Robert Kurz

Abstrakte Arbeit und Sozialismus

Zur Marx'schen Werttheorie und ihrer Geschichte


1. Das Schicksal der Werttheorie im traditionellen Marxismus

Die Marx'sche Kritik der politischen konomie beginnt nicht im 
kruden Sinne historisch, sondern mit einem Resultat: mit der WARE 
als der "Elementarform" des Reichtums in "Gesellschaften in denen 
kapitalistische Produktionsweise herrscht". Die Ware ist diese 
Elementarform des Reichtums aber in doppelter, GEGENSTZLICHER 
Form. Soweit sie ntzliches Ding oder "Gebrauchswert" ist, teilt 
sie diese Eigenschaft mit anderen Arbeitsprodukten in anderen ver-
gangenen und zuknftig denkbaren Gesellschaften. Der Gebrauchswert 
als solcher stellt eine immer und berall gltige Wesensbestimmung 
gesellschaftlicher Arbeit dar und mu daher auch der Ware immanent 
sein. Dies verbindet die warenproduzierende Produktionsweise mit 
allen brigen. Was die Distinktheit und historische Besonderheit 
der Ware ausmacht, ist aber gerade ihr "WERT" als zum Gebrauchs-
wert gegenstzliche gesellschaftliche Form. Zweifellos ist die 
Marx'sche Werttheorie von allen bisherigen die entwickeltste und 
stringenteste, wie selbst die meisten Gegner zugeben. Die brger-
liche politische konomie hat die Werttheorie praktisch berhaupt 
aufgegeben und im krassen Gegensatz zu ihren eigenen Klassikern 
zur bloen "Metaphysik" erklrt, was einer bedingungslosen Kapitu-
lation vor dem Marxschen Angriff gleichkommt. Nachdem gerade der 
Wert und damit das Spezifikum der kapitalistischen Produktionswei-
se unwiderlegbar als historische und vergngliche Besonderheit 
herausgearbeitet war, mute die brgerliche Wissenschaft jedes In-
teresse an einer Wertheorie verlieren und diesen Ansatz fallen 
lassen wie eine heie Kartoffel.

Man sollte meinen, da damit die Werttheorie als Zentrum des 
Marx'schen Werkes zur theoretischen Hauptwaffe der alten Arbeiter-
bewegung und des auf diesem Boden sich entwickelnden traditionel-
len "Marxismus" htte werden mssen. Aber weit gefehlt. Kein Teil 
des theoretischen Gebudes von Marx hat fr die Marxisten weniger 
wirkliche Bedeutung gehabt als das Fundament der Werttheorie. Die 
meisten politischen, strategischen und programmatischen Schlufol-
gerungen der Marxisten standen in keinerlei organischer Beziehung 
zu der von Marx geleisteten Kritik des Wertes. Von Zeit zu Zeit 
wurde sogar, von Gegnern wie Anhngern, grundstzlich bestritten, 
da man berhaupt auf dem Boden der Marxschen Werttheorie stehen 
msse, um "Marxist" zu sein.(1) 

Dieses auf den ersten Blick erstaunliche Phnomen verdient es, 
nher untersucht zu werden. Inhaltlich macht sich die geringe Re-
levanz der fundamentalen Werttheorie fr den bisherigen Marxismus 
vor allem an zwei Punkten fest. Zum einen war es nicht so sehr der 
Wert, was von elementarem Interesse schien, sondern vielmehr der 
MEHRWERT. Der Wert als solcher wurde mit drren, definitorischen, 
unkritisch verstandenen Bestimmungen platt als pure Selbstver-
stndlichkeit vorausgesetzt. Diese Haltung mute sich allerdings 
notwendig aus einer bestimmten Entwicklungsstufe des kapitalisti-
schen Wertverhltnisses als einer historisch-gesellschaftlichen 
Praxis ergeben, wie sie die empirischen Lebensumstnde der Arbei-
terklasse noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein beherrscht hat. 
Einerseits hatte sich schon seit dem 15. Jahrhundert in groen 
Schben die Warenproduktion entwickelt und das Wertverhltnis ten-
denziell verallgemeinert, freilich erst fr den Einzelnen in Teil- 
oder Randbereichen seiner Reproduktion. In diesem Proze der Aus-
dehnung des Wertverhltnisses war andererseits die Lohnarbeit zu-
nchst nur punktuell aufgeschossen; die ersten groen Manufakturen 
wurden bezeichnenderweise mit Strflingen betrieben (vgl. 
Kuczynski 1967). Ein groer Teil der Warenproduktion spielte sich 
also ber lange Zeitrume hauptschlich zwischen handwerklichen 
und buerlichen Kleinproduzenten auf der Basis von Eigenarbeit ab. 
Noch in den entwickeltsten westlichen Lndern hatte das Kapital zu 
Beginn des 20. Jahrhundert keineswegs alle inneren Produktions-
zweige erfat. Die wirkliche und fast totale Verallgemeinerung der 
Lohnarbeit setzt erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Die tradi-
tionelle Arbeiterklasse und ihre Bewegung war daher noch stark von 
einem handwerklichen Bewutsein geprgt, besonders in Gestalt der 
Facharbeiter, die auch berall den fhrenden Kern stellten. In ih-
rem Bewutsein schnitten sich die frische Erinnerung an ein Produ-
zentendasein ohne kommandierendes Geldkapital, der eigene Arbeits-
stolz als handwerklich qualifizierter Arbeiter innerhalb des Fa-
briksystems und die unmittelbare Anschauung groer Sektoren selb-
stndiger Produzenten, wie sie um den kapitalistischen Sektor 
herum noch lange weiterexistierten: "Die Lebenserwartungen des Ar-
beiters waren durchaus kleinbrgerlich geprgt ..." (Grebing 1962, 
S. 125). Fr dieses Bewutsein war es durchaus nicht der Kritik 
fhig, da der Arbeiter "Werte" schafft, sondern ganz im Gegenteil 
Ausdruck des eigenen positiven Selbstverstndnisses. Entsprechend 
positiv statt kritisch stellte sich die Marxsche Werttheorie fr 
den traditionellen Marxismus dar. Wenn Kautsky oder spter Lenin 
die "Arbeitswerttheorie" gegen die Grenznutzenschule oder andere 
brgerliche Kritiker verteidigten, so immer sub specie der Affir-
mation des "werteschaffenden" Arbeiters, nicht etwa der Kritik des 
Werts als einer negativen, zerstrerischen Potenz. Die Verwissen-
schaftlichung der Produktion und damit die reelle Subsumtion der 
Lohnarbeit unter das Kapital war noch nicht weit genug fortge-
schritten, um dieses Selbstbewutsein zu erschttern.

Unter diesen Bedingungen mute sich die Kritik der Lohnarbeit 
auf die Kritik des in einem kruden Sinne verstandenen Mehrwerts 
beschrnken. Die Arbeiter wollten nicht wirklich die Wert- und Wa-
renform der Produktion loswerden, sondern blo das ihnen im Nacken 
sitzende Geldkapital; dies entsprach einem von heute aus gesehen 
erst relativ unentwickelten Vergesellschaftungszustand, in dem die 
verwissenschaftlichten Aggregate unmittelbarer Gesellschaftlich-
keit (Institutionen von Wissenschaft, allgemeiner Ausbildung, 
Technologie, Infrastruktur und gesellschaftliche Logistik der Pro-
duktion) noch keine so dominierende Rolle spielten und die Arbei-
ter eines einzelnes Betriebes diesen auch leicht 
"selbstorganisiert" htten fhren und betreiben knnen als quasi 
kollektiver Handwerksmeister auf Basis der Warenproduktion. Die 
Alternative zum Kapitalverhltnis schien nicht die Aufhebung des 
Werts als solchen zu sein, sondern eine genossenschaftliche Waren-
produktion. Der GENOSSENSCHAFTSSOZIALISMUS in seinen zahlreichen 
Spielarten reflektiert diese "mittlere", noch lange nicht ausge-
reifte Stufe kapitalistischer Vergesellschaftung.

Wie sich in diesem Zusammenhang die Begriffe der Klassengesell-
schaft und der Ausbeutung in eine krude Vorstellung von "arm" und 
"reich" auf der bewutlos vorausgesetzten Basis des Werts verwan-
delten, so der Begriff des Mehrwerts in die Vorstellung einer be-
wut vom Kapital vollzogenen Vorenthaltung des "vollen Arbeitser-
trags", ein Verstndnis, das davon zeugt, wie ungebrochen der 
handwerkliche Geist war und wie zum Greifen nah dem Arbeiter noch 
seine Produktionsmittel. Marx dagegen, der von der Logik des Ver-
gesellschaftungs- und Verwissenschaftlichungsprozesses aus dachte, 
hatte diese Vorstellungswelt, wie sie der Lasalleanismus noch in 
purer Form reprsentierte, in seiner (lange unterschlagenen) "Kri-
tik des Gothaer Programms" heftig angegriffen. Aber auch der "Mar-
xismus" mute von dem historisch bedingten Bewutsein der fortge-
schrittenen Arbeiter gefrbt werden; es resultiert daraus eine bis 
heute dominierende, verkrzende Lesart. Die Affirmation des "wer-
teschaffenden" Arbeiters lie den Mehrwert nicht als das moderne 
DASEIN des Werts erscheinen, sondern vielmehr als eine uerlich 
zum Wertverhltnis HINZUTRETENDE Kategorie. Wenn die Aufhebung des 
Mehrwerts nicht die Erstattung des "vollen Arbeitsertrags" bedeu-
tete, dann schien sie in diesem Verstndnis berhaupt keinen Sinn 
mehr zu machen. Bernstein wendet die Marxsche Argumentation daher 
prompt in eine Rechtfertigung des Kapitalverhltnisses (vgl. Bern-
stein 1923).

Der Begriff der Ausbeutung mute so unbewut auch in ein persn-
liches Herrschaftsverhltnis, eine direkte Herrschaftsbeziehung 
von Menschen zurckbersetzt werden ("Willkr" des Kapitalisten 
als Agitationsphrase). In soziologistischer Verflachung bekamen 
die Klassen ein unabhngiges und selbstndiges Dasein "neben" dem 
Begriff des Werts; nicht zufllig rangiert z.B. in Lenins Artikel 
"Karl Marx" (1913) der "Klassenkampf" als quasi selbstndige Enti-
tt logisch VOR der Werttheorie, die nur eine allgemeine "konomi-
sche Lehre" nachschiebt (Lenin 1970). Die Klassen sind nicht, wie 
im logischen Aufbau des Marxschen Werkes, aus dem Wert und seiner 
Bewegung abgeleitet, sondern erscheinen als in ihrem Handeln selb-
stndig gegenber dem Wert, eine Herangehensweise, die Tr und Tor 
ffnet fr politizistische Miverstndnisse der Kritik der politi-
schen konomie.(2) 

Der "westliche Marxismus" hat diese Verkrzung der Marxschen 
Theorie nicht berwunden, eher im Gegenteil noch befestigt und 
ausgebaut. Nicht auf das Zentrum der Kritik des Werts wurde zu-
rckgegriffen, sondern auf das unabhngig davon verstandene "Sub-
jekt", sei es das kollektive oder das individuelle. Das Subjekt 
aber, das sich nicht als durch den Wert gesetzt begreift und des-
sen Aufhebung als conditio sine qua non seiner eigenen Befreiung, 
mu ein abstraktes brgerliches Subjekt bleiben. Wie wenig der mo-
derne "westliche Marxismus" den traditionellen berwindet, zeigt 
sich gerade dort, wo er selber die Kritik der politischen konomie 
zu rekonstruieren versuchte. So ist nach Louis Althusser die Marx-
sche Werttheorie keineswegs das logische Fundament der Mehrwert-
theorie, letztere somit auch keine Konsequenz aus ersterer. Viel-
mehr sei die Lehre vom Mehrwert eine "wissenschaftliche Theorie 
dessen, was die Proletarier tagtglich erfahren: die Ausbeutung 
ihrer Klasse" (Althusser 1973, S. 88). Es zeigt sich so, sogar 
noch expliziter, dieselbe Verkrzung, wie sie schon im traditio-
nellen Marxismus angelegt war, und hinter dem scheinbaren struktu-
ralistischen Objektivismus kommt die abstrakte Subjektivitt fast 
aller neueren marxistischen Theoriebildung zum Vorschein(3) .

Es mu in diesem Zusammenhang auf ein Zitat von Marx aus dem 
Jahre 1859 aufmerksam gemacht werden: "Den Physiokraten jedoch, 
wie ihren Gegnern, ist die brennende Streitfrage nicht sowohl, 
welche Arbeit den WERT, sondern welche den MEHRWERT schaffe. Sie 
behandeln also das Problem in komplizierter Form, bevor sie es in 
seiner elementarischen Form gelst hatten, wie der geschichtliche 
Gang aller Wissenschaften durch eine Masse Kreuz- und Querzge 
erst zu ihren wirklichen Ausgangspunkten fhrt." (Marx 1968, 
S. 55). Die Ironie der Geschichte besteht offenbar darin, da sich 
dieser Gang der Wissenschaft auf dem Boden des Marxismus noch ein-
mal in anderer Form wiederholt, wie berhaupt die alte Arbeiterbe-
wegung alle Momente der BRGERLICHEN Emanzipation noch einmal auf 
hherer Stufenleiter der kapitalistischen Vergesellschaftung in 
"proletarischer" oder "marxistischer" Gestalt durchluft, ohne 
ber die Wertkategorie und damit das Kapitalverhltnis hinauskom-
men zu knnen.

Zum zweiten aber war es das "Wertgesetz", das fr den traditio-
nellen Marxismus im Unterschied zur Theorie des Werts selber sich 
als Gegenstand der Kritik und Auseinandersetzung bewhrte. Auf den 
ersten Blick mag sich auch diese Aussage seltsam anhren. "Wert" 
und "Wertgesetz" sind jedoch durchaus nicht unmittelbar dasselbe. 
Das Wertgesetz bezeichnet gewhnlich die Form, in der sich ber 
die Wertkategorie die "Allokation der Ressourcen", die gesell-
schaftliche Proportionalitt der Verteilung von Arbeitskraft und 
Produktionsmitteln auf die einzelnen Produktionszweige durchsetzt. 
Es ist also zu begreifen als die indirekte Form gesellschaftlicher 
REGULIERUNG, deren zentrale Instanz der MARKT darstellt. Der Topos 
des traditionellen Marxismus und der alten Arbeiterbewegung in 
dieser Hinsicht ist bekanntlich derjenige von der "Anarchie des 
Marktes". In dieser Bestimmung lst sich das "Wertgesetz" weitge-
hend auf. Wie schon der Mehrwert der Wertkategorie selber uer-
lich hinzutretend miverstanden wurde, so also auch das Wertgesetz 
als "anarchisches Prinzip der Konkurrenz". Die Anarchie des Mark-
tes wurde ebensowenig wie der Mehrwert als das wirkliche Dasein 
des Werts selber begriffen, sondern als eine uere, fehlerhafte 
Folge des auf Profit gerichteten Handelns der Kapitalisten. Dieses 
"marxistische" Denken reflektierte die noch von Marx beschriebenen 
Krisen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die groe Depression am 
Ende der Grnderzeit (1874 bis 1879), die kleineren konjunkturel-
len Stockungen vor dem 1. Weltkrieg und schlielich die groe 
Weltwirtschaftskrise (1929 bis 1933). Zentraler Ansatz der Kritik 
war jedoch grundstzlich nicht die Wertkategorie selber, sondern 
vor allem der "blinde Marktmechanismus". Wie es mglich schien, 
den "werteschaffenden" Arbeiter vom fehlerhaften Prinzip des Mehr-
werts zu befreien, so auch die weiterhin auf dem Wert beruhende 
gesellschaftliche Reproduktion von der krisenhaften "blinden" 
Marktregulierung. Die Krisentheorien von Kautsky ebenso wie von 
Rosa Luxemburg blieben noch ganz auf den "Marktmechanismus" oder 
die "Realisierung des Mehrwerts" fixiert Unterkonsumtions- und 
Disproportionalittstheorie (Hilferding) unterscheiden sich so von 
ihrem Begrndungszusammenhang der Krise her nur unwesentlich.

Die "geplante" deutsche Kriegswirtschaft des Ersten Weltkriegs 
befestigte das marxistische Miverstndnis einer "organisierten" 
Warenproduktion oder Wert-Vergesellschaftung ungeheuer. In der Tat 
schien es sich bei der berwindung des Wertgesetzes oder des 
"blinden Marktes" blo um eine ORGANISATORISCHE Frage zu handeln. 
Fr ein derart technizistisch verkrzendes Verstndnis, in dem das 
gesellschaftliche Verhltnis des Werts auf eine Formel bloer 
"Planlosigkeit" reduziert ist, mute die Herausbildung groer 
Trusts, Konzerne und Kapitalgesellschaften, deren Zusammenwachsen 
und gegenseitige Durchdringung und schlielich das Eingreifen des 
Staates im Sinne gesamtgesellschaftlicher Regulierung schon soviel 
wie eine "Aufhebung der Warenproduktion" bedeuten (vgl. Hilferding 
1974). Eine radikalere Deutung dieses rein organisatorischen Regu-
lierungs-Mechanismus sah darin sogar die Mglichkeit eines ber-
gangs zur geldlosen "proletarischen Naturalwirtschaft" angelegt, 
ohne das Problem der Wertkategorie wirklich zu berhren (so 
Neurath 1919, im Osten Bucharin/Preobrashensky 1921). Auch Lenin 
sah in der deutschen Kriegswirtschaft ein organisatorisches Vor-
bild, das sich durch bloen politischen Vorzeichenwechsel (Macht-
bernahme der proletarischen Partei) in "Sozialismus" verwandeln 
knne.(4) 

Es wird so verstndlich, wie sich aus der verkrzten Darstellung 
des Wertgesetzes als "blinder Markt", dessen bel durch einfaches 
Organisieren auf dem Boden des Werts bewltigt und beseitigt wer-
den knnten, verschiedene Varianten des STAATSSOZIALMUS ergeben 
muten. Wie die verkrzende Kritik des Mehrwerts den Genossen-
schaftssozialismus hervorgebracht hatte, so die ebenso verkrzende 
Kritik des "blinden Marktes" den Staatssozialismus. Beide Ideolo-
gien bedingen und durchdringen sich gegenseitig und treten auch in 
wechselnden Formzusammenhngen in Gegensatz zueinander. Ihre hi-
storisch bedingte Gemeinsamkeit besteht in ihrer Unfhigkeit, die 
Wertkategorie selbst zu transzendieren. Die Affirmation des "wer-
teschaffenden Arbeiters" war den kmpfenden Parteien gemeinsam, 
ohne da sie dies berhaupt bemerkten. Der auf diesem Boden er-
wachsene Gegensatz von Reformisten und politischen Revolutionren 
innerhalb der sozialistischen Bewegung hat eine ganze Epoche aus-
gefllt.

Heute freilich ist dieser Gegensatz in der berlieferten Form 
unwahr geworden. Nicht etwa in dem Sinne eines "dritten Weges" 
oder hnlicher Eklektizismen. Umgekehrt: eine revolutionre Posi-
tion, die heute den vorherrschenden Strmungen zum Trotz mehr denn 
je auf der historischen Tagesordnung steht, kann sich nicht mehr 
auf die bloe politische Machtfrage beschrnken (einschlielich 
der blo uerlich-juristisch verstandenen Eigentumskategorie), 
sondern mu den Wert oder das Wertverhltnis selber als Vergesell-
schaftungsform beseitigen. Die Entwicklung seit dem Zweiten Welt-
krieg hat endlich ber die Stufen des verallgemeinerten Fordismus 
und (seit Mitte der siebziger Jahre) der mikroelektronischen Revo-
lutionierung des gesamten Reproduktionsprozesses eine solche Hhe 
kapitalistischer Vergesellschaftung herbeigefhrt, da das Para-
digma des "werteschaffenden Arbeiters" erlischt und der Wert sel-
ber als negative, zerstrerische Potenz hervortritt. Erst jetzt 
beginnt das zur Welt-Vergesellsschaftung aufgestiegene Kapitalver-
hltnis als Dasein des Werts an absolute Grenzen zu stoen, die 
sich als permanente konomische und kologische Krise manifestie-
ren und in katastrophische Formen mnden mssen. Es ist notwendige 
Zsur, wenn der berlieferte, traditionelle Marxismus von den 
jngsten gesellschaftlichen Oppositionsbewegungen als unwahr emp-
funden und nicht mehr als angemessene und kohrente Gesellschafts-
kritik, als Speerspitze einer Transzendierung der Verhltnisse ak-
zeptiert wird. Diese Zsur ist aber zunchst mehr empfunden als 
begriffen und der traditionelle Marxismus noch nicht wirklich 
berwunden, sondern blo beiseitegelegt. Zu den "Kreuz- und Quer-
zgen" der Wissenschaft und des oppositionellen Denkens gehrt un-
vermeidlich, da erst einmal eine Regression hinter den Marxismus 
zurck stattfindet statt ein Schritt ber ihn hinaus. Das in der 
Konstitutionsepoche des modernen Wertverhltnisses herausgebildete 
frhbrgerliche Denken mu ebenso herhalten wie der vormarxisti-
sche, vorwissenschaftliche Sozialismus fr eklektische (und mei-
stens erbrmlich reformistische) Modellkonstruktionen. In den 
Trmmern des Gebudes der Marxschen Theorie hat sich eine Menge 
kleiner Geister als Prediger niedergelassen, die einzelne Momente 
dieser nicht mehr verstandenen groen Theorie zu einem neuen Ge-
samtentwurf aufbauschen und gegeneinander ins Feld fhren, auf die 
wunderlichste Weise vermischt mit allen mglichen kritischen br-
gerlichen oder sozialistischen Denkanstzen, wie sie historisch 
als Ouvertre oder Begleitmusik des Marxismus entstanden sind. Von 
den Subjektrettungs-Projekten der Lebensphilosophie und des Exi-
stentialismus bis zu den altehrwrdigen Illusionen der Anarchisten 
und den Geldpfuschereien eines Silvio Gesell reicht das Spektrum 
der Ideen, das mit unverdauten Brocken des Marxismus angereichert 
und scheinbar vielfltig durcheinander gemischt wird. Dieser ge-
genwrtig grassierende historische Eklektizismus hat keinen eige-
nen Gedanken. Er verrt sich dadurch, da immer schon die Katego-
rie des Werts bewutlos in seine theoretischen Mixturen und Re-
zeptchen eingeht und er sich damit selbst als berwindung des tra-
ditionellen Marxismus permanent dementiert. Das Fundament der 
Marxschen Werttheorie bleibt unbeachtet und unangetastet. 

Wenn wir also mit der steckengebliebenen Geschichte der modernen 
sozialen Emanzipation wirklich kritisch fertigwerden wollen, dann 
mssen wir einen anderen, beschwerlicheren, aber auch selbstndi-
geren Weg gehen. Die reale Entfaltung der kapitalistischen Krisen-
potenz auf der heutigen Vergesellschaftungshhe setzt die konkrete 
theoretische und praktische Kritik des Werts erstmals wirklich 
drngend auf die Tagesordnung. Was also ist berhaupt der Wert und 
wie kann er beseitigt werden? Mit Sicherheit enthlt die Marxsche 
Theorie eine vom traditionellen Marxismus verdrngte und zuge-
schttete Dimension, deren Aufdeckung uns helfen kann, diese Frage 
konkret zu beantworten. Aber keineswegs drfen wir erwarten, bei 
Marx eine vllig eindeutige, in sich widerspruchsfreie und tat-
schlich erschpfende Antwort auf unsere Frage zu finden. Nicht 
nur des fragmentarischen Charakters seines ungeheuren Gesamtwerks 
wegen. Vielmehr mu sich notwendig auch bei Marx selber das histo-
risch beschrnkte Paradigma des "werteschaffenden Arbeiters" in 
subtilen Momenten seiner Theorie niedergeschlagen haben, durchaus 
im Widerspruch zum Kontext und zur kritischen Storichtung seines 
Ansatzes, denn sonst htte sich die heute untergehende alte Arbei-
terbewegung in ihrer Affirmation des Werts berhaupt nicht positiv 
auf die Marxsche Theorie beziehen knnen. Es kann also gar nicht 
darum gehen, dem gesamten bisherigen Marxismus gegenber nun end-
lich den "wahren" und "reinen", in sich absolut geschlossenen Marx 
aus dem Hut zu zaubern, der allen bisherigen Marxismen vllig ent-
gangen sein soll. Es wrde sich so nur das unhistorische, seine 
eigene Bedingtheit und die Bedingtheit jedes Denkens miachtende 
utopistische Besserwissertum auf dem Boden des Marxismus wiederho-
len, wie sich tatschlich die Gestalten der brgerlichen Emanzipa-
tion auf dem Boden des Marxismus schon wiederholt haben. Wir ms-
sen aufhren, ein Marx-Zitat als solches fr einen Beweis zu neh-
men, mit einem Marx-Zitat ein anderes ausstechen zu wollen und al-
so Marx zu behandeln, wie die mittelalterliche Scholastik Aristo-
teles behandelt hat. Ein wirklich auflsendes Begreifen kann nur 
gelingen, wenn wir diese Naivitt berwinden und uns eingestehen, 
"da der Marxsche Text selbst Veranlassung gibt, mit Marx gegen 
jede marxistische Interpretation und letztlich auch mit Marx gegen 
Marx zu argumentieren ..., da sich in der Existenz widersprchli-
cher marxistischer Interpretationstypen lediglich gewisse Wider-
sprche und ungelste Probleme der konomie-Kritik reflektieren" 
(Backhaus 1978, S. 27). Was hier bei Backhaus noch als etwas plane 
Fragestellung bloer Sachprobleme und Interpretationssysteme er-
scheint, mu aber gerade in seiner historischen Dimension begrif-
fen werden, und zwar auf allen Ebenen. Nicht nur unsere Rckkehr 
zur Kritik des Werts selber ist historisch bedingt durch seine 
erst heute wirklich voll aufbrechende Zerstrungspotenz, nicht nur 
die Marxismen und ihre Glaubenskriege lassen sich historisch er-
klren und auflsen, sondern auch die Marxsche Theorie und ihr 
wertkritischer Kern selber. Erst wenn wir die Marxsche Theorie 
ebenso wie die sozialistische Bewegung nicht als eine fixe, abso-
lute Wahrheit einerseits und eine Geschichte von Hresien und Ab-
weichungen andererseits miverstehen, sondern als ein einziges hi-
storisches Kontinuum sozialer Emanzipation aus den Widersprchen 
des Kapitalverhltnisses heraus, knnen wir uns zu einem wirkli-
chen Begreifen aufschwingen. Das heit keineswegs, da die alten 
Kmpfe und Gegenstze innerhalb des Marxismus und der alten Arbei-
terbewegung etwa sinnlos gewesen wren und alle Positionen etwa 
gleichermaen recht oder unrecht gehabt htten. Nicht opportuni-
stischer und begriffsloser Relativismus ist die Konsequenz, son-
dern eine neue und selber sehr klar herauszuarbeitende Positions-
bestimmung, die nicht die alten Schlachten noch einmal schlagen 
will, sondern sie von einem neuen Blickwinkel, von der heutigen 
realen Vergesellschaftungshhe aus wahrnimmt und also kritisch den 
gemeinsamen historischen Boden der Gegenstze innerhalb des bishe-
rigen Marxismus erkennt und reflektiert. Werttheoretisch heit 
dies, da einerseits die verschttete Dimension der Marxschen 
Wertkritik freizulegen wre gegen den Strich der traditionellen 
Lesart, andererseits aber auch die Lcken und Brche in der Marx-
schen Argumentation aufgefunden und berwunden werden mssen, an 
denen das verkrzende Denken des traditionellen, wertfetischisti-
schen Arbeiterbewegungs-Marxismus anknpfen konnte.


2. Die zwei Ebenen des Wertform-Begriffs

Es wird also ntig sein, zu den analytischen Basisbestimmungen 
des Wertbegriffs selber zurckzukehren, um zu einer kritischen 
Auflsung zu gelangen. Marx leistet diese analytische Bestimmung 
in zwei Richtungen, einmal sozusagen nach rckwrts, vom Wert zur 
Arbeit, und einmal nach vorwrts, vom Wert zum erscheinenden 
Tauschwert. Es mu also innerhalb der Totalitt des Wertbegriffs 
genau analytisch differenziert werden zwischen (konkreter und ab-
strakter) Arbeit, Wert und Tauschwert. Die Qualitt Arbeit er-
scheint als Wert, der Wert erscheint als Tauschwert. Der Tausch-
wert ist somit erscheinendes Dasein bereits in zweiter Potenz. Die 
Schwierigkeit einer genauen Ableitung liegt daher nicht blo im 
bergang vom Wert zum Tauschwert, der bereits viele Kontroversen 
hervorgerufen hat, sondern mehr noch im bergang von der Arbeit 
zum Wert. Gerade dieses Problem aber wird meistens bersprungen. 
Arbeit ist lebendiger Proze, gemessen in Zeit. Wie aber ist es 
mglich, da sich gesellschaftliche Arbeitszeit in der merkwrdi-
gen und phantastischen, dinglichen Form von Mark, Dollars, Rubel 
etc. darstellt? Gewhnlich wird die Ableitung dieser Form damit 
als geleistet angesehen, da direkt von der Arbeit zur "Wertform" 
in Gestalt des erscheinenden Tauschwerts gesprungen wird, also vom 
wirklichen Arbeitsproze der einzelnen Ware zur Austauschbeziehung 
zweier Waren. Das Mittelglied des Werts selber wird bergangen, 
womit offen bleibt, ob der Wert nun Arbeit als solche "ist" und 
nur in der Austauschbeziehung zu einer anderen Ware als erschei-
nende Wertform eine dingliche Verkehrung stattfindet, oder ob der 
Wert selber eine der Arbeit gegenber verschiedene Qualitt dar-
stellt. Marx hat darber keineswegs erschpfende Auskunft gegeben, 
und so kann nicht zu Unrecht kritisch behauptet werden, da er "im 
unklaren (lt), welche QUALITT einer Ware es ist, die als ... 
Tauschwertgre quantifizierbar ist. Diese Frage wird nicht beant-
wortet durch die These, das, was sich im Tauschwert 'ausdrckt` 
oder in ihm 'erscheint` seine 'Substanz` ... sei die ARBEIT; denn 
auch diese These lt die Frage offen, die Gre welcher ERSCHEI-
NENDEN Qualitt der Tauschwert ist, dessen NICHT erscheinende Sub-
stanz die Arbeit sein soll" (Steinvorth 1983, S. 246, Hervorheb. 
Steinv.)(5) .

Die erscheinende Qualitt der ersten Ebene oder Potenz aber wre 
eben der Wert im Unterschied zum Tauschwert. Solange das Problem 
des bergangs von der Arbeit zum Wert nicht gelst ist, bleibt ei-
ne Lcke in der Marxschen Argumentation, die von reflektierten 
brgerlichen Marx-Kritikern auch entsprechend ausgeschlachtet wer-
den kann. So unterstellt Werner Becker fr die Marxsche soziali-
stische Zielsetzung, da es "dann (im Sozialismus, R.K.) nicht 
mehr den Fetischcharakter der Ware, die den Arbeitswert VERSTEL-
LENDE Vergegenstndlichung der Arbeit in Gestalt der quivalent-
form gibt, die bekanntlich die Gegensatzbestimmtheit der Waren be-
wirkt" (Becker 1972, S. 98, Hervorheb. Becker). Sowohl der Begriff 
der "Vergegenstndlichung" der Arbeit als auch die "Gegensatzbe-
stimmtheit" der Waren (Gegensatz von Gebrauchs- und Tauschwert) 
werden von Becker auf der Ebene des erscheinenden Tauschwerts, al-
so in der Austauschbeziehung zweier Waren, ausschlielich angesie-
delt. Eine solche Auffassung entspricht durchaus der blichen mar-
xistischen Lesart. Wenn es aber erst die Form des Tauschwerts ist, 
d. h. die Tauschbeziehung, die Arbeit "verdinglicht" oder als 
dingliche Eigenschaft erscheinen lt, dann wre in der Tat der 
"Arbeitswert" die eigentliche, nicht-verdinglichte "wahre" Ge-
stalt, die durch die verdinglichende Austauschbeziehung "ver-
stellt" wird. Der Wert, als gegenber dem erscheinenden Tauschwert 
distinktes Moment, wre so in der Tat unmittelbar identisch mit 
der Arbeit selbst oder "wahrer Arbeitswert", ausgedrckt direkt im 
Ma der Zeit. Von dieser Auffassung ausgehend, kann Becker dann 
ironisch fortfahren: "Wohl ist einem klar, da im Kommunismus die 
Verteilung der Gter an die Stelle des brgerlich-kapitalistischen 
Markttauschs treten soll. Stellt es aber nicht blo die Ersetzung 
eines Wortes durch ein anderes dar, wenn man auf der anderen Seite 
im Gedchtnis behalten hat, da der objektive und 'wahre` Wert der 
im brgerlichen Kapitalismus getauschten Waren - dem Werttheoreti-
ker Marx zufolge - EBENFALLS durch die ARBEIT bestimmt ist? Der 
Tauschwert der kapitalistischen Ware soll Arbeit sein, und das Ma 
der kommunistisch sozialistischen Gterverteilung soll ebenfalls 
Arbeit sein. Worin besteht nun eigentlich der von Marx so gro 
herausgestrichene Unterschied zwischen kapitalistischer und kommu-
nistischer Wertfestsetzung?" (Becker 1972, S. 99, Hervorheb. Bek-
ker).

Diese Frage kann in der Tat mit einiger Berechtigung gestellt 
werden, wenn man von einem "wahren" Arbeitswert ausgeht, der sel-
ber direkt Arbeit "sein" soll. Einige marxistische Autoren haben 
daraus auch folgerichtig geschlossen, da die "Wertbestimmung" der 
Arbeit (im Unterschied zur Austauschbeziehung des Tauschwerts) 
auch fr kommunistische Gesellschaften gltig sein mu, so etwa 
Oskar Lange, ebenso die Linkskeynesianerin Joan Robinson (vgl. da-
zu Rosdolsky 1968, S. 508). Klammheimlich haben sich hnliche Auf-
fassungen auch lngst im vermeintlich "orthodoxen" Sowjetmarxismus 
im Rahmen seiner Legitimationsideologie einer "sozialistischen Wa-
renproduktion" eingeschlichen. Rosdolsky verweist mit Recht dar-
auf, da die Vorstellung vom "wahren" Arbeitswert, vom Fortleben 
der "Wertbestimmung" im Kommunismus und von der falschen Identifi-
zierung des Werts unmittelbar als Arbeit unvermeidlich in die Nhe 
proudhonistischer Auffassungen fhrt (vgl. Rosdolsky l968, 
S. 640 ff.). Es ist freilich nichts gewonnen, wenn die Kritik ei-
ner "Verewigung" der Wertbestimmung einfach darauf hinausluft, 
den Begriff des Werts unmittelbar mit dem des Tauschwerts zu iden-
tifizieren, also die Distinktion von Wert und Tauschwert eilfertig 
einebnen. Zwar sagt Marx sehr deutlich: "Menschliche Arbeitskraft 
im flssigen Zustand oder menschliche Arbeit bildet Wert, aber ist 
nicht Wert. Sie wird Wert im geronnenen Zustand, in gegenstndli-
cher Form" (Marx 1965, S. 65). In der gewhnlichen Interpretation 
aber wird hier "Wert" einfach als Tauschwert gelesen, weil "Verge-
genstndlichung" nur als dingliche Tauschrelation zweier Waren 
entziffert werden kann. Durch diese Lesart freilich verliert die 
Marxsche Aussage ihre Kraft und Argumente wie die von Steinvorth 
und Becker sind nicht widerlegt. 

