüben würde; woraus sich eben so ein
vermitteltes Wirken für die Attractivkraft, als für die Repulsivkraft
ergehe; ferner müßte das wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, daß alle Theile der Materie an und für sich
attrahirend wären, nicht aber eine gewisse Menge passiv und nur Ein
Atom aktiv sich verhielte. - Unmittelbar oder in Rücksicht auf die
Repulsivkraft selbst aber ist zu bemerken, daß in der angeführten
Stelle sich berührende Theile, also eine Gediegenheit und Kontinuität einer fertigen
Materie vorkommt, welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht
gestatte. Diese Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich berühren,
nicht mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn der
Repulsivkraft bereits voraus; sich berührende Theile sind nach der hier
herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche zu nehmen,
die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz tautologisch, daß da, wo
das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist, keine Repulsion Statt
finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter für eine Bestimmung der
Repulsivkraft. - Wird aber darauf reflektirt, daß berührende Theile
sich nur insofern berühren, als sie sich noch außereinander
halten, so ist eben damit die Repulsivkraft nicht bloß auf der
Oberfläche der Materie, sondern innerhalb der Sphäre, welche nur Sphäre
der Attraktion seyn sollte.
Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, daß "durch die Anziehungskraft die Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfüllen;" (ebendas.) "weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfülle, so könne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie,
die dazwischen läge, Grenzen setze." - Jener Unterschied ist ungefähr
wie der obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache
gehören, aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die
Materie einen Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfüllen.
Alsdenn ist es die Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung
stehen bleiben, durch welche sich die Eins abstossen und nur negativ,
das heißt hier, durch den leeren Raum, sich aufeinander beziehen. Hier aber ist es die Attraktivkraft, welche den Raum leer erhält; sie erfüllt den Raum durch ihre Beziehung der Atome nicht, das heißt, sie erhält die Atome in einer negativen Beziehung
auf einander. - Wir sehen, daß hier Kant bewußtlos das begegnet, was in
der Natur der Sache liegt, daß er der Attraktivkraft gerade das
zuschreibt, was er der ersten Bestimmung nach, der entgegengesetzten
Kraft zuschrieb. Unter dem Geschäfte der Festsetzung des Unterschiedes
beider Kräfte, war es geschehen, daß eine in die andere übergegangen
war. - So soll dagegen durch die Repulsion die Materie einen Raum erfüllen,
somit durch sie der leere Raum, den die Attraktivkraft läßt,
verschwinden, In der That hebt sie somit, indem sie den leeren Raum
aufhebt, die negative Beziehung der Atome oder Eins, d. h. die
Repulsion derselben, auf; d. i. die Repulsion ist als das Gegentheil
ihrer selbst bestimmt.
Zu
dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung hinzu,
daß, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der
entgegengesetzten Kräfte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage,
die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll,
bereits als fertig und konstituirt vorkommt. In der Definition der
Flächen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende
Kräfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die
andere Weise sollen wirken können. - Sie sind also hier als Kräfte
dargestellt, nicht durch welche die Materie erst zu Stande käme,
sondern wodurch sie, schon fertig, nur bewegt
würde. Insofern aber von Kräften die Rede ist, wodurch verschiedene
Materien auf einander einwirken und sich bewegen, so ist dieß etwas
ganz anderes, als die Bestimmung und Beziehung, die sie als die Momente
der Materie haben sollten.
Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft.
Diese scheinen einen wesentlichen Unterschied zu gewähren, indem in
ihrer Sphäre Ein Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die
anderen Eins als nicht fürsichseyende verhalten, der Unterschied der
Kräfte daher an diesen vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins
und der anderen als gegen dasselbe nicht feststehend angeknüpft werden
kann. Insofern sie aber zur Erklärung gebraucht werden - zu welchem
Behuf man sie, wie auch sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in
entgegengesetztem quantitativem Verhältniß annimmt, so daß die eine
zunehme, wie die andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung,
für deren Erklärung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit
erst aus ihnen resultiren. Man braucht aber nur die nächste beste
Darstellung einer Erscheinung, z. B. die ungleiche Geschwindigkeit, die
ein Planet in seiner Bahn um seinen Centralkörper hat, aus dem
Gegensatze jener Kräfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die
Verwirrung, die darin herrscht, und die Unmöglichkeit, die Größen
derselben auseinander zu bringen, so daß immer eben so diejenige als
zunehmend anzunehmen ist, welche in der Erklärung als abnehmend
angenommen wird, und umgekehrt; was, um anschaulich gemacht zu werden,
einer weitläufigern Exposition bedürfte, als hier gegeben werden
könnte; aber das Nöthige kommt späterhin beim umgekehrten Verhältniß vor.