Da es unzulssig ist, von der Arbeit direkt zum Tauschwert zu 
springen, kann auch durch eine andere berlegung deutlich werden. 
Als Produkte ntzlicher Arbeit sind die Waren qualitativ verschie-
den und knnen in keiner Weise gleichgesetzt werden, was jedoch in 
der Tauschrelation als "unmgliche Gleichung" (vgl. Krause 1979, 
S. 20) dennoch geschieht. Die abstrakte Wertgegenstndlichkeit der 
Waren wird also in der Tauschrelation bereits vorausgesetzt und 
kann nicht erst innerhalb dieser Relation oder im "Tauschakt" ent-
stehen. Die im Tauschakt aufeinander bezogenen Waren mssen sich 
bereits vorher in der "Form" der Wertgegenstndlichkeit befinden, 
d. h. als einzelne Ware. Zwar sagt Marx, da die einzelne Ware 
"unfabar bleibt als Wertding" (Marx 1965, S. 62). Dies gilt je-
doch nur hinsichtlich des Werts als erscheinender sinnlicher Ei-
genschaft, die in der Tat sich erst in der Tauschrelation "dar-
stellen" kann. "Wertding" jedoch, wenn auch nicht in unmittelbar 
sinnlich "fabarer" Weise, mu auch die einzelne Ware bereits 
sein, weil sonst die Tauschrelation gar nicht mglich wre. ber 
die Natur dieser "unfabaren" Form der Wertgegenstndlichkeit an 
der einzelnen Ware mu also Klarheit geschaffen werden, und wie es 
scheint, ist dies von Marx noch nicht erschpfend geleistet wor-
den.

Wenn an einer Distinktion von Arbeit und Wert festgehalten wer-
den soll, dann wre Wert die Form der Arbeit, somit aber Tausch-
wert die "Form einer Form" in zweiter Potenz. Anders gesagt: ge-
genber dem Inhalt der lebendigen Arbeit ist Wert eine Form, ge-
genber der erscheinenden Form des Tauschwerts oder der Tauschre-
lation zweier Waren ist Wert selber der Inhalt. Wir haben es also 
mit einem doppelten Begriff der Wertform zu tun, der bei Marx als 
solcher nicht explizit gemacht worden ist. Der Wertform-Begriff 
der ersten Ebene reflektiert den bergang von der (lebendigen, 
prozessierenden) Arbeit zum Wert oder zur Wertgegenstndlichkeit 
der einzelnen Ware. Der Inhalt besteht auf dieser Ebene in der le-
bendigen Arbeit selbst, in ihrem Prozecharakter, der sich im 
ZEITMA der Arbeit ausdrckt. Diese lebendige Arbeit und ihr Ma, 
die Zeit, ist als allgemeiner Inhalt berhistorisch: "In allen Zu-
stnden mute die Arbeitszeit, welche die Produktion der Lebens-
mittel kostet, den Menschen interessieren ..." (Marx 1965, 
S. 85 f.). Insofern ist "alle konomie eine konomie der Zeit". 
Diese Zeitkonomie der lebendigen Arbeit als allgemeiner, berhi-
storischer Inhalt aller gesellschaftlichen Reproduktion stellt 
sich historisch in der Warenproduktion dar als Form des Werts oder 
Wertgegenstndlichkeit des Produkts, und zwar an der einzelnen Wa-
re selbst, logisch noch "vor" der Tauschrelation, wie sie im 
Tauschakt erscheint. Wertform ist hier die (sinnlich "unfabare") 
Form des zeitkonomischen Inhalts des einzelnen Produkts.

Der Wertform-Begriff der zweiten Ebene hingegen reflektiert den 
bergang vom Wert zu DESSEN erscheinender Form, nmlich dem 
Tauschwert, d. h. der Tauschrelation zweier Waren, wie sie sich im 
"Tauschakt" darstellt. Benennt der Wertform-Begriff der ersten 
Ebene den historischen besonderen Charakter des Werts als solchen, 
so dieser Wertform-Begriff der zweiten Ebene INNERHALB der histo-
rischen Formation des Werts dessen BINNEN-LOGISCHE Erscheinungs-
form, die STUFENFOLGE der Formbestimmungen des TAUSCHWERTS. "Wert-
form" auf dieser Ebene wre dann ein bloer Binnen-Begriff des 
Werts als solchen.

Bei Marx selber gehen die beiden Bedeutungsebenen des Wertform-
Begriffs bestndig durcheinander, was ein Verstndnis ungeheuer 
erschwert und das vorschnelle analytische Springen von der Arbeit 
zum erscheinenden Tauschwert geradezu nahelegt. Die bei Marx feh-
lende Distinktion im Wertform-Begriff fordert also gewissermaen 
selber schon die positivistische Fehlinterpretation heraus, die 
sich immer wieder auf die de "Wertrelation" zweier Waren zurck-
zieht: "Unter Wertform, oder wie es dann genauer (!) heien soll: 
Wertrelation, wird eine Relation je zwei Warenquanta verstanden, 
die die Gegenberstellung der Waren im direkten oder indirekten 
Tausch portrtieren soll ..." Krause 1979, S. 11). Wo aber Begrif-
fe fehlen, da stellt zur rechten Zeit - die "Mathematisierung" 
sich ein!(6) 

Letztlich scheint an dieser Problematik auch der anspruchsvolle 
Versuch von Hans-Georg Backhaus gescheitert zu sein. Weit entfernt 
von der begriffslosen und hufig das inhaltliche Problem in "Ma-
thematisierung" ersufenden Plattheit der meisten positivistischen 
Interpretationen, kommt Backhaus durchaus zu wichtigen und weiter-
treibenden Erkenntnissen, allein schon durch seine bohrende Frage-
stellung, die nicht darauf verzichtet, sich "unter Wert berhaupt 
etwas zu denken", was Marx schon als Vorwurf den brgerlichen ko-
nomen gegenber erhoben hatte. Backhaus spricht so bezglich des 
Wertform-Kapitels des "Kapital" kritisch von einer "mangelhafte(n) 
Vermittlung von Substanz und Form des Werts" (Backhaus 1969, 
S. 131) und stellt sogar ausdrcklich in der Nachzeichnung der 
Marxschen Ricardo-Kritik das entscheidende Problem: "Es blieb den 
Ricardianern verborgen, da ihre Behauptung, die Arbeit bestimme 
den Wert der Ware, dem Wertbegriff selber uerlich bleibt: Be-
stimmungsgrund und Bestimmungsobjekt dieser Aussage bleiben unter-
schieden und stehen in keinem 'inneren Zusammenhang`. Die Arbeit 
verhlt sich zum Wert auch dann noch als ein Fremdes, wenn die 
Wertgre als Funktion der verausgabten Arbeitsmenge bestimmt 
wird" (ebda, S. 136 f.). Damit wre als zentrale Fragestellung ei-
gentlich der bergang von der Arbeit zum Wert benannt. Da jedoch 
auch Backhaus die verschiedenen Ebenen des Wertform-Begriffs nicht 
begrifflich auflst, sondern von der doppeldeutigen Marxschen For-
mulierung geblendet wird, mu er trotz seiner grundstzlichen Fra-
gestellung ebenfalls vorschnell von der Arbeit zum Tauschwert oder 
der "Tauschrelation" springen. So behauptet er schon ziemlich am 
Anfang seines ersten einschlgigen Textes, die Reproduktion des 
Wertbegriffs als Totalitt werde "... doch wohl erst von folgender 
Fragestellung her verstndlich: Wie wird der Wert zum Tauschwert 
und zum Preis - warum und in welcher Weise hat der Wert sich im 
Tauschwert und im Preis als den Weisen seines 'Andersseins` aufge-
hoben?" (ebda, S. 130 f.). Gerade umgekehrt wre es richtig: Wie 
wird die Arbeit zum Wert - erst von daher wre die andere Frage 
als sekundre schlssig zu beantworten. Nachdem die Weiche aber 
einmal in dieser Weise falsch gestellt ist, rekurriert Backhaus 
unter dem Wertform-Gesichtspunkt sofort auf den Zusammenhang von 
"Produktions- und Zirkulationssphre" (ebda, S. 133) und hlt das 
gesellschaftliche Verhltnis des Werts erst fr dechiffrierbar, 
"wenn die Vermittlung von 'absolutem` und 'relativem` Wert aufge-
zeigt worden ist" (ebda, S. 138). Dies knnte aber erst gelingen, 
wenn umgekehrt die Vermittlung von Arbeit und Wert selber gelei-
stet ist. Backhaus zumt so das Pferd vom Schwanz auf: Er will 
vorrangig untersuchen "wie fr Marx das 'gesellschaftliche Ver-
hltnis der Sachen` strukturiert (ist)", whrend die "Realitt des 
Scheins" und die "Genesis abstrakter Wertgegenstndlichkeit" 
(ebda, S. 135) ausdrcklich sekundre Fragen fr ihn bleiben. Ge-
rade andersherum wre es richtig. Ungewollt hat sich Backhaus so 
schon im Ansatz selber in einem entscheidenden Punkt auf die Ebene 
positivistischer Interpretationen eingelassen, und auf diesem Bo-
den kann er nicht gewinnen. Hinsichtlich des primren Verhltnis-
ses von Arbeit und Wert kommt er schon eingangs fast in die Nhe 
einer agnostizistischen Position, wenn er sagt, "da der 'allge-
meine Gegenstand` als solcher, das heit der Wert als Wert sich 
gar nicht ausdrcken lt, sondern nur in verkehrter Gestalt 'er-
scheint`, nmlich als 'Verhltnis` von zwei Gebrauchswerten ..." 
(ebda, S. 131). Da der Wert als Wert sich an der einzelnen Ware 
nicht UNMITTELBAR SINNLICH "fassen" lt, kann aber doch nicht 
heien, da er deswegen auch nicht logisch-analytisch "ausge-
drckt" werden knnte und somit eine Rechtfertigung gegeben wre, 
von der Arbeit direkt zur Tauschrelation zu springen! Backhaus mu 
auf diese Weise auch den eigentlichen Kern des berhmten, auch von 
ihm angefhrten Marx-Zitats aus dem Fetisch-Kapitel verfehlen: 
"Die politische konomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen, 
Wert und Wertgre analysiert und den in diesen Formen versteckten 
Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt warum 
dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die Arbeit im 
Wert und das Ma der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Wertgre 
des Arbeitsprodukts darstellt?" (Marx 1965, S. 94 f.). Hier redet 
Marx aber eben gerade nicht vom Verhltnis des Werts zum erschei-
nenden Tauschwert, sondern vom Verhltnis der Arbeit zum Wert, al-
so von der Wertform auf der primren Bedeutungsebene. Noch deutli-
cher wird dies brigens gleich zu Beginn des Fetisch-Kapitels, wo 
Marx ausdrcklich davon spricht, da der mystische Charakter der 
Ware weder aus ihrem Gebrauchswert noch "aus dem Inhalt der Wert-
bestimmungen" (ebda, S. 85) entspringe. Mit "Inhalt der Wertbe-
stimmungen" ist aber, wie aus dem folgenden klar hervorgeht, die 
berhistorische Tatsache und Notwendigkeit der lebendigen Arbeit 
als physiologischer Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im na-
trlichen Ma der Zeit gemeint. Und Marx der sich hier eindeutig 
(ohne dies explizit zu sagen) auf der ersten Bedeutungsebene des 
Wertform-Begriffs befindet, fhrt fort: "Woher entspringt also der 
rtselhafte Charakter des Arbeitsprodukts, sobald es Warenform an-
nimmt? Offenbar aus dieser Form selbst. Die Gleichheit der mensch-
lichen Arbeit erhlt die sachliche Form der gleichen Wertgegen-
stndlichkeit der Arbeitsprodukte, das Ma der Verausgabung 
menschlicher Arbeitskraft durch ihre Zeitdauer erhlt die Form der 
Wertgre der Arbeitsprodukte, endlich (!) die Verhltnisse der 
Produzenten, worin jene gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Ar-
beiten bettigt werden, erhalten die Form eines gesellschaftlichen 
Verhltnisses der Arbeitsprodukte" (ebda, S. 86). Marx fhrt hier 
drei Ebenen der Formbestimmung ein, wovon die beiden ersten sich 
unter eine einzige, eben die primre Bedeutungsebene des Wertform-
Begriffs, subsummieren lassen, whrend die dritte der Ebene des 
erscheinenden Tauschwerts zuzurechnen ist, von Marx durch die 
Zsur "endlich" deutlich von der anderen Ebene geschieden. Marx 
macht hier also selber, wenn auch nur implizit, eine klare analy-
tische Trennung zwischen "gleicher Wertgegenstndlichkeit" und 
"Wertgre" der Arbeitsprodukte einerseits und "Verhltnis der Ar-
beitsprodukte" andererseits. Das erstere ist die Bestimmung des 
Werts selber, das zweite die Bestimmung des Tauschwerts oder der 
Tauschrelation. Daraus ist zu schlieen, da auch die erste Ebene 
logisch-begrifflich, ausgedrckt werden kann, da mithin primr 
die Natur der Wertgegenstndlichkeit und Wertgre AN DER EINZEL-
NEN WARE abgeleitet und erst sekundr in ihrer tatschlich er-
scheinenden Form auf der Tauschwert-Ebene dargestellt werden mu. 
Backhaus greift also wesentlich zu kurz wenn er sagt: "... Nachdem 
die Arbeit als das Geheimnis des Werts entdeckt ist, mu nun er-
stere selbst theoretisch kritisiert und praktisch umgewlzt wer-
den. Methodisch handelt es sich hier um die schon aufgezeigte Pro-
blematik des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten, vom Wert 
zur Erscheinungsform des Werts" (Backhaus 1969, S. 141). Diese 
Aussage ist einigermaen erstaunlich, man mu sie als fehlerhaft 
bezeichnen. Denn die gesellschaftliche Abstraktion des Werts wird 
durch ihre "Erscheinungsform", den Tauschwert, nicht etwa "zum 
Konkreten", sondern wird vielmehr ALS ABSTRAKTUM "dinglich darge-
stellt". Den erscheinenden Tauschwert, die dingliche Abstraktion 
fr das Konkrete zu nehmen, dies eben entspricht der bewutlosen 
Manier der Positivisten, die Backhaus doch seiner eigenen Absicht 
nach kritisieren und vermeiden will. Das tatschlich Konkrete, der 
"wirkliche Ausgangspunkt", zu dem das Denken im Aufstieg vom Ab-
strakten zum Konkreten zurckkehrt, kann berhaupt nur die wirkli-
che lebendige Arbeit in ihrem System der gesellschaftlichen 
Teilung der konkret-ntzlichen Ttigkeiten sein. So herum wird ein 
Schuh daraus. Wie wollte sonst auch Backhaus die "Arbeit selbst" 
als das "Geheimnis des Werts" begreifen, "theoretisch kritisieren" 
und "praktisch umwlzen"? Methodisch handelt es sich also gerade 
umgekehrt bei der Problematik des Aufsteigens vom Abstrakten zum 
Konkreten um das Aufsteigen vom Wert zur lebendigen Arbeit in ih-
rer realen Prozehaftigkeit und in ihrer arbeitsteiligen Systema-
tik. Erst daraus kann das sekundre Verhltnis von Wert und 
Tauschwert in seiner Rckkoppelung auf das System der lebendigen 
Arbeiten abgeleitet werden. Die logischen Formen sind natrlich 
kein Nacheinander oder Nebeneinander, sondern reale Totalitt. In-
sofern ist Backhaus durchaus zuzustimmen, wenn er die Einheit von 
erscheinender Form des Tauschwerts und Arbeit als dem eigentlichen 
Inhalt betont und daraus die von den meisten Marxisten fallenge-
lassene Einheit von Wert- und Geldtheorie als unabdingbare Forde-
rung stellt. In der analytischen Darstellung mssen die Formbe-
stimmungen und ihre verschiedenen Ebenen jedoch logisch 
nacheinander und auseinander entwickelt werden, und hierfr ist 
das Verstndnis der beiden verschiedenen Bedeutungsebenen des 
Wertform-Begriffs ausschlaggebend. Nur so kann der auch von Back-
haus begangene Fehler vermieden werden, in positivistischer Weise 
direkt von der Arbeit zur Tauschrelation zu springen, statt das 
Verhltnis von Wert als solchem und lebendiger Arbeit als primre 
Fragestellung aufzugreifen und von dieser aus das gesamte Wert-
form-Problem aufzurollen.

Stellt sich die Frage aber so, gehen wir nicht von der Tauschre-
lation aus, die immer nur zum quantitativen Aspekt zurckfhren 
kann, sondern vom Wertbegriff selber und seiner Distinktion zur 
lebendigen Arbeit, dann kann erst das Anliegen durchgefhrt und 
die qualitative Bestimmung des Werts geleistet werden. Dann aber 
springt auch sofort das eigentliche Problem in die Augen: nmlich 
das der "Vergegenstndlichung" von Arbeit. Die wirkliche, leben-
dige gesellschaftliche Arbeit ist erstens Proze, Ablauf von T-
tigkeiten, und zweitens dieser prozehafte Ablauf innerhalb eines 
Systems von (Arbeitsteilungs-) Verhltnissen. Der Wert aber ist 
tote, nicht prozehafte Gegenstndlichkeit, und zwar nicht erst in 
der Tauschrelation, sondern schon auf der ersten Ebene der Wertbe-
stimmung an der einzelnen Ware selber. Dieser Gegenstandscharak-
ter, der in der Tauschrelation so quasi-natrlich und 
selbstverstndlich erscheint, nimmt sich aber an der einzelnen Wa-
re gespenstisch und paradox aus. Marx spricht deswegen brigens 
auch nicht so selbstverstndlich von "Gegenstndlichkeit" der Ar-
beit wie die meisten Marxisten, sondern schon auf der vierten 
Seite des "Kapital" direkt von einer "gespenstige(n) Gegenstnd-
lichkeit" (Marx 1965, S. 52), fr die er auch einen Namen hat: sie 
sei nmlich "bloe Gallerte" (ebda.) menschlicher Arbeit. Schon 
von daher wre Kritikern wie Becker zu entgegnen, die - allerdings 
eben der gngigen marxistischen Lesart folgend - Wert problemlos 
mit Arbeit identifizieren und die Probleme der Verdinglichung erst 
auf der Ebene der Tauschrelation ansiedeln. Fr die Verwandlung 
der wirklichen, lebendigen Arbeit in diese gespenstische Gegen-
stndlichkeit des Werts whlt Marx schon 1859 eine Kennzeichnung, 
die ihm so wichtig erscheint, da er sie im "Kapital" als aus-
drckliches Selbst-Zitat wiederholt: "Als (Tausch)wert sind alle 
Waren nur bestimmte Mae festgeronnener Arbeitszeit" (Marx 1968, 
S. 24 / Marx 1965, S. 54). Nur ist das Selbstzitat erstaunlich un-
genau bzw. bewut verndert: in der "Kritik der politischen kono-
mie" von 1859 heit es "Tauschwert", im Selbstzitat des "Kapital" 
nur noch "Wert". Offensichtlich will Marx also auf die qualitative 
Bestimmung des Werts im Unterschied zur wirklichen Arbeit hinaus, 
die unabhngig von der Tauschrelation zunchst zu leisten ist, und 
hat das Zitat dahingehend verndert, um Miverstndnisse auszu-
schlieen. Diese Bestimmung des Werts ist nun in der Tat als para-
doxer Ausdruck geleistet; der Wert soll "geronnene Arbeitszeit" 
sein! Eine solche Kennzeichnung der "Wertbestimmung durch Arbeit" 
unterscheidet sich allerdings erheblich von der problemlosen durch 
Smith und Ricardo, und eben deswegen scheint Marx auch solchen 
Wert auf sein Selbstzitat zu legen. Denn der Ausdruck "geronnene 
Zeit" stellt eine veritable Contradictio in adjecto dar. Seltsa-
merweise macht Marx aber selber nicht ausdrcklich auf diesen Cha-
rakter seiner Aussage aufmerksam, und ebenso verblffend ist es, 
da eine solche an sich absurde Bestimmung weder den Marxisten 
noch ihren Gegnern bis heute ein Problem gemacht hat. Es knnte 
sich also herausstellen, da gerade hier "der Hund begraben 
liegt", da genau an dieser Stelle der entscheidende Hebel ange-
setzt werden mu, um die bisher nicht gelungene theoretische und 
praktische Kritik des Werts selber in Gang zu bringen. Dafr ist 
allererst zu klren, welche Art von Arbeit bzw. "Arbeitszeit" hier 
eigentlich "gerinnen" soll.


3. Arbeit als abstrakte Allgemeinheit

Unproblematisch wre der Begriff einer "Vergegenstndlichung" 
der Arbeit, wenn er sich auf das STOFFLICHE Resultat beziehen 
wrde. In diesem Sinne wre "Vergegenstndlichung" als bloe Meta-
pher zu nehmen fr die durch Arbeit hervorgerufenen stofflichen 
Vernderungen am Produkt, die es der Befriedigung menschlicher Be-
drfnisse zufhren. In einem ganz allgemeinen historischen Sinne 
knnte man sagen, da sich menschliche Arbeit "vergegenstndlicht" 
durch Umformung der Natur des Planeten, durch Schaffung einer dem 
Menschen eigenen stofflichen Umwelt (Kultivierung des Bodens, 
Zchtung von Kulturpflanzen und Nutztieren, Stdtebau usw.). Es 
ist klar, da in der Bestimmung der Ware als Wert, d. h. als "ver-
gegenstndlichte" Arbeit, nicht diese (kaum quantifizierbare) 
"Vergegenstndlichung" menschlicher Arbeit im allgemeinsten histo-
rischen Sinne gemeint sein kann, sondern vielmehr die fr ein je-
weils einzelnes, bestimmtes Produkt "aufgewendete" und insofern 
durchaus quantifizierbare Arbeit im engeren Sinne. Was sich hier 
allerdings "vergegenstndlicht", kann auf keinen Fall die 
"Arbeitszeit" als solche sein; eine solche berlegung mu als ab-
surd erscheinen. Auch auf der Ebene des einzelnen Produkts knnte 
von "Vergegenstndlichung" nur in soweit gesprochen werden, als 
die Arbeit an dem Naturstoff bestimmte Vernderungen stofflicher 
Art vorgenommen hat. Diese Vernderungen sind in einigen Fllen 
sogar unsichtbar, etwa wenn durch Transportarbeiten eine fr 
menschliche Bedrfnisbefriedigung notwendige bloe Ortsvernderung 
des Gegenstandes vorgenommen wird ohne sonstige Einwirkung(7) . In 
den meisten Fllen jedoch trgt das Produkt deutlich die Spuren 
menschlicher Arbeit, etwa wenn aus Holz ein Tisch geformt worden 
ist. Sowohl in der am Produkt unsichtbaren Ortsvernderung als 
auch in den durch Umformung am Produkt sichtbaren Spuren "verge-
genstndlicht" sich also durchaus die Arbeit an einem bestimmten 
Gegenstand wenn auch eher in einem metaphorischen Sinne (denn der 
Gegenstand "ist" als solcher nicht Arbeit, sondern bleibt bloer 
Gegenstand, auch in seiner umgeformten Gestalt). Aber selbst die-
ser blo metaphorische Begriff von "Vergegenstndlichung" kann im-
mer nur ein Moment qualitativer Vernderung des Naturstoffs aus-
drcken, nicht jedoch die verausgabte Quantitt Arbeitszeit als 
solche.

Marx trennt nun, entsprechend der getrennten Bestimmtheit der 
Ware einerseits als konkret ntzlicher Gebrauchswert, andererseits 
als abstrakter Wert bzw. (in der Beziehung zu anderer Ware) 
Tauschwert, den Begriff der Arbeit in die Bestimmung von einer-
seits konkret ntzlicher, qualitativer Arbeit (Schneidern, tisch-
lern, schmieden usw.) und andererseits "abstrakter" Arbeit, "un-
terschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung mensch-
licher Arbeitskraft ohne Rcksicht auf die Form ihrer Verausga-
bung" (Marx 1965, S. 52). Diese "abstrakte", "unterschiedslose" 
Arbeit sei "produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, 
Nerv, Hand usw." (ebda, S. 58) im abstrakt-physiologischen Sinne. 
Diese abstrakt-physiologische Arbeit nun soll als solche die my-
sterise "Wertgegenstndlichkeit" "bilden": "Alle Arbeit ist ei-
nerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen 
Sinn und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrak-
ter Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andererseits 
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimm-
ter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter ntzlicher Arbeit 
produziert sie Gebrauchswerte" (ebda, S. 61). Es ist bezeichnend, 
da der traditionelle Marxismus ber die Problematik dieser 
scheinbar so drren Definition immer unkritisch und gedankenlos 
hinweggelesen hat. Das seltsame Phnomen der "abstrakten Arbeit" 
wurde kaum je einer nheren Prfung unterzogen. Nur von wenigen 
Theoretikern wurde dieser Sachverhalt gelegentlich beklagt; so 
schrieb I.I. Rubin in seiner auch im Westen bekannt gewordenen Ar-
beit zur Marxschen Werttheorie, die im Rahmen der sowjetischen 
Planungsdebatten Mitte der zwanziger Jahre entstanden ist: "Ange-
sichts der groen Bedeutung, die Marx der Theorie der abstrakten 
Arbeit beilegte, mu man sich fragen, warum ihr in der marxisti-
schen Literatur so wenig Interesse geschenkt wurde" (Rubin 1973, 
S. 91). Fast dieselbe Klage finden wir ein halbes Jahrhundert sp-
ter, und ebenso marginal, in der westdeutschen Debatte zur Rekon-
struktion der Marxschen Kritik der Politischen konomie: "Das 
erstmalig von Marx angepackte Problem der abstrakten Arbeit, eine 
seinerzeit radikal neue und fremdartige Fragestellung, ist bis 
heute ein Fremdling in der Politischen konomie geblieben. In der 
marxistischen Literatur ist der Marxsche Entwurf der abstrakten 
Arbeit nicht nur nicht zu einer stringenten Darstellung weiterent-
wickelt worden, sondern er fristet hier, mit wenigen Ausnahmen wie 
etwa der von H. G. Backhaus, ein kmmerliches Dasein am Rande ei-
ner hausbackenen Arbeitswertlehre" (Krause 1979, S. II f.). Zu 
mehr als solchen in der marxistischen Debatte marginal bleibenden 
Klagen hat es freilich bis heute nicht gereicht, ein Faktum, das 
auf die ungebrochene Ignoranz des traditionellen Marxismus der 
Wertkategorie gegenber verweist.(8) 

Es wre also, bevor das von Marx selber offenbar unzureichend 
gelste Problem des bergangs von der Arbeit zum Wert, von der le-
bendigen zur "vergegenstndlichten" Arbeit weiter untersucht wer-
den kann, zunchst einmal der Begriff der Abstrakten Arbeit selber 
nher zu beleuchten, die sich zum Wert "vergegenstndlichen" soll.

Abstraktheit der Arbeit bedeutet gewhnlich ihre ALLGEMEINHEIT, 
und zwar ihre absolute, unhistorische Allgemeinheit. Nerv, Muskel, 
Hirn usw. "verausgabt" wird sowohl beim Abschlagen eines Faust-
keils als auch beim Bedienen eines Computerprogramms. Auf den er-
sten Blick mte also gerade diese absolute, unhistorische Bestim-
mung bei Marx berraschen. Denn wenn ich die Allgemeinheit der Ar-
beit nur in diesem Sinne definiere als die Tatsache, da die ver-
schiedenen Arbeiten, also Schneidern, Schustern, Schmieden etc. 
allesamt eben immer Verausgabung von "menschlicher Arbeitskraft 
schlechthin" sind, dann habe ich damit eigentlich nur eine Banali-
tt ausgedrckt. So verschieden die Formen ntzlicher Arbeit auch 
sein mgen, sie sind allesamt eben Arbeit. Eine solche Allgemein-
heit der Arbeit ist deswegen banal, weil sie dnnste Abstraktion 
unhistorischer Allgemeinheit ist: wie die Menschen berhaupt und 
immer essen, trinken, sich kleiden und sich sexuell bettigen, 
gleich in welcher historischen Form, so arbeiten sie auch immer, 
mssen immer Arbeitskraft verausgaben, egal in welcher konkret 
ntzlichen Form. Es ist typisch fr BRGERLICHES Denken, solche 
unhistorisch allgemeinen Bestimmungen, die in Wirklichkeit banal 
und nichtssagend sind, zu sogenannten wissenschaftlichen Defini-
tionen aufzubauschen, um spezifisch historische Bestimmungen der 
kapitalistischen Produktionsweise zu allgemein-menschlichen Be-
stimmungen aufzublasen. Marx hat darauf selber des fteren hinge-
wiesen (vgl. Marx 1974, S. 8 ff.); es kann sich also bei seinem 
Begriff der Abstrakten Arbeit kaum um diese unhistorische Allge-
meinheit der Arbeit handeln.

Die abstrakte Bestimmung von Arbeit berhaupt, unabhngig von 
der konkreten Form ihrer Verausgabung, nmlich als Verausgabung 
von Nerv, Muskel, Hirn, drckt zunchst einmal berhaupt keine GE-
SELLSCHAFTLICHE Allgemeinheit der Arbeit aus, sondern lediglich 
eine "NATRLICHE" oder eben rein physiologische Allgemeinheit, die 
fr alle Menschen in allen Gesellschaftsstufen gltig ist, eben 
deshalb aber als solche und von sich aus berhaupt keine gesell-
schaftliche, sozialkonomische, im gesellschaftlichen Sinne form-
bestimmende Bedeutung besitzt. Genau diesen Umstand haben die mei-
sten Theoretiker des traditionellen Marxismus wie dessen Gegner 
bersehen, wenn sie sich mit der scheinbar simplen "physiologi-
schen" Definition der abstrakten Arbeit begngen, wie z. B. Kauts-
ky (vgl. dazu ausfhrlich Rubin 1973, S. 92 ff.). Wenn nmlich 
diese an sich rein natrliche, ungesellschaftliche Allgemeinheit 
tatschlich identisch wird mit ihrer gesellschaftlichen Allgemein-
heit, indem sie es ist, die "den Warenwert" bildet, dann ist dies 
nichts weniger als selbstverstndlich in einem absoluten, berhi-
storischen Sinne. Vielmehr handelt es sich dabei erstens bereits 
um eine paradoxe Verkehrung, nmlich um die Verwandlung der natr-
lich-physiologischen Allgemeinheit der Arbeiten in ihre Gesell-
schaftlichkeit (das abstrakte physiologische Moment wird zur ge-
sellschaftlichen Formbestimmung), zweitens aber eben deswegen um 
eine historische Besonderheit, die keineswegs fr alle Gesell-
schaftszustnde gilt. Da auch der von jeder Warenproduktion weit 
entfernte Steinzeitmensch in seinen verschiedenen produktiven T-
tigkeiten Hirn, Muskel, Hand usw. im physiologischen Sinne veraus-
gabt, macht diese Verausgabung als solche nicht zu einer gesell-
schaftlichen Formbestimmung. Als GESELLSCHAFTLICHE Allgemeinheit 
oder Formbestimmung ist die abstrakte Arbeit einzig und allein ei-
ne historische Erscheinung der Warenproduktion; in keiner anderen 
Produktionsweise hat sie gesellschaftliche Bedeutung, ebensowenig 
wie die Tatsache, da die Arbeit verausgabenden Menschen zu 90 
Prozent aus Wasser bestehen. 

Marx geht es also bei seiner Erklrung der kapitalistischen Pro-
duktionsweise nur um die historisch besondere gesellschaftliche 
Allgemeinheit der Arbeit, wenn er von "abstrakter Arbeit" spricht. 
Fr die gesellschaftliche Formbestimmung nun ist entscheidend, um 
welche Art von Allgemeinheit es sich bei der Bestimmung der Arbeit 
als bloe Verausgabung von Nerv, Muskel, Hirn usw. eigentlich in 
einem gesellschaftlichen Sinne handelt. Marx nennt sie an vielen 
Stellen eine "abstrakte Allgemeinheit". Auf den ersten Blick 
scheint dies bloe Verdoppelung, vorausgesetzt, da Abstraktheit 
immer als allgemein und Allgemeinheit immer als abstrakt gedacht 
wird, also einfach als synonym im Sinne des gesunden Menschenver-
standes. Das Verstndnis dieser scheinbar sinnlosen Verdoppelung 
erschliet sich erst durch die Kenntnis der Hegelschen Dialektik 
und ihrer Terminologie. Denn die begriffliche Verdoppelung macht 
durchaus Sinn. Fr Hegel ist das Gegenteil des abstrakt Allgemei-
nen nicht etwa das Besondere (und Einzelne), sondern das KONKRET 
ALLGEMEINE. Dieses wre "ein Allgemeines, das den Reichtum des Be-
sonderen, des Individuellen, des Einzelnen in sich fat" (vgl. He-
gel 1969, S. 17 S. 54)(9) . Das heit nichts anderes, als da das 
Allgemeine nicht (abstrakt) fr sich steht, dem Besonderen fremd 
und uerlich ist, sondern als konkrete Totalitt ungetrennt vom 
Einzelnen und Besonderen bleibt.

An sich verhlt es sich auch immer so, da das Allgemeine und 
das Besondere als ungetrennte Totalitt existieren. Aber das 
menschliche Denken mu sich diese Totalitt erst aneignen, sie be-
greifen. Dies geschieht zunchst durch bloe Anschauung, die zu 
Abstraktionen, "abstrakten Verstandesbestimmungen" (Hegel) fhrt. 
Aus der sinnlichen Anschauung vieler einzelner Bume, Blumen, 
Strucher usw. kann die abstrakt allgemeine Bestimmung "Pflanze" 
durch REDUZIERUNG auf einige wesentliche Merkmale gewonnen werden. 
Wie aber wird dieses abstrakt Allgemeine wieder zu einem konkret 
Allgemeinen, das "den Reichtum des Besonderen in sich fat"? Indem 
ich die besonderen und einzelnen Erscheinungen wie Bume, Blumen 
usw. mit ihrem allgemeinen Begriff zusammen als konkrete Totalitt 
denken kann. Dies aber ist nicht mehr auf dem Weg der bloen An-
schauung mglich. In dieser werden das abstrakt Allgemeine und das 
Besondere nur zufllig und uerlich aufeinander bezogen. Wenn ich 
die abstrakt-allgemeine Bestimmung "Pflanze" nur auf einige mir 
zufllig bekannte besondere Pflanzen beziehe, dann gewinne ich da-
mit noch lange nicht einen konkret-allgemeinen Begriff. Dies ge-
schieht erst auf dem Weg der wissenschaftlichen umfassenden Be-
griffsbildung, etwa durch das System von Linn. Erst die Kenntnis 
des gesamten Pflanzenreichs mit all seinen Gattungen, Familien und 
Unterarten, die es ermglicht, jede einzelne Pflanze auf den ver-
schiedenen Ebenen ihrer Allgemeinheit und Besonderheit genau zu 
bestimmen, lt den Begriff der "Pflanze" zu einem konkret Allge-
meinen werden.

Die erkenntnistheoretische Bestimmung des Verhltnisses von ab-
strakt Allgemeinem und konkret Allgemeinem kann sich zunchst nur 
formell auf das Problem der abstrakten Arbeit beziehen, da wir es 
hier ja keineswegs mit dem Weg der Erkenntnis, sondern mit realen 
gesellschaftlichen Verhltnissen zu tun haben (vgl. dazu weiter 
unten die Auseinandersetzung zum Problem der Realabstraktion). 
Aufgrund der bisherigen Errterung wre fr die gesellschaftliche 
Allgemeinheit der Arbeit festzuhalten, da ihre konkrete Allge-
meinheit den Reichtum der vielen besonderen ntzlichen Arbeiten, 
die wirkliche Totalitt der gesellschaftlichen Arbeit "in sich 
fat" und nicht davon abgetrennt ist. Abstrakte Allgemeinheit der 
gesellschaftlichen Arbeit aber bedeutet umgekehrt genau dies, da 
nmlich die gesellschaftliche Allgemeinheit der Arbeit (oder kurz 
ihre Gesellschaftlichkeit als solche) real GETRENNT ist von diesem 
inhaltlichen Reichtum der besonderen ntzlichen Arbeiten in ihrer 
Vielfalt der konkreten gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Es geht 
Marx also darum da die warenproduzierende Gesellschaft die wirk-
liche Totalitt ihrer arbeitsteiligen Gesamtproduktion nicht als 
konkrete Allgemeinheit "hat", da sie nicht imstande ist, den 
"Reichtum des Besonderen" als gesellschaftliche Allgemeinheit der 
Arbeit "in sich zu fassen". Es ist erstaunlich, wie wenig von den 
marxistisch orientierten werttheoretischen Autoren die Bedeutung 
des Hegelschen Doppelbegriffs von abstrakter und konkreter Allge-
meinheit fr die marxsche Theorie der abstrakten Arbeit erkannt 
und herausgearbeitet worden ist. So meint Backhaus, ohne ber die 
doppelte Bedeutung des Allgemeinheits-Begriffs nachzudenken, "da 
Marx 'Allgemeines` als eine Einheit begreift, welche die Totalitt 
aller Bestimmungen in ihrer Verschiedenheit in sich enthlt" 
(Backhaus 1969, S. 144 f.). So ist es bezglich der Gesellschaft-
lichkeit des Systems der konkret-ntzlichen Arbeiten "an sich", 
aber nicht "fr" die Menschen einer warenproduzierenden Gesell-
schaft; daher eben die Realkategorie der abstrakten Arbeit als die 
einer abstrakten und nicht konkreten Allgemeinheit. Backhaus ver-
steigt sich nun soweit, da fr ihn "diese Bestimmung", nmlich 
die Allgemeinheit als eine Totalitt aller Bestimmungen in ihrer 
(konkreten) Verschiedenheit, ausgerechnet eine Bestimmung ist, 
"die unmittelbar ... das Wesen des Geldes bezeichnet ..." (ebda, 
S. 145). Umgekehrt. Das Geld stellt gerade die Inkarnation der ab-
strakten Allgemeinheit dar, die eben keineswegs die konkrete Tota-
litt des Systems der ntzlichen Arbeiten "in sich enthlt", diese 
vielmehr "auslscht". Es rcht sich hier wieder, da Backhaus von 
Anfang an die zwei Bedeutungs-Ebenen des Wertform-Begriffs nicht 
auseinandergehalten hat und statt den bergang von der Arbeit zum 
Wert den vom Wert zum Tauschwert als primr behandelt. Wie schon 
beim Verstndnis des "Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten" 
bleibt er so auch beim Begriff des Allgemeinen in der gesell-
schaftlichen Realabstraktion des Werts hngen; der Gegensatz des 
Abstrakten und des Konkreten bleibt fr ihn auf dem Boden der Ab-
straktion selbst, das erscheinende abstrakte Ding, das Geld, ver-
wandelt sich unter der Hand in eine "konkrete" Allgemeinheit, wh-
rend es gerade die Inkarnation des Gegenteils ist. Backhaus hat 
sich im begrifflichen Labyrinth der Wertabstraktion verirrt, weil 
er das wirklich Konkrete, das gesellschaftliche System der Ar-
beitsteilung mit seiner Totalitt der vielfltigen ntzlichen Ar-
beiten, auen vor gelassen und die "Konkretion" blo innerhalb des 
Wertbegriffs selber gesucht hat.

Die abstrakt bleibende Allgemeinheit der Arbeit ist gerade die 
spezifische, irrationale Gesellschaftlichkeit der Warenproduktion. 
In diesem Sinne spricht Marx im "Rohentwurf" von 1857/58 bereits 
ausdrcklich von der spezifischen Allgemeinheit der warenproduzie-
renden Arbeiten, die eine abstrakte, getrennte ist und als solche 
bewutlos in der Widerspiegelung der brgerlichen Verhltnisse 
durch Adam Smith erscheint: "Mit der ABSTRAKTEN ALLGEMEINHEIT der 
reichtumschaffenden Ttigkeit nun auch die Allgemeinheit des als 
Reichtum bestimmten Gegenstandes, Produkt berhaupt oder wieder 
Arbeit berhaupt, aber als vergangene, vergegenstndlichte Arbeit" 
(Marx 1974, S. 24, Hervorheb. R. K.).

Ebenso mehrfach im ersten verffentlichten Text der Vorarbeiten 
zum 'Kapital`, der Schrift "Zur Kritik der politischen konomie" 
von 1859: "Als Tauschwert von verschiedener Gre stellen sie (die 
Waren, R. K.) ein Mehr oder Minder, grere oder kleinere Quanta 
jener einfachen. gleichfrmigen, ABSTRAKT ALLGEMEINEN Arbeit dar, 
die die Substanz des Tauschwerts bildet" (Marx 1968, S. 24, Her-
vorheb. R. K.). Noch deutlicher einige Seiten weiter: "Die Arbeit, 
die sich im Tauschwert darstellt, ist vorausgesetzt als Arbeit des 
vereinzelten Einzelnen. Gesellschaftlich wird sie dadurch, da sie 
die Form ihres unmittelbaren Gegenteils, die FORM DER ABSTRAKTEN 
ALLGEMEINHEIT annimmt" (ebda, S. 29, Hervorheb. R. K.). 

In demselben Text von 1859 legt Marx, gegen Franklin gewendet, 
sogar extra die Betonung auf diesen spezifischen, historischen 
Charakter der Tauschwert setzenden abstrakten Arbeit. Er zitiert 
Franklin, der geschrieben hatte: "Da der Handel berhaupt nichts 
ist als der Austausch von Arbeit gegen Arbeit, wird der Wert aller 
Dinge am richtigsten geschtzt durch Arbeit" (zit. nach Marx, 
a.a.O.). Marx kommentiert nun: "Setzt man hier wirkliche Arbeit an 
die Stelle des Wortes Arbeit. so entdeckt man sofort die Vermi-
schung von Arbeit in der einen Form, mit Arbeit in der anderen 
Form. Da der Handel z B. im Austausch von Schusterarbeit, Minenar-
beit, Spinnarbeit, Malerarbeit usw. besteht, wird der Wert von 
Stiefeln am richtigsten geschtzt in Malerarbeit? Franklin meinte 
umgekehrt, da der Wert von Stiefeln, Minenprodukten, Gespinst, 
Gemlden usw. bestimmt wird durch abstrakte Arbeit, die keine be-
sondere Qualitt besitzt und daher durch bloe Quantitt mebar 
ist" (a.a.O., S. 54). Franklin sagt also in der Tat mehr, als er 
wei, wie Marx spter im 'Kapital` anmerkt(10) . Sein impliziter 
Begriff von abstrakter Arbeit ist nicht in sich reflektiert und 
deswegen auch nicht ausdrcklich; Franklin entgeht daher auch die 
Paradoxie der im Tauschwert dargestellten Arbeit als einer ab-
strakten Allgemeinheit, und Marx sagt auch sofort, warum: weil 
sich nmlich fr Franklin "die Verwandlung der wirklichen Produkte 
in Tauschwerte ... von selbst (versteht)" (a.a.O. S. 54). Marx 
trennt 1859 die Begriffe von Tauschwert und Wert noch nicht klar 
(vgl. dazu Rubin 1973, S. 64), aber es gibt keinen Zweifel, da 
hier "Wert" gemeint ist, also die Wertform auf der ersten Bedeu-
tungsebene. Und nun grenzt Marx seinen Begriff von abstrakter Ar-
beit ganz klar ab gegen den unhistorischen von Franklin, fr den 
die abstrakte Arbeit der Warenproduktion in eins fllt mit der 
Allgemeinheit von Arbeit berhaupt, d.h. im banalen, physiologi-
schen, natrlichen Sinne: "Da er aber die im Tauschwert enthaltene 
Arbeit nicht als die ABSTRAKT ALLGEMEINE, aus der allseitigen En-
tuerung der individuellen Arbeiten entspringende gesellschaftli-
che Arbeit entwickelt, verkennt er notwendig Geld als die unmit-
telbare Existenzform dieser entuerten Arbeit" (a.a.O., S. 54, 
Hervorheb. R K.). Marx sagt hier also ausdrcklich, da sein Be-
griff von abstrakter Arbeit kein unhistorisch-allgemeiner ist, 
sondern ein spezifischer der Warenproduktion; die scheinbar so 
leicht eingngige Definition der abstrakten Arbeit bezeichnet in 
Wirklichkeit einen paradoxen Gesellschaftszustand, den der ab-
strakten Allgemeinheit, in dem die Gesellschaftlichkeit der Men-
schen selber nur als abstrakte existieren kann, vermittelt durch 
das "abstrakte Ding", das Geld.

Im 'Kapital` schlielich verwendet Marx zunchst auf den ersten 
Seiten bei der Herausarbeitung des Doppelcharakters der Arbeit 
nicht mehr ausdrcklich die hegelsche Terminologie der abstrakten 
und konkreten Allgemeinheit, vielleicht zum Schaden fr die ein-
deutige Klarheit seiner Ableitung. Aber der SACHE nach ist dort 
der Begriff der abstrakten Arbeit als einer abstrakten Allgemein-
heit, einer Gesellschaftlichkeit, die gerade NICHT den "ganzen 
Reichtum des Besonderen" in sich fat, von diesem konkreten Reich-
tum vielmehr abgetrennt ist, zum ersten Mal ausfhrlich entwik-
kelt; der traditionelle Marxismus hat darber nur hinweggelesen. 
So mu durch diesen Raster hindurch der entscheidende Inhalt ent-
gehen, wenn Marx ber die Abstraktion am Produkt hinsichtlich des 
Werts spricht: "Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkrper 
ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitspro-
dukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand 
verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstra-
hieren wir auch von den krperlichen Bestandteilen und Formen, die 
es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht lnger Tisch oder Haus 
oder Garn oder sonst ein ntzliches Ding. Alle seine sinnlichen 
Beschaffenheiten sind ausgelscht (!!!). Es ist auch nicht lnger 
das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinn-
arbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem 
ntzlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet (!!!) der 
ntzliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es ver-
schwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Ar-
beiten, sie unterscheiden sich nicht lnger, sondern sind allesamt 
reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Ar-
beit" (Marx 1965, S. 52). Es ist hier ein Zustand beschrieben, in 
dem sich die Allgemeinheit der Arbeit gerade nicht als konkrete 
Allgemeinheit darstellen kann. Eine konkrete Allgemeinheit der Ar-
beit, wie wir sie einerseits in historischen nichtwarenproduzie-
renden Gesellschaften finden, wie sie sich andererseits im Kommu-
nismus als Aufhebung des Werts darstellen wrde, kann nicht "alle 
sinnlichen Beschaffenheiten auslschen", ebensowenig wie der 
"ntzliche Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet". Gerade in 
diesen Bestimmungen zeigt sich die reale ZERSTRUNGSPOTENZ des 
Werts, die erst heute mit voller Wucht ans Tageslicht tritt und 
vom traditionellen, wertfetischistisch, verblendeten Marxismus 
nicht erfat werden kann. Eine konkrete Allgemeinheit der Arbeit 
dagegen wrde es umgekehrt auszeichnen, da sie den "Reichtum des 
Besonderen" in sich fat, da also die Allgemeinheit oder Gesell-
schaftlichkeit nicht von der Besonderheit abgetrennt ist, oder an-
ders gesagt: da sowohl die Allgemeinheit wie die Besonderheit der 
Arbeit gleichermaen gesellschaftlich und daher von den Menschen 
angeeignete konkrete Totalitt sind. Die abstrakte Arbeit aber ist 
eine abgetrennte, abstrakte Allgemeinheit. Sie gleichzusetzen mit 
der Allgemeinheit von Arbeit berhaupt hiee gerade das histori-
sche Spezifikum der abstrakten Arbeit als einer Wert setzenden zu 
verwischen. Die abstrakte Arbeit als getrennte, abstrakte Allge-
meinheit oder Gesellschaftlichkeit hat den Charakter einer tat-
schlichen (und in der Konsequenz zerstrerischen) REDUKTION auf 
Unterschiedslosigkeit, auf "Auslschung" der sinnlich-konkreten 
Ntzlichkeit, auf die rein physiologische Abstraktion der Veraus-
gabung von Nerv, Muskel und Hirn etc., die absurderweise allein 
als die Gesellschaftlichkeit der Arbeit erscheinen kann. Die ab-
strakt allgemeine Arbeit ist Ausdruck der Tatsache, da also die 
GESELLSCHAFTLICHKEIT der Arbeit berhaupt nur als GETRENNTE AB-
STRAKTION sich darstellt. Als ntzliches Ding ist das Produkt 
NICHT GESELLSCHAFTLICH, ebenso wie die Arbeit als konkrete, leben-
dige, ntzliche NICHT GESELLSCHAFTLICH ist. Die GESELLSCHAFTLICH-
KEIT oder ALLGEMEINHEIT der Arbeit kann nicht als konkrete er-
scheinen, sondern nur als abstrakte, vom sinnlichen Inhalt ge-
trennte. Daran ndert berhaupt nichts, da es sich um ein und 
dieselbe Arbeit und um ein und dasselbe Produkt handelt. Die bei-
den Aspekte schlieen sich trotzdem gegenseitig aus, ein Kernpunkt 
des Problems der abstrakten Arbeit, der in der marxistischen Lite-
ratur meistens vernachlssigt wird, indem die Rede ist von der 
"Einheit" des Gebrauchs- und Tauschwerts, ohne da in der Dialek-
tik dieser Einheit gengend der Charakter gegenseitiger Aus-
schlielichkeit der beiden Seiten herausgearbeitet wird. Der Dop-
pelcharakter der Arbeit ist also weit davon entfernt, ewige Bedin-
gung und Form menschlicher Arbeit zu sein, sondern vielmehr Spezi-
fikum der Warenproduktion. Doppelcharakter heit gerade, da sich 
die beiden Aspekte des Besonderen und des Allgemeinen der Arbeit 
nicht nur in einer berhaupt getrennten, sondern vielmehr und dar-
ber hinaus in einer gegenstzlichen Form befinden. Sonst wre es 
auch sinnlos, von diesem Doppelcharakter zu reden oder es wre 
nichts als das Herumreiten auf einer platten Banalitt, nmlich 
der natrlich-physiologischen Allgemeinheit der Arbeit. Im Charak-
ter der warenproduzierenden Arbeit wie ihres Produkts schlieen 
sich Gebrauchswert und Wert, Besonderes und Allgemeines gegensei-
tig aus. "Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiede-
ner Qualitt, als Tauschwerte knnen sie nur verschiedener Quanti-
tt sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswert" (Marx 1965, 
S. 52). Ebenso: "Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in 
der Ware enthaltene Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug 
auf die Wertgre nur quantitativ" (ebda, S. 60). Es handelt sich 
also beim Doppelcharakter der Arbeit und der Ware um eine "Spal-
tung des Arbeitsprodukts in ntzliches Ding und Wertding" (ebda, 
S. 87).

Dasselbe ber den gegenseitig ausschlieenden Charakter von Ge-
brauchswert und Wert und die entsprechenden Aspekte der Arbeit 
sagt Marx auch schon 1859: "Aber als solche bloe Gebrauchswerte 
sind sie (die Waren, R.K.) gleichgltige Existenzen zueinander und 
vielmehr beziehungslos. Als Gebrauchswerte knnen sie nur ausge-
tauscht werden in Beziehung auf besondere Bedrfnisse. Austausch-
bar sind sie nur als quivalente, und quivalente sind sie nur als 
gleiche Quanta vergegenstndlichter Arbeitszeit, so da alle Rck-
sicht auf ihre natrlichen Eigenschaften als Gebrauchswerte und 
daher auf das Verhltnis der Waren zu besonderen Bedrfnissen aus-
gelscht ist" (Marx 1968, S. 39 f) Und explizit: "Aber diese 
Gleichsetzung und Ungleichsetzung schlieen sich wechselseitig 
aus" (ebda).

Marx ist also im 'Kapital` von dieser Konzeption der abstrakten 
Arbeit als einer ABSTRAKTEN ALLGEMEINHEIT, im Unterschied zu Hegel 
kein Gedankending, sondern real abstraktes Gesellschaftsverhlt-
nis, nicht nur nicht abgewichen, sondern hat diese Konzeption von 
der Sache her sogar przisiert und erweitert. Weiter hinten, im 
Abschnitt ber das Geld, kehrt er dann auch terminologisch zu die-
sem von Hegel herrhrenden Doppelbegriff zurck: "Der der Ware im-
manente Gegensatz von Gebrauchswert und Wert, von Privatarbeit, 
die sich zugleich als unmittelbare gesellschaftliche Arbeit dar-
stellen mu, von besonderer konkreter Arbeit, die zugleich nur als 
ABSTRAKT ALLGEMEINE Arbeit gilt, von Personifizierung der Sache 
und Versachlichung der Personen - dieser immanente Widerspruch er-
hlt in den Gegenstzen der Warenmetamorphose seine entwickelten 
Bewegungsformen" (Marx 1965, S. 128, Hervorheb. R. K.).

Marx nennt daher konsequent und ausfhrlich nur die konkret 
ntzliche Arbeit als eine allen Gesellschaftsformen gemeinsame: 
"Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als ntzliche Arbeit, ist die 
Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhngige Exi-
stenzbedingung der Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den 
Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben 
zu vermitteln" (Marx 1965, S. 57).

Es fllt ihm aber aus gutem Grund nicht ein, die abstrakte Ar-
beit und den Doppelcharakter der Arbeit ebenso als unhistorisch-
allgemein und als "ewige Naturnotwendigkeit" zu bezeichnen. Denn 
die abstrakte Arbeit setzt gerade als abstrakte Allgemeinheit die 
private Trennung der Produzenten voraus und konstituiert den Dop-
pelcharakter der Arbeit als gegenstzliches, ausschlieendes Ver-
hltnis von Allgemeinheit und Besonderheit, von Gesellschaftlich-
keit und Ntzlichkeit der Arbeit. Freilich knnte man sagen, da 
die Marxsche Darstellung des Problems insofern Mngel enthlt, als 
er etwas sorglos mit der Hegelschen Terminologie umgeht und deren 
Bedeutung in seinem eigenen, materialistischen Sinne gerade im Ab-
schnitt ber den Doppelcharakter der Arbeit nicht deutlich und 
ausdrcklich herausarbeitet, so da leicht Miverstndnisse nahe-
gelegt werden. Tatschlich deutet dieser Mangel in der Darstellung 
auch darauf hin, da Marx selbst noch nicht ganz im Reinen war 
hinsichtlich der Bedeutung der abstrakten Arbeit; immerhin hat er 
nicht umsonst gerade das erste Kapitel immer wieder umgearbeitet 
und htte dies nach Aussagen von Engels (vgl. dessen Vorwort) ver-
mutlich auch bei spteren Auflagen noch getan. Die Bedeutung der 
abstrakten Arbeit ist jedoch in den Texten von Marx bereits so um-
fassend herausgearbeitet. da sie sich ohne weiteres rekonstruie-
ren und ber die etwas knappe Darstellung von Marx hinaus explizit 
machen lt.

Besonders im Problem der abstrakten Arbeit als einer abstrakten 
Allgemeinheit im materialistisch gewendeten Hegelschen Sinne kommt 
wieder einmal zum Ausdruck, da "kein Marxist Marx verstanden hat" 
(Lenin), solange die Hegelsche Dialektik, ihre Begriffe und ihre 
Terminologie nicht aufgearbeitet sind, gerade im Begriffsapparat 
der Marxschen Kritik der Politischen konomie. Da es freilich al-
lein mit dem Hegel-Studium als solchem nicht getan und auch eine 
adquate Ausarbeitung dieses Begriffsapparats im Sinne der Marx-
schen Theorie gefordert ist, zeigt ungewollt der in jngster Zeit 
mit Verffentlichungen zum Thema der abstrakten Arbeit hervorge-
tretene Dieter Wolf, wenn er ber die "Bedeutung der abstrakt-
menschlichen Arbeit in allen Gesellschaftszustnden, unabhngig 
von deren historisch-spezifischer Form" (Wolf 1985, S. 49) 
schreibt. Leider kommt Wolf berhaupt nicht auf den Gedanken, die 
Frage der abstrakten Arbeit unter dem Aspekt des Verhltnisses von 
abstrakter und konkreter Allgemeinheit des gesellschaftlichen Ar-
beitsteilungs-Systems grundstzlich aufzurollen. So gert er bei 
der Bestimmung der Abstraktheit und der gesellschaftlichen Allge-
meinheit in eine heillose Konfusion, die auch nicht dadurch gelst 
wird, da er die abstrakte Arbeit nicht fr alle Gesellschaftsfor-
mationen als die gesellschaftlich-allgemeine Form der Arbeiten 
gelten lassen will. Trotzdem aber soll die abstrakte Arbeit in ei-
nem unhistorisch-allgemeinen Sinn eine "ewige" GESELLSCHAFTLICHE 
Bedeutung besitzen. Wolf leitet seine spezielle Version der "Vere-
wigung" der abstrakten Arbeit allerdings nicht aus ihrer natrli-
chen, physiologischen Allgemeinheit ab, sondern auf eigentmliche 
Weise aus der "quantitativen" Seite der Arbeit, die als besonde-
rer, getrennter Aspekt fr "alle Gesellschaftszustnde" gleich-
bleibend sein soll.

Zu diesem Zweck mu er zunchst die "qualitative Seite" der Ar-
beit als einseitiges, fr sich seiendes Moment hervorheben und 
macht sich dabei schon eines logischen Fehlers schuldig.: "die ge-
sellschaftliche Arbeit wird unter dem Gesichtspunkt ihrer Qualitt 
verteilt, insofern es verschiedene konkret-ntzliche Arbeiten 
gibt" (Wolf 1985, S. 49). Der Satz wird zum schlichten Unsinn, 
wenn er auf die Ausschlielichkeit oder nicht quantitative Be-
stimmtheit der "qualitativen Seite" hinsichtlich der "konkret-
ntzlichen Arbeiten" hinweisen soll, um dann deren eigene Quanti-
tt als BESONDEREN, GETRENNTEN Aspekt, eben den der "abstrakt 
menschlichen Arbeit" zu behandeln. Die gesellschaftliche Arbeit 
soll "unter dem Gesichtspunkt ihrer Qualitt" VERTEILT werden, 
aber als solche qualitative, ntzliche Arbeit noch nicht quantita-
tiv bestimmt sein. Wolf kommt auf den Unsinn einer "quantittslo-
sen Verteilung" bestimmter Qualitten hinaus, eine contradictio in 
adjecto. Er vergit tatschlich, da im Begriff der "Verteilung" 
ja schon der quantitative Aspekt mitenthalten sein mu, da natr-
lich bestimmte Qualitten verschiedener Art immer nur nach quanti-
tativer Magabe "verteilt" werden knnen. Er verfllt also in den 
Widersinn, eine "rein qualitative" Verteilung der gesellschaftli-
chen Arbeit zu behaupten, um dann die "abstrakt-menschliche Ar-
beit" als separaten, getrennten (eben abstrakten) "quantitativen 
Aspekt" einfhren zu knnen: "In dem gesellschaftlichen Zusammen-
hang, worin die einzelnen Arbeiten qualitativ als Glieder der Ge-
samtarbeit und quantitativ als aliquote Teile der Gesamtarbeits-
zeit gesetzt werden, werden sie auch als abstrakt-menschliche Ar-
beit aufeinander bezogen und damit gleichgesetzt" (ebda, S. 50). 
Wenn dies fr "alle Gesellschaftszustnde gelten soll, dann gibt 
es keine anderen als Wert setzende oder Waren produzierende. Denn 
nur in einer warenproduzierenden Gesellschaft wird das Setzen der 
einzelnen Arbeiten als quantitativer Teil der gesellschaftlichen 
Gesamtarbeitszeit als ihre ABSTRAKTE Allgemeinheit oder Gesell-
schaftlichkeit ABGETRENNT von ihrem qualitativen Dasein als Glie-
der der Gesamtarbeit. Wolf spricht also keineswegs, wie er glaubt, 
von der Allgemeinheit der Arbeit in "allen Gesellschaftszustn-
den", wenn er am Begriff der "abstrakt-menschlichen Arbeit" als 
einer gesellschaftlichen Kategorie festhlt, sondern immer nur von 
einem Gesellschaftszustand, der sich in dem Widerspruch herum-
treibt, da die getrennte Privatarbeit als ihr Gegenteil, nmlich 
als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit erscheinen mu.

Dies wird auch deutlich, wenn Wolf schreibt: "Die konkret - 
ntzlichen Arbeiten besitzen auch unabhngig von dem gesellschaft-
lich bestimmten, vielgliedrigen System der Arbeitsteilung die ALL-
GEMEINE EIGENSCHAFT (Hervorheb. Wolf) abstrakt-menschliche Arbeit 
zu sein" (ebda, S. 52). Die Konfusion von Wolf ist vollkommen. 
Denn "unabhngig" vom vielgliedrigen System der Arbeitsteilung ist 
die "Allgemeinheit" der Arbeit, d.h. aber eben ihre Gesellschaft-
lichkeit, nur dann, wenn dieses System der verschiedenen ntzli-
chen Arbeiten als solches gerade (der Form nach) NICHT "gesell-
schaftlich" ist, sondern aus einer Summe von getrennten Privatar-
beiten besteht. Einzig und allein unter dieser Bedingung kann die 
Allgemeinheit der Arbeit sich als eine abstrakte von ihren ver-
schiedenen ntzlichen Inhalten lostrennen und als abstrakte Arbeit 
erscheinen, d. h. als abstrakte Gesellschaftlichkeit der Arbeit in 
einen ausschlieenden Gegensatz treten zum der Form nach privat 
bleibenden ntzlichen Inhalt.

Wolf mu sich schlielich zu der Behauptung versteigen, da die 
gesellschaftlichen Arbeiten allein dadurch, da sie berhaupt auf-
einander bezogen werden, in die Bestimmung der abstrakt-menschli-
chen Arbeit gesetzt werden: "Allein durch diese Beziehung ist die 
abstrakt-menschliche Arbeit auch dann, wenn sie nicht die gesell-
schaftlich-allgemeine Form der Arbeiten ist, nicht nur eine allge-
meine Eigenschaft aller konkret-ntzlichen Arbeiten, sondern dar-
ber hinaus eine allgemeine Eigenschaft der GESELLSCHAFTLICHEN Ar-
beit und damit eine GESELLSCHAFTLICHE Bestimmung. Wrden die ein-
zelnen Arbeiten im Zuge der proportionellen Verteilung der Gesamt-
arbeit nicht quantitativ als deren aliquote Teile behandelt, dann 
spielte die abstrakt-menschliche Arbeit auch keine gesellschaftli-
che Rolle" (a.a.O., S. 52, Hervorheb. Wolf).

Indem Wolf die abstrakte Arbeit in eine ewige "allgemeine Eigen-
schaft" aller gesellschaftlichen Arbeit verwandelt, kann er ber-
haupt nicht mehr denken, was "Abstraktheit" eigentlich bedeutet, 
nmlich Abtrennung, Aussonderung eines Allgemeinen, bei bloen 
Denkoperationen eine Selbstverstndlichkeit, als Gesellschaftska-
tegorie aber negativ und von destruktiver Konsequenz. In einer 
nicht-warenproduzierenden Gesellschaft werden aber die Arbeiten 
unmittelbar als konkret-ntzliche aufeinander bezogen und gerade 
deswegen verschwindet die abstrakte Arbeit als gesellschaftliche 
Kategorie. Wolf sucht sich wie schon weiter oben in den "quantita-
tiven Aspekt" zu retten. Werden aber die Arbeiten unmittelbar als 
ntzliche aufeinander bezogen, dann ist in diesem qualitativen Be-
zug auch der quantitative immer schon mitenthalten und tritt nicht 
als getrennter, "abstrakter" Bezug noch extra hinzu, schon gar 
nicht als "Eigenschaft". Sind die Arbeiten als konkrete allgemein, 
d.h. gesellschaftlich, dann bedarf es keiner abstrakten Allgemein-
heit mehr. Qualitt und Quantitt bleiben als konkrete Allgemein-
heit ungetrennt.

Die Allgemeinheiten der Arbeiten als konkret-ntzliche ist nicht 
getrennt von ihrer Allgemeinheit als "aliquote Teile der Gesamtar-
beit" und insofern letztere Allgemeinheit auch nicht "abstrakt". 
Dies sagt auch Marx, wenn er fr eine nicht-warenproduzierende Ge-
sellschaft hinsichtlich des quantitativen (Arbeitszeit-) Aspekts 
feststellt: "Die durch die Zeitdauer gemessene Verausgabung der 
individuellen Arbeitskrfte erscheint hier aber VON HAUS AUS 
(Hervorheb. R. K.) als gesellschaftliche Bestimmung der Arbeiten 
selbst ..." (Marx 1965, S. 92).

Insofern kann Wolf sich auch nicht in seinem Sinne auf Marx be-
rufen, wenn er mehrfach dieselbe Stelle zitiert, wo Marx sagt, da 
"in jeder gesellschaftlichen Arbeitsform ... die Arbeiten der ver-
schiedenen Individuen auch als menschliche aufeinander bezogen 
(sind)" (zit. nach Wolf, a.a.O., S. 68, S. 71 u. a.) und da nur 
in der warenproduzierenden Gesellschaft "diese Beziehung selbst 
als die spezifisch-gesellschaftliche Form der Arbeiten (gilt)" 
(ebda). Nur wo diese Beziehung der Arbeiten als menschliche von 
ihrer Ntzlichkeit abgetrennt ist, ist sie auch "abstrakt" und nur 
dort existiert die "abstrakt-menschliche Arbeit" als eine GESELL-
SCHAFTLICHE Kategorie. Wo aber in nicht-warenproduzierende Gesell-
schaften die Arbeiten "auch" als menschliche aufeinander bezogen 
sind, meint dieses "auch" eben kein Abstraktum, kein Hinzutreten-
des und an sich Getrenntes, sondern eine unmittelbare konkrete 
Identitt. INSOFERN und INDEM die Arbeiten als konkret-ntzliche 
aufeinander bezogen sind, sind sie "auch" (gleichzeitig, DADURCH, 
identisch) als "menschliche" (d.h. als Teile der Gesamtarbeit) 
aufeinander bezogen. Nicht aber: Die Arbeiten sind als konkret-
ntzliche unmittelbar aufeinander bezogen, sie sind "ABER AUCH" 
(im Sinne von: "auerdem", extra uerlich hinzutretend) als 
"menschliche" aufeinander bezogen. Dies letztere wre ein Wider-
sinn bei nicht-warenproduzierenden Gesellschaften, und genau die-
ser Widersinn kommt in der Auffassung von Wolf zum Ausdruck.

Die quantitative "Behandlung" der einzelnen Arbeiten als "ali-
quote Teile der Gesamtarbeit" im Zuge von deren "proportioneller 
Verteilung" ist als solche schon unmittelbar auch QUALITT, quali-
tative Entscheidung. Die quantitative proportionelle Verteilung 
von Mengen gesellschaftlicher Arbeit auf die Produktion einerseits 
von Privat-Autos, andererseits von ffentlichen Verkehrsmitteln 
ist bereits auch unmittelbar qualitative Bestimmung. Aus dem Form-
Gegensatz von Privatheit und Gesellschaftlichkeit der Arbeit her-
aus verselbstndigt sich der quantitative Aspekt freilich gegen-
ber der Qualitt, d. h. es werden in der Konsequenz zwangslufig 
in qualitativer Hinsicht irrationale, zerstrerische Entscheidun-
gen getroffen, insofern die GESELLSCHAFTLICHE Rationalitt eine 
vom qualitativen Inhalt abgetrennte, rein quantitative oder, an-
ders gesagt, der Reichtum ein ABSTRAKTER ist. Diese Verselbstndi-
gung und Gegenstzlichkeit der Quantitt gegenber der Qualitt 
der gesellschaftlichen Arbeit ist aber nur Folge der abstrakten 
Arbeit selbst, d. h. der Tatsache, da die Allgemeinheit oder Ge-
sellschaftlichkeit der Arbeit sich berhaupt als abstrakte, ge-
trennte darstellt. Nur unter dieser Bedingung der realen Ge-
trenntheit der gleichwohl gesellschaftlichen Arbeiten macht der 
Begriff "abstrakte Arbeit" berhaupt einen gesellschaftlichen 
Sinn.

Es ntzt gar nichts, wenn Wolf den Begriff der abstrakten Arbeit 
auf die "Messung ihrer Zeitdauer" begrenzen und unterscheiden will 
von der abstrakten Arbeit als der gesellschaftlichen Form der Ar-
beiten: "Durch die Zeitdauer ihrer Verausgabung gemessen zu werden 
und insofern auf abstrakt-menschliche Arbeit reduziert zu werden, 
ist in dem oben auseinandergesetzten Sinne eine gesellschaftliche 
Bestimmung der konkret-ntzlichen Arbeiten. Diese gesellschaftli-
che Bestimmung darf aber nicht mit der historisch-gesellschaftli-
chen Form der einzelnen Arbeiten verwechselt werden" (a.a.O., 
S. 57).

Wolf versteht abermals berhaupt nicht, was Abstraktion als ge-
sellschaftliche Realkategorie eigentlich bedeutet, was "Reduktion" 
auf abstrakt-menschliche Arbeit berhaupt heit, nmlich "abstra-
hieren", lostrennen der Arbeiten von ihrem wirklichen Inhalt. An-
ders ist es sinnlos, von abstrakt-menschlicher Arbeit in einem ge-
sellschaftlichen Sinne berhaupt zu sprechen, weil die Messung der 
Zeitdauer ihrer Verausgabung sonst nicht getrennt ist vom zu mes-
senden ntzlichen Inhalt, diesen nicht "auslscht", sobald die Ar-
beiten als gesellschaftlich behandelt werden, und deshalb eben 
auch nicht abstrakt "ist". Wenn der Bau eines Verkehrsmittels zur 
Debatte steht, der dafr notwendige Arbeitsaufwand gemessen und 
kalkuliert wird, und diese Arbeit bei positiver Entscheidung 
schlielich qualitativ und quantitativ als bewut geplanter Teil 
der Gesamtarbeit durchgefhrt wird, dann ist daran berhaupt 
nichts "abstrakt". Es gehrt schon das durch und durch verding-
lichte Bewutsein eines in den Kategorien der Warenproduktion den-
kenden Theoretikers wie Wolf dazu, aus dem Messen des Arbeitsauf-
wands fr bestimmte konkret-ntzliche Arbeiten eine "Reduktion" 
auf "abstrakt-menschliche" Arbeit zu machen, diese dingliche Ab-
straktion in einen ganz anderen gesellschaftlichen Zusammenhang 
sozusagen hinterrcks hineinzudenken und die Abstraktheit so zur 
dinglichen "Eigenschaft" zu verewigen. Es ist also daran festzu-
halten, da die gesellschaftliche Bestimmung der Arbeiten als ab-
strakt-menschliche durchaus zusammenfllt mit einer bestimmten hi-
storisch-gesellschaftlichen Form der einzelnen Arbeiten, nmlich 
mit der Warenform. Wenn ich die Quantitt als gesellschaftliche 
von ihrer konkreten inhaltlichen Bestimmtheit ablse, dann wird 
sie zur abstrakten Allgemeinheit; bleibt die Quantitt verbunden 
mit ihrer konkreten inhaltlichen Bestimmtheit, dann ist auch ihre 
Allgemeinheit konkret und es findet keine REDUKTION auf einen los-
getrennten, insofern abstrakten quantitativen Aspekt statt.