Der
Unterschied der Quantität von der Qualität ist angegeben worden. Die
Qualität ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantität die
Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgültig geworden, eine Grenze, die eben
so sehr keine ist; das Fürsichseyn, das schlechthin identisch mit dem
Seyn-für-Anderes, - die Repulsion der vielen Eins, die unmittelbar
Nicht-Repulsion, Kontinuität derselben ist.
Weil
das Fürsichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht
auszuschließen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ
fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser Kontinuität wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben zugleich
nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr unmittelbare
Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt, sich als
repellirend von sich, die Beziehung auf sich als Bestimmtheit vielmehr
in einem anderen Daseyn (einem für-sich-seyenden) zu haben, und indem
sie zugleich als gleichgültige in sich reflektirte,
beziehungslose Grenzen sind, so ist die Bestimmtheit überhaupt außer
sich, ein sich schlechthin Aeußerliches und Etwas ebenso Aeußerliches; solche Grenze, die Gleichgültigkeit derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie, macht die quantitative Bestimmtheit desselben aus.
Zunächst ist die reine Quantität von ihr als bestimmter Quantität, vom Quantum, zu unterscheiden. Als jene ist sie erstens
das in sich zurückgekehrte, reale Fürsichseyn, das noch keine
Bestimmtheit an ihm hat; als gediegene sich in sich kontinuirende
unendliche Einheit.
Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird, als solche, die zugleich keine, nur äußerliche ist. Sie wird Quantum.
Das Quantum ist die gleichgültige Bestimmtheit, d. h. die über sich
hinausgehende, sich selbst negirende; es verfällt als dieß Andersseyn
des Andersseyn in den unendlichen Progreß. Das unendliche Quantum aber ist die aufgehobene gleichgültige Bestimmtheit, es ist die Wiederherstellung der Qualität.
Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative Verhältniß.
Das Quantum geht nur überhaupt über sich hinaus; im Verhältnisse aber
geht es so über s sich in sein Andersseyn hinaus, daß dieses, in
welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein anderes Quantum
ist; somit sein In-sich-zurückgekehrtseyn und die Beziehung auf sich
als in seinem Andersseyn vorhanden ist.
Diesem Verhältnisse liegt noch die Aeußerlichkeit des Quantums zu Grunde, es sind gleichgültige
Quanta, die sich zu einander verhalten, d. i. ihre Beziehung auf sich
selbst in solchem Außersichseyn haben; - das Verhältniß ist damit nur
formelle Einheit der Qualität und Quantität. Die Dialektik desselben
ist sein Uebergang in ihre absolute Einheit, in das Maaß.
Am
Etwas ist seine Grenze als Qualität wesentlich seine Bestimmtheit. Wenn
wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z. B. ein
Acker diese seine Grenze verändert, so bleibt er Acker vor wie nach.
Wenn hingegen seine qualitative Grenze verändert wird, so ist dieß
seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese, Wald
u.s.f. -
Ein
Roth, das intensiver oder schwächer ist, ist immer Roth; wenn es aber
seine Qualität änderte, so hörte es auf Roth zu seyn, es würde Blau
u.s.f. - Die Bestimmung der Größe als Quantum, wie sie sich oben ergeben hat, daß ein Seyn als Bleibendes zu Grunde liegt, das gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgültig ist, ergiebt sich an jedem anderen Beispiel.
Unter dem Ausdruck Größe wird das Quantum,
wie an den angegebenen Beispielen, verstanden, nicht die Quantität,
weswegen wesentlich dieser Name aus der fremden Sprache gebraucht
werden muß.
Die Definition, welche in der Mathematik von der Größe gegeben wird, betrifft gleichfalls das Quantum. Gewöhnlich wird eine Größe definirt, als etwas, das sich vermehren oder vermindern läßt. Vermehren aber heißt, etwas mehr groß, vermindern weniger groß machen. Es liegt darin ein Unterschied
der Größe überhaupt von ihr selbst, und die Größe wäre also das, dessen
Größe sich verändern läßt. Die Definition zeigt sich insofern als
ungeschickt, als in ihr diejenige Bestimmung selbst gebraucht wird,
welche definirt werden sollte. Insofern in ihr nicht dieselbe
Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das Mehr und Weniger
in einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der Natur des Quantums
als eine gleichfalls äußerliche, und in ein Wegnehmen, als eine ebenso
äußerliche Negation, aufzulösen. Zu dieser äußerlichen Weise sowohl der Realität als der Negation bestimmt sich überhaupt die Natur der Veränderung
am Quantum. Daher ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das Hauptmoment
nicht zu verkennen, worauf es ankommt; nämlich die Gleichgültigkeit der
Veränderung, so daß in ihrem Begriff selbst ihr eigenes Mehr Minder
liegt, ihre Gleichgültigkeit gegen sich selbst.