Weit davon entfernt, im gesellschaftlichen Sinne eine unhistori-
sche "allgemeine Eigenschaft" zu sein, drckt die abstrakte Arbeit 
immer nur den Widerspruch aus, da Privatarbeit sich als ihr Ge-
genteil, als gesellschaftliche Arbeit darstellen mu. berhaupt 
gibt es in GESELLSCHAFTLICHER Hinsicht gar nicht wirklich "Eigen-
schaften", sondern VERHLTNISSE (Beziehungen). Abstraktion ist nur 
an Naturdingen oder Naturprozessen wie Pflanze, Geschwindigkeit 
etc. eine bloe Zusammenfassung von Merkmalen oder eine allgemeine 
"Eigenschaft"; an Menschen oder "menschlichen Dingen" nur inso-
weit, als sie auch Naturdinge sind, nicht aber hinsichtlich ihrer 
Gesellschaftlichkeit. Wolf vergit, da es sich bei dem Begriff 
der abstrakten Arbeit nicht um die unbestreitbare allgemeine na-
trliche, physiologische Eigenschaft aller beliebigen ntzlichen 
Arbeiten im ungesellschaftlich-unhistorischen Sinne handelt, also 
um eine dingliche "Eigenschaft", die sowohl die Verausgabung 
menschlicher Arbeitskraft beim Abschlagen eines Faustkeils als 
auch beim Erstellen eines Computerprogramms "besitzt", sondern um 
die Verwandlung dieser Eigenschaft in die verdinglichte Darstel-
lung eines spezifischen GESELLSCHAFTLICHEN VERHLTNISSES, in dem 
die Gesellschaftlichkeit eben eine vom Inhalt getrennte, d. h. ab-
strakte ist. Wolf gleitet entgegen seiner Absicht stndig in die 
blo natrlich-physiologische Allgemeinheit der Arbeit ab, wenn er 
von einem spezifisch gesellschaftlichen Moment sprechen will. Es 
ist berhaupt schon ein faux pas, in einem gesellschaftlichen 
Sinne platt verdinglicht von "allgemeiner Eigenschaft" zu sprechen 
statt von Verhltnissen. Wolf lt also in nicht-warenproduzieren-
den Gesellschaften die ntzlichen Arbeiten zwar in unmittelbar ge-
sellschaftlicher Form erscheinen, aber widersinnigerweise ohne ih-
re quantitative Bestimmung, die extra hinzutreten soll als das 
"Bezogenwerden" einer verrckten "Eigenschaft", nmlich da sie 
"abstrakt-menschlich" sein sollen. Die Allgemeinheit der Arbeiten 
ist aber immer ihre Gesellschaftlichkeit, nicht ihre Quantitt als 
solche. Diese ihre Gesellschaftlichkeit kann abstrakt oder konkret 
sein. Ist sie abstrakt, d. h. getrennt von ihrer Ntzlichkeit, die 
privat bleibt, dann verdoppelt sich der Gesichtspunkt der Quanti-
tt: als konkret ntzliche, aber private Arbeiten haben die ver-
schiedenen Arbeiten natrlich auch eine Quantitt, aber diese mu 
nicht mit ihrer gesellschaftlichen (durchschnittlichen) berein-
stimmen, weil von der privaten Verausgabung der Arbeitskraft des 
mit privaten Produktionsmitteln arbeitenden Produzenten abhngig. 
Die gesellschaftliche Quantitt der Arbeiten tritt dann separat 
als reine Quantitt in Erscheinung, aber nicht mehr als die wirk-
liche Quantitt der privaten konkret-ntzlichen Arbeiten, sondern 
als abstrakte Quantitt der abstrakten (abstrakt-allgemeinen) ge-
sellschaftlichen Arbeit.

Ist aber umgekehrt die Gesellschaftlichkeit der Arbeiten selber 
konkret, dann fallen auch die Quantitt der konkret-ntzlichen Ar-
beiten als solche und ihre gesellschaftliche Quantitt unmittelbar 
zusammen, weil sie als Verausgabung unmittelbar gesellschaftlicher 
Arbeitskraft mit gesellschaftlichen Produktionsmitteln sich dar-
stellen. Indem die Produzenten ihre Arbeiten naturwchsig unmit-
telbar aufeinander beziehen (vorkapitalistisch) oder durch bewute 
gemeinsame Planung (Kommunismus) haben sie immer schon a priori 
ihre Arbeiten einander gleichgesetzt und als konkret-allgemeine 
behandelt; es bedarf daher keines besonderen "Akts" der Gleichset-
zung mehr, eben weil die Gesellschaftlichkeit nicht abstrakt ist. 
Die abstrakte Bestimmung der Arbeiten als "Verausgabung von Nerv, 
Muskel, Hirn" etc. "gibt" es dann zwar noch, aber sie ist nichts 
mehr weiter als eine gedankliche Abstraktion, die ein "natrli-
ches" allgemeines Merkmal der Arbeit unhistorisch gltig zusammen-
fat; sie besitzt jedoch keinerlei gesellschaftliche Bedeutung 
mehr. Als Realkategorie des gesellschaftlichen Zusammenhangs ver-
schwindet dann die abstrakte Arbeit vollstndig. Was bei Wolf als 
der ominse "Akt der Gleichsetzung der Arbeiten erscheint, der als 
separat "quantitativer" Bezug fr alle, auch nicht-warenproduzie-
renden Gesellschaften gelten soll, ist in Wirklichkeit nichts als 
ein anderer Name fr die ZIRKULATIONSSPHRE DER WARENPRODUKTION, 
die sich im verdinglichenden Denken unseres Autors durch die Hin-
tertr wieder als unerkannter Begriff der Warenlogik herein ge-
schlichen hat.

Wolf verfllt daher in typisch positivistisches Denken, insofern 
er bewutlos ein gesellschaftliches Verhltnis oder das wesentli-
che Moment eines solchen ("abstrakte Arbeit") zur dinglichen Ei-
genschaft verkrzt, gerade dadurch in der mystifizierenden Ab-
straktheit belt und diese unkritisch hingenommene gesellschaft-
liche Abstraktion dann zur absoluten, unhistorischen Allgemeinheit 
verdnnt. Mit einigen Windungen und Wendungen nimmt er schlielich 
die Mystifikation der Ware doch fr bare Mnze, statt sie kritisch 
aufzulsen. Diesem Denken entspricht letztlich die falsche Identi-
fikation von Abstraktheit und Allgemeinheit, wie sie das brgerli-
che Denken berhaupt kennzeichnet und erstmals von Hegel, wenn 
auch in idealistischer Form, aufgelst worden ist. Wolf bietet so 
bestenfalls das kuriose Schauspiel einer positivistischen Hegel-
Lektre, nicht aber eine kritische Auflsung der Warenlogik auf 
der Basis der Marxschen Theorie, deren Verstndnis gerade auch als 
kritisches eine materialistische Wendung der Hegelschen Kategorien 
zur Bedingung hat, die nicht mit dem Idealismus zusammen auch die 
Dialektik ausschttet und abstrakte Arbeit bzw. Wert tatschlich 
platt als "dingliche Eigenschaft" hinnimmt, wie sie sich in der 
brgerlichen Mystifikation real darstellen.

Wolf verbessert seine Position nicht, wenn er die Abstraktheit 
der Arbeit nicht fr alle Gesellschaftszustnde als ihre gesell-
schaftlich-allgemeine Form verstanden wissen will. Er stiftet nur 
Verwirrung, indem er die blo natrliche und insofern allgemeine, 
unhistorisch-ungesellschaftliche Eigenschaft der Arbeiten, die 
sich nur in der Warenproduktion zur Mystifikation einer, gesell-
schaftlichen Eigenschaft verkehrt, dennoch auch fr nicht-waren-
produzierende Gesellschaften als gesellschaftliche Bestimmung ret-
ten will. Wolf stolpert darber, da er die Bestimmung von ab-
strakter und konkreter Allgemeinheit nicht bezieht auf den Begriff 
der gesellschaftlichen Arbeit und dadurch zu einem falschen, 
unhistorischen Begriff der abstrakten Arbeit "fr alle Gesell-
schaftszustnde" gelangt.

Himmelschreiend wird der Widersinn, wenn Wolf so behauptet, da 
einerseits "nur in kapitalistischen Gemeinwesen" die "abstrakt-
menschliche bzw. abstrakt-allgemeine Arbeit die gesellschaftlich-
allgemeine Arbeit" sei (a.a.O., S. 71) und andrerseits fordert, 
da man "gesellschaftlich-allgemeine Arbeit" nicht gleichsetzen 
drfe mit der "abstrakt-menschlichen Arbeit" (a.a.O., S. 70 f.). 
WELCHE "Allgemeinheit" aber soll denn bei Wolf die abstrakte Ar-
beit als (separates, einen "Gleichsetzungs-Akt" konstituierendes) 
"quantifizierendes Moment" der gesellschaftlichen Gesamtarbeit 
darstellen, wenn nicht eine "gesellschaftliche"?! Wrde es sich 
konsequent blo um die NATRLICHE (physiologische) allgemeine Ei-
genschaft aller ntzlichen Arbeiten handeln, Verausgabung von 
Nerv, Muskel, Hirn etc. zu sein, dann wre dies eben keine GESELL-
SCHAFTLICHE Allgemeinheit, wie Wolf selber sagt: "Unabhngig vom 
gesellschaftlichen Zusammenhang wre sie nur noch die den unter-
schiedlichen, konkret-ntzlichen Arbeiten gemeinsame und insofern 
allgemeine Eigenschaft" (a.a.O., S. 52). Als angeblich gesondert 
in allen Gesellschaften hinzutretender quantitativer Aspekt, als 
GESELLSCHAFTLICHE "Eigenschaft" aber, als Art und Weise oder "Akt" 
der Proportionierung der Gesamtarbeit wre die abstrakt-menschli-
che oder abstrakt-allgemeine Arbeit auch bei Wolf notwendig immer 
eine GESELLSCHAFTLICHE, obwohl er verlangt, da man "beide Aus-
drcke," nmlich abstrakt-menschliche Arbeit einerseits und ge-
sellschaftlich-allgemeine Arbeit andererseits "nicht gleichsetzen 
soll". Indem aber die abstrakt-allgemeine Arbeit als Proportionie-
rung der Gesamtarbeit auch bei ihm notwendig wenigstens in dieser 
Hinsicht und Funktion eine gesellschaftlich-allgemeine ist, kommt 
er auf den Unsinn hinaus, da er pltzlich ZWEIERLEI "gesell-
schaftlich-allgemeine Arbeit" hat, eine eigentliche (die der kon-
kret-ntzlichen Arbeiten) und eine uneigentlich hinzutretende, ei-
ne explizite und eine "verschmt" implizite. Er sagt also tatsch-
lich nur, da die gesellschaftlich-allgemeine Arbeit fr ihn in 
nicht-warenproduzierenden Gesellschaften, die nicht die abstrakt-
menschliche Arbeit sein soll, sondern die direkte gesellschaftli-
che Allgemeinheit der konkret-ntzlichen Arbeiten, in Wirklichkeit 
leider doch nicht "allgemein" genug wre, so da trotzdem noch die 
abstrakt-menschliche Arbeit als Kategorie hinzutreten mte, um 
die doch angeblich schon in der Form der gesellschaftlichen Allge-
meinheit befindlichen ntzlichen Arbeiten erst "wirklich" gesell-
schaftlich-allgemein zumachen. Die Wrde der Allgemeinheit bekmen 
sie in Wahrheit erst durch eine der Warenlogik angehrende Katego-
rie. Die Kategorie der gesellschaftlichen Allgemeinheit bei Wolf 
strafte sich so selber Lgen, indem sie sich als gar nicht ernst-
haft allgemein entpuppte und die Krcke der warenlogischen ab-
strakten Arbeit zu Hilfe nehmen mte. Es enthllt sich so, da 
Wolf mit der krampfhaften Beibehaltung der Kategorie der abstrakt-
menschlichen Arbeit fr "alle Gesellschaftszustnde" als einer GE-
SELLSCHAFTLICHEN Kategorie zu gar keiner gesellschaftlich-allge-
meinen Form der ntzlichen Arbeiten ohne diese abstrakte Arbeit 
gelangen kann und also die abstrakte Allgemeinheit der Arbeiten in 
der Warenproduktion durch die Hintertr als fr "alle Gesell-
schaftszustnde gltig" behauptet werden mu. Der ganze theoreti-
sche Aufwand bei Wolf dient also offenbar zu nichts anderem, als 
mit "neuen" und weitausholenden Mitteln eine Weitergeltung waren-
logischer Kategorien in einer "Sozialistischen" bergangs- etc. 
Gesellschaft oder im Rahmen einer "sozialistischen" Politik ber-
haupt zu untermauern. Theoretische Anstze wie dieser ordnen sich 
bruchlos in den verkrzten, warenfetischistischen Traditions- und 
Arbeiterbewegungs-Marxismus ein, trotz aller hochtrabenden und an-
spruchsvollen Sprache.


4. Abstrakte Arbeit als Realabstraktion

Das Beispiel von Wolf zeigt nur, mit welcher positivistischen 
Hartnckigkeit und Vernageltheit sich nicht blo der Alltagsver-
stand, sondern auch das theoretische Bewutsein an die warenlogi-
schen Kategorien klammert, die sich quasi als Naturgesetze ber-
wltigend eingeprgt haben. Dieser bewutseins-berwltigende Cha-
rakter der warenlogischen Kategorien, im theoretischen Sinne der 
Stufenfolge abstrakte Arbeit - Wert - Tauschwert - Geld, kann 
nicht einfach fehlerhaftem Denken geschuldet sein, sondern wurzelt 
vielmehr in den objektiven gesellschaftlichen Verhltnissen 
selbst. Da es sich hier nicht um bloe Gedankendinge oder Bewut-
seinskategorien handelt, sondern um gesellschaftliche Realkatego-
rien, ist nur scheinbar selbst-evident. Nachdem der Begriff der 
abstrakten Arbeit als einer (negativen, heute in ihrem zerstreri-
schen Reifestadium aufzuhebenden) abstrakten Allgemeinheit der Ar-
beiten geklrt worden ist, mssen wir zum Problem der "Vergegen-
stndlichung" dieser abstrakten Arbeit im "Wert" zurckkehren, 
d. h. herausfinden, wie sich diese abstrakte Allgemeinheit der Ar-
beiten in die Mystifikation einer dinglichen Eigenschaft der Pro-
dukte verwandelt, ber die nicht einmal Theoretiker mit marxisti-
schem Anspruch wie Wolf hinausdenken knnen. Schon hier zeigt 
sich, da die warenlogischen Kategorien als gesellschaftliche Re-
alkategorien keineswegs so leicht und selbstverstndlich zu fassen 
sind. Das im Grunde trotz allen Aufwands denkfaule positivistische 
Bewutsein (gerade auch als "marxistisches") macht sich gewhnlich 
kein Problem daraus, indem es so tut, als habe es einfach mit 
"Realitten" der krudesten Art zu tun, die uerst simplen, haus-
backenen "Definitionen" zugnglich wren und keiner weiteren Er-
klrung bedrften. Zwar sind tatschlich die wirklichen, lebendi-
gen, konkret-ntzlichen Arbeiten ebenso EMPIRISCHE Realitt wie 
der Tauschwert (die Austauschbeziehung der Waren) und das Geld. 
Abstrakte Arbeit und Wert jedoch stellen keinerlei empirische Rea-
litt dar. Der gewhnliche, brgerliche Positivismus nimmt diese 
Tatsache ja zum Anla, diese Kategorien berhaupt fr nicht "exi-
stent", sinnlos oder "metaphysisch" zu erklren. Um diese Katego-
rien also zu begrnden, und zwar kritisch, auf ihre Aufhebung hin-
zielend, gengt der platte Verweis auf die sogenannte "Realitt" 
in ihrer empirischen Erscheinung keineswegs. Der "marxistische" 
Positivismus ohne Problembewutsein macht sich insofern wissen-
schaftlich nur lcherlich.

So berrascht es kaum, da dem marxistischen Denken der alten 
Arbeiterbewegung in allen ihren Lagern jegliches Problembewutsein 
hinsichtlich des Begriffs der abstrakten Arbeit als einer Realka-
tegorie mangelte. Es wurde also der Unterschied zwischen Gedanken-
abstraktion (Abstraktion als Gedankending, als Moment gedanklicher 
Widerspiegelung) und Abstraktion als gesellschaftlicher Realitt 
nicht reflektiert. Die Frage der abstrakten Arbeit konnte so 
leicht als blo logisches oder erkenntnistheoretisches Problem 
miverstanden werden, d.h. als Frage nach der Richtigkeit einer 
Abstraktion auf der Ebene bloer Gedankendinge. Die Problemstel-
lung gleitet dann von der Kritik der politischen konomie mehr 
oder weniger unmerklich hinber zur reinen Erkenntnistheorie und 
Logik, wobei der bestimmte Inhalt eigentlich gleichgltig ist und 
auch ein vllig anderer sein knnte. Marx geht es aber weder um 
eine abstrakte Methode noch um Logik an sich, sondern um die Kri-
tik bestimmter realer Verhltnisse. Gefragt ist also beim Problem 
der abstrakten Arbeit nicht einfach nach ihrer logischen Stimmig-
keit, sondern nach ihrer materiellen Realitt als gesellschaftli-
che Realkategorie. Wie wird, und zwar real, die konkret-ntzliche 
zur abstrakten Arbeit, diese zum Wert, dieser dann zu Tauschwert 
und Geld? Zwischen der empirischen Fabarkeit der konkret-ntzli-
chen Arbeiten und der empirischen Fabarkeit des Tauschwerts bzw. 
des Geldes klafft eine empirisch nicht fabare Lcke, die Marx mit 
den "unfabaren" Kategorien der abstrakten Arbeit und des Werts zu 
berbrcken sucht. Es kann aber keine blo gedankliche Brcke zwi-
schen auseinanderklaffenden empirisch harten Tatsachen geben, die 
vermittelnden Begriffe mssen sich als Widerspiegelung von Reali-
tten nachweisen lassen. Gefragt ist also nach den realen gesell-
schaftlichen Operationen, die sich begrifflich als abstrakte Ar-
beit und Wert darstellen sollen.

Es ist meines Wissens Alfred Sohn-Rethel, dem das Verdienst zu-
kommt, erstmals das Problem der "REALABSTRAKTION" aufgeworfen zu 
haben. Freilich steht auch die Errterung von Sohn-Rethel in einem 
primr erkenntnistheoretischen Zusammenhang und nicht direkt im 
Rahmen der Kritik der politischen konomie; schon von daher konnte 
ihm die Lsung des Problems nicht gelingen. Vor einer Kritik Sohn-
Rethels ist es jedoch ntig, die Richtigkeit und Bedeutung seiner 
Fragestellung hervorzuheben. Wenn dieser nmlich entgegengehalten 
wird, da es doch berhaupt nur "reale" (im Sinne von: richtige, 
einen realen Zusammenhang widerspiegelnde) und "irreale" (im Sinne 
von: falsche, unsinnige, keinen realen Zusammenhang widerspiegeln-
de) Abstraktionen "gebe", dann drckt dieser Einwand nur wieder 
einen vlligen Mangel an Problembewutsein aus, dann wird nicht 
begriffen, da wir hier nicht primr von Erkenntnistheorie spre-
chen, sondern von der Kritik der politischen konomie, da es 
nicht um einfache Denk- oder Verstandeskategorien geht, sondern um 
gesellschaftliche Realkategorien, die reale Verhltnisse ausdrk-
ken. Selbstverstndlich sind Wert und abstrakte Arbeit auch BE-
GRIFFLICHE Abstraktionen, also Denkleistungen des menschlichen 
Kopfes, die etwas Reales im Kopf widerspiegeln; als solche Begrif-
fe sind sie reine Gedankendinge, die als solche in der Tat nur 
"richtig" oder "falsch" sein knnen, ohne da dadurch ihr Charak-
ter als GEDANKENOPERATION in Frage stnde. Also etwa in dem Sinne, 
wie z. B. Lenin ber "Abstraktionen" in seinem Hegel-Konspekt 
schreibt: "Das Denken, das vom Konkreten zum Abstrakten aufsteigt, 
entfernt sich nicht - wenn es richtig ist ... - von der Wahrheit, 
sondern nhern sich ihr. Die Abstraktion der Materie, des Naturge-
setzes, die Abstraktion des Wertes usw., mit einem Wort alle wis-
senschaftlichen (richtigen, ernst zu nehmenden, nicht unsinnigen) 
Abstraktionen spiegeln die Natur tiefer, richtiger, vollstndiger 
wider" (Lenin 1964, S. 160). Der Wert wird hier ALS BEGRIFF unter 
Abstraktionen eingereiht, die allesamt als (die Leistung der Wi-
derspiegelung erbringende) Gedankendinge nicht in Frage stehen und 
so in der Tat nur, "richtig" oder "falsch" sein knnen. Nun geht 
es aber gerade darum, inwiefern sich der Wert und seine Erschei-
nungsformen Tauschwert und Geld auf eine hchst vertrackte und 
verteufelte Weise nicht in ihrem widerspiegelnden, begrifflichen 
Gedankendasein, sondern in ihrem realen, vom begrifflichen Denken 
unabhngigen und diesem vorausgesetzten Dasein von allen anderen 
Abstraktionen fundamental unterscheiden. Insofern ist die Frage 
der richtigen ("realen") oder falschen Widerspiegelung von Reali-
tten im Denken gar nicht das Thema, wenn wir von Realabstraktio-
nen sprechen. Vielmehr geht es um das Reale, das der Abstraktion 
vorausgesetzt ist. Erkenntnistheoretisch ist das Problem der Ab-
straktionen im gewhnlichen Sinne lngst geklrt. In der Ge-
schichte der Philosophie handelte es sich um die Frage, ob den 
(gedanklichen) Abstraktionen in der sinnlichen Realitt "Dinge" 
entsprechen oder ob es sich um bloe Gedankendinge handelt. Platon 
entwickelte das idealistische Konstrukt einer "hheren", wahren 
Welt oder Realitt, in der sich die Urbilder aller menschlichen 
Abstraktion tatschlich als solche dinglich befnden; in der Scho-
lastik wurde das Problem bekanntlich als Nominalismus-Realismus-
Streit ausgetragen. Es ist lngst bewiesen, da die Frage so ber-
haupt erkenntnistheoretisch falsch gestellt ist. Die Abstraktion 
als solche ist Denkleistung des menschlichen Kopfes, Aneignungs-
form der Wirklichkeit durch das menschliche Denken. Sie ist als 
solche keine unmittelbar reale Gegenstndlichkeit, die dem Denken 
vorausgesetzt wre, sondern wirklich reines Gedankending. Dennoch 
entspricht diesem Gedankending etwas Reales in der dem Denken vor-
ausgesetzten konkreten Realitt, jedoch nicht in der Form eines 
separaten DINGS, sondern vielmehr als realer ZUSAMMENHANG an wirk-
lichen Dingen und Verhltnissen. Wenn ich sage "Tier", dann "ab-
strahiere" ich von den wirklichen besonderen Tieren wie Lwe, Ti-
ger, Hase usw.; aber diese Abstraktion "Tier" ist natrlich kein 
Hirngespinst, keine bloe Fiktion etc., es entspricht ihr ein Re-
alzusammenhang, nmlich die sinnliche Realitt gemeinsamer Merkma-
le, die Lwe, Tiger und Hase als eine distinkte Einheit im Ver-
gleich etwa zu Pflanzen, Menschen oder unbelebter Materie erschei-
nen lassen. Diese Gemeinsamkeit, diese Einheit von Lwe, Tiger und 
Hase "existiert" real und vor dem Denken aber nur AN IHNEN, nicht 
getrennt von ihnen, nicht als selbstndige dingliche Entitt. Als 
solche ist die Abstraktion nur ein Gedankending.

Grundstzlich anders und paradox jedoch verhlt es sich bei der 
Abstraktion des Werts. Hier ist nicht nur der Begriff des Werts 
als Gedankending, als Widerspiegelung abstrakt, sondern das Wider-
gespiegelte selbst, das dem Denken vorausgesetzte Reale ist 
abstrakt! Jedenfalls dem "realen Schein" nach, d. h. als gesell-
schaftliche Realitt. Und auch die Erscheinungsformen dieser real-
abstrakten Dinglichkeit nmlich Tauschwert und Geld, werden als 
erscheinende Realitt um keinen Deut konkreter, vielmehr ist das 
Geld das "abstrakte Ding", die widersinnige, nichtsdestoweniger 
jedoch reale Ungeheuerlichkeit einer Abstraktion, die man anfassen 
kann, die als solche auerhalb des menschlichen Kopfes real ding-
lich existiert. Wie schwer und ungewohnt es ist, die Verdoppelung 
der Abstraktion als dem Denken vorausgesetzte Realitt und als Ge-
dankending, als Begriff, unterscheiden und begreifen zu knnen, 
zeigt nicht nur Backhaus, dem unter der Hand die selber abstrakte 
Erscheinungsform der Wertabstraktion wieder zum "Konkreten" wird. 
Der gesamte traditionelle Marxismus hat nicht einmal versucht, 
diese Unterscheidung zu machen und sich dem Problem der Realab-
straktion theoretisch zu stellen. Daher auch, selbst bei den gro-
muligsten Polemiken gegen Sohn-Rethel, meistens nur ein eher ver-
legenes Stutzen hinsichtlich dieses Begriffs der Realabstraktion: 
"Es kann nicht bestritten werden, da auch bestimmte gesellschaft-
liche Verhltnisse wirklich existierende Abstraktionen erzeugen 
..." (Brand, Kotzias, Sandkhler u.a. 1976, S.73). Aber zu mehr 
als einem kurzen Stutzen bringt es der lngst theoretisch verlot-
terte, positivistisch verflachte Vulgrmarxismus angesichts des 
gesellschaftlichen Paradoxons der Wertabstraktion nicht mehr, ge-
rade wo er sich als "Orthodoxie" noch immer aufspielt.(11) 

Da es sich bei der abstrakten Arbeit und dem Wert keineswegs um 
simple, kruden "Definitionen" zugngliche Gegebenheiten handelt, 
die der traditionelle Marxismus blo gedankenlos nachplappert, 
sondern um keineswegs endgltig geklrte gesellschaftliche Para-
doxien, kann bei Marx selber vielfach nachgelesen werden. In der 
Erstauflage des "Kapital" handelt er sogar explizit vom Paradoxon 
der Realabstraktion, wenn er im Zusammenhang mit der Wertform-Ana-
lyse ber die Form des allgemeinen quivalents sagt: "Es ist, als 
ob neben und auer Lwen, Tigern, Hasen und allen andern wirkli-
chen Thieren, die gruppiert die verschiedenen Geschlechter, Arten, 
Unterarten, Familien usw. des Thierreichs bilden, auch noch DAS 
THIER (Hervorheb. Marx) existierte die individuelle Inkarnation 
des ganzen Thierreichs. Ein solches Einzelne, das in sich selbst 
alle wirklich vorhandenen Arten derselben Sache einbegreift, ist 
ein ALLGEMEINES, wie THIER, GOTT usw." (Marx 1984, S. 27).

Marx benennt hier nicht nur klar das von Sohn-Rethel aufgegrif-
fene Paradoxon der Realabstraktion, er stellt es zugleich in einen 
Zusammenhang mit dem Begriff der abstrakten Allgemeinheit. Denn 
wenn real-dinglich "das Tier" existiert, dann ist diese Abstrak-
tion nicht nur real, sondern gleichzeitig eine reale abstrakte 
Allgemeinheit. Sie begreift einerseits "in sich selbst alle wirk-
lich vorhandenen Arten derselben Sache ein", insofern dies jedes 
Allgemeine tut, jedoch nur ABSTRAKT, d.h. getrennt von "allen 
wirklich vorhandenen Arten". Was sonst nur abstrakte, unvollkom-
mene Verstandesbestimmung des menschlichen Kopfes ist, etwa der 
abstrakt-allgemeine Begriff "Pflanze", der FR DEN KOPF (nicht 
aber in der diesem vorausgesetzten Realitt) nur abstrakt alle 
wirklichen Pflanzen einbegreift, nicht jedoch die begriffene Kon-
kretion aller verschiedenen Geschlechter, Arten, Unterarten, Fami-
lien usw. des Pflanzenreichs, das wird hier in der Realitt selber 
abstrakt-allgemeine, unvollkommene, negative Vergesellschaftung. 
Das Geld reprsentiert alle vergangenen Arbeiten in ihrer Gesell-
schaftlichkeit, aber eben nur abstrakt, getrennt vom wirklichen 
konkreten Arbeitsteilungssystem, und deswegen ist es ein real 
Abstrakt-Allgemeines. Backhaus hat gerade dieses Zitat vllig mi-
verstanden, weil er das "Einbegreifen" aller wirklich vorhandenen 
Arten in diesem Kontext fr die "Konkretion" nimmt, statt es als 
blo abstraktes "Einbegreifen" und damit als abstrakte Allgemein-
heit zu erkennen.

 Marx hat diese Formulierung in den spteren Auflagen nicht mehr 
gebraucht, wohl, um sich strker von der Hegelschen Terminologie 
abzugrenzen, deren Gebrauch allerdings damals andere Miverstnd-
nisse nahelegen konnte als heute. Es ist freilich zweifelhaft, ob 
Marx damit der Klarheit seiner Argumentation in the long run wirk-
lich einen Dienst erwiesen hat. Keinen Zweifel jedoch kann es 
daran geben, da Marx der SACHE nach in seiner Werttheorie genau 
dieses Problem der Realabstraktion, d.h. das unabhngig vom Denken 
sich vollziehende, diesem vorausgesetzte gesellschaftliche Real-
werden der abstrakt-allgemeinen Arbeit, getrennt von ihrer Ntz-
lichkeit, behandelt und bis zur dinglich-realen Erscheinung der 
abstrakten Arbeit im Geld durch alle Metamorphosen hindurch ver-
folgt und analysiert hat. Die Abstraktion der Arbeit und des Werts 
ist eine Realkategorie der kapitalistischen Produktionsweise, da-
her eine gesellschaftliche Realabstraktion; und ihre Untersuchung 
gehrt also auch in das Gebiet der Kritik der politischen konomie 
und nicht primr der Erkenntnistheorie. Es ist in dieser Hinsicht 
uerst aufschlureich, da sich die ganze, teilweise erbitterte 
Auseinandersetzung um die Theorie von Sohn-Rethel fast gar nicht 
auf seine erkenntnistheoretischen Schlufolgerungen und also sein 
eigentliches theoretisches Anliegen bezieht, sondern in erster Li-
nie auf seine kritische Entwicklung politkonomischer Begrifflich-
keiten (vgl. Brand, Kotzias, Sandkhler 1976, S. 18). Damit ist 
schon darauf verwiesen, da die eigentliche Brisanz des ganzen An-
satzes der "Realabstraktion" keineswegs auf dem von Sohn-Rethel 
selber gemeinten erkenntnistheoretischen Gebiet liegt.

Freilich mu gesagt werden, da sich das Hauptverdienst von 
Sohn-Rethel in dieser hier allein interessierenden Hinsicht (seine 
erkenntnistheoretischen Schlufolgerungen mssen in diesem Kontext 
unbercksichtigt bleiben) fast schon auf das Aufwerfen der Pro-
blemstellung beschrnkt. Denn Sohn-Rethel macht den auch sonst 
nicht gerade seltenen fundamentalen Fehler, die verschiedenen 
"Sphren" der brgerlichen Gesellschaft, vor allem Produktion und 
Zirkulation, als einander uerliche "Wesenheiten" auseinanderzu-
reien und als zunchst isolierte Bestimmungen zu setzen, statt 
sie in ihrer konkreten Totalitt als einander bedingende Momente 
zu begreifen. So ist die "Sphre" der Produktion, der wirklichen 
Arbeit, fr ihn nur "konkret", als solche also "nicht entfremdet" 
und bloer direkter Stoffwechsel mit der Natur, sie wird jedoch in 
den von ihm so genannten "Aneignungsgesellschaften" der Ausbeutung 
durch das ihr "eigentlich" fremde und uerliche Prinzip der 
"Tauschabstraktion" berwltigt und vergewaltigt. Es erscheint al-
so so, als ob die selbstndig existierende Entitt der Zirkulation 
sich die "an sich" jungfruliche Sphre der Produktion oder realen 
Arbeit uerlich unterjocht. Sohn-Rethel kann daher mit dem Marx-
schen Begriff der abstrakten Arbeit noch weniger anfangen als der 
traditionelle Marxismus: "Ich halte den Begriff der abstrakt ge-
sellschaftlichen Arbeit, soweit er in der Warenanalyse erkennbar 
ist, fr einen dem Hegelschen Erbe geschuldeten Fetischbegriff. Er 
herrscht berall, wo die Vorstellung von der kapitalistischen ko-
nomie als einem gesellschaftlichen 'Arbeitszusammenhang` sich ein-
stellt. Przis verstanden beinhaltet der Begriff einer Gesell-
schaft als Arbeitszusammenhang die kollektive Arbeit einer gemein-
schaftlichen Produktionsweise, - er schliet die Ausbeutung aus. 
In meiner Ausdrucksweise ist das der Fall der Produktionsgesell-
schaft. Davon prsentiert die brgerliche Gesellschaft der kapita-
listischen Produktion das gerade Gegenteil, einen Zusammenhang 
vermittelst reziproker Aneignungspraxis. Der Fetischbegriff der 
abstrakt gesellschaftlichen Arbeit okkupiert genau den Platz, wel-
cher der Realabstraktion aus der Kausalitt der Tauschhandlung zu-
kommt. Er erkennt die Tatsache der Realabstraktion, aber er gibt 
ihr eine Fehlerklrung ... Halten wir also fest, die Arbeit spielt 
keine konstitutive Rolle in der gesellschaftlichen Synthesis ver-
mittels des Warenaustauschs. Im Funktionszusammenhang des Marktes 
herrscht nicht die abstrakte Arbeit, sondern die Abstraktion von 
der Arbeit" (Sohn-Rethel 1971, S. 70). 