Die
Quantität ist das aufgehobene Fürsichseyn; das repellirende Eins, das
sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die Beziehung
mit demselben übergegangen, verhält sich identisch zu dem Andern, und
hat damit seine Bestimmung verloren; das Fürsichseyn ist in Attraktion
übergegangen. Die absolute Sprödigkeit des repellirenden Eins ist in
diese Einheit zerflossen, welche aber als dieß Eins enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich bestimmt, als Einheit des Außersichseyns Einheit mit sich selbst ist. Die Attraktion ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuität in der Quantität.
Die Kontinuität ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf sich, die durch keine Grenze und Ausschließung unterbrochen ist, aber nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fürsichseyenden Eins. Es ist darin das Außereinander der Vielheit noch enthalten, aber zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes.
Die Vielheit ist in der Kontinuität so gesetzt, wie sie an sich ist;
die Vielen sind Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die
Vielheit daher einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die Kontinuität
ist dieses Moment der Sichselbstgleichheit des Außereinanderseyns, das Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in ihre von ihnen Unterschiedene.
Unmittelbar hat daher die Größe in der Kontinuität das Moment der Diskretion,- die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantität ist. - Die Stätigkeit ist Sichselbstgleichheit
aber des Vielen, das jedoch nicht zum Ausschließenden wird; die
Repulsion dehnt erst die Sichselbstgleichheit zur Kontinuität aus. Die
Diskretion ist daher ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren
Eins nicht das Leere, das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern
ihre eigne Stätigkeit, und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen
nicht unterbrechen.
Die Quantität ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuität und Diskretion, aber sie ist dieß zunächst in der Form des einen derselben, der Kontinuität,
als Resultat der Dialektik des Fürsichseyns, das in die Form
sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit zusammengefallen ist. Die
Quantität ist als solche dieß einfache Resultat, insofern es seine
Momente noch nicht entwickelt und an ihm gesetzt hat. - Sie enthält
sie zunächst, als das Fürsichseyn gesetzt, wie es in Wahrheit ist. Es
war seiner Bestimmung nach das sich aufhebende Beziehen auf sich
selbst, perennirendes Außersichkommen. Aber das Abgestoßene ist es
selbst; die Repulsion ist daher das erzeugende Fortfließen seiner
selbst. Um der Dieselbigkeit willen des Abgestoßenen ist dieß
Discerniren, ununterbrochene Kontinuität; und um des Außersichkommens
willen, ist diese Kontinuität, ohne unterbrochen zu seyn, zugleich
Vielheit, die eben so unmittelbar in ihrer Gleichheit mit sich selbst
bleibt.
Die
reine Quantität hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht Quantum;
auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze nicht
beschränkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze nicht
beschränkt zu seyn, das Fürsichseyn als ein Aufgehobenes in sich zu
haben. Daß die Diskretion Moment in ihr ist, kann so ausgedrückt
werden, daß die Quantität schlechthin in ihr allenthalben die reale Möglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben so schlechthin nur als kontinuirliches ist.
Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuität leicht zur Zusammensetzung, nämlich einer äußerlichen
Beziehung der Eins aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten
Sprödigkeit und Ausschließung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins
gezeigt, daß es an und für sich selbst, in die Attraktion, in seine
Idealität übergeht, und daß daher die Kontinuität ihm nicht äußerlich
ist, sondern ihm selbst angehört, und in seinem Wesen gegründet ist.
Diese Aeußerlichkeit der Kontinuität für die Eins ist es
überhaupt, an der die Atomistik hängen bleibt, und die zu verlassen die
Schwierigkeit für das Vorstellen macht. - Die Mathematik dagegen
verwirft eine Metaphysik, welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum
überhaupt oder zunächst die Linie aus Raumpunkten, die Fläche aus
Linien, den ganzen Raum aus Flächen bestehen lassen wollte; sie
läßt solche unkontinuirliche Eins nicht gelten. Wenn sie auch z. B. die
Größe einer Fläche so bestimmt, daß sie als die Summe von unendlich vielen Linien vorgestellt wird, gilt diese Diskretion nur als momentane Vorstellung, und in der unendlichen
Vielheit der Linien, da der Raum, den sie ausmachen sollen, doch ein
beschränkter ist, liegt schon das Aufgehobenseyn ihrer Diskretion.