Sohn-Rethel scheint hier allen Ernstes zu unterstellen, da die 
kapitalistische Gesellschaft berhaupt keinen gesellschaftlichen 
Arbeitszusammenhang darstellt. Dann allerdings wre in Wirklich-
keit auch kein Austausch mglich. Stofflich und inhaltlich exi-
stiert dieser Arbeitszusammenhang als ein wirkliches System der 
Arbeitsteilung; die zahllosen verschiedenen Produktionsvorgnge 
ergnzen sich, greifen ineinander ber usw. Aber diesem stoffli-
chen Arbeitszusammenhang entspricht nicht der Beziehungszusammen-
hang der Menschen, ihre Verkehrsform miteinander. Es ist gesell-
schaftliche Arbeit, aber nur auf der stofflich-dinglichen Ebene, 
nicht auf der Ebene der Beziehungen der Menschen untereinander. 
Das Arbeitsteilungssystem ist konkret-allgemein, aber nicht fr 
die Produzenten untereinander, "fr sie" kann sich die gesell-
schaftliche Allgemeinheit ihrer eigenen Arbeit nur als abstrakte, 
getrennte darstellen. Der sogenannte "Tauschakt" der Zirkulations-
sphre VOLLSTRECKT nur die Abstraktion der Arbeit, die FR DIE 
PRODUZENTEN schon in der Produktion, in ihrer realen Arbeit selber 
zum Ausdruck kommt. Ihre Arbeit als STOFFLICHER PROZESS ist "kon-
kret", aber nicht FR SIE selber als Gesellschaftswesen. Fr den 
Produzenten selber "herrscht" also schon in der Produktion die Ab-
straktion von der konkreten Ntzlichkeit dieser seiner eigenen Ar-
beit, von ihrem Inhalt. Richtig ist, da dieser Produktion im 
Sinne eines jeweils einzelnen Produktionsaktes immer schon Tausch 
und Markt vorausgesetzt sind, die Produktion von vornherein eine 
fr den Austausch ist. Diese Frage nach einer abstrakten "Priori-
tt" von "Tauschhandlung" und "Produktion fr den Austausch" im 
Sohn-Rethelschen Sinne kann sich berhaupt nur stellen, wo 
"Tauschhandlung" und "Produktionshandlung" als zwei vllig selb-
stndige, einander an sich uerliche gesellschaftliche Entitten 
gesetzt werden und also die reale Totalitt des Reproduktionszu-
sammenhangs verschwindet. Sohn-Rethel hat ein abstraktes, 
unhistorisches Verstndnis von "unbefleckter" Produktion, die im-
mer nur uerlich von ausbeuterischen Aneignungs-Gesichtspunkten 
heimgesucht wird: "Da die Produzenten von allen Mitteln entblt 
sind, irgendein Produkt zu erzeugen, und die Produktion nur noch 
als Lohnarbeit verrichten, findet die Produktion also nicht mehr 
nach der Logik der Produktion, sondern nach der Logik ihrer Nega-
tion statt, nach Maen bloer Warenquivalenzen" (Sohn-Rethel 
1971, S. 70 f.). Es mutet schon einigermaen merkwrdig an, wenn 
hier von einer "Produktion nicht nach der Logik der Produktion" 
die Rede ist. Der gesellschaftliche "Nexus" erscheint bei Sohn-
Rethel immer als separate Handlung, weil er die Zirkulationssphre 
der Warenproduktion als gesellschaftlichen Fremdkrper begreift; 
die Produktion dafr umgekehrt als anthropologische Konstante im 
Sinne der vormarxistischen konomischen Ideologien der 
brgerlichen Klassiker und der Utopisten. In Wirklichkeit besitzt 
eben jede historische Formation ihre je spezifische PRODUKTIONS-
WEISE, aus der heraus auch nur der gesellschaftliche "Nexus" zu 
erklren ist. Von der kapitalistischen Produktionsweise knnte so-
gar umgekehrt behauptet werden, da sie den "gesellschaftlichen 
Arbeitszusammenhang" berhaupt erst geschaffen hat, insofern die 
stoffliche Arbeitsteilung in allen frheren Produktionsweisen ver-
gleichsweise nur schwach entwickelt war. Erst der kapitalistische 
Proze der Verwissenschaftlichung der Produktion hat "Vergesell-
schaftung" berhaupt hervorgebracht, von Marx reflektiert als "zi-
vilisatorische Mission" des Kapitals. Alle vorkapitalistischen 
Produktionsweisen sind dem gegenber noch in mehr oder weniger ro-
her Form der Natur und gesellschaftlich dem Grundeigentum verhaf-
tet. Die kapitalistische Herausbildung des "gesellschaftlichen Ar-
beitszusammenhangs" erscheint brigens auch deutlich in der moder-
nen brgerlichen Soziologie als historische Abfolge und Gegensatz 
von "Gemeinschaft und Gesellschaft" (vgl. Tnnies 1979, Weber 
1985). Daraus erhellt schon, da erst im Kapitalismus berhaupt 
von PRODUKTIVER VERGESELLSCHAFTUNG gesprochen werden kann, also 
erst mit der Verallgemeinerung der abstrakten Arbeit auch jener 
"gesellschaftliche Arbeitszusammenhang" und jene "Produktionsge-
sellschaft" entstehen kann, die ihr Sohn-Rethel als unhistorische 
Konstante entgegensetzt. Der gesellschaftliche "Nexus", immer 
schon determiniert durch die zugrunde liegende Produktionsweise, 
gewinnt also erst mit der kapitalistischen Produktion Vergesell-
schaftungs-Qualitt. Nicht die Zirkulation hat sich aus unerfind-
lichen Grnden pltzlich hochstaplerisch zur Gottheit aufgeworfen 
und die Produktion bertlpelt, sondern umgekehrt die Verwissen-
schaftlichung der Produktion erst die menschliche Arbeitskraft zur 
Ware gemacht und damit die warenlogischen Kategorien gesellschaft-
lich verallgemeinert und die Warenzirkulation zur totalen allge-
meinen Verkehrsform erhoben. Die Produktion ist der auch die Zir-
kulation bergreifende Zusammenhang, insofern determiniert sie 
auch den "Tausch" (bzw. dessen Krise bei gengender Hhe der 
stofflichen Vergesellschaftung!), freilich nicht als je EINZELNE 
"Produktionshandlung" gegenber der je EINZELNEN "Tauschhandlung", 
sondern als totaler gesamtgesellschaftlicher Reproduktionszusam-
menhang, in dem jeder einzelnen Produktionshandlung immer schon 
der Gesichtspunkt des Marktes und damit des Tausches vorausgesetzt 
ist, ohne da damit die "Tauschhandlung" zum Demiurgen der kapita-
listischen PRODUKTIONSWEISE wrde. Aus seiner falschen Verselb-
stndigung und Isolierung der Zirkulationssphre heraus behauptet 
Sohn-Rethel: "Weder ist die Arbeit von Haus aus abstrakt, noch ist 
ihre Abstraktion zur 'abstrakt menschlichen Arbeit` ihr eigenes 
Werk. Die Arbeit abstraktifiziert sich nicht selber. Der Sitz der 
Abstraktion liegt auerhalb der Arbeit in der bestimmten gesell-
schaftlichen Verkehrsform des Austauschverhltnisses" (Sohn-Rethel 
1973, S. 46). Da die Arbeit "von Haus aus" nicht abstrakt ist, 
noch sich selber als solche abstraktifiziert, lt keineswegs den 
Schlu zu, da der Sitz der Abstraktion auerhalb der Arbeit 
liege. Der Tausch ist nur die Vollstreckung oder Realisierung der 
Abstraktion, die schon im Produktionsproze vorgenommen sein mu, 
nicht ihr selbstndiger "Sitz"; die "Verkehrsform" kann immer nur 
die Form eines bestimmten produktiven Inhalts sein, der diese Form 
aus sich heraus setzt, nicht jedoch eine selbstndig fr sich a 
priori existierende Form, die sich parthenogenetisch einen Inhalt 
gebiert. Eine bestimmte Hhe der produktiven Vergesellschaftung, 
die gleichwohl nicht ausreichend ist fr eine vollvergesellschaf-
tete direkt gemeinschaftliche Produktionsweise, setzt aus sich 
heraus die Verallgemeinerung der Warenform, abzulesen an der suk-
zessiven historischen Verkettung von Verwissenschaftlichung der 
Produktion einerseits und Ausdehnung der Warenform andererseits 
seit dem 16. Jahrhundert. In diesen Zusammenhang eingeschlossen 
ist die "Abstraktifizierung" der Arbeit, nicht als uerliche zir-
kulative Formbestimmung, sondern als "Abstraktifizierung" des pro-
duktiven Inhalts selber. Da hier der "Tausch" immer schon jeder 
Produktion inhrent ist, darf nicht dazu verfhren, die im Tausch 
vollzogene Abstraktion als der "Produktion" an sich fremdes und 
uerliches, fr sich seiendes Prinzip zu begreifen.

Etwas eleganter als Sohn-Rethel zieht sich Rubin aus der Affre, 
der seinen Kritikern, die ihn auf eine Sohn-Rethel hnliche Zirku-
lationsbeschrnktheit festnageln wollen, folgendes entgegnet: "Ei-
nige Kritiker behaupten, da unsere Auffassung zu der Schlufolge-
rung verleiten knnte, da abstrakte Arbeit ihren Ursprung allein 
im Tauschakt hat, woraus folgte, da auch der Wert nur im Tausch 
entsteht. Vom Marxschen Standpunkt aus jedoch msse der Wert - und 
damit auch die abstrakte Arbeit - bereits im Produktionsproze 
existieren. Dies grenzt an die sehr ernste und schwerwiegende 
Frage nach dem Verhltnis zwischen Produktion und Tausch ... Das 
Problem liegt darin, da bei der Errterung des Verhltnisses von 
Tausch und Produktion zwei Begriffe von Tausch nicht zureichend 
voneinander unterschieden werden. Wir mssen den Tausch als ge-
sellschaftliche Form des Reproduktionsprozesses vom Tausch als ei-
ner besonderen Phase dieses Reproduktionsprozesses, die die Phase 
der direkten Produktion ablst, trennen ... Wenn Marx bestndig 
wiederholt, da abstrakte Arbeit nur das Ergebnis des Tausches 
ist, so will er damit sagen, da sie aus einer bestimmten gesell-
schaftlichen Form des Produktionsprozesses resultiert. Nur inso-
weit, als der Produktionsproze die Form der Warenproduktion an-
nimmt, d. h. einer auf den Tausch beruhenden Produktion, ist die 
abstrakte Arbeit die Form der Arbeit und der Wert die Form der Ar-
beitsprodukte. Der Tausch ist demnach vor allem eine Form des Pro-
duktionsprozesses oder eine Form gesellschaftlicher Arbeit. Da der 
Tausch tatschlich die dominante Form des Produktionsprozesses 
ist, prgt er die Phase direkter Produktion ... Bereits im eigent-
lichen, unmittelbaren Produktionsproze tritt der Produzent als 
WARENPRODUZENT auf, seine Arbeit trgt den Charakter ABSTRAKTER 
Arbeit und sein Produkt den des WERTS" (Rubin 1973, S. 110 ff., 
Hervorhebg. Rubin).

Im Gegensatz zu Sohn-Rethel reit also Rubin Produktion und Zir-
kulation nicht als einander uerlich auseinander und lt daher 
auch nicht die Zirkulation als Verkehrsform einen ihr an sich 
fremden Inhalt, die Produktion, von auen berwltigen, sondern 
versucht Produktion und Zirkulation als Momente einer Totalitt 
der Warenproduktion darzustellen. Also nicht "Tauschhandlung" ver-
sus "Produktionshandlung", sondern Tauschproduktion, die den "Akt" 
oder Vollzug des Tausches als gesonderte Sphre aus sich heraus 
setzt. Freilich ist dies zunchst nur ein richtigerer Gesichts-
punkt; es mu trotzdem erklrt werden, wie sich die Abstraktion 
als abstrakte Arbeit in den "Handlungen" der Warenproduzenten vom 
produktiven Inhalt her konstituiert, um im zirkulativen "Tausch-
akt" realisiert oder vollstreckt zu werden.(12) 

Sobald Sohn-Rethel sich bemht, die "abstraktifizierenden" Hand-
lungen zu beschreiben, mu er auch sofort zugeben, da ihm der To-
talitts-Gesichtspunkt verloren geht: "Was uns hier beschftigt, 
ist nicht das Gesamtverhltnis, sondern nur ein Teilaspekt von 
ihm, nmlich die dem Warenaustausch innewohnende abstraktive 
Kraft. Wir sprechen darum weiterhin von der Tauschabstraktion, 
nicht von der Warenabstraktion. Wie lt die Tauschabstraktion 
sich zunchst als bloes Phnomen isoliert (!) beschreiben? Der 
Austausch der Waren ist abstrakt, weil er von ihrem Gebrauch nicht 
nur verschieden, sondern zeitlich getrennt ist. Tauschhandlung und 
Gebrauchshandlung schlieen einander in der Zeit aus" (Sohn-Rethel 
1973, S. 46 f.).

Indem der Gesichtspunkt der Totalitt verlorengeht, der nur von 
der Formbestimmung des produktiven Inhalts her aufgerollt werden 
kann, und die Zirkulation als getrennte Sphre zum "Sitz" der Ab-
straktion gemacht wird, mu sich allerdings die Abstraktion auch 
.isoliert an den fertigen Dingen vollziehen, als Gegensatz von 
"Tauschhandlung" und "Gebrauchshandlung" AM TOTEN PRODUKT. Sohn-
Rethel erliegt also schon im Ausgangspunkt seiner Ableitung der 
"abstraktifizierenden" Handlung dem dinglichen Fetisch der Waren-
welt, indem er statt der Beziehungen der Produzenten untereinander 
die Beziehung des Konsumenten zum Produkt als Gegenstand der Ab-
straktifizierung nimmt.

Die Konsumtion ist zwar der Zweck der Produktion. Die Frage ist 
jedoch, in welcher Formbestimmtheit Produktion und Konsumtion zu-
einander im Verhltnis stehen. Bei isolierter haus- bzw. 
subsistenzwirtschaftlicher Produktion stellen die Produzenten den 
Gegenstand des Bedrfnisses fr sich selber her, Produzent und 
Konsument sind also identisch. Bei gesellschaftlicher Produktion 
stellen die Produzenten aber gegenseitig die Gegenstnde des Be-
drfnisses freinander her, in einer gemeinschaftlichen, kommuni-
stisch-gesellschaftlichen Produktion wrden sie dies als unmittel-
bar gesellschaftliche oder vergesellschaftete Individuen tun und 
die Identitt von Produzent und Konsument wre also auf einer h-
heren, gesellschaftlichen Ebene wiederhergestellt. Anders in der 
Warenproduktion. Auch hier stellen die Produzenten gegenseitig die 
Gegenstnde des Bedrfnisses freinander her; sie stehen zueinan-
der in einer produktiven Beziehung, jedoch nur "objektiv", nicht 
als Subjekte. Sie stehen zueinander in einer produktiven Bezie-
hung, aber nicht direkt, sondern nur indirekt. Die Identitt von 
Produzent und Konsument fllt auseinander, dazwischen schiebt sich 
die Sphre der Zirkulation.

Fr den Warenproduzenten trennt sich also der konsumtive Zweck 
von seinem lebendigen Produktions- oder Arbeitsproze, und zwar in 
zweifacher Weise, spiegel- oder seitenverkehrt, je nachdem ob es 
sich um sein eigenes oder um das fremde Produkt des anderen, ko-
nomisch von ihm getrennten Produzenten handelt. Sein eigenes Pro-
dukt ist zwar fr ihn durchsichtig Resultat seines eigenen konkre-
ten, lebendigen Arbeitsprozesses. Aber dieser im stofflichen Sinne 
konkrete Arbeitsproze wird fr ihn im GESELLSCHAFTLICHEN Sinne zu 
einem abstrakten und sein Produkt zur abstrakten "Wertgegenstnd-
lichkeit" dadurch, da die konsumtive Zwecksetzung seiner eigenen 
Produktion von ihm abgetrennt ist. Er stellt die Produkte nicht 
fr den eigenen Gebrauch her, seine Produktion verwandelt sich FR 
IHN nicht in Konsumtion. Dies kann brigens so weit gehen, da er 
bewut verschlechterte oder real nicht konsumierbare Produkte her-
stellt, um sie dem fremden Konsumenten anzudrehen (ein durchaus 
nicht seltener Irrationalismus der Warenproduktion). Soweit er 
seine Produkte selbst konsumiert, sind sie bekanntlich auch nicht 
Waren. Indem die zwecksetzende Konsumtion von seinem Arbeitsproze 
abgetrennt ist, ist sein eigener Produktionsproze fr ihn von 
vornherein nicht Produktion von Gebrauchswerten, sondern Produk-
tion von abstrakter Wertgegenstndlichkeit, obwohl er selber Tr-
ger des konkreten lebendigen Arbeitsprozesses ist. Und umgekehrt: 
Die Produkte der anderen Warenproduzenten werden von ihm zwar un-
ter der Zwecksetzung des Gebrauchswerts und der Konsumtion wahrge-
nommen, jedoch getrennt vom konkreten, lebendigen Arbeitsproze. 
Trotz seines rein konsumtiven Interesses treten ihm die von ande-
ren produzierten, fr ihn produzierten Gegenstnde des Bedrfnis-
ses in der Form der abstrakten Wertgegenstndlichkeit entgegen, 
die er sich erst als solche aneignen mu, um in ihren Genu als 
Gebrauchswerte und Gegenstnde der Konsumtion gelangen zu knnen. 
Sein eigener Produktionsproze ist fr ihn gesellschaftlich ab-
strakte Arbeit und sein Produkt abstrakte Wertgegenstndlichkeit, 
weil die zwecksetzende Konsumtion von ihm abgetrennt ist; die Pro-
dukte der anderen sind fr ihn abstrakte Wertgegenstndlichkeit, 
weil er umgekehrt von ihrer produktiven Voraussetzung, der leben-
digen Arbeit der anderen, abgetrennt ist. Dieselbe sich unaufhr-
lich reproduzierende doppelte Trennung und Getrenntheit ist also 
der reale Abstraktionsproze der Arbeit Der individuelle Produzent 
mu sich, konomisch getrennt von den anderen Produzenten, bor-
niert unter eine gesellschaftliche Teilarbeit subsumieren und also 
in seinem konkreten, lebendigen Arbeitsproze abstrahieren von der 
Gesamtheit seiner eigenen Bedrfnisse. In seinem getrennten, be-
schrnkten Produktionsproze sind seine eigenen Bedrfnisse als 
Ganzes nicht mehr anwesend und konkret-praktisch als totaler Re-
produktionszusammenhang nicht mehr erlebbar. Damit aber ist fr 
die Wiederherstellung der Totalitt der Bedrfnisse eine Beziehung 
zu den anderen Produzenten oder gesellschaftlichen Teilarbeitern 
ntig, die AUERHALB der produktiven Sphre liegt, nmlich im 
TAUSCH der abgetrennten Zirkulationssphre. Die gesellschaftliche 
Kombination der Teilarbeiten kann der "privaten" Getrenntheit we-
gen nicht als solche bewut vorgenommen werden, ist als Kombina-
tion lebendiger Arbeitsprozesse nicht mehr einsichtig, sondern 
kann sich nur noch abstrakt darstellen. Die Konkretheit der Arbei-
ten ist damit natrlich nicht ausgelscht, aber sie kann nur als 
konkrete Einzelheit erscheinen, als rein stofflich-technische Kon-
kretheit der je einzelnen Arbeit, die auf der Seite der abstrakten 
Privatheit des einzelnen Produzenten erscheint und also selber der 
Abstraktion im gesellschaftlichen Sinne untergeordnet ist. Das ge-
sellschaftliche Ineinandergreifen der einzelnen Arbeiten, ihre ge-
genseitige Bedingtheit, d. h. ihre Allgemeinheit, die nur eine ge-
sellschaftliche sein kann, mu dagegen von vornherein abstrakt 
bleiben und wird in die Form der abstrakten Allgemeinheit gesetzt. 
Als gesellschaftliche Arbeit sind die einzelnen Arbeiten schon im 
Produktionsproze fr den Produzenten abstrakt, getrennt von sei-
nen eigenen Bedrfnissen.

Im "Tauschakt" der Zirkulationssphre aber wird die Abstraktion 
von der Totalitt der Bedrfnisse in der je einzelnen, getrennten 
Produktion nicht rckgngig gemacht, sondern nur vollstreckt oder 
realisiert als abstrakte Dingbeziehung. Die Sohn-Rethelsche Tren-
nung von Tauschhandlung und Gebrauchshandlung ist also nicht der 
Ausgangspunkt der Abstraktion, sondern selber etwas Abgeleitetes; 
die Abstraktion in der Beziehung von Konsument und Produkt ent-
springt der Abstraktion der Warenproduzenten im Produktionsproze 
selbst von der gesellschaftlichen Totalitt ihrer Bedrfnisse. In 
dieser Form des Abstrahierens vom ganzen Umkreis der wirklichen 
Bedrfnisse im Arbeitsproze kommen diese zwar auf einem Umweg zum 
einzelnen Individuum zurck, aber nicht mehr als produktiv ange-
eignete, sondern nur noch als tote Dinge, losgelst vom lebendigen 
Arbeitsproze. Damit aber wird die Abstraktion "Arbeit" zur Real-
abstraktion im gesellschaftlichen Handeln der Menschen, ausgehend 
von der produktiven Sphre selber. Alle Produzenten abstrahieren 
als gesellschaftliche Teilarbeiter gleichermaen real von der To-
talitt ihrer Bedrfnisse und damit von deren produktiver Grund-
lage. Die lebendige Konkretheit der Arbeit wird so sehr zur Ein-
zelheit degradiert und der abstrakten Privatheit untergeordnet, 
da sie als das "Produktionsgeheimnis" des jeweiligen Produzenten 
erscheint (in der handwerklichen wie in der kapitalistischen Wa-
renproduktion), das ngstlich gehtet werden mu. Die in die Form 
der abstrakten Allgemeinheit gesetzte Bestimmung der Arbeit als 
gesellschaftliche einerseits und die inhaltliche qualitative Be-
stimmung der wirklichen konkreten Arbeiten andererseits werden 
voneinander getrennt und zerfallen in zwei verschiedene Sphren. 
Die doppelte spiegelverkehrte Trennung von Produktion und Konsum-
tion und die wechselseitige Abstraktion von der Totalitt der Be-
drfnisse im Produktionsproze stellen sich so als Identitt der 
gesellschaftlichen Abstraktion im Arbeitsproze selber dar. Dort 
unmittelbar sinnlich als abstrakte Gegenstndlichkeit nicht zu er-
kennen, kommt diese Abstraktion der gesellschaftlichen Allgemein-
heit der Arbeiten erst im Geld der Zirkulationssphre zur real-
dinglichen Erscheinung, ist aber im Hirn des Produzenten als Be-
dingung immer schon a priori gesetzt. Sohn-Rethel ist also nur in-
soweit zuzustimmen, als es sich bei der Warenabstraktion um eine 
Realabstraktion handelt und sie "nicht denkerzeugt ist, ihren Ur-
sprung nicht im Denken der Menschen hat, sondern in ihrem Tun" 
(Sohn-Rethel 1973, S. 41). Dieses "Tun" oder Handeln aber, das die 
Abstraktion erzeugt, ist nicht primr die "Tauschhandlung" oder 
Dingbeziehung als solche, sondern das im gesellschaftlichen Sinne 
abstrakte Handeln der Warenproduzenten im Produktionsproze 
selbst, die Reduzierung der konkreten Arbeit auf ihre stoffliche 
Einzelheit und die Trennung von ihrer gesellschaftlichen Allge-
meinheit.

Mit seiner Beschrnkung des "abstrakten Handelns" auf die 
"Tauschhandlung" der Zirkulationssphre argumentiert Sohn-Rethel 
letztlich ungewollt im Sinne des traditionellen Arbeiterbewegungs-
Marxismus und der "realsozialistischen" Apologeten, die ihn zwar 
dogmatisch und prinzipiell kritisieren wegen seiner Preisgabe des 
Begriffs der abstrakten Arbeit, aber eigentlich doch nur, weil er 
damit allzu offen und naiv die Konsequenzen ihres eigenen Ver-
stndnisses ausgeplaudert hat. Denn in der Tat sieht ja der tradi-
tionelle Marxismus die Lohnarbeit, ohne sich dies einzugestehen, 
letztlich nur als Zirkulationsphnomen an, als Verkauf der Ware 
Arbeitskraft an einen "Privat"-Kapitalisten, whrend der unmittel-
bare Produzent als solcher samt der stofflichen Struktur des Ar-
beitsprozesses als vermeintliche rein stofflich-technische "Sach-
notwendigkeit" im "Sozialismus" munter weiterbestehen soll. Die 
Sandkhler u. Co. befinden sich in der milichen Lage, da ihre 
schein-orthodoxe Kritik der Sohn-Rethelschen Zirkulationsbe-
schrnktheit immer schon eine verschmte Apologetik einer "sozia-
listischen Warenproduktion" impliziert. Das Insistieren auf den 
Ursprung der gesellschaftlichen Abstraktion im Produktionsproze 
fllt so als Anklage auf sie selbst zurck.


5.  Die "Gegenstndlichkeit" der abstrakten Arbeit als "Wert"

Bisher konnte der Charakter der abstrakten Arbeit als abstrakte 
Allgemeinheit und als Realabstraktion, erzeugt durch gesellschaft-
liches Handeln, nicht durch subjektives Denken, geklrt werden. 
Nicht geklrt ist aber nach wie vor der bergang von der abstrak-
ten Arbeit zum Wert, d. h. die Verwandlung der abstrakten Arbeit 
oder des realabstraktiven Handelns in eine abstrakte dingliche 
Gegenstndlichkeit. Marx spricht ja, wie wir gesehen haben, vom 
Wert als "geronnener Arbeit", ja sogar als "festgeronnener Ar-
beitszeit". Diese paradoxe Bestimmung erscheint nur dem warenfeti-
schistischen Bewutsein als blo definitorische, unproblematische 
Selbstverstndlichkeit, weil ihm eben die Wertgegenstndlichkeit 
selber als "normal" und unproblematisch erscheint.

Es ist nun allerdings eine gewisse Widersprchlichkeit in der 
Marxschen Argumentation und Ausdrucksweise festzustellen, die eine 
Inkonsequenz in der kritischen Bestimmung dieser Wertgegenstnd-
lichkeit offenbart. So spricht Marx einerseits selber sehr unpro-
blematisch und selbstverstndlich von der (scheinbar) buchstbli-
chen "Gegenstndlichkeit" des Werts. So sagt er in der 1. Auflage 
(Urfassung) des 'Kapital` ganz platt: "Ein Gebrauchswert oder Gut 
hat also nur einen WERTH, weil ARBEIT in ihm VERGEGENSTNDLICHT 
ist" (Marx 1984, S. 4, Hervorheb. Marx). Ebenso spricht er bestn-
dig hinsichtlich eines Produkts von der "in ihm enthaltene(n) Ar-
beit" (ebda. S. 7). Dies wiederholt sich in den spteren Auflagen 
und an zahlreichen anderen Stellen seines Werkes. Auf das von ihm 
in allen Auflagen des 'Kapital` verwendete Selbstzitat mit der pa-
radoxen Bestimmung des Werts als "Festgeronnene Arbeitszeit" habe 
ich bereits mehrfach hingewiesen, ebenso auf die Stelle im 'Kapi-
tal`, wo er davon spricht, da die Arbeit "Wert bildet", aber 
nicht Wert sei; "sie wird Wert in geronnenem Zustand, in gegen-
stndlicher Form" (Marx 1965, S. 65). ber den berhmten "Rock" in 
seinem Verhltnis zur "Leinwand" sagt er auch: "Es ist also 
menschliche Arbeit in ihm aufgehuft" (ebda, S. 66). Ebenso: "Die-
ses gegebne Warenquantum enthlt ein bestimmtes Quantum menschli-
cher Arbeit" (ebda, S. 67). Diese ganze Ausdrucksweise ist ein ge-
fundenes Fressen fr das warenfetischistische Bewutsein, SOWEIT 
es die Arbeitswertlehre akzeptiert - also der klassischen brger-
lichen konomie von Smith und Ricardo folgt. In der Tat hat Marx 
diese hier zitierte Ausdrucksweise voll und ganz der Smith-Ricar-
doschen Tradition entlehnt. Dies geht schon daraus hervor, da er 
in den 'Theorien ber den Mehrwert` Adam Smith zitiert, der sagt: 
"Sie (les merchandises) enthalten (!) den Wert einer gewissen 
Quantitt Arbeit ..." (zit. nach Marx 1965 b, S. 46 und 47). Es 
ist also die Redeweise von Smith, fr den Wert und Ware ewige Na-
turnotwendigkeiten sind, die Marx hier selber transportiert. Die-
ses Verhaftetsein in der Smith-Ricardoschen Rede- und insofern 
auch Denkweise kommt besonders kra zum Ausdruck, wenn Marx in der 
2. Auflage des 'Kapital` sagt, "da ... die Weberei, sofern sie 
Wert webt (!), keine Unterscheidungsmerkmale von der Schneiderei 
besitzt, also abstrakt menschliche Arbeit ist" (Marx 1965, S. 65). 
Wre dies der "ganze" Marx, dann wre ihm gegenber eine ganz hn-
liche Kritik angebracht, wie sie Rosa Luxemburg an Adam Smith ge-
bt hat, von dem sie sagt, da er "das Wertschaffen direkt fr ei-
ne physiologische Eigenschaft der Arbeit als einer uerung des 
tierischen Organismus des Menschen (hielt) ... So wie die Spinne 
aus ihrem Krper das Gespinst produziert, schafft der arbeitende 
Mensch Wert, - der arbeitende Mensch schlechthin ..." (zit. nach 
Rosdolsky 1968, S. 633). Es ist klar, da sich der verdinglichte, 
traditionelle Arbeiterbewegungs-Marxismus genau an diese Stellen 
und diese Redeweise gehalten hat, soweit sie noch das Denken der 
klassischen brgerlichen Werttheorie transportiert; diese Inter-
pretation steht und fllt mit einer Auffassung, die sich den Wert 
BUCHSTBLICH als ein "Ding" vorstellt, wonach es also ebenso 
selbstverstndlich und unproblematisch wre, da die Arbeit Wert 
"bildet" oder "erzeugt", ganz wie die Tatsache etwa, da der Bk-
ker Brtchen backt. Wenn die Arbeit den Wert wirklich buchstblich 
als ein Ding "bildet", als eine Art Brtchen, dann allerdings sind 
wir statt bei der Kritik des Werts beim Arbeitsstolz des "werte-
schaffenden Arbeiters" angelangt!

Nun ist allerdings bei Smith und vor allem Ricardo die Aus-
drucksweise nicht immer so buchstblich "dinglich", auch wenn ih-
nen der Unterschied selber nicht bewut ist. So sagt Ricardo, der 
Wert einer Ware "hngt ab von der verhltnismigen Menge an Ar-
beit, die zu ihrer Produktion notwendig ist" (zit. nach Arndt 
1985, S. 181). Ricardo sieht aber nicht, da diese Bestimmung viel 
neutraler ist als die Redeweise von der "im Produkt steckenden" 
Arbeit, da die qualitative Formdifferenz von lebendiger Arbeit 
und "Wertgegenstndlichkeit" damit keineswegs geklrt ist. Marx 
stellt genau diese Frage, er wirft in seiner Kritik des Warenfeti-
schismus den "konomen" (d. h. der klassischen brgerlichen Ar-
beitswerttheorie) gerade vor, nicht die Frage gestellt zu haben 
"... warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die 
Arbeit im Wert ... darstellt" (Marx 1965, S. 95). Damit freilich 
fngt Marx auch schon an, seine eigene, in vielen Passagen beibe-
haltene Smith-Ricardosche Redeweise zu dementieren. Denn da sich 
die Arbeit im Wert "darstellt" ist etwas ganz anderes, als platt 
zu sagen, da die Arbeit den "Wert schafft" oder "erzeugt" als ein 
buchstbliches "Ding"! Dies wird auch deutlich, wenn Marx weiter 
sagt, "da Tauschwert eine bestimmte gesellschaftliche Manier ist, 
die auf ein Ding verwandte Arbeit AUSZUDRCKEN" (ebda, S. 97, Her-
vorheb. R. K.).

Sehr deutlich wird die zumindest widersprchlich interpretierba-
re Ausdrucksweise von Marx, wenn er sich in den 'Theorien ber den 
Mehrwert` mit Bailey auseinandersetzt. Dort schreibt er: "Wenn die 
Waren sich austauschen in dem Verhltnis, worin sie gleich viel 
Arbeitszeit darstellen, so ist ihr Dasein als vergegenstndlichte 
Arbeitszeit, ihr Dasein als verkrperte Arbeitszeit ihre Einheit, 
ihr identisches Element ... Als solche sind sie qualitativ dassel-
be und unterscheiden sie sich nur noch quantitativ, je nachdem sie 
mehr oder weniger von DEMSELBEN, der Arbeitszeit darstellen. Werte 
sind sie als Darstellung dieses Identischen ... Also ist auch die 
einzelne Ware selbst als Wert, als Dasein dieser Einheit, von sich 
selbst als Gebrauchswert, als Ding verschieden - ganz abgesehn von 
dem Ausdruck ihres Werts in anderen Waren. Als Dasein der Arbeits-
zeit ist sie Ware berhaupt ..." (Marx 1968 b, S. 124 ff.).

"Darstellen" ist nicht dasselbe wie "Sein" ("Dasein"). Ein Pa-
piergeldschein "stellt" ein Quantum Gold "dar", "ist" es aber 
nicht. Er ist auch nicht das (erscheinende) "Dasein" des Goldes; 
dieses hat sein eigenes wirkliches "Dasein" vielmehr im Tresor der 
Bank etc. Ebenso kann ein Bild eine Landschaft "darstellen", aber 
nicht die Landschaft "sein" oder deren "Dasein" ausmachen, das 
diese vielmehr an sich selber hat. Marx bedenkt auch nicht, da 
das "Dasein" einer "Einheit" hier nicht unmittelbar "Dasein von 
Arbeitszeit" IST, sondern vielmehr das "Dasein" eines "DARGESTELL-
TEN" oder das Dasein einer blo "dargestellten" Einheit.

Wie tastend sich Marx in einer widersprchlichen Ausdrucksweise 
auf dem von ihm entdeckten neuen und unbekannten Terrain der Kri-
tik der Warenform selber bewegt, zeigt sich an derselben Stelle, 
wenn er weiter gegen Bailey gewendet schreibt: "Als Gebrauchswert 
erscheint die Ware als etwas Selbstndiges. Als Wert dagegen als 
blo (!) GESETZTES (Hervorheb. Marx), blo (!) bestimmt durch ihr 
Verhltnis zur gesellschaftlich notwendigen, gleichen, einfachen 
Arbeitszeit" (Marx 1968 b, S. 126).

Also der Wert ist etwas "blo Gesetztes", d. h. blo bewutlos 
im Kopf der Menschen Existierendes durch ihr eigenes abstraktes 
gesellschaftliches Handeln, keineswegs etwas buchstblich unmit-
telbar materiell in der Ware "Enthaltenes"! Aber schon im folgen-
den Satz spricht Marx wieder davon, da die "in ihr wirklich ent-
haltene Arbeitszeit" (ebda, S. 126) nur als gesellschaftliche 
gelte usw. In einer Funote auf derselben Seite spricht er dann 
wieder davon, beide Waren mten "gleich sein einem dritten 
Dinge (!), das in beiden AUSGEDRCKT wird" (ebda, S. 126 Hervor-
heb, R. K.). Hier haben wir also wieder die Rede vom "ausgedrckt 
werden", was aber ebenso wie das "Darstellen" keineswegs dasselbe 
ist wie "sein" oder "enthalten sein" (im buchstblichen Sinne). 
"Ding" kann hier, den gesamten Kontext betrachtet, berhaupt kein 
selbstndig materielles Ding im buchstblichen Sinne sein, sondern 
nur "soziales Ding", d. h. aber dinglich ERSCHEINENDES gesell-
schaftliches VERHLTNIS.

An dieser Stelle mssen wir nun kurz innehalten, um uns darber 
klar zu werden, welchem Problem sich hier eigentlich Marx und vor 
ihm bereits die brgerlichen Arbeitswerttheoretiker Smith und Ri-
cardo gegenbersahen. Sowohl Smith als auch weitergehend Ricardo 
suchten die "unmgliche Gleichung" der qualitativ verschiedenen 
Waren zu lsen, indem sie als das "gemeinsame Dritte" bzw. als 
dessen "Kern" oder "Ursprung" die ARBEIT identifizieren. Damit be-
gngten sie sich im wesentlichen. Sie sahen nicht das Problem, da 
fr das reale "Funktionieren" der Waren-Gleichsetzung die Arbeit 
sich in einer ihr wesensfremden, merkwrdigen, ja geradezu phanta-
stischen Gestalt zeigen mu, nmlich als "geronnene" Ding-Eigen-
schaft des Produkts. Wie die Arbeit in diese Gestalt gelangt und 
was diese Gestalt eigentlich ist, darber reflektierten sie nicht 
- und zwar deswegen nicht, weil fr sie die Warenform selber, so-
mit aber auch die Wert-Gestalt der (vergangenen) Arbeit, eine 
selbstverstndliche, unhinterfragbare "Naturtatsache" war.

Immanent freilich zeigte sich die Verrcktheit dieses 
"dargestellten Daseins" der Arbeit als "Wert" auch in ihrer Argu-
mentation. Teils muten sie zur brutalen vulgr-dinglichen Vor-
stellung der Wert-Gestalt vergangener Arbeit greifen, wie Smith 
mit seinem Begriff von der (buchstblich) "in der Ware enthalte-
nen" Arbeit, teils flchteten sie sich auch in das bestndige 
Durcheinanderwerfen von Wert (als solchem) und Tauschwert (als 
quantitative Relation zweier Waren). Genau diese versteckte Unsi-
cherheit nun war ein gefundenes Fressen fr einen Vulgrkonomen 
wie Bailey, der sich hier zur durchaus ernstzunehmenden scharfsin-
nigen Kritik aufschwingen konnte. Er verspottete die Ricardianer 
und die Arbeitswerttheorie berhaupt, weil sie letztlich gezwungen 
wren, die logische und praktische Unmglichkeit eines buchstb-
lich in den Produkten "enthaltenen" unsichtbaren Dritten anzuneh-
men, obwohl die wirkliche Arbeit als vergangene keineswegs real in 
den Produkten "stecken" knne als eine tatschliche, materielle 
"Eigenschaft". Die "Eigenschaft" des Werts msse den Produkten da-
her unabhngig von der Arbeit zukommen, und sie sei aufzulsen in 
eine simple "relationale" Eigenschaft, d. h. in das quantitative 
Verhltnis je zweier Waren, ber das hinaus es keinen "absoluten" 
Wert als ein zugrundeliegendes gemeinsames Drittes geben knne.

Bailey unterscheidet sich also berhaupt nicht von Smith und Ri-
cardo im entscheidenden Punkt; auch er sagt umstandslos: "Wert ist 
Eigenschaft der Dinge" (zit. bei Marx, a.a.O., S. 126). Denn auch 
fr ihn ist die Warenform des Produkts selbstverstndlich unhin-
terfragbare Naturtatsache. Aber Bailey deckt die Schwachstelle der 
Arbeitswerttheorie AUF DIESEM BODEN (d. h. der nicht historisch-
kritisch, sondern ontologisch betrachteten Warenform) auf, nmlich 
die Fremdheit der Arbeit gegenber der dinglichen, gegenstndli-
chen Wert-Eigenschaft. Freilich tut Bailey dies auf seinen gegebe-
nen theoretischen Grundlagen nur, um sofort zur banalen Tausch-
wert-Relation zweier Waren zu springen, deren logische und prakti-
sche Unmglichkeit ohne ein "gemeinsames Drittes", das beide Waren 
gleichermaen qualitativ darstellen, seinem vulgr-positivisti-
schen Denken seinerseits nicht auffllt.

Marx tut demgegenber den groen, entscheidenden Schritt, die 
Qualitt der Warenform selber als historisch und damit als frag-
wrdig aufzudecken. Dadurch jedoch ist er gezwungen, das bei Smith 
und Ricardo blo verschmt liegengelassene Problem der Verwandlung 
von Arbeit in "geronnene" Wert-Gestalt, vor dem diese sich in die 
blo quantitative Tauschrelation zweier Waren flchteten und daher 
fr Bailey angreifbar wurden, explizit aufzunehmen und sich ihm zu 
stellen. Um das von Bailey so unangenehm gegen die Arbeitswert-
theorie aufgeworfene Argument zu entkrften, mu Marx den allzu 
problemlosen "Eigenschafts"-Charakter des Werts problematisieren 
und als "dinglichen Schein" aufdecken. So weist er die Kritik Bai-
leys nicht defensiv, sondern offensiv zurck und kritisiert an ihm 
gerade das, was ihm mit den brgerlichen Arbeitswerttheoretikern 
gemeinsam ist: "Ich habe ... erwhnt, wie es die auf dem Privat-
tausch beruhende Arbeit charakterisiert, da sich der gesell-
schaftliche Charakter der Arbeit als 'property` der Dinge 'dar-
stellt` - verkehrt; da ein gesellschaftliches Verhltnis als Ver-
hltnis der Dinge unter sich erscheint ... Diesen Schein nimmt un-
ser Fetischdiener als etwas Wirkliches (!) und glaubt in der Tat, 
da der Tauschwert der Dinge davon ihre properties as things be-
stimmt ist, berhaupt a natural property derselben ist" (Marx, 
a.a.O., S. 127). Marx setzt noch hinzu, da "aber die 'value` 
nichts absolutes ist, nicht als entity aufgefat wird ..." (ebda, 
S. 127). Also der Wert ist nicht als eine "Wesenheit" zu bestim-
men, nicht als ein buchstblich real selbstndiges "Ding", sondern 
eben blo als "soziale Existenzweise".

Allerdings scheint Marx nicht zu bemerken, da er mit diesem An-
satz die ber weite Strecken von ihm selbst transportierte 
Smith'sche Ausdrucksweise von der buchstblich "in den Produkten 
enthaltenen" Arbeit als "geronnene Arbeitszeit" vollstndig demon-
tiert und seine eigenen Aussagen von der buchstblichen "Vergegen-
stndlichung" und "Materialisierung" der Arbeit weitgehend demen-
tiert. Tatschlich zgert Marx, diese Redeweise vllig aufzugeben; 
der Grund dafr wird sich im folgenden zeigen. Es mu jedoch klar 
sein, da diese Redeweise im Kontext einer Konzeption, die den ge-
genstndlichen Eigenschafts-Charakter des Werts als "dinglichen 
Schein" bestimmt, nicht mehr wrtlich und buchstblich genommen 
werden kann. Marx durchbricht mit dieser Konzeption ein fr alle-
mal das bisherige ontologische Verstndnis der Wert- bzw. Waren-
form; er macht jedoch, wie auch in anderer Hinsicht (so etwa be-
zglich der verschiedenen Ebenen des Wertform-Begriffs und des 
Verhltnisses von abstrakter und konkreter Allgemeinheit der Ar-
beit), nicht alle Implikationen und Konsequenzen seiner theoreti-
schen Revolution auch explizit und lt so Spielraum fr verkrzte 
Interpretationen, die nicht oder kaum ber die brgerliche Ar-
beitswerttheorie hinausgehen und insofern auch dem Verdikt Baileys 
verfallen mten.

Marx unternimmt nun verschiedene begriffliche Anlufe, um seine 
Konzeption des "dinglichen Scheins" auszuarbeiten und abzuleiten, 
warum sich fr den Warenproduzenten seine eigene gesellschaftliche 
Arbeit als gegenstndliche, "geronnene" Eigenschaft des Produkts 
"darstellen" mu. Um Miverstndnisse zu vermeiden: wir befinden 
uns bei dieser ganzen Errterung beim Problem der "Wertgestalt" 
des EINZELNEN Produkts. Ich habe oben bereits darauf hingewiesen, 
da sich fr das Gelingen der "Wertgleichung", der Gleichsetzung 
zweier Produkte im Austausch, das einzelne Produkt bereits vorher 
gesellschaftlich in der Wertgestalt befinden mu, also fr den 
Privatproduzenten selbst. Nur auf dieser Problemebene kann der 
Kern des qualitativen Wertform-Problems gelst und der "dingliche 
Schein" aufgedeckt werden. Da der Wert als TAUSCHWERT, als QUAN-
TITATIVE Gleichsetzung zweier Waren, in Gestalt der quivalentform 
tatschlich im BUCHSTBLICHEN Sinne "dinglich" wird, ist selbst-
evident. Gerade diese buchstbliche Materialitt des Tauschwerts, 
der Gleichsetzung von Waren in der Zirkulationssphre, blendet ja 
den brgerlichen Verstand und verdeckt die eigentliche qualitative 
Seite der Wertform, die sich nicht anhand der quantitativen 
Tauschwert-Relation zweier Waren, sondern nur am Wert selber, an 
der Wertform der ersten Ebene, am Wert der einzelnen Ware aufdek-
ken lt.

Ein Begriff, der bei Marx durchgngig ist in seiner Bestimmung 
des bergangs von der Arbeit zum Wert, ist die Bezeichnung der Ar-
beit als "SUBSTANZ" des Werts. So in der 4. Auflage des "Kapital": 
"Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt 
menschliche Arbeit in ihm vergegenstndlicht oder materialisiert 
ist. Wie nun die Gre seines Werts messen? Durch das Quantum der 
in ihm enthaltenen 'wertbildenden Substanz`, der Arbeit" (Marx 
1965, S. 53). Marx transportiert hier wieder ganz offensichtlich 
die zu groben Miverstndnissen Anla gebende Smithsche Ausdrucks-
weise, in der die Gerinnung der Arbeit zur dinglichen Eigenschaft 
nicht als Schein, sondern als unmittelbar und buchstblich real 
bezeichnet wird. Die Frage ist, ob der "Substanz"-Begriff hier 
weiterfhrt. Im alltglichen Gebrauch bedeutet Substanz soviel wie 
"Stoff" oder "Materie", wie uns jedes philosophische Wrterbuch 
sagen kann. In der Philosophie bezeichnet der Substanz-Begriff 
meistens das Unvernderliche, Beharrende im Wechsel der Erschei-
nungen, das "Substrat", also gerade das Nicht-Flssige. Sowohl im 
alltglichen als auch im gewhnlichen philosophischen Sinne wre 
die "Substanz", bezogen auf die Arbeit, also bereits nicht mehr 
der lebendige Proze, sondern das erstarrte, ruhende, gegenstnd-
liche oder "vergegenstndlichte" Moment, also eben der "Wert". Aus 
dieser Sicht allerdings mu die obige Stelle bei Marx vllig un-
klar erscheinen. Denn er unterscheidet hier nicht zwischen der Ar-
beit als aktivem Moment, als lebendigem Proze einerseits und der 
Arbeit als gegenstndlicher "Substanz" andererseits. Soweit die 
Arbeit "wertbildend" ist, knnte sie noch nicht "Substanz" sein, 
sondern mte sich noch im Status des lebendigen Prozesses befin-
den. Freilich befinden wir uns so auf falscher Fhrte, jedenfalls 
hinsichtlich der Marxschen Argumentation. Denn er verwendet den 
Begriff der "Substanz" hier keineswegs im gewhnlichen (alltgli-
chen oder philosophischen) Sinne, sondern wiederum im Sinne der 
Hegelschen Begriffswelt, in der die "Substanz" nicht mehr einfach 
das Unvernderliche oder "Substrat", sondern vielmehr der PROZE 
oder GESAMTPROZE ist. In diesem Verstndnis allerdings wre Ar-
beit als "Substanz" gerade das Lebendige, Prozehafte und gleich-
zeitig das bergreifende, eben die Allgemeinheit. Als solche knn-
te sie in ihrer wirklichen Konkretheit, als lebendige gesell-
schaftliche Arbeit, berhaupt nicht aufgehoben werden, wrde frei-
lich auch nicht zum "Wert" "gerinnen". Das sagt Marx selber an an-
derer Stelle eindeutig von seiner Konzeption: "Time of labour, 
auch wenn der Tauschwert aufgehoben, bleibt immer die SCHAFFENDE 
SUBSTANZ (Hervorheb. R. K.) des Reichtums ..." (Marx 1968 b, 
S. 253). "Substanz" ist also fr Marx unmittelbar die lebendige 
Arbeit selbst, im Sinne Hegels eine lebendige, prozessierende, 
hervorbringende Substanz, nicht jedoch die Arbeit in ihrer toten 
Gegenstndlichkeitsform als Wert, was der landlufige Gebrauch des 
"Substanz"-Begriffs nahelegen knnte.

Im engeren Sinne der Kritik der Politischen konomie allerdings 
wird der Marxsche "Substanz"-Begriff damit nur noch hinsichtlich 
mglicher oder sogar typischer Mideutungen interessant. Erinnern 
wir uns an Werner Becker oder andererseits die Linkskeynesianer 
wie Joan Robinson, die sich positiv oder negativ wertend damit be-
gngen, die Marxsche Position als unmittelbare Identitt von 
(lebendiger) Arbeit und (gegenstndlichem) Wert zu identifizieren 
und so ihre Kritik mehr oder weniger unbewut als Variation des 
Baileyschen Einwands gegen Ricardo vorbringen mssen. Hatte dieser 
die Annahme eines "absoluten Werts" (also einer den Waren innewoh-
nenden gemeinsamen Qualitt, die "Arbeit" ist oder auf Arbeit zu-
rckgefhrt wird) als "Einbildung" des Theoretikers abqualifi-
ziert, so jene den Marxschen "Substanz"-Begriff als "Metaphysik". 
In der Tat luft in der klassischen idealistischen Philosophie der 
"Substanz"-Begriff auf ein "Erhaltungs"-Axiom hinaus. So sagt Kant 
in der 'Kritik der reinen Vernunft`: "Bei allem Wechsel der Er-
scheinung beharrt die Substanz, und das Quantum derselben wird in 
der Natur weder vermehrt noch vermindert ..." (zit. nach Hoffmei-
ster 1955, S. 587). Typisch erscheint die daran ansetzende positi-
vistische Kritik an der vermeintlichen Befangenheit der Marxschen 
Werttheorie in "philosophischer Metaphysik" in den Debatten der 
siebziger Jahre, die sich im Gefolge der Neuen Linken entzndet 
hatten, wieder bei C. C. von Weizscker. Dieser sieht ein Marx-
sches "Erhaltungsaxiom" der Arbeit in der uns bereits als proble-
matisch bekannten Bestimmung, da die Waren als Werte nur "be-
stimmte Mae festgeronnener Arbeitszeit" seien. Weizscker dazu: 
"Die Vorstellung der Erhaltung der in den Produktionsproze einge-
henden Arbeitszeit im Produktionsproze (soll wohl heien: Pro-
dukt; R. K.) knpft natrlich an die Tradition von der Erhaltung 
der Substanz in der abendlndischen Metaphysik an. Die Arbeits-
zeit, die in den Waren enthalten, in ihnen festgeronnen ist, ist 
der Substanzbegriff der Marxschen Metaphysik des Produktionspro-
zesses. Whrend Farbe, Gewicht, Form und andere fr den Gebrauchs-
wert der Gegenstnde wichtige Eigenschaften sich im Produktions-
proze verndern - denn sonst wre der Produktionsproze ja unn-
tig -, bleibt eine Substanz, die ihnen als Produkten menschlicher 
Arbeit zukommen, erhalten, wenn ihnen weitere Substanz in der Form 
lebendiger Arbeit zugesetzt wird. Wir nennen deshalb die auf dem 
Erhaltungsaxiom aufbauende Methode die metaphysische Methode der 
Bestimmung gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit" (Weizscker, 
in: Nutzinger/Wolfstetter 1974, Bd. 2, S. 98). Weizscker hlt das 
angebliche gewhnliche Akzeptieren dieses Axioms fr eine Folge 
ideologischer Erziehung und Tradition; ein wesentlicher Faktor sei 
nmlich "... sicherlich die groe Bereitschaft von nahezu jeder-
mann, der direkt oder indirekt unter dem Einflu der Metaphysik 
gestanden hat, solche Axiome der Substanzerhaltung bewut oder un-
bewut zu akzeptieren" (a.a.O., S. 98).

Weizscker ist sich offenbar nicht bewut, da er letztlich nur 
das Argument Baileys gegen Ricardo wiederholt. Da die Arbeit am 
einzelnen Produkt nicht empirisch und real dinglich als "geron-
nene" Produkt-Eigenschaft nachgewiesen werden kann, wird es auch 
als unmglich erklrt, die Tauschrelation der Waren auf bestimmte 
Quantitten von Arbeit als gemeinsame "Substanz" zurckzufhren. 
In gewisser Weise kann Bailey so als Vorlufer der subjektiven 
Werttheorie gelten, wie sie in der zweiten Hlfte des 19. Jahrhun-
derts nicht nur von der explizit marxkritischen "sterreichischen 
Schule" (Bhm-Bawerk), sondern in anderer (und heute fr die br-
gerliche Theorie gltigerer) Form von Jevons und Walras ohne kri-
tischen Bezug auf Marx entwickelt worden ist. Dieser Zusammenhang 
allerdings verweist auf die vulgrkonomischen Grundlagen aller 
modernen brgerlichen Werttheorie, die Weizscker teilt. Die qua-
litative Seite der "unmglichen Gleichung", der Gleichsetzung ver-
schiedener Waren, wird nicht einmal mehr als Versuch einer objek-
tiv-wissenschaftlichen Lsung zugefhrt, sondern von vornherein 
dem letztlich "auerwissenschaftlichen Bereich" subjektiver Be-
Wertung zugeordnet und so das eigentlich wissenschaftliche Problem 
zugedeckt statt gelst. Nur noch die Resultate der Gesamtmenge 
subjektiver Bewertungen sollen wissenschaftlicher Objektivierung 
zugnglich sein; ganz wie bei Bailey, dessen letztes Wort und ei-
genes Axiom die bewutlos vorausgesetzte Wertgleichung der Zirku-
lationssphre ist, lst sich die Wissenschaft damit letztendlich 
in die Erforschung blo "funktioneller" Zusammenhnge auf, deren 
Qualitt als solche nicht mehr Gegenstand ist, schon gar nicht ei-
ner historisch-kritischen Untersuchung. Diese "Wissenschaft" hat 
nicht nur den "Vorteil", da sie die Warenform und damit den Wert 
verewigt, und zwar ganz unter der Hand, also weit geschickter als 
Smith und Ricardo, sie macht auch gleichzeitig das abstrakte br-
gerliche Individuum zum letzten Bedingungsgrund seiner in Wirk-
lichkeit vom Wertverhltnis erzwungenen Handlungen und gibt zu al-
lem berflu die sonderbare Befriedigung, da man "etwas" (den 
Wert) funktionell "mathematisieren" kann, von dem man ausdrcklich 
nicht einmal wei und wissen will, was es seiner Qualitt nach 
ist! Wie alle Vulgrkonomen in werttheoretischer Hinsicht stellt 
auch Weizscker, unbewut auf Baileys Spuren, das Problem auf den 
Kopf. Statt das in der realen gesellschaftlichen Wirklichkeit vor-
handene und dem theoretischen Denken vorausgesetzte Problem der 
qualitativen Wertgleichung tatschlich befriedigend zu lsen, wird 
es dem kritisierten Theoretiker (also bei Bailey Ricardo, spter 
Marx) als dessen subjektive "Erfindung" in die Schuhe geschoben 
und so gleichzeitig die Ideologie nicht aus den realen Verhltnis-
sen, sondern umgekehrt die Objektivitt des Werts aus dem "meta-
physischen Denken" und damit als bloer "Irrtum", einem bestimmten 
Denken geschuldet, erklrt und abgeleitet. So wird das Problem 
freilich sehr einfach, allerdings nur scheinbar "gelst". Es ent-
behrt nicht der unfreiwilligen Ironie, wie Weizscker, gesttzt 
auf das gngige Miverstndnis, Marx aus einem wissenschaftlichen 
Kritiker der paradoxen "Wertgegenstndlichkeit" in deren ERFINDER 
verwandelt. Marx kritisiert eine Gesellschaft die dieses Paradox 
der "geronnenen" Erhaltung der Arbeits-Substanz in den Produkten 
zu ihrer realen Grundlage hat, obwohl die wirkliche lebendige Ar-
beit nicht wirklich im buchstblichen Sinne "gerinnt", sondern 
tatschlich bereits vergangen ist. Weizscker schiebt die aus die-
sen paradoxen Realverhltnissen aufsteigende Ideologie, die Marx 
als solche gerade aufgedeckt hat, umgekehrt Marx als dessen eigene 
subjektive Kreation in die Schuhe und enthebt sich so natrlich 
der Mhe, dieses gesellschaftliche Realverhltnis und seine Para-
doxien selber seiner Qualitt nach kritisch zu erforschen. Gerade 
umgekehrt wie bei Weizscker wre es ideengeschichtlich fruchtbar, 
den Zusammenhang zwischen dem gesellschaftlichen Wertverhltnis 
und der Entwicklung wie der Bedeutung des philosophischen "Sub-
stanz"-Begriffs zu untersuchen(13) .

Dies kann jedoch hier nicht unser Thema sein, da eine derartige 
Errterung wegfhren wrde vom Problem der konomischen Wertgegen-
stndlichkeit im engeren Sinne. Ist erst einmal geklrt, da in 
der Marxschen Diktion "Substanz" nicht die "geronnene" Form des 
Werts ist, sondern die "schaffende", lebendige Arbeit selbst, dann 
stellt der "Substanz"-Begriff nur abermals das Problem, wie sich 
lebendige Arbeit in dingliche Eigenschaft und also tote Gegen-
stndlichkeit verwandelt, stellt aber keinerlei Lsungsversuch 
dieses Problems dar. Wir sind also keinen Schritt weiter, bis 
jetzt ist immer noch lediglich das abstrakte HANDELN der Warenpro-
duzenten geklrt, das die lebendige Arbeit transformiert in tote 
abstrakte Wertgegenstndlichkeit, nicht jedoch die Natur dieser 
paradoxen "Gegenstndlichkeit" selbst.

Kehren wir also zurck zur Marxschen Konzeption des "realen 
Scheins", mit der er die Stichhaltigkeit der Baileyschen vul-
grkonomischen Kritik an der brgerlichen Arbeitswerttheorie Ri-
cardos aufzulsen sucht. Es erffnet sich hier allerdings ein Di-
lemma, wie diese Konzeption dem gewhnlichen, undialektischen, po-
sitivistischen Denken berhaupt verstndlich gemacht werden soll. 
Denn dieses gewhnliche Denken, im Alltag wie in der Wissenschaft, 
kann eine konkrete Identitt von "Sein" und "Schein" nicht akzep-
tieren. Also: entweder ist der Wert "Sein", reale Objektivitt, 
dann mu er auch real, "materiell" irgendwie buchstblich als "ge-
ronnene Arbeit" in den Produkten "stecken". Oder aber der Wert ist 
"Schein", dann handelt es sich entweder um einen Schein, der aus 
subjektiver Tuschung oder Irrtum entsteht (und durch Aufklrung 
behoben werden knnte), oder um einen Schein, der das Ergebnis be-
wuter subjektiv-gedanklicher "Setzung" ist, also etwa eine Art 
Rousseauschen Gesellschaftsvertrags, in dem sich die Produzenten 
irgendwann darauf geeinigt haben, ihre Arbeit gegenseitig in der 
Form dinglicher Produkt-Eigenschaft zu verrechnen. Ganz offen-
sichtlich qult sich Marx damit herum, diese beiden groben Miver-
stndnisse zu vermeiden, ohne aber ber einen "Kompromi" in sei-
ner Ausdrucksweise hinauszukommen. Fast knnte man sagen, da Marx 
das Problem gelst, es aber unzureichend dargestellt hat.

Soweit die Betonung auf dem unbestreitbaren realen "Sein" des 
Werts liegt, haben wir das Unzureichende der Marxschen Darstellung 
bereits in der Weiterverwendung der Smithschen Ausdrucksweise ge-
sehen, die das vulgrmaterialistische Miverstndnis eines buch-
stblich unmittelbar dinglichen Daseins des Werts im Sinne einer 
wirklich den Produkten innewohnenden "Eigenschaft" nahelegt. So-
weit umgekehrt die Betonung auf "Schein" oder "Mystifikation" 
liegt, mu sich fr das gewhnliche brgerliche Denken die Marx-
sche Diktion in das Konzept eines blo gedanklichen, "ideellen" 
Daseins des Werts (der einzelnen Ware) verwandeln, oder gar in ei-
ne Art "Phantasterei" oder "Hirngespinst". So spricht Marx im 'Ka-
pital` ja bekanntlich direkt von der "gespenstigen Gegenstndlich-
keit des Werts" (Marx 1965, S. 52). Ebenso betont er an anderer 
Stelle geradezu die "Unwirklichkeit" des Werts im buchstblich ma-
teriell-dinglichen Sinne: "So stellt sich der Lichteindruck eines 
Dings auf den Sehnerv nicht als subjektiver Reiz des Sehnervs 
selbst, sondern als gegenstndliche Form eines Dings auerhalb des 
Auges dar. Aber beim Sehen wird wirklich (!) Licht von einem Ding, 
dem uern Gegenstand, auf ein andres Ding, das Auge, geworfen. Es 
ist ein physisches Verhltnis zwischen physischen Dingen. Dagegen 
hat die Warenform und das Wertverhltnis der Arbeitsprodukte, 
worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur und den dar-
aus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaf-
fen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhltnis der 
Menschen selbst, welches hier fr sie die phantasmagorische (!) 
Form eines Verhltnisses von Dingen annimmt" (Marx 1965, S. 86). 
"Wirklich" ist also im materiell-dinglichen Sinne nur eine tat-
schlich physische Beziehung zwischen Dingen; der Wert ist dies 
jedoch nicht, also auch nicht "wirklich" in einem physisch-materi-
ellen Sinne, sondern "phantasmagorische" Form. Eine Phantasmagorie 
aber ist ein TRUGGEBILDE.

In diesem Sinne spricht Marx auch mehrfach davon, da durch den 
"dinglichen Schein" des Werts das "eigentlich" gesellschaftliche 
Verhltnis der Produzenten "verborgen" oder "verschleiert" wird. 
So in der 1. Auflage des 'Kapital` von 1867, wo er schreibt, da 
die Wertform "die gesellschaftlichen Bestimmtheiten der Privatar-
beit SACHLICH VERSCHLEIERT (!) (Hervorheb. Marx), statt sie zu of-
fenbaren" (Marx 1984, S. 39). An anderer Stelle heit es dann 
(nach der 4. Auflage): "Das Geheimnisvolle der Warenform besteht 
also einfach darin, da sie den Menschen die gesellschaftlichen 
Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenstndliche Charaktere der 
Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften 
dieser Dinge zurckspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Ver-
hltnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein auer ihnen exi-
stierendes gesellschaftliches Verhltnis von Gegenstnden. Durch 
dies Quidproquo werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich ber-
sinnliche oder gesellschaftliche Dinge" (Marx 1965, S. 86). Der 
Wert (der einzelnen Ware) ist also keine unmittelbar dingliche 
Wirklichkeit, sondern ein "Quidproquo", d.h. ein Ersatz, ein "ob-
jektives Miverstndnis", eigentlich die Verwechslung einer Sache 
mit einer anderen.

In der ersten Auflage kommt Marx so direkt auf den Wert als 
letztlich bloes Gedankending: "Gegenstndlichkeit der menschli-
chen Arbeit, die selbst abstrakt ist, ohne weitere Qualitt und 
Inhalt, ist notwendig abstrakte Gegenstndlichkeit, ein GEDANKEN-
DING (Hervorheb. Marx). So wird das Flachsgewebe zum Hirngespinst. 
Aber WAAREN sind SACHEN (Hervorheb. Marx). Was sie sind, mssen 
sie sachlich sein oder in ihren eignen sachlichen Beziehungen zei-
gen. In der Produktion von Leinwand IST ein bestimmtes Quantum 
menschlicher Arbeitskraft verausgabt worden. Ihr Werth ist der 
blo GEGENSTNDLICHE REFLEX (Hervorheb. Marx) der so verausgabten 
Arbeit, aber er reflektiert sich nicht in ihrem Krper. Er OFFEN-
BART sich, erhlt sinnlichen Ausdruck durch ihr WERTVERHLTNIS 
(Hervorheb. Marx) zum Rock" (Marx 1984, S. 17). Eine traditio-
nelle, vulgrpositivistische Interpretation, die an der Smithschen 
buchstblichen Dinglichkeit der "geronnenen Arbeit" festhlt, mag 
sich damit beruhigen, da der zweite Teil dieser Stelle den ersten 
dementiert. Aber dem ist nicht so, Marx springt hier nur von der 
ersten zur zweiten Ebene der Wertform, vom Wert (der einzelnen Wa-
re) zum erscheinenden Tauschwert in der Relation zweier Waren. Als 
buchstbliche Gegenstndlichkeit in der quantitativen Tauschrela-
tion "offenbart" sich oder "erscheint" die real bereits vergangene 
Arbeit als "Reflex", jedoch nicht am Produkt selbst (weil in die-
sem nicht real-dinglich als Eigenschaft "enthalten"), sondern in 
der Naturalform des anderen Produkts als quivalent, d.h. im Voll-
zug der "unmglichen Gleichung", der das brgerlich-positivisti-
sche Denken blendet und in Wirklichkeit die Wertform an den ein-
zelnen Produkten fr die Produzenten bereits voraussetzt. Diese 
aber, als Wert der dem Tauschwert zugrunde liegen mu, wre als 
"abstrakte Gegenstndlichkeit" notwendig ein "Gedankending", wie 
Marx sogar hervorhebt, der im folgenden ja nicht einmal vor dem 
Ausdruck "Hirngespinst" zurckschreckt. Die folgenden Stze demen-
tieren in Wirklichkeit diese Aussage nicht, sondern zeigen nur, 
wie in der Tauschrelation das sinnlich-dingliche Verhltnis zweier 
Waren das "abstrakte Gedankending" des Werts als Quantum vergange-
ner Arbeit reflexartig "ausdrckt" oder "darstellt" und den Schein 
einer realen Dinglichkeit des Werts erzeugt, ohne da die zugrunde 
liegende abstrakte Gegenstndlichkeit deshalb aufhrte, ein "Ge-
dankending" oder sogar, in Marxens eigenen Worten, ein "Hirnge-
spinst" zu sein. Freilich legt diese Ausdrucksweise wieder zu sehr 
das Miverstndnis einer blo subjektiven "Einbildung" nahe, soda 
Marx diese Stelle in den folgenden Auflagen wieder gestrichen hat. 
Noch deutlicher freilich wird derselbe Gedanke, wenn Marx in den 
'Theorien ber den Mehrwert` schreibt: "Das Materialisieren etc. 
der Arbeit ist jedoch nicht so schottisch zu nehmen, wie A. Smith 
es fat. Sprechen wir von der Ware als Materiatur der Arbeit - in 
dem Sinne ihres Tauschwerts -, so ist dies selbst nur eine einge-
bildete (!!), d.h. blo soziale Existenzweise (!!) der Ware, die 
mit ihrer krperlichen Realitt nichts zu schaffen hat; sie wird 
vorgestellt (!!) als bestimmtes Quantum gesellschaftlicher Arbeit 
oder Geld" (Marx 1966, S. 141). Auch diese Stelle ist ein starker 
Schlag gegen alle "marxistischen" Dinglichkeits-Theoretiker des 
Werts, die diesen im Verstndnishorizont der alten Arbeiterbewe-
gung buchstblich als jene Art bei jeder Produktion mitgebackenes 
Brtchen, als unmittelbar reales "Ding" begreifen, - also "schot-
tisch" im Sinne von Adam Smith. Im brigen tut es der Sache keinen 
Abbruch, da Marx hier von "Tauschwert" statt von "Wert" spricht; 
da er terminologisch mit dieser Unterscheidung lax umgeht, zeigt 
sich an vielen Stellen, so in der Vernderung des Selbstzitats aus 
der "Kritik" von 1857 im 'Kapital`, auf die ich weiter oben hinge-
wiesen habe; Marx selbst rechtfertigt diese terminologische Lax-
heit bekanntlich im ersten Band des 'Kapital` als "abkrzende" 
Ausdrucksweise. Letztlich ist sie aber wohl auf sein mangelndes 
Explizitmachen der beiden unterschiedlichen Ebenen des Wertform-
Begriffs zurckzufhren. Tatschlich ist die obige Aussage so ein-
deutig, da sie kaum miverstanden werden kann. Sie ergibt ber-
haupt nur einen Sinn, wenn "Tauschwert" hier im Sinne von "Wert" 
verstanden wird. Selbst wenn man aber diese Lesart nicht aner-
kennt, verndert sich der Sinn der Aussage nicht. Denn "Tausch-
wert" bezeichnet hier nicht die quantitative Relation zu anderer 
Ware, sondern die qualitative Seite, die Frage also, inwieweit es 
sich um "Materialisieren etc. der Arbeit" handelt.

Am deutlichsten zeigt sich das Problem der Darstellung des Werts 
als "dinglicher Schein an einer Stelle des 'Kapital`, wo Marx die 
Lesart der ersten Auflage nicht nur stark verndert, sondern in 
gewisser Hinsicht scheinbar sogar ins Gegenteil verkehrt hat. So 
heit es in der ersten Ausgabe von 1867: "Wenn die Menschen ihre 
Produkte auf einander als Werthe beziehn, sofern diese Sachen fr 
blo sachliche Hllen gleichartig menschlicher Arbeit gelten, so 
liegt darin zugleich umgekehrt, da ihre verschiednen Arbeiten nur 
als gleichartige menschliche Arbeit gelten in sachlicher Hlle. 
Sie beziehn ihre verschiednen Arbeiten auf einander als menschli-
che Arbeit, indem sie ihre Produkte aufeinander als Werthe be-
ziehn. Die persnliche Beziehung ist versteckt durch die sachliche 
Form. Es steht daher dem Werth nicht auf der Stirn geschrieben, 
was er ist. Um ihre Produkte auf einander als Waaren zu beziehn, 
sind die Menschen gezwungen, ihre verschiednen Arbeiten abstrakt 
menschlicher Arbeit gleichzusetzen. Sie wissen das nicht, aber sie 
thun es, indem sie das materielle Ding auf die Abstraktion Werth 
reduciren. Es ist diess eine naturwchsige und daher bewutlos in-
stinktive Operation ihres Hirns (!), die aus der besonderen Weise 
ihrer materiellen Produktion und den Verhltnissen, worin diese 
Produktion sie versetzt, nothwendig herauswchst. Erst ist ihr 
Verhltnis praktisch da. Zweitens aber, weil sie Menschen sind, 
ist ihr Verhltniss als Verhltniss fr sie da. Die Art, wie es 
fr sie da ist, oder sich in ihrem Hirn (!) reflektiert, ent-
springt aus der Natur des Verhltnisses selbst. Spter suchen sie 
durch die Wissenschaft hinter das Geheimniss ihres eignen gesell-
schaftlichen Produkts zu kommen, denn die Bestimmung eines Dings 
als Werth ist ihr Produkt, so gut wie die Sprache" (Marx 1984, 
S. 38).

Demgegenber lautet dieselbe Stelle nach der heute meist ge-
bruchlichen 4. Auflage von 1890 folgendermaen: "Die Menschen be-
ziehen also ihre Arbeitsprodukte nicht aufeinander als Werte, weil 
diese Sachen ihnen als blo sachliche Hllen gleichartig menschli-
cher Arbeit gelten. Umgekehrt. Indem sie ihre verschiedenartigen 
Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie 
ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. 
Sie wissen das nicht, aber sie tun es. Es steht daher dem Werte 
nicht auf der Stirn geschrieben, was er ist. Der Wert verwandelt 
vielmehr jedes Arbeitsprodukt in eine gesellschaftliche Hierogly-
phe. Spter suchen die Menschen den Sinn der Hieroglyphe zu ent-
ziffern, hinter das Geheimnis ihres eigenen gesellschaftlichen 
Produkts zu kommen, denn die Bestimmung der Gebrauchsgegenstnde 
als Werte ist ihr gesellschaftliches Produkt so gut wie die Spra-
che. Die spte wissenschaftliche Entdeckung, da die Arbeitspro-
dukte, soweit sie Werte, blo (!) sachliche Ausdrcke (!) der in 
ihrer Produktion verausgabten menschlichen Arbeit sind, macht Epo-
che in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, aber verscheucht 
keineswegs den gegenstndlichen Schein (!) der gesellschaftlichen 
Charaktere der Arbeit" (Marx 1965, S. 88).