Den Begriff der reinen Quantität gegen die bloße Vorstellung hat Spinoza,
dem es vorzüglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er (Eth. P. I.
Prop. XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantität spricht:
#L+
Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet sive
superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia, quod
a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus, prout in
imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit, reperietur
finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad ipsam, prout in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus substantia est, concipimus, quod difficillime fit, - infinita, unic et indivisibilis reperietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem et intellectum distiuguere sciverint, satis manifestum erit. #L-
Bestimmtere
Beispiele der reinen Quantität, wenn man deren verlangt, hat man an
Raum und Zeit, auch der Materie überhaupt, Licht u.s.f. selbst Ich, nur
ist unter Quantität, wie schon bemerkt, nicht das Quantum zu verstehen.
Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen, Vielheiten, die ein
Außer-sich-gehen, ein Strömen sind, das aber nicht ins
Entgegengesetzte, in die Qualität oder das Eins übergeht, sondern als
Außersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer Einheit sind. Der Raum ist dieß absolute Außersichseyn,
das eben so sehr schlechthin ununterbrochen, ein Anders- und
Wieder-Andersseyn, das identisch mit sich ist; die Zeit ein absolutes Außersichkommen, ein Erzeugen des Eins, Zeitpunktes, des Jetzt,
das unmittelbar das Zunichtewerden desselben und stätig wieder das
Zunichtewerden dieses Vergebens ist, so daß dieß sich Erzeugen des
Nichtseyns eben so sehr einfache Gleichheit und Identität mit sich ist.
Was die Materie als Quantität betrifft, so befindet sich unter den sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierüber, die zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et quantitatem esse realiter idem.
- In der That sind diese Begriffe auch nicht weiter verschieden, als
darin, daß die Quantität die reine Denkbestimmung, die Materie aber
dieselbe in äußerlicher Existenz ist. - Auch dem Ich kommt die
Bestimmung der reinen Quantität zu, als es ein absolutes Anderswerden,
eine unendliche Entfernung oder allseitige Repulsion zur negativen
Freiheit des Fürsichseyns ist, aber welche schlechthin einfache
Kontinuität bleibt, - die Kontinuität der Allgemeinheit, oder des
Beisichseyns, die durch die unendlich mannigfaltigen Grenzen, den
Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s.f. nicht unterbrochen wird. -
Welche sich dagegen sträuben, die Vielheit als einfache Einheit zu fassen, und außer dem Begriffe,
daß von den Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, nämlich eins der
Vielen, - indem nämlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von
Grünem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-für-sich
betrachtet, die Rede ist, - auch eine Vorstellung von dieser
Einheit verlangen, die finden dergleichen hinlänglich an jenen
Stätigkeiten, die den deducirten Begriff der Quantität in einfacher
Anschauung als vorhanden geben.
In die Natur der Quantität, diese einfache Einheit der Diskretion und der Kontinuität zu seyn, fällt der Streit oder die Antinomie der unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f.
Diese
Antinomie besteht allein, darin daß die Diskretion eben so sehr als die
Kontinuität behauptet werden muß. Die einseitige Behauptung der
Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit ein Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der Kontinuität dagegen die unendliche Theilbarkeit.
Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier (kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz betrifft, den die Momente der Quantität ausmachen.
Diese
kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der kritischen
Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der vorhergehenden
Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptübergang in die neuere
Philosophie angesehen werden können, indem sie insbesondere die
Ueberzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit von
Seite des Inhalts herbeiführen halfen, - was ein richtigerer Weg ist, als der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur dieß
ihr Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an ihnen
selbst sind. Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese Darstellung
sehr unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und verschroben,
Theils schief in Ansehung ihres Resultats, welches voraussetzt, daß das
Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe, als endliche
Kategorien. - In beider Rücksicht verdienen diese Antinomien eine
genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und Methode näher
beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt, von der
unnützen Form, in die er hineingezwängt ist, befreien wird.