Zunchst einmal fllt auf, da sich die Aussage des ersten Sat-
zes dieser Stelle in der nderung direkt umgekehrt hat. Sagt Marx 
in der ersten Auflage noch, da die Produkte aufeinander als Werte 
bezogen werden, "sofern diese Sachen fr blo sachliche Hllen 
gleichartig menschlicher Arbeit gelten", so korrigiert er sich ge-
rade entgegengesetzt in der spteren Fassung, wo die Produkte ge-
rade "NICHT" aufeinander als Werte bezogen werden, "weil diese Sa-
chen ... als blo sachliche Hllen gleichartig menschlicher Arbeit 
gelten". Was in der ersten Lesart durch ein "zugleich" als "Umkeh-
rung" (Umkehrschlu) damit verbunden wird, nmlich da dann auch 
die verschiedenen Arbeiten als gleichartige (und damit als Basis 
des Austauschs) nur "gelten in sachlicher Hlle", wird in der sp-
teren Lesart durch ein "indem" zum eigentlichen Ausgangspunkt, 
aber das "gelten" ist ganz negiert bzw. weggelassen. Auf diese 
Korrektur wird gelegentlich im Sinne eines Selbstwiderspruchs bei 
Marx aufmerksam gemacht (vgl. Pranckel 1985). Tatschlich aber 
will Marx mit der nderung wohl vor allem vermeiden, da seine 
Aussage im Sinne einer BEWUTEN VEREINBARUNG (die irgendwann hi-
storisch getroffen worden wre) mideutet wird, worauf im brigen 
auch bereits Rosdolsky hinweist (vgl. Rosdolsky 1968). Ist diese 
Mglichkeit der Mideutung aber einmal weggenommen, so hat sich 
der Sinn des Ganzen berhaupt nicht verndert. Tatschlich kommt 
in beiden Lesarten gleichermaen die Marxsche Auffassung vom Wert 
(der dem Tauschwert zugrundeliegt) als GEDANKENDING zum Ausdruck. 
Diese Auffassung wird evident, wenn er in der Urfassung von einer 
"naturwchsigen und daher bewutlos instinktiven Operation des 
Hirns spricht oder davon, da sich das praktische Verhltnis der 
Warenproduzenten "in ihrem Hirn" als Wert reflektiert etc. In der 
spteren Lesart sind auch diese Passagen weggelassen, offensicht-
lich aus demselben Grund wie die Vernderungen des Anfangssatzes. 
Aber die vernderten Formulierungen gehen nicht von der grundstz-
lichen Konzeption des Werts als Gedankending ab. So etwa im Be-
griff der "Hieroglyphe". Eine Hieroglyphe ist ein, "Zeichen" fr 
etwas anderes, das sie selbst nicht ist. Die Hieroglyphe einer Kuh 
ist nicht die Kuh selbst, auch nicht die zu etwas anderem 
formverwandelte Kuh, sondern vielmehr ein "Quidproquo". Als Hiero-
glyphe" wird das Arbeitsprodukt zu einem "Zeichen" dessen, was es 
selbst NICHT ist, nmlich des Quantums gesellschaftlicher Arbeit, 
das auf dieses Produkt verwandt wurde, jedoch als solches VERGAN-
GEN und also nicht mehr real existent ist. Die Arbeit "gerinnt" 
nicht wirklich buchstblich zu einer materiellen Eigenschaft des 
Produkts, sondern das Produkt wird zum "Zeichen", zur GESELL-
SCHAFTLICHEN "Hieroglyphe" fr die real bereits vergangene Arbeit. 
Freilich unterscheidet sich das Produkt als abstraktes, Zeichen, 
als Hieroglyphe der gesellschaftlichen Arbeit, durchaus von Zei-
chen in anderen Zeichensystemen, etwa Zahlen, Bildern oder Buch-
staben etc. Es mu nmlich in jedem Einzelfall, wo ein Produkt als 
diese Hieroglyphe erscheinen kann, WIRKLICH ARBEIT AUFGEWENDET 
WORDEN SEIN. Insofern ist eben die "Substanz" des Werts, ganz im 
Gegensatz zu anderen Zeichen als Gedankendingen, selber gerade 
KEIN Gedankending. Mit anderen Worten: die gesellschaftliche 
Hieroglyphe des Werts ist im Unterschied zu Symbolen, die VON HAUS 
AUS nur Gedankendinge sind, NICHT BELIEBIG ALS GEDANKENDING REPRO-
DUZIERBAR, sondern NUR DURCH ARBEIT, d. h. durch einen wirklichen 
materiellen Proze. Den sonstigen gedanklichen Abstraktionen wie 
Symbolen, Zeichen, Wrtern usw. liegen zwar auch letztendlich ma-
terielle Realitten zugrunde, einmal als Gedankending hervorge-
bracht, knnen sie jedoch auch als ein solches Gedankending belie-
big oft reproduziert werden: ich kann beliebig oft "Haus" denken, 
sagen, schreiben oder als Symbol auf Papier malen, ohne da jedes-
mal ein wirkliches Haus da sein und jedem dieser gedanklichen 
"Schpfungsakte" entsprechen mu. Gerade umgekehrt bei der gesell-
schaftlichen Hieroglyphe des Werts: das zugrundeliegende Materi-
elle, der lebendige Proze der Arbeit, mu in jedem Einzelfall da-
gewesen sein, damit das Gedankending, die Wertform, "instinktiv" 
im Hirn des Produzenten erscheinen kann. Dieses zugrundeliegende 
Materielle ist jedoch kein "Ding", kein toter Gegenstand, sondern 
ein real bereits vergangener lebendiger Proze. Die ABSTRAKTION, 
das GEDANKENDING, bezieht sich NICHT auf den INHALT des zugrunde-
liegenden Materiellen, sondern ausschlielich auf die FORM, in der 
dieser Inhalt als gesellschaftlicher den Menschen ERSCHEINT. Dies 
unterscheidet das Gedankending "Wert" von anderen abstrakten Be-
griffen, Zeichen, Symbolen usw. fr die (auf der jeweiligen Be-
griffsebene) sowohl Form als auch Inhalt abstrakt, also Gedanken-
dinge sind. Gerade diese Identitt von Form und Inhalt aber fllt 
im Wert auseinander. Der Inhalt, die gesellschaftliche Arbeit als 
wirklicher materieller Proze, wird getrennt von der gesellschaft-
lichen Form, dem Wert, dem "Reflex", dem Zeichen, der "Hierogly-
phe", die als Abstraktion ein Gedankending nur sein kann. DER WERT 
IST REINE GESELLSCHAFTLICHE FORMABSTRAKTION. Hier haben wir den 
wesentlichsten, von Marx jedoch nicht argumentativ ausgefhrten 
Grund, der ihn zgern lt, die schiefe und vulgrmaterialistisch 
kompromittierende Ausdrucksweise von Smith bzw. Ricardo ganz fal-
lenzulassen, weil er fhlt, wie unmglich es dem gewhnlichen po-
sitivistischen Denken sein mu, eine konkrete, widersprchliche 
Identitt von "Sein" und "Schein" als die eigene gesellschaftliche 
Realitt zu akzeptieren. Daher auch die stndigen Korrekturbem-
hungen.

Der Wert ist also seinem wirklichen Inhalt nach KEIN Gedanken-
ding, er ist es jedoch als gesellschaftlich fiktionale ("phantas-
magorische") abstrakte Gegenstndlichkeit fiktiv "geronnener" Ar-
beit bzw. Arbeitszeit. Gerade dieses phantasmagorische Auseinan-
dertreten von realem Inhalt und abstrakter Form als Gegenstnd-
lichkeit, die als solche nur im Gehirn der Menschen existiert, 
verweist aber darauf, da dieses Gedankending, diese Hieroglyphe 
der real vergangenen Arbeit, KEIN PRODUKT SUBJEKTIV BEWUTEN DEN-
KENS IST, sondern "SOZIALES GEDANKENDING", d. h. jedem subjektiven 
Denken VORAUSGESETZTES Gedankending, wie es auch Sohn-Rethel for-
muliert: "Whrend die Begriffe der Naturerkenntnis Denkabstraktio-
nen sind, ist der konomische Wertbegriff eine Realabstraktion. Er 
existiert zwar nirgends anders als im menschlichen Denken, er ent-
springt aber nicht aus dem Denken. Er ist unmittelbar gesell-
schaftlicher Natur, hat seinen Ursprung in der raumzeitlichen 
Sphre zwischenmenschlichen Verkehrs. Nicht die Personen erzeugen 
diese Abstraktion, sondern ihre Handlungen tun das ..." (Sohn-
Rethel 1973, S. 42). Freilich htte Sohn-Rethel "Wert" sagen sol-
len und nicht "Wertbegriff". Denn die Realabstraktion ist die Be-
handlung des Produkts als Wert-Ding, sein nur im Gehirn der Produ-
zenten so existierendes gesellschaftliches Dasein als phantasmago-
rische "geronnene Arbeitszeit", und dieses abstrakte Formdasein 
existiert in den Gehirnen ohne jedes bewute subjektive Denken 
"ber" diesen Gegenstand. Der Wertbegriff hingegen, wie er seit 
Aristoteles und besonders seit dem 18. Jahrhundert in der theore-
tischen Literatur verwendet wird, ist natrlich eine reine Denkab-
straktion, ein Produkt subjektiv bewuten Denkens "ber" das im 
praktischen gesellschaftlichen Leben vorgefundene Problem dieser 
Realabstraktion des Werts an jeder einzelnen Ware. Obwohl es 
schwer ist, diese Unterscheidung in der Argumentation streng 
durchzuhalten, ist dies jedoch ntig, um den Charakter der Realab-
straktion als dem subjektiven Denken immer schon vorausgesetztes 
"soziales Gedankending" wirklich zu begreifen.

Gerade diese Erkenntnis nun ist dem brgerlichen, "positiven" 
Denken vollends unertrglich, weil sie den verborgenen Kern und 
somit die Hinflligkeit, Bedingtheit, Unselbstndigkeit und Be-
wutlosigkeit der ABSTRAKTEN BRGERLICHEN SUBJEKTIVITT berhaupt 
aufdeckt und erbarmungslos preisgibt. Die Illusion dieser vom "ge-
genstndlichen Schein" der Warenform konstituierten und gleichzei-
tig verblendeten Subjektivitt ist es ja, da ihr eigenes Gesell-
schaftsverhltnis sich fr sie auflst in abstrakte subjektive 
WILLENSBEZIEHUNGEN auf DINGE. Diese abstrakte Subjektivitt, in 
Wirklichkeit das Bedingte und Hervorgebrachte, mu sich hartnckig 
miverstehen als das Unbedingte, Hervorbringende, Zugrundeliegen-
de, obwohl sie gerade dieses, nmlich die reale Gesellschaftlich-
keit ihrer eigenen Arbeit, nicht als Konkretes "hat", sondern es 
ihr bewutlos als tote, gegenstndlich erscheinende Abstraktion 
gegenbertritt. Der brgerliche "positive Geist" kennt daher ber-
haupt kein anderes als SUBJEKTIVES Denken, das sich auf "Gegen-
stnde" richtet und richtig oder falsch sein kann. Es mu ihm als 
Greuel und Verrcktheit erscheinen, da realer materieller Inhalt 
und abstrakte Form als Gedankending auseinanderfallen und dieses 
abstrakte, soziale Gedankending bermchtig seinem eigenen subjek-
tiven Denken immer schon vorausgesetzt sein soll, weil ihm damit 
das Gorgonenhaupt und die Verrcktheit seiner realen gesellschaft-
lichen Existenz schmerzhaft vor Augen tritt.

Wenn der Wert als abstrakte Form also Gedankending ist, so hat 
er doch gleichzeitig kein blo "ideelles" Dasein im gewhnlichen 
Sinne: erstens ist der von dieser Form getrennte INHALT selber 
kein Gedankending, sondern lebendiger materieller Proze, Arbeit; 
ebenso ist das Verhltnis der Produzenten untereinander, die ob-
jektiv zugrunde liegende gesellschaftliche Arbeitsteilung und auch 
ihre reale Beziehung aufeinander in der Zirkulationssphre ein MA-
TERIELLES Verhltnis. Die durch die Wertform vermittelte konomie 
ist also nicht etwa eine "Scheinkonomie", wie es einem vulgrpo-
sitivistischen Bewutsein erscheinen knnte, weil die abstrakte 
Wertform als solche nur ein Gedankending und "dinglicher Schein" 
ist. Da wirklich materiell gearbeitet und wirklich real ausge-
tauscht wird, reproduziert sich natrlich auch diese Gesellschaft 
materiell; die FORM der gegenseitigen Beziehung der gesellschaft-
lichen Arbeiten ist jedoch als abstrakte so nur in den Kpfen ent-
halten. Zweitens aber ist diese abstrakte Form des Werts als Ge-
dankending kein Produkt SUBJEKTIVEN Denkens, keine "Idee" im sub-
jektiv-reflektierenden Sinne, sondern "soziales Gedankending" und 
jedem subjektiven Rsonnement vorausgesetzt. Nicht umsonst ver-
weist Marx als Analogie auf die SPRACHE. Die grundlegenden AB-
STRAKTIONEN der Sprache, so die Kopula, sind gleichfalls zwar Ge-
dankendinge, jedoch nicht "ausgedacht" von subjektiver Bewutheit, 
sondern jeder Bewutheit schon immer vorausgesetzt; die Spur ihrer 
Genesis verliert sich im prhistorischen Proze der Menschwerdung 
aus tierischen Formen heraus. Der Unterschied ist freilich, da 
sich die Basis-Abstraktionen der Sprache den Menschen nicht ding-
lich darstellen, weswegen diese Analogie nur ein Stck weit trgt 
und daher von Marx nur kurz erwhnt wird.

Die zentrale Analogie in der Marxschen Darstellung des "dingli-
chen Scheins" und seiner Objektivitt, ebenso berhmt wie unbe-
griffen, ist der Begriff des FETISCH-Charakters der Ware: "Um da-
her eine Analogie zu finden, mssen wir in die Nebelregionen der 
religisen Welt flchten. Hier scheinen (!) die Produkte des 
menschlichen Kopfes mit eigenem Leben begabte, untereinander und 
mit den Menschen in Verhltnis stehende selbstndige Gestalten. So 
in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne 
ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie 
als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion 
unzertrennlich ist. Dieser Fetischcharakter der Warenwelt ent-
springt, wie die vorhergehende Analyse bereits gezeigt hat, aus 
dem eigentmlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, welche 
Waren produziert" (Marx 1965, S. 86 f).

Marx verweist hier auf die "religise Welt" berhaupt, und im 
weitesten Sinne ist diese Analogie auch zutreffend am schlagend-
sten freilich wird sie in einem engeren Sinne, nmlich bezogen auf 
Verhltnisse, in denen den Menschen BUCHSTBLICH ein von ihnen 
selbst hergestelltes totes Ding als eine gttliche Wesenheit "ent-
haltend" sich "darstellt", ganz wie fr das Dinglichkeits-Ver-
stndnis des Werts die (vergangene) Arbeit buchstblich in den 
Produkten "enthalten" sein soll. Solche Verhltnisse finden sich 
vor allem bei sogenannten "primitiven" Volksstmmen in Fetischen 
und Totems. Da Fetisch und Totem nicht dasselbe sind, spielt fr 
die Analogie zum Warenfetisch berhaupt keine Rolle, denn die ge-
sellschaftlich-fiktionale und gleichwohl objektive "Vergegenstnd-
lichung" von etwas zwar Materiellem, aber nicht wirklich Gegen-
stndlichem lt sich an diesen Beispielen gleichermaen aufzei-
gen. In seinem einschlgigen Standardwerk schreibt dazu Emile 
Durkheim: "Das Totem ist also vor allem ein SYMBOL ein MATERIELLER 
AUSDRUCK von ETWAS ANDEREM ... Es ist die Klansfahne; das Zeichen, 
mit dem sich die Klane voneinander unterscheiden; das sichtbare 
Zeichen ihrer Persnlichkeit; das Zeichen, das alle tragen, die 
zum Klan gehren: Menschen, Tiere und Dinge. Wenn es also sowohl 
das Symbol des Totems wie der Gesellschaft ist, bilden dann nicht 
Gott und die Gesellschaft eins? ... Der Gott des Klans, das Totem-
prinzip kann also nichts anderes als der Klan selber sein, aller-
dings VERGEGENSTNDLICHT und GEISTIG VORGESTELLT unter der sinn-
haften Form von Pflanzen- und Tiergattungen, die als Totem dienen" 
(Durkheim 1984, S. 284).

Der Struktur nach pat dieser Zusammenhang als Analogie ganz 
ausgezeichnet zu dem im Warenfetisch ausgedrckten Verhltnis. Um 
diese Struktur wirklich verstehen zu knnen, ist freilich abermals 
ein Rckgriff auf die Hegelsche Begriffswelt notwendig, in deren 
Terminologie sich alle beweglichen, in sich widersprchlichen, ge-
genstzliche Momente in einer Einheit zusammenfassenden "Gegen-
stnde" oder Verhltnisse unnachahmlich ausdrcken lassen. Fr un-
seren jetzigen Zweck handelt es sich um die Begriffe des "AN SICH" 
einerseits und des "FR SICH" oder "FR JEMAND" andererseits. Was 
das Totem an sich selber ist, ein sinnlicher Naturgegenstand und 
nichts sonst, ist es jedoch nicht FR den totemistischen Klan. Fr 
den Klan ist es viel mehr, nmlich "Ausdruck" oder "Darstellung" 
seiner selbst, seines blutsverwandtschaftlichen Vergemeinschaf-
tungs-Zusammenhangs. Dieses "Quidproquo" sagt also, da der Klan 
auf den bestimmten Naturgegenstand etwas PROJIZIERT, was zwar 
wirklich real da ist, nmlich seine menschliche Vergemeinschaf-
tung, jedoch FR IHN, den Klan, sich nicht als er selber darstel-
len kann, sondern "ausgedrckt" werden mu durch ETWAS ANDERES, 
ein sinnliches Ding, das dadurch "beseelt" erscheint. Der GRUND 
fr dieses Verhltnis ist KEIN SUBJEKTIVER, es handelt sich nicht 
um eine bewute Handlung, sondern das gesellschaftliche Verhltnis 
dieser Menschen verlangt und erzwingt durch seine eigene Struktur 
genau diese fiktionale "Vergegenstndlichung" seiner selbst, die 
gerade dadurch zu einer wirklichen materiellen Macht wird! Ganz 
hnliche Strukturen lassen sich bei anderen, pathologischen Formen 
des Fetischismus feststellen, so beim sexuellen Fetischismus. "An 
sich" tote Gegenstnde, Schuhe oder Wschestcke, stellen sich 
"fr" den Fetischisten als etwas anderes dar, als Ausdrcke seiner 
eigenen Sexualitt und deren fiktionale "Vergegenstndlichung" FR 
IHN. Dies geschieht jedoch nicht durch eine flschliche subjektive 
berlegung von ihm, ebensowenig durch einen irgendwann gefaten 
Entschlu. Es ist vielmehr ein "hinter seinem Rcken" hergestell-
tes reales Verhltnis, nmlich die ihm nicht bewute reale Ge-
schichte seiner sexuellen Entwicklung, die ihm dieses "Quidproquo" 
aufntigt.

Ebenso bei dem im Wert ausgedrckten gesellschaftlichen Verhlt-
nis. Der tatschliche materielle Grund des Werts ist die konkrete, 
lebendige Arbeit. Die wirkliche konkrete Arbeit IN IHRER GESELL-
SCHAFTLICHKEIT ist das wahre "AN SICH" des im Wert blo "ausge-
drckten" gesellschaftlichen Verhltnisses. Aber dieses wirkliche 
"AN SICH" ist als solches NICHT "FR" die privaten Warenproduzen-
ten. Die wirkliche gesellschaftliche Produktion der Individuen ist 
so nicht die IDENTITT eines "AN UND FR SICH". Das "an sich" der 
wirklich gesellschaftlichen Arbeit bleibt blo "OBJEKTIV", kann 
nicht als solches "fr" die Individuen erscheinen. "Fr" die Wa-
renproduzenten ergibt sich vielmehr NOTWENDIG der "gegenstndliche 
Schein", die "Phantasmagorie", der "Mystizismus" oder die "Mysti-
fikation" (alles Ausdrcke von Marx!), da die GESELLSCHAFTLICHE 
ALLGEMEINHEIT ihrer eigenen Arbeiten ein "AN SICH" der Produkte 
sei, eine DINGLICHE EIGENSCHAFT. Also der SCHEIN der zur Ding-Ei-
genschaft berhaupt "geronnenen" gesellschaftlichen Arbeit bzw. 
Arbeitszeit ist NICHT etwas im buchstblich-materiellen Sinne 
WIRKLICHES, kein wirkliches "an sich" der toten Produkte, sondern 
eben Schein - das gesellschaftliche PHANTOMBILD oder der "Reflex" 
der VERGANGENEN ARBEIT, die aber wirklich materiell DAGEWESEN sein 
mu, damit dieser phantomartige Reflex "fr" den Produzenten ent-
steht. FR DIE WARENPRODUZENTEN ist dieser Schein etwas Wirkli-
ches, in ihrem realen Verhalten zueinander, zu der AUER IHNEN 
existierenden, objektiv realen, aber nicht FR SIE konkreten Ge-
sellschaftlichkeit ihrer selbst - und insofern "REALER SCHEIN", 
ganz wie die Macht des Totems fr den Wilden realer Schein ist und 
die Sexualitt des Stckelschuhs fr den Sexualfetischisten. Marx 
sagt daher auch in der ersten Auflage des 'Kapital` ganz klar: 
"Die Verhltnisse der Privatarbeiter zur gesellschaftlichen Ge-
sammtarbeit VERGEGENSTNDLICHEN sich ihnen gegenber und existie-
ren daher fr sie (!!) in den FORMEN VON GEGENSTNDEN" (Marx 1984, 
S. 40, Hervorheb. Marx). "Fr sie" - nicht "an sich"! Auch hier 
wieder hat Marx in seiner Darstellung die Bedeutung der Hegelschen 
dialektischen Kategorien nicht explizit herausgearbeitet und so 
katastrophale Mideutungen im Kopf des gewhnlichen, im positivi-
stischen Denken befangenen Lesers geradezu vorausprogrammiert. 
Setzt man diesen Prpositionalausdruck "fr sie" systematisch in 
diesem Sinne ein, dann wird erst der tatschliche Sinn einiger 
Stellen bei Marx deutlich, die sonst zu groben Miverstndnissen 
herausfordern. So in der bekannten Stelle aus der gelufigen 4. 
Auflage des 'Kapital`, wo es heit: "Oder die Privatarbeiten bet-
tigen sich in der Tat erst als Glieder der gesellschaftlichen Ge-
samtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch die Arbeits-
produkte und vermittelst derselben die Produzenten versetzt. Den 
letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ih-
rer Privatarbeiten als das was sie sind, d. h. nicht als unmittel-
bar gesellschaftliche Verhltnisse der Personen in ihren Arbeiten 
selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhltnisse der Personen 
und gesellschaftliche Verhltnisse der Sachen" (Marx 1965, S. 87). 
Setzt man hier hinzu, da den Produzenten die gesellschaftlichen 
Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das erscheinen, was sie FR 
SIE wirklich sind, nmlich aufgrund ihres gesellschaftlichen, rea-
len Verhltnisses als "gesellschaftliche Verhltnisse der Sachen", 
dann ist der tatschliche Sinn vllig klar und in bereinstimmung 
mit dem Inhalt des Fetisch-Begriffs. Lt man dieses "Fr sie" je-
doch weg, dann knnte die Mideutung entstehen, da die Sachen es 
wirklich "an sich" haben, selbstndige "gesellschaftliche Bezie-
hungen" einzugehen; dies wrde freilich auf die mrchenhafte Al-
bernheit hinauslaufen, da die Waren als tote Produkte wirklich 
"an sich" selbstndige Wesen und Subjekte in einem buchstblichen 
Sinne wren!

Es wre jetzt nur noch zu klren, wie sich das bereits herausge-
arbeitete abstrakte Handeln der Produzenten in Beziehung zum Pro-
duktionsproze in diese nur "fr sie" existierende abstrakte, ge-
sellschaftlich-fiktionale "Gegenstndlichkeit" der vergangenen Ar-
beit als scheinbare, fr sie reale dingliche Produkt-Eigenschaft 
verwandelt und wie dieser dingliche Schein durch die ZIRKULATIONS-
SPHRE befestigt wird und den wahren Charakter des Vorgangs ver-
schleiert. Die Warenproduzenten produzieren gegenseitig freinan-
der, also gesellschaftlich, aber sie produzieren nicht miteinan-
der, sondern privat. Jeder Produzent arbeitet "fr sich" in einem 
rein technischen Sinne, jedoch gleichzeitig nicht "fr sich" im 
Sinne des herzustellenden Gebrauchswerts. Da er technisch fr 
sich (privat) arbeitet, jedoch sozial-konomisch fr andere (ge-
sellschaftlich), schlgt sich fr ihn als Abstraktionsproze sei-
ner eigenen Arbeit nieder, der sich auf das Produkt bertrgt. Der 
z.B. produzierte Tisch ist als solcher, als Tisch oder "an sich" 
nichts weiter als "ein ordinres sinnliches Ding" (Marx 1965, 
S. 85). Jedoch fr den Produzenten selber ist er dies nicht, kann 
es nicht sein. Da er den Tisch nicht zum eigenen ntzlichen Ge-
brauch hergestellt hat, ist er fr ihn kein Tisch, nicht das "or-
dinr sinnliche" Gebrauchswert-Ding, das er "an sich" selber ist. 
Was ist der Tisch aber dann "fr" den Produzenten? Dieser hat ge-
sellschaftlich gearbeitet, fr andere, aber nicht mit den anderen 
gemeinschaftlich. Diese Arbeit ist real vergangen, sie ist jedoch 
als gesellschaftliche gerade dasjenige, was objektiv das Gemein-
same, Vergesellschaftende im Verkehr der Produzenten untereinander 
nur sein kann. Fr den Produzenten stellt das "ordinr sinnliche" 
Gebrauchswert-Ding Tisch daher nichts anderes als ein abstraktes 
Arbeits-Ding dar, er projiziert praktisch seine eigene vergangene 
Arbeit als gesellschaftliche auf das Produkt - die vergangene Ar-
beit erscheint fr ihn als gesellschaftliches Phantombild am Pro-
dukt als dessen Eigenschaft, und nur in dieser Form nimmt er das 
Produkt fr sich wahr, weil es fr ihn nicht sinnlicher Gebrauchs-
wert ist. Freilich tut er dies so nicht bewut. Wir zeichnen hier 
analytisch einen Vorgang nach, wie er sich "hinter seinem Rcken" 
abspielt; die Produzenten knnen sich ber die Natur ihres gesell-
schaftlichen Handelns keine Rechenschaft abgeben: "Sie wissen es 
nicht, aber sie tun es". Der AUSTAUSCH selber oder der "Tauschakt" 
ist es, der im praktischen Handeln die fetischistische Natur der 
"Wertgegenstndlichkeit" verschleiert und im Bewutsein verfe-
stigt, statt sie zu offenbaren. Mte jeder Produzent ausdrcklich 
zwischen Produktion und Austausch bewut seine vergangene Arbeit 
als Phantom-Eigenschaft auf das Produkt projizieren, so wrde ihm 
die "Verrcktheit" dieses Vorgangs sofort ins Auge springen, der 
Fetisch lge offen als solcher da und wre also kein Fetisch mehr. 
Durchschaubar als bestimmtes gesellschaftliches Verhltnis, das 
die Fetischisierung der vergangenen Arbeit zur dinglichen Produkt-
eigenschaft OBJEKTIV NOTWENDIG erzeugt, wird das Wertverhltnis ja 
erst vom Standpunkt seiner KRITIK aus, d. h. bei hinreichender 
Entwicklung seines inneren Widerspruchs bis zur Krise der gesell-
schaftlichen Reproduktion und zunchst auch nur in wissenschaftli-
cher Form. Fr die im Wertverhltnis befangenen Produzenten jedoch 
stellt sich ihr Verhltnis natrlich berhaupt nicht analytisch 
aufgegliedert dar. Fr sie ist es ein unmittelbares Ganzes, das 
RESULTAT geht also immer schon unmittelbar in die VORAUSSETZUNG 
ein. Dieses Resultat aber ist die Fortentwicklung des Werts ber 
die erscheinende Wertform (der zweiten Ebene in der Zirkulation) 
hin zum GELD. Der Charakter des Warenfetischs verschleiert sich 
also fr den Produzenten dadurch, da er die Projektion vergange-
ner Arbeit auf das Produkt nicht als solche vornimmt, sondern sich 
in seinem Hirn bereits die fertige Geldform hineinmengt. Er sagt 
also nicht: ich projiziere die vergangene Arbeit als Phantombild 
auf das Produkt, wodurch diese vergangene Arbeit fr mich zur 
dinglichen Produkt-Eigenschaft "gerinnt". Er sagt vielmehr der 
Tisch ist "hundert Mark wert". Dem Wesen nach beinhalten beide 
Aussagen dasselbe, jedoch die zweite ist schon vom Standpunkt des 
Resultats aus formuliert und erscheint daher im Unterschied zur 
ersten als normal und "natrlich". Das hier einstweilen blo ide-
ell vorgestellte Geld (als Preisausdruck des Produkts) verschlei-
ert den fetischistischen Charakter des gesellschaftlichen Daseins 
vergangener Arbeit.

Im Austauschverhltnis zweier Waren manifestiert sich diese Ver-
schleierung dadurch, da die Wertabstraktion, die Projektion ver-
gangener Arbeit auf das Produkt im Hirn der Produzenten, "ber-
setzt" wird in ein Verhltnis real dinglicher Quantitten. Die 
"ordinr sinnliche" Qualitt der Waren gilt im Austauschverhltnis 
als blo abstrakte, vergangene Arbeit "verkrpernde" Quantitt. 
Dies geschieht dadurch, da die in QUIVALENTFORM stehende Ware 
jeweils "fr" den tauschenden Produzenten ihre NATURALFORM, ihre 
NATRLICHE MATERIE, zur Bildung der erscheinenden WERTFORM der an-
deren Ware "leiht". Indem aber die abstrakte Projektion vergange-
ner Arbeit der einen Ware durch die reale sinnlich-natrliche Ma-
terie der anderen Ware AUSGEDRCKT wird, erhlt das gesellschaft-
liche Phantombild der vergangenen Arbeit sinnliche Realitt und 
der abstrakte Wert, das "soziale Gedankending", wird im TAUSCHWERT 
wirklich zum realen Ding. Die natrliche Materie der in quiva-
lentform stehenden Ware ist "an sich" weiterhin nichts als das 
"ordinr sinnliche" Ding, aber "fr" die am Tauschakt beteiligten 
Menschen erhlt diese Materie eine von sich selber vllig ver-
schiedene Form und Funktion; sie "gilt" nicht als das, was sie "an 
sich" ist, sondern als "Verkrperung" abstrakt menschlicher, ge-
sellschaftlicher Arbeit, ohne da dieser Zusammenhang den Betei-
ligten bewut wre. "Fr sie" bettigen sich stattdessen im 
Tauschverhltnis wirklich "an sich" seiende dingliche Eigenschaf-
ten der Produkte! Dadurch, da die natrliche Materie der quiva-
lentform zum Wertausdruck ihres Gegenber wird, erscheint der Wert 
als Tauschwert berhaupt als eine quasi NATRLICHE Eigenschaft des 
Produkts. Freilich ist auch das einfache Austauschverhltnis zwei-
er Waren noch im rein analytischen Bereich angesiedelt. Erst indem 
ein bestimmtes Produkt "ausgesondert" wird als ALLGEMEINES QUIVA-
LENT, d. h. als gesellschaftlich fixiert und in der quivalentform 
fr alle anderen Waren festgehalten, kann sich der "dingliche 
Schein" endgltig befestigen und wir erreichen in der Analyse die 
Ebene der real vorgefundenen gesellschaftlichen Praxis. Das allge-
meine quivalent, das Geld, drckt fr jeden Tauschakt das 
"gemeinsame Dritte", die real vergangene gesellschaftliche Arbeit, 
durch ihre natrliche Materie (Gold) aus. "An sich" ist auch das 
Gold oder Geld nichts als ein "ordinr sinnliches Ding", aber 
"fr" die Produzenten wird es als allgemeines quivalent gerade in 
seiner natrlichen Materie zur "Materiatur gesellschaftlicher Ar-
beit" (Marx) und vollendet so den "dinglichen Schein": "Die ver-
mittelnde Bewegung verschwindet in ihrem eigenen Resultat und lt 
keine Spur zurck" (Marx 1965, S. 107). Wie fr den Klan sein ei-
genes gesellschaftliches Verhltnis dem subjektiven Einzelbewut-
sein immer schon als reale dingliche Macht des Totems uerlich 
gegenbertritt und jede Spur des Totem-Daseins als bloes "sozia-
les Gedankending" getilgt ist, so dem Warenproduzenten immer schon 
die reale dingliche Macht des Geldes in seiner gesellschaftlich-
"bersinnlich" gewordenen natrlichen Materie, die fr das jewei-
lige subjektive Bewutsein jede Spur der Konstituierung des Werts 
als "soziales Gedankending" ebenso ausgelscht hat Der Fetisch ist 
gerade dadurch Fetisch und reale Macht, da das PRAKTISCHE VER-
HLTNIS, dem er entspringt, in seiner BETTIGUNG eben dieses Ent-
sprungensein fr die daran Beteiligten verdunkelt, auslscht und 
so dem subjektiven Bewutsein unzugnglich macht. In der prakti-
schen Bettigung des Austauschs verschwindet die "an sich" zugrun-
deliegende Fetischisierung der vergangenen Arbeit zur dinglichen 
Eigenschaft und der "gegenstndliche Schein" wird als reale Ding-
lichkeit des Tauschwerts in der quivalentform bzw. im Geld unab-
weisbar.

Damit wre nun die Untersuchung soweit abgeschlossen und das 
Problem der "Wertgegenstndlichkeit" in seinen wesentlichen Aspek-
ten geklrt. Freilich hat uns diese Klrung zu einem Standpunkt 
gefhrt, der mit dem traditionellen "Marxismus", auch dem schein-
orthodoxen, kaum noch etwas gemein hat. Denn jetzt erst kann die 
Befangenheit des "Marxismus" in der nicht aufgelsten und berwun-
denen Wertkategorie in ihrer ganzen Tragweite begriffen werden. 
Diese Befangenheit, die sich hinter drren, unverstandenen Defini-
tions-Bestimmungen des Werts versteckt hat, geht ja soweit, da 
sich sogar die Spur einer expliziten Auseinandersetzung ber das 
Problem in der Geschichte des Marxismus fast nicht auffinden lt, 
sieht man von wenigen Ausnahmen wie dem verschollenen Rubin ab. 
Die weiter oben zitierte Klage ber die fehlende Auseinanderset-
zung um den Begriff der abstrakten Arbeit lt sich unschwer aus-
dehnen auf das Verstndnis der Wertkategorie berhaupt, die im 
marxistischen theoretischen Bewutsein fast genauso bewutlos vor-
ausgesetzt ist wie im brgerlichen. Welcher Natur dieses Un-Ver-
stndnis ist, kann denn auch selten explizit dingfest gemacht wer-
den, sondern mu sich aus dem bewutlosen Dasein der Wertkategorie 
in der marxistischen Literatur erschlieen. Ein expliziter Aus-
druck dieses bewutlosen theoretischen Daseins der Wertkategorie 
findet sich dankenswerterweise in der neueren Literatur bei dem 
schon mehrfach zitierten Dieter Wolf, der damit seine Verewigung 
der abstrakten Arbeit "krnt". "Materialist", der er ist, mu er 
sich energisch dagegen verwahren, "da der Wert in ein 'Gedanken-
ding` verwandelt wird im Sinne eines 'Gedachten, blo dem Bewut-
sein der Menschen Immanenten`; denn existierte der Wert nicht un-
abhngig vom Bewutsein der Menschen IN DEN ARBEITSPRODUKTEN 
SELBST (!!), insofern diese in ihrem Austauschverhltnis unterein-
ander gleichgesetzt werden, dann gbe es auch nicht den Sachver-
halt, da das, was die Waren sind, 'sie sachlich ... sein ... oder 
in ihren eigenen sachlichen Beziehungen zeigen ... mssen`. Wre 
der Wert ein 'Gedachtes` in Backhaus' Sinne, dann wre er nicht 
der 'blo gegenstndliche Reflex der so verausgabten Arbeit`. Wie 
sollte er sich auch im Verhltnis zweier Waren offenbaren, wenn er 
nicht in diesen Waren selbst existierte" (Wolf 1985, S. 132, Her-
vorheb. R. K.). An der einzelnen Ware soll dann fr Wolf der Wert 
als ein buchstblich real "Enthaltenes" sein Dasein "unsicht-
bar (!!) hinter der sachlichen Hlle ihres Gebrauchswerts verbor-
gen" (ebda, S. 133) fristen.