Zunächst
bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmologischen Antinomien durch das
Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der Kategorien hernahm,
einen Schein von Vollständigkeit geben wollte. Allein die tiefere
Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in die dialektische Natur
der Vernunft zeigt überhaupt jeden Begriff als Einheit
entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form antinomischer
Behauptungen geben könnte. Werden, Daseyn u.s.f. und jeder andere
Begriff könnte so seine besondere Antinomie liefern, und also so viele
Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe ergeben. - Der alte
Skepticismus hat sich die Mühe nicht verdrießen lassen, in allen
Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand, diesen Widerspruch
oder die Antinomie aufzuzeigen.
Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern in der schon konkreten Form
kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt. Um die Antinomie rein zu haben
und sie in ihrem einfachen Begriffe zu behandeln, mußten die
Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und Vermischung mit der
Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der Materie u.s.f. genommen,
sondern ohne diesen konkreten Stoff, der keine Kraft noch Gewalt dabei
hat, rein für sich betrachtet werden, indem sie allein das Wesen und
den Grund der Antinomien ausmachen.
Kant
giebt diesen Begriff von den Antinomien, daß sie "nicht sophistische
Künsteleien seyen, sondern Widersprüche, auf welche die Vernunft
nothwendig stoßen (nach kantischem Ausdrucke) müsse;" - was
eine wichtige Ansicht ist. - "Von dem natürlichen Scheine der
Antinomien werde die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar
nicht mehr hintergegangen, aber immer noch getäuscht." - Die kritische
Auflösung nämlich durch die sogenannte transcendentale Idealität der
Welt der Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den
sogenannten Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er
freilich noch immer derselbe Schein, d. h. so unaufgelöst bleibt als
vorher. Ihre wahrhafte Auflösung kann nur darin bestehen, daß zwei
Bestimmungen, indem sie entgegengesetzt und einem und demselben
Begriffe nothwendig sind, nicht in ihrer Einseitigkeit, jede für sich,
gelten können, sondern daß sie ihre Wahrheit nur in ihrem
Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres Begriffes haben.
Die Kantischen Antinomien näher betrachtet, enthalten nichts anders, als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, für sich isolirt
von der andern. Aber dabei ist diese einfache kategorische oder
eigentlich assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerüste
von Raisonnement eingehüllt, wodurch ein Schein von Beweisen
hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt und
unkenntlich gemacht werden soll; wie sich dieß bei der nähern
Betrachtung derselben zeigen wird.
Die Antinomie, die hierher gehört, betrifft die sogenannte unendliche Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente der Kontinuität und Diskretion, welche der Begriff der Quantität in sich enthält.
Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so:
Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen Theilen, und es existirt überall nichts als das Einfache, oder was aus diesem zusammengesetzt ist.
Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte
gegenübergestellt, was gegen das Stätige oder Kontinuirliche eine sehr
zurückstehende Bestimmung ist. - Das Substrat, das diesen Abstraktionen
gegeben ist, nämlich Substanzen der Welt, heißt hier weiter nichts, als
die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und hat auf das
Antinomische selbst keinen Einfluß, es konnte eben so gut auch Raum
oder Zeit genommen werden. - Indem nun die Thesis nur von Zusammensetzung statt von Kontinuität lautet, so ist sie eigentlich sogleich ein analytischer oder tautologischer Satz. Daß das Zusammengesetzte nicht an und für sich Eines, sondern nur ein äußerlich Verknüpftes ist, und aus Anderem besteht,
ist seine unmittelbare Bestimmung. Das Andere aber des
Zusammengesetzten ist das Einfache. Es ist daher tautologisch, zu
sagen, daß das Zusammengesetzte aus Einfachem besteht. - Wenn einmal
gefragt wird, aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen verlangt, dessen Verbindung
jenes Etwas ausmache. Läßt man die Dinte wieder aus Dinte bestehen, so
ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen aus Anderem verfehlt, sie ist
nicht beantwortet und wiederholt sich nur. Eine weitere Frage ist dann,
ob das, wovon die Rede ist, aus etwas bestehen soll, oder
nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin ein solches, das ein
Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll. - Wird das Einfache,
welches das Andere des Zusammengesetzten sey, nur für ein relativ-Einfaches
genommen, das für sich wieder zusammengesetzt sey, so bleibt die Frage
vor wie nach. Der Vorstellung schwebt etwa nur dieß oder jenes
Zusammengesetzte vor, von dem auch dieß oder jenes Etwas als sein Einfaches angegeben würde, was für sich ein Zusammengesetztes wäre. Aber hier ist von dem Zusammengesetzten als solchem die Rede.
Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie alle kantischen Beweise der übrigen antinomischen Sätze, den Umweg, der sich als sehr überflüssig zeigen wird, apogogisch zu seyn.
"Nehmet
an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen beständen nicht aus
einfachen Theilen; so würde, wenn alle Zusammensetzung in Gedanken aufgehoben
würde, kein zusammengesetzter Theil und da es (nach der so eben
gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt, auch kein einfacher,
mithin gar nichts übrig bleiben, folglich keine Substanz seyn gegeben
worden." -
Diese
Folgerung ist ganz richtig: wenn es nichts als Zusammengesetztes giebt,
und man denkt sich alles Zusammengesetzte weg, so hat man gar nichts
übrig; - man wird dieß zugeben, aber dieser tautologische Ueberfluß
konnte wegbleiben, und der Beweis sogleich mit dem anfangen, was darauf
folgt, nämlich: "Entweder läßt sich unmöglich alle Zusammensetzung in
Gedanken aufheben, oder es muß nach deren Aufhebung etwas ohne
Zusammensetzung bestehendes, d. i. das Einfache, übrig bleiben."
"Im erstern Fall aber würde das Zusammengesetze wiederum nicht aus Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine zufällige Relation der Substanzen ist, ohne welche diese als für sich beharrliche Wesen, bestehen müssen.) - Da nun dieser Fall der Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der
zweite übrig: daß nämlich das substantielle Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Theilen bestehe."
Derjenige
Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die Hauptsache
ausmacht, gegen welche alles bisherige völlig überflüssig ist. Das
Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das Bleibende,
oder nicht, sondern das Einfache. Wäre das Erstere, nämlich das
Zusammengesetze, das Bleibende, so wäre das Bleibende nicht die
Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur zufällige Relation; aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das, was bleibt, das Einfache.
Es
erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die
zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar
jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die Zusammensetzung bloß eine zufällige
Relation der Substanzen ist, welche ihnen also äußerlich ist, und die
Substanzen selbst nichts angeht. - Hat es mit der Zufälligkeit der
Zusammensetzung seine Richtigkeit, so ist das Wesen Freilich das
Einfache. Diese Zufälligkeit aber, auf welche es allein ankommt, wird
nicht bewiesen, sondern geradezu, und zwar im Vorbeigehen in Parenthese
angenommen, als etwas das sich von selbst versteht oder eine Nebensache
ist. Es versteht sich zwar allerdings von selbst, daß die
Zusammensetzung die Bestimmung der Zufälligkeit und Aeußerlichkeit ist;
aber wenn es sich nur um ein zufälliges Zusammen handeln sollte statt
der Kontinuität, so war es nicht der Mühe werth, darüber eine Antinomie
aufzustellen, oder vielmehr es ließ sich gar keine aufstellen; die
Behauptung der Einfachheit der Theile ist alsdenn, wie erinnert, nur
tautologisch.
In
dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst
vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kürzer läßt sich daher der
Beweis so fassen:
Man nehme an, die Substanzen bestünden nicht aus einfachen
Theilen, sondern seyen nur zusammengesetzt. Nun aber kann man alle
Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine zufällige
Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine Substanzen übrig,
wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestünden. Substanzen aber müssen
wir haben, denn wir haben sie angenommen; es soll uns nicht alles
verschwinden, sondern Etwas übrig bleiben, denn wir haben ein solches
Beharrliches, das wir Substanz nannten, vorausgesetzt; dieß Etwas muß
also einfach seyn.
Es gehört noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet folgendermaßen:
"Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesammt einfache Wesen seyn, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben sey, und daß die Vernunft die Elementarsubstanzen als einfache Wesen denken müsse."
Hier sehen wir die Aeußerlichkeit d. i. Zufälligkeit der Zusammensetzung als Folge aufgeführt, nachdem sie vor her im Beweise parenthetisch eingeführt und in ihm gebraucht worden war.
Kant
protestirt sehr, daß er bei den widerstreitenden Sätzen der Antinomie
nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege) einen
Advokatenbeweis zu führen. Der betrachtete Beweis ist nicht so sehr
eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnützen gequälten
Geschrobenheit, die nur dazu dient, die äußere Gestalt eines Beweises
hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu
lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese
der Angel des Beweises ist, daß überhaupt kein Beweis, sondern nur eine
Voraussetzung vorhanden ist.
Die Antithesis lautet:
Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen, und es existirt überall nichts Einfaches in derselben.
Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere Weise eben so tadelhaft als der vorige.
"Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe aus einfachen Theilen. Weil alles äußere Ve
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