Kein Zweifel also, da der "Materialist" Wolf den Wert der ein-
zelnen Ware fr jenes buchstblich mitgebackene Brtchen, fr ein 
buchstbliches "Ding" hlt, das er sich freilich aberglubisch als 
an der einzelnen Ware "unsichtbar" denken mu, vergleichbar etwa 
der unsichtbaren "Seele", wie sie sich das religise Bewutsein 
als im physischen Krper buchstblich als "Hauch" etc. "enthalten" 
denkt. Dieser "Materialismus" kann also nur ein religiser genannt 
werden. Es ist offenbar, da Wolf ganz platt positivistisch denkt. 
Ein "Gedachtes" oder "Gedankending" ist fr ihn immer a priori ein 
Produkt SUBJEKTIVEN DENKENS, er kennt kein "soziales Gedanken-
ding", das durch bestimmte VERHLTNISSE produziert und dem jeweils 
einzelnen subjektiven Denken vorausgesetzt ist. Damit ergibt sich 
fr seinen "positiven Geist" das vertrackte Dilemma gegenseitiger 
Ausschlielichkeit von "Sein" und "Schein". Also "entweder" sitzt 
im Totem wirklich buchstblich der Stammesgeist als eine Art klei-
nes grnes Mnnchen - "oder" die "Wilden" tuschen sich eben sub-
jektiv und es knnte ihnen durch bloe "Aufklrung" dieses subjek-
tive "Hirngespinst'" ausgeredet werden! "Entweder" Stckelschuh 
und Damenschlpfer sind wirklich selbstndige sexuelle Wesen mit 
eigenen Sexualorganen - "oder" der Sexualfetischist tuscht sich 
eben subjektiv, vielleicht aufgrund eines Augenleidens, und kann 
auf seinen "Irrtum" ganz simpel aufmerksam gemacht werden! Wrde 
sich Wolf als "aufgeklrter" Positivist bei Totem und Sexualfeti-
schismus natrlich fr die "Aufklrung" des vermeintlichen subjek-
tiven, "Irrtums" entscheiden (statt den Schein als OBJEKTIV er-
zeugt durch ein wirkliches MATERIELLES VERHLTNIS zu begreifen, 
das fr eine Aufhebung dieses Scheins erst selber aufzuheben w-
re), so entscheidet er sich beim Wert, seinem eigenen Stammes-Fe-
tisch als in der Warenlogik befangener Denker, ebenso "natrlich" 
gerade umgekehrt fr die aberglubische, nicht-aufgeklrte Varian-
te, fr das buchstblich "enthaltene" kleine grne Mnnchen, das 
"unsichtbar" hinter der "sachlichen Hlle" hocken soll. Da der 
"Materialismus" Wolfs hier unmittelbar in ein quasi-religises Be-
wutsein umschlgt liegt, werttheoretisch gesehen, gerade daran, 
da er wie fast die gesamte bisherige Werttheorie (inklusive der 
marxistischen Marx-Interpretationen) nicht den primren bergang 
von der wirklichen materiellen Grundlage, der lebendigen Arbeit, 
zum Wert, sondern umgekehrt nur den sekundren bergang vom Wert 
zum Tauschwert (und Geld) im Auge hat; er befindet sich also von 
vornherein im Bannkreis der gesellschaftlichen Abstraktion und de-
ren Formwandel, ein Fehler, den er mit dem von ihm kritisierten 
Backhaus teilt und der ihm den Anschein der Berechtigung einer 
"materialistischen" Kritik an Backhaus verleiht. Denn wenn der 
Ausgangspunkt, der Wert (in der ersten Ebene des Wertform Be-
griffs, d. h. an der einzelnen Ware) ein bloes "Gedankending" 
ist, noch dazu ein subjektives, dann htten wir es tatschlich mit 
einer Hegelschen Inkarnation des Begriffs, einer Schpfung materi-
eller Welt aus dem reinen Gedanken zu tun. Wenn wir aber den Wert 
nicht bewutlos voraussetzen und daher auch nicht als Ausgangs-
punkt nehmen, sondern die lebendige Arbeit als wirkliche materi-
elle Grundlage in ihrer Formdifferenz zum Wert, dann verliert die 
Bestimmung des Werts als "soziales Gedankending", als reine ge-
sellschaftliche Formabstraktion, ihren vermeintlich "idealisti-
schen" Charakter, denn die Transformation von etwas vorausgesetz-
tem Materiellen in ein Gedankending ist als solche eine selbst im 
plattesten Sinne materialistische Bestimmung. Die Schwierigkeit, 
berhaupt den richtigen Anfang zu nehmen, rhrt aber offenbar von 
der bewutlosen, nicht-subjektiven Natur dieses "sozialen Gedan-
kendings" her, die durch die reale Dinglichkeit der von natrli-
cher Materie "ausgedrckten" quivalentform verschleiert wird.

Wolf hat also nicht die wirkliche Marxsche Entdeckung des "ding-
lichen Scheins" verstanden, sondern nur die brgerliche Werttheo-
rie von Smith und Ricardo bis zu ihrer letzten, bereits von Bailey 
aufgedeckten absurden Konsequenz in aller positivistischen Un-
schuld weitergefhrt und offen ausgesprochen, was dem gewhnlichen 
Marxismus blo implizit ist. Damit mu sich auch ein von Marx vl-
lig verschiedenes Verstndnis des Warenfetischismus ergeben, wie 
es allerdings tatschlich auch explizit in anderer schein-orthodo-
xer Literatur zu finden ist. So typisch etwa bei Sandkhler, in 
dessen Verstndnis es auf eine aufschlureiche Art Marx gelungen 
sein soll, die gesellschaftlichen Ursachen "... der Falschheit des 
Bewutseins und der Kategorien zu erklren ... Er lste das Rtsel 
des 'Fetischcharakters der Ware`. Der 'mystische Charakter der Wa-
re` entspringt - so Marx' Entdeckung - nicht aus ihrem Gebrauchs-
wert. DIE WARE VERWANDELT SICH ERST IM TAUSCH (!!) IN EIN 'BER-
SINNLICHES DING` ..." (Sandkhler 1973, S. 149, Hervorheb. R.K.)

Sohn-Rethel lt gren! Hier zeigt sich in aller Deutlichkeit, 
da die Sandkhlerschen und anderen "marxistischen" Attacken gegen 
Sohn-Rethel, weil dieser nicht von der Produktion, sondern von der 
Zirkulation ausgehe, blo ein Verwischen der eigenen Spuren sind. 
Der wirkliche Sinn des Marxschen Fetisch-Begriffs liegt darin, da 
die lebendige gesellschaftliche Arbeit selber im Bewutsein der 
Warenproduzenten zur "geronnenen" dinglichen Produkteigenschaft 
fetischisiert wird: "Dieser Fetischcharakter der Warenwelt ent-
springt ... aus dem eigentmlichen gesellschaftlichen Charakter 
der ARBEIT, welche Waren produziert" (Marx 1965, S. 87, Hervorheb. 
R. K.). Fr Sandkhler (und den "Marxismus" berhaupt) aber ent-
springt der Fetischcharakter der Ware keineswegs "der Arbeit, wel-
che Waren produziert" sondern vielmehr erst in den Markthandlun-
gen, in denen Waren getauscht werden - also der Zirkulation. Wh-
rend die Zirkulation, das Tauschverhltnis der Waren, durch die 
reale Dinglichkeit der quivalentform bei Marx die FETISCHISIERUNG 
DER ARBEIT gerade VERSCHLEIERT und die Konstituierung dieses Feti-
schismus im Bewutsein auslscht, wird bei Sandkhler u. Co. der 
Warenfetischismus im Austauschverhltnis erst ERZEUGT. Whrend 
Marx Bailey kritisiert, weil dieser sagt "Wert ist Eigenschaft der 
Dinge" (womit er sich in bereinstimmung mit der brgerlichen 
Werttheorie berhaupt, also auch derjenigen von Smith und Ricardo 
befindet) und zeigt, da diese Auffassung dem objektiven Schein 
entspringt, im dem sich "der gesellschaftliche Charakter der Ar-
beit als 'property` der Dinge 'darstellt` ...", sich ferner lustig 
darber macht, da "unser Fetischdiener" diesen "Schein als etwas 
Wirkliches nimmt" - mssen umgekehrt "Marxisten" wie Sandkhler 
und Wolf als ebensolche Fetischdiener ausdrcklich wie Bailey u. 
Co. am Charakter des Werts als buchstblicher "Eigenschaft" des 
Produkts festhalten, wie sie den Warenproduzenten objektiv er-
scheint, whrend der "falsche Schein" in vlliger Verkennung, Ab-
schwchung und Zurcknahme der Marxschen Argumentation nicht etwa 
damit bestimmt wird, da den Produzenten die vergangene Arbeit 
berhaupt als Eigenschaft des Produkts erscheint, sondern blo da-
mit, da diese "Eigenschaft" (die als buchstbliche berhaupt 
nicht angezweifelt wird!) ihnen als "natrliche" erscheine: "Daher 
entsteht der falsche Schein, da die Werteigenschaft, d. h. die 
gesellschaftliche Eigenschaft zugleich die natrliche Eigenschaft 
eines Dings ist. Nur dies und nichts anderes ist darunter zu ver-
stehen, da der Wert in einer verkehrten Gestalt erscheint" (Wolf 
1985, S. 134). Also nicht die ARBEIT erscheint als WERT "in einer 
verkehrten Gestalt", sondern der WERT als das bewutlos Vorausge-
setzte soll im Tauschwert bzw. Geld in "verkehrter Gestalt" er-
scheinen! Womit wir dann beim "wahren Wert" angelangt wren, der 
durch die Tcken der Zirkulationssphre "verschleiert" etc. wird 
und somit bei einer Auffassung, wie sie hartnckig Positivisten 
wie Becker, Joan Robinson u. a. Marx unterschieben wollen, um dann 
auf die Unhaltbarkeit oder sogar Sinnlosigkeit dieser untergescho-
benen Positionen verweisen zu knnen. Marx macht gerade diese 
schwache Differenz von (vermeintlich buchstblich realer) "gesell-
schaftlicher" Eigenschaft und (durch scheinhafte Verkehrung er-
zeugter) "natrlicher" Eigenschaft keineswegs auf, sondern spricht 
von "gesellschaftlichen Natureigenschaften dieser Dinge" (Marx 
1965, S. 86), wie sich im Gehirn der Produzenten die Gesellschaft-
lichkeit ihrer eigenen Arbeiten spiegelt. Marx zeigt also gerade 
auf, da der Fetischcharakter in der Erscheinung der vergangenen 
Arbeit als "geronnene" Produkt-Eigenschaft BERHAUPT besteht, 
nicht etwa blo in der Verkehrung einer "wirklichen" (gesell-
schaftlichen) Eigenschaft zu einer "natrlichen" Eigenschaft. 
Nicht ein bloer Zirkulations-Fetisch verschleiert den "wahren 
Wert", das "eigentliche" Dasein buchstblich "geronnener" Arbeit 
als Produkt-Eigenschaft, sondern das Erscheinen der vergangenen 
Arbeit berhaupt als "Eigenschaft" des Produkts ist selber der in 
der gesellschaftlichen Privat-PRODUKTION erzeugte Fetisch. Als 
quasinatrliche Eigenschaft des Produkts erscheint der Wert nur 
deshalb, weil er berhaupt als Eigenschaft erscheint und seine fe-
tischisierte Konstituierung in der Produktionssphre durch das re-
al dingliche Dasein des Tauschwerts als quivalentform in der Zir-
kulationssphre verschleiert wird. Hinter der verkrzten, den Wa-
renfetisch nicht wirklich durchbrechenden Lesart von Wolf und 
Sandkhler steht das historische Dasein des Marxismus als Theorie 
auf einem gesellschaftlichen Boden, auf dem der Wert noch nicht in 
seiner Entwicklung ausgeschpft ist: der breite Strom des westli-
chen sozialdemokratischen Reformismus einerseits und die stliche 
"sozialistische Warenproduktion" andererseits. Whrend fr Marx 
der Fetischismus "von der Warenproduktion unzertrennlich" ist, 
trennt der "Marxismus"  la Wolf und Sandkhler den Fetischcharak-
ter von der Warenkategorie als solcher ab und ordnet sich in die 
Illusion der alten Arbeiterbewegung ein, die den Fetisch ver-
scheucht glaubt nicht etwa durch AUFHEBUNG, sondern durch "BEWUTE 
ANWENDUNG" der Wertkategorie, was durch blo juristische 
Beseitigung des "Privateigentums" geschehen soll.

Kein Wunder, da auch die fortgeschrittenste brgerliche Theorie 
Marx durch die Brille dieses positivistischen "Marxismus" liest, 
freilich um gerade dadurch umso bequemer mit ihm fertigzuwerden. 
So hat Schumpeter in seiner unglaublich naiven Darstellung der 
Marxschen Theorie gleich zu Anfang nichts Eiligeres zu tun, als 
Marx von vornherein dessen zu entkleiden, was der Positivist fr 
"philosophische Macken" hlt und abwertend herzuziehen ber 
"... Marxens Philosophie, der wir uns am besten sogleich ein fr 
allemal entledigen" (Schumpeter 1980, S. 24). Die von den "Marxi-
sten" durchgngig ignorierte oder mangels Verstndnis nicht einge-
lste Forderung Lenins, Marx msse erst durch ein Verstndnis der 
Hegelschen Dialektik wirklich verstanden werden, kann dann 
leichtherzig abgetan werden: "Es ist kein Wunder, da seine deut-
schen und russischen Leser, durch Denkart und Schulung hnlich 
veranlagt, sich auf dieses Element strzten und es zum Haupt-
schlssel seines Systems machten. Ich halte dies fr einen Fehler 
und fr ein Unrecht gegenber Marxens wissenschaftlichen Fhigkei-
ten (!) ... Er liebte es, von seinem Hegelianismus Zeugnis abzule-
gen und die Hegelsche Ausdrucksweise zu gebrauchen. Das ist aber 
auch alles. Nirgends hat er die positive Wissenschaft an die Meta-
physik verraten" (Schumpeter, a.a.O., S. 25). Indem Schumpeter 
Marx der "Hegelschen Ausdrucksweise" entkleidet, wirft er natr-
lich auch die damit ausgedrckten Inhalte beiseite, insbesondere 
die Kritik der Wertkategorie, um ihn so zu seinesgleichen zu ma-
chen, zu einem ordinren Positivisten, der auf dieser Ebene dann 
"gewrdigt", aber auch als berholt abgekanzelt werden kann. Wenn 
Schumpeter sagt, da "... das harte Metall der Wirtschaftstheorie 
(!) in Marxens Bchern in ... einen Reichtum dampfender Phrasen 
eingetaucht" (ebda, S. 44) sei, dann meint er damit gerade die 
realen Mystifikationen der Warenproduktion, die er als theoreti-
sche "Metaphysik" und "Phraseologie" blo im Kopf von Marx ange-
siedelt glaubt, weil er die positiv im praktischen Leben vorgefun-
denen Mystifikationen der Warenform fr "natrlich" hlt und nicht 
als solche erkennt (vgl. dazu die Kritik an Weizscker weiter 
oben).

Hinsichtlich der Werttheorie kommt Schumpeter so fr die Ein-
schtzung der Marxschen Position zu einem sehr einfachen Resultat: 
"Marx hatte also einen Meister? Ja. Das wirkliche Verstndnis sei-
ner Wirtschaftslehre beginnt mit der Erkenntnis, da er als Theo-
retiker ein Schler Ricardos war (!) ... Seine Werttheorie ist die 
Ricardianische (!) ... Es bestehen sehr viele Unterschiede in der 
Ausdrucksweise, in der Deduktionsweise und in den soziologischen 
Schlufolgerungen; aber es besteht kein Unterschied im Theorem an 
sich (!) ... Sowohl Ricardo wie Marx sagen, da der Wert einer je-
den Ware . .. proportional zu der in ihr enthaltenen (!) Arbeit 
ist ... Marxens Argumente sind blo weniger hflich, weitschweifi-
ger und 'philosophischer` im schlimmsten Sinne des Wortes (!!) 
..." (Schumpeter, a.a.O., S. 44 ff.).

Zweifellos hat Schumpeter nicht vollkommen unrecht, wenn wir al-
le Umstnde bercksichtigen. Erstens kann er daran anknpfen, da 
Marx nicht alle Implikationen seiner theoretischen Entdeckungen 
auch explizit macht. Das liegt natrlich einmal an der Neuheit 
dieses theoretischen Ansatzes, der nicht auf einen Schlag und 
nicht von einem einzigen Menschen vllig aufgearbeitet und ausge-
feilt werden konnte, gleichzeitig aber auch daran, da die Impli-
kationen dieses Ansatzes den empirischen Zeitverhltnissen so weit 
vorauseilten, da sich daraus eine Spannung und ein gewisses Mi-
verhltnis ergeben mute die logisch-historische Kritik der Wert-
kategorie traf auf reale Verhltnisse, in denen diese Kategorie 
als Vergesellschaftungsschub noch im Aufstieg begriffen war. Zwei-
tens mute Marx an die vorhandene theoretische Situation anknp-
fen. Die Arbeitswerttheorie von Smith und Ricardo hatte zwei Pro-
blemstellungen hinterlassen, die ich als Wertform der ersten und 
zweiten Ebene bezeichnet habe, nmlich einmal das Problem des 
bergangs von der Arbeit zum Wert, zum anderen das Problem des 
bergangs vom Wert zu Tauschwert und Geld. Ricardo hatte weder die 
Formdifferenz von realer Arbeit und Wertgegenstndlichkeit geklrt 
noch das Geld aus den erscheinenden Formbestimmungen des Werts 
ber den Tauschwert systematisch abgeleitet. Das erste Problem war 
sozusagen nicht "zeitgem" in einer (erst heute zu Ende gehenden) 
Epoche, in der die praktische Kritik der Warenproduktion berhaupt 
noch nicht zur Debatte stand, whrend das zweite vom wirklichen 
Stand der Theorie her aktuell und brennend war. Marx mute in der 
einen oder anderen Weise an diese theoretisch-gesellschaftliche 
Situation anknpfen. Dies zeigt sich darin, da er das zweite Pro-
blem, die Ableitung des Geldes (und damit der Grundlage des Kapi-
tals) aus den Formbestimmungen des Tauschwerts systematisch und 
erschpfend geleistet hat, whrend die Ableitung und vor allem 
Darstellung des ersten, grundstzlichen Problems unvollstndig 
blieb (was auch die vielen Korrekturen zeigen) und im Fetisch-Ka-
pitel sowie ber das ganze Werk verstreuten Stellen ein quasi 
"exterritoriales" Dasein in der Marxschen theoretischen Landschaft 
fhrt. Die Schwierigkeit der Darstellung fhrte aus den genannten 
Grnden auch dazu, da Marx vielfach bezglich des Verhltnisses 
von Arbeit und Wert die Smith-Ricardosche Ausdrucksweise transpor-
tiert, die bei einem "buchstblichen" Verstndnis die gesamte Fe-
tisch-Analyse eliminiert und Marx zu einem simplen Ricardianer 
stempelt, der in seiner Konsequenz dem Verdikt Baileys und der 
spteren subjektiven Werttheorie verfallen wrde. Mit der Elimi-
nierung dessen, was Schumpeter fr nichts als "Hegelsche Aus-
drucksweise" und einen "Reichtum dampfender Phrasen" hlt, hat er 
auch den entscheidenden wert-kritischen Ansatz bei Marx liqui-
diert. Dies konnte umso leichter fallen, als die brgerliche Poli-
tische konomie sich seit langem von jeder objektiven Arbeitswert-
theorie abgewendet hat und diesen grundlegenden Teil der klassi-
schen brgerlichen Theorie von Smith und Ricardo vllig als Fremd-
krper behandelt und verleugnet. Fr das moderne theoretische Be-
wutsein konnte daher die Marxsche Arbeitswerttheorie unschwer mit 
der Ricardoschen in einen Topf geworfen und als fremd und "ber-
holt" behandelt werden. Drittens aber kann sich Schumpeter darauf 
sttzen, da die gesamte "marxistische" Interpretationsgeschichte 
in ihren verschiedenen Spielarten selber tatschlich dieser br-
gerlichen Lesart entsprach und in ihrem Verstndnis bis heute 
nicht ber die bewutlose Ricardosche Identifizierung von Arbeit 
und Wert hinausgekommen ist. Die groen Debatten der marxistischen 
Theoriegeschichte, so etwa die Auseinandersetzungen ber Monopol- 
Imperialismustheorie, aber auch zur Krisentheorie, haben insgesamt 
den Horizont der blo letztlich quantitativen Fragen des erschei-
nenden Tauschwerts nicht berschritten, weil nie die Analyse und 
Kritik der Wertabstraktion selber zur Debatte stand, sondern immer 
nur deren jeweilige gesellschaftliche Entwicklungsform und das 
"Einwirken" der marxistischen Parteien etc. darauf. Dies entsprach 
den realen Bedrfnissen einer Arbeiterbewegung, die selber noch 
ein Entwicklungsmoment des Wertverhltnisses war und, wie ich ein-
gangs gezeigt habe, ihre Kritik auf den Mehrwert und das "Wertge-
setz" ("blinder Markt") beschrnkte, ohne die zugrundeliegende 
Wertkategorie als solche anzutasten. Die "sozialistische Politik" 
auf dem bewutlos vorausgesetzten Boden des Wertverhltnisses be-
durfte einer wirklich ber Ricardo hinausgehenden "Arbeitswert-
theorie" ebensowenig wie die "sozialistische Warenproduktion" des 
unseligen "Realsozialismus". Natrlich konnte die alte Arbeiterbe-
wegung nicht etwa deswegen nicht ber Ricardo hinauskommen, weil 
ihre Theoretiker unfhig gewesen wren, Marx richtig zu verstehen. 
Umgekehrt. Eben weil der gesellschaftliche Boden fr die Aufhebung 
der Wertabstraktion noch nicht entwickelt war, mute in der Theo-
rie das Verstndnis der Marxschen Kritik des Werts selber verkrzt 
bleiben; die marxistische Theorie hat mehr an der Smith-Ricardo-
schen Ausdrucksweise bei Marx angeknpft als an einer fundamenta-
len Wertkritik. So hat Schumpeter insofern nicht unrecht, als er 
das wirkliche Dasein des Marxismus der letzten hundert Jahre offen 
ausspricht. Dies mag den verschiedenen "Marxisten" nicht schmek-
ken, aber sie knnen sich aus dieser Kennzeichnung nur jesuitisch 
herauswinden. Das Ironische der heutigen Situation besteht gerade 
darin, da mit der Krise des Kapitalismus zusammen auch die Krise 
des "Marxismus" gekommen ist. Dies erklrt sich daraus, da die 
jetzige und groenteils noch bevorstehende gesellschaftliche Krise 
eine Krise der Wertvergesellschaftung selber ist, auf die das ver-
krzte Instrumentarium des alten Arbeiterbewegungs-Marxismus keine 
Antwort mehr geben kann. Die historisch aktuelle Aufgabe ist die 
theoretische und praktische Vorbereitung einer Revolution, die den 
Wert und dait das Geld liquidiert. Alles andere ist nur noch 
theoretischer und ideologischer Schrott. Die eigentliche Bombe als 
Kern des Marxschen Werkes, sein brisantes Vermchtnis an die Zu-
kunft, mu erst noch gezndet werden. <>


ANMERKUNGEN

   (1)Die Kette einschlgiger Auffassungen ist lang. Sie beginnt 
mit Bernstein, der die Marxsche Werttheorie blo  neben" der 
Grenznutzenschule als  gleichrangig" gelten lassen wollte, und 
hrt sicher noch nicht mit Baran/Sweezy auf, die in ihrem  Mono-
polkapital" (deutsch 1967) auf die Marxsche Werttheorie glaubten 
 verzichten" zu mssen, um den  gewandelten Realitten" des  or-
ganisierten Kapitalismus" Rechnung zu tragen. Explizit oder zu-
mindest implizit hat die faktische Irrelevanz der fundamentalen 
Werttheorie fr den Nachkriegs-Marxismus diesen immer mehr in ei-
ne Variante des flachen Linkskeynesianismus (Dobb, Robinson u.a.) 
verwandelt (vgl. dazu Deutschmann 1973).
   (2)Der Ausdruck  politizistisch" ist bewut als Gegenpol zum 
inflationren  konomismus"-Vorwurf gewhlt, der lngst seine re-
lative Berechtigung eingebt hat und zum Kampfmittel eines  so-
ziologistisch" verplatteten akademischen Marxismus geworden ist, 
der mit diesem allzu billig gewordenen Schlachtruf jeden funda-
mental wertkritischen Ansatz abwehrt im Rahmen seiner reformisti-
schen Konzepte (typisch in dieser Hinsicht die Position von 
J. Hirsch; vergl. Hirsch/Roth 1986). Im Rahmen dieser Arbeit kann 
auf dieses Problem nicht weiter eingegangen werden.
   (3)Der westdeutsche Neo-Marxismus der Neuen Linken macht hier 
keine Ausnahme. Gerade in der BRD lassen sich die Versuche, eine 
Rekonstruktion der Marxschen Kritik der politischen konomie vom 
werttheoretischen Fundament aus systematisch zu leisten, an einer 
Hand abzhlen (Reichelt, Backhaus etwa). Das Scheitern dieser 
Versuche ist m.E. auf das oben angesprochene  politizistische" 
Klima im verkrzten Theoriebildungsproze der Neuen Linken inner-
halb wie auerhalb der Universitt zurckzufhren.
   (4)Lenin nannte die deutsche Kriegswirtschaft  Staatskapitalis-
mus" und hielt solche konomische Form auf dem Boden Rulands 
keineswegs zu Unrecht fr einen groen gesellschaftlichen Fort-
schritt in Richtung Industrialisierung und  Modernisierung".  Den 
 sozialistischen Inhalt" freilich glaubte er rein uerlich durch 
das abstrakte politische Vorzeichen quasi  garantiert", eine 
Grundlage (oder besser ein Ausgangspunkt) fr die sptere Ideolo-
giebildung in der Sowjetunion:  Der Staatskapitalismus steht KO-
NOMISCH (Hervorheb. Lenin) unvergleichlich hher als unsere jet-
zige Wirtschaftsweise, das zum ersten. Zweitens aber hat er 
nichts Schreckliches fr die Sowjetmacht an sich, denn der Sow-
jetstaat ist ein Staat, in dem die Macht der Arbeiter und der ar-
men Bauern gesichert ist" (Lenin 1978, S. 331). Der Verweis auf 
die soziale Ausgangsbasis des  Sowjetstaats" erhlt hier schon 
den Charakter einer Beschwrung gegen die geahnten Mchte einer 
neuen, sich herausbildenden Reproduktionsstruktur mit kapitali-
stischem Inhalt, die eben nicht von einer entgegengesetzten 
 politischen Macht" beliebig als  Instrument" eingesetzt werden 
kann. Immerhin unterscheidet Lenin hier noch klar zwischen  Sow-
jetstaat" einerseits und  Staatskapitalismus" (auch in Ruland) 
andererseits; d.h. er nennt nicht  Planung" auf dem Boden der 
Wertkategorie umstandslos  Sozialismus".
   (5)Zum  Substanz"-Begriff vgl. ausfhrlich weiter unten im 5. 
Abschnitt.
   (6)Womit nichts prinzipielles gegen eine auch mathematische 
Ausleuchtung gesellschaftlicher Probleme ausgesagt werden soll. 
Aber in der zunehmenden  Mathematisierung" nicht nur der brger-
lichen, rein funktionell reduzierten, sondern auch der  marxisti-
schen" politischen konomie" (forciert von sowjetischen und nicht 
zuletzt japanischen Autoren) werden die inhaltlichen, seit langem 
ungelsten Probleme der Wertform zugedeckt und ebenfalls funktio-
nell reduziert einer formalen Scheinlsung zugefhrt. Dieses Vor-
gehen hat die Wertkategorie nicht minder zur blinden Vorausset-
zung als die brgerliche  Volkswirtschaftslehre".
   (7) Es ist mglich, da die konkrete Arbeit, deren Resultat sie 
(die Ware, R.K.) ist, keine Spur an ihr zurcklt. Bei der Manu-
fakturware bleibt diese Spur in der Form, die dem Rohmaterial u-
erlich bleibt. In dem Ackerbau etc., wenn die Form, die die Wa-
re, z.B. Weizen, Ochs usw., erhalten haben, auch Produkt mensch-
licher Arbeit, und zwar von Generation zu Generation vererbter 
und sich ergnzender Arbeit ist, so ist das dem Produkt nicht an-
zusehen. Bei anderer industrieller Arbeit liegt es gar nicht im 
Zweck der Arbeit, die Form des Dings zu ndern, sondern nur seine 
Ortsbestimmung. Z.B., wenn eine Ware von China nach England ge-
bracht wird etc., so ist die Spur der Arbeit an dem Ding selbst 
nicht zu erkennen (auer bei denen, die sich erinnern, da das 
Ding kein englisches Produkt ist). Also in der Art wre das Mate-
rialisieren der Arbeit in der Ware nicht zu verstehen. (Hier 
kommt die Tuschung daher, da sich ein gesellschaftliches Ver-
hltnis in der Form eines Dings darstellt)" (Marx 1965 b, 
S. 141 f.).
   (8)Natrlich ist diese Ignoranz nicht etwa auf subjektives Un-
vermgen zurckzufhren. Solange sich die Arbeiterbewegung selber 
noch als Moment, und zwar als vorwrtstreibendes, der brgerli-
chen Entwicklung entfalten mute, solange konnte sich auch der 
 Marxismus" auf diesen gesellschaftlichen Grundlagen nicht ber 
die eingangs genannten flachen definitorischen Bestimmungen erhe-
ben. Weitergehende theoretische Antworten wurden nicht gegeben, 
weil es historisch gar keine weitergehende FRAGE gab, weil die 
Wertkategorie noch nicht als objektive Zerstrungspotenz zum aku-
ten Problem wurde. Probleme resultierten eher noch aus der MAN-
GELNDEN DURCHSETZUNG der Wertform, aus den Hemmnissen ihrer Ent-
wicklung. Inzwischen haben sich die Verhltnisse gendert, der 
Wert tritt in seiner destruktiven und krisenhaften Potenz offen 
hervor. Aber die  marxistische" Theorie verharrt noch immer in 
ihrem vorigen Zustand,
   (9)Das Zitat selber stammt aus Lenins Hegel-Konspekt (Lenin 
1971, S. 91). Es zeigt nur ein weiteres Mal, wie die besten Theo-
retiker der alten Arbeiterbewegung  berschieende" Momente hat-
ten, die vom Durchschnitts- Marxismus" bis heute nicht eingeholt 
worden sind.
  (10) Franklin ist sich nicht bewut, da, indem er den Wert al-
ler Dinge  in Arbeit` schtzt, er von der Verschiedenheit der 
Ausgetauschten Arbeiten abstrahiert - und sie so auf gleiche 
menschliche Arbeit reduziert. Was er nicht wei, sagt er jedoch." 
(Marx 1965, S. 65).
  (11)Die Crux dieser Schein-Orthodoxie ist es, da sie sich in 
bereinstimmung bringen mu mit den unbegriffenen Resultaten der 
alten Arbeiterbewegung, speziell der nachholenden brgerlichen 
Entwicklung im  Realsozialismus". Der Warenfetisch mu heuchle-
risch geleugnet werden fr eine Gesellschaft, die gleichwohl noch 
auf abstrakter Arbeit, Wert und Geld beruht.
  (12)Die Zirkulation drngt sich nicht nur dem Alltagsbewut-
sein, sondern selbst vielen vermeintlich  materialistischen" 
Theoretikern als Ausgangspunkt auf, weil sie tatschlich in der 
erscheinenden Oberflchenrealitt als Voraussetzung auftritt, ob-
wohl sie logisch nur Resultat ist.
  (13)Sohn-Rethel wre auch zu entgegnen, da die menschliche Ab-
straktionsfhigkeit schlechthin, die auch die Basis des wissen-
schaftlichen Denkens ist (wie es sich seit der Antike herausge-
bildet hat), bereits mit der Sprache gegeben ist. Spezifisch fr 
die Herausbildung des wissenschaftlichen Denkens hingegen knnte 
die Entstehung der ,,Substanz"-Abstraktion sein, deren Wider-
spruch, zugleich als  Zugrundeliegendes" das  Hervorbringende" zu 
sein und ebenso aber das Starre,  Unvernderliche", den gesell-
schaftlichen Widerspruch der Warenlogik widerspiegelt (vgl. etwa 
die Herausbildung eines abstrakten Gottesbegriffs). Dieser Wider-
spruch im  Substanz"-Begriff wre aber erkennbar eine Widerspie-
gelung des Widerspruchs der gesellschaftlichen ARBEIT in der Wa-
renform, im Gegensatz zu Sohn-Rethels Insistieren auf den blo 
zirkulativen Widerspruch von Gebrauchs- und Tauschhandlung.



Literaturliste

(Es wurden nur direkt im Text erwhnte Titel aufgenommen)

 1.     Althusser 1973: Louis Althusser, Marxismus und Ideologie, Ber-
	lin 1973 

 2.     Arndt 1985: Andreas Arndt, Karl Marx - Versuch ber den Zusam-
	menhang seiner Theorie, Bochum 1985

 3.     Backhaus 1969: Hans-Georg Backhaus, Zur Dialektik der Wert-
	form, in Alfred Schmidt (Hrsg), Beitrge zur marxistischen Er-
	kenntnistheorie, Frankfurt 1969

 4.     Backhaus 1978: Hans-Georg Backhaus, Materialien zur Rekon-
	struktion der Marxschen Werttheorie 3, in: Gesellschaft, Bei-
	trge zur Marxschen Theorie 11, Frankfurt 1978

 5.     Becker 1972: Werner Becker, Kritik der Marxschen Wertlehre, 
	Hamburg 1972 

 6.     Bernstein 1923: Eduard Bernstein, Der Sozialismus einst und 
	jetzt, Berlin 1923

 7.     Brand, Kotzias, Sandkhler u. a. 1976: P. Brand, N. Kotzias, 
	H. J. Sandkhler u. a., Der autonome Intellekt - Alfred Sohn-
	Rethels "kritische" Liquidierung der marxistischen Dialektik 
	und Erkenntnistheorie, Frankfurt 1976

 8.     Bucharin/Preobrashensky 1921: N. Bucharin, E. Preobrashensky, 
	Das ABC des Kommunismus, Hamburg 1921

 9.     Deutschmann 1973: Christoph Deutschmann, Der linke Keynesia-
	nismus, Frankfurt 1973

10.     Durkheim 1984: Emile Durkheim, Die elementaren Formen des re-
	ligisen Lebens, Frankfurt 1984 (Originalausgabe Paris 1968)

11.     Grebing 1962: Helga Grebing, Geschichte der deutschen Partei-
	en, Wiesbaden 1962

12.     Hegel 1969: G. W. F. Hegel, Wissenschaft der Logik Bd. 1, 
	Frankfurt 1969

13.     Hilferding 1974: Rudolf Hilferding, das Finanzkapital, Frank-
	furt/Kln 1974

14.     Hirsch/Roth 1986: Joachim Hirsch, Roland Roth, Das neue Ge-
	sicht des Kapitalismus - Vom Fordismus zum Postfordismus,
	Hamburg 1986

15.     Hoffmeister 1955: Johannes Hoffmeister, Wrterbuch der philo-
	sophischen Begriffe, Hamburg 1955

16.     Krause 1979: Ulrich Krause, Geld und abstrakte Arbeit, Frank-
	furt/New York 1979

17.     Kuczynski 1967: Jrgen Kuczynski, Die Entstehung der Arbeiter-
	klasse, Mnchen 1967

18.     Lenin 1970: LW 21, Berlin 1970

19.     Lenin 1971: LW 38, Berlin 1971

20.     Lenin 1978: LW 27, Berlin 1978

21.     Marx 1965: Karl Marx, Das Kapital Bd 1, Berlin 1965

22.     Marx 1965 b: Karl Marx, Theorien ber den Mehrwert, MEW 26.1, 
	Berlin 1965

23.     Marx 1968: Karl Marx, Zur Kritik der Politischen konomie 
	(1859), Berlin 1968

24.     Marx 1968 b: Karl Marx, Theorien ber den Mehrwert, MEW 26.3, 
	Berlin 1968

25.     Marx 1974: Karl Marx, Grundrisse der Kritik der Politischen 
	konomie, Berlin 1974 

26.     Marx 1984: Karl Marx, Das Kapital (Urfassung von 1867), Re-
	print Hildesheim 1984 

27.     Neurath 1919: Otto Neurath, Durch die Kriegswirtschaft zur Na-
	turalwirtschaft, Mnchen 1919

28.     Nutzinger/Wolfstetter 1974: H. G. Nutzinger, E. Wolfstetter 
	(Hrsg.), Die Marxsche Theorie und ihre Kritik, Eine Textsamm-
	lung zur Kritik der Politischen konomie Bd. 2, Frankfurt 1974 

29.     Pranckel 1985: Peter Pranckel, Anmerkungen zur Marxschen Wert-
	theorie, Bochum 1985 

30.     Rosdolsky 1968: Roman Rosdolsky, Zur Entstehungsgeschichte des 
	Marxschen 'Kapital`, Frankfurt 1968

31.     Rubin 1973: I.I. Rubin, Studien zur Marxschen Werttheorie 
	(1924), Frankfurt 1973

32.     Sandkhler 1973: Hans Jrg Sandkhler, Praxis und Geschichts-
	bewutsein, Frankfurt 1973 

33.     Schumpeter 1980: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialis-
	mus und Demokratie (1942), Mnchen 1980

34.     Sohn-Rethel 1971: Alfred Sohn-Rethel, Materialistische Er-
	kenntniskritik und Vergesellschaftung der Arbeit, Berlin 1971

35.     Sohn-Rethel 1973: Alfred Sohn-Rethel, Geistige und krperliche 
	Arbeit, Frankfurt 1973 

36.     Steinvorth 1983: Ulrich Steinvorth, Stationen der politischen 
	Theorie, Stuttgart 1983 

37.     Tnnies 1979: Ferdinand Tnnies, Gemeinschaft und Gesellschaft 
	(1887), Darmstadt 1979 

38.     Weber 1985: Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft - Grundri 
	der verstehenden Soziologie (1922), Tbingen 1985

39.     Wolf 1985: Dieter Wolf, Ware und Geld, Hamburg 1985